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>Menn David mit dem Saitenspiel kam- wich, der Geist sagte sie tonlos. „Und unser Dttvid — das war Lotte Wölflin!"
^ _ „Mutting, ich habe auch, mit Lotte gesprochen. Sie M-llte mir das alles nicht glauben. Sie lachte mich aus, als sagte: „D«u bist die einzige, die Gewalt über Papa hat!" Wenn sie nicht zu Tante Trautwein müßte, sie käme gleich mit."
Sie sprachen von Lotte.
„Ich sie hat etwas so Eigenes an sich. Es geht wie ein strller Frieden von ihr aus, etwas, was man nicht be. schreiben kann. Wenn sie lacht, klingt ein dunkler Ton mit. Das ist wohl das Andenken an ihren Baker. Und man darf nie davon sprechen. Ilse sagte mir, er ist verunglückt. Es muß wohl sehr schrecklich, gewesen sein."
Da wehte es weiß in den Büschen. Die drei Mädchen kamen gesprungen, große Schürzen um und goldgelbe und trefdunkle Pflaumen darin.
„Wir waren oben auf den Bäumen! Ja, wirklich —, mitten drauf! Der alte Kaczmarek hat uns die Leiter gehalten," jauchzte Trude, „da gondelte eine nach der andern rauf. Oh, was war das aber schön! Und ich habe mir daber die Hosen zerrissen."
„Sie dürfen uns nicht bei der Polizei anzeigen, Frau Baronin. Das alles habe ich für Väterchen Ladenburg zusammengestohlen. Den Raub gebe ich nicht heraus," rief Lotte lachend und öffnete die volle Schürze.
Da war mit einem Schlage wieder heller Sonnenschein unter dem alten Holunder, und es zwitscherte wie im ersten Frühling. Der Freifrau schnitt das ins Herz.
Abend vor der Abreise bat der Freiherr Lotte Wolflrn um einen letzten Spaziergang in den Park Es war nach einem wonnigen Herbsttage. Die Lust war weich und mild und lag in einem dunklen Blau in den Bäumen und Sträuchern.
„Liebes Kind/ sagte Rothkirch mit leise schwankender Stimme. „Nun gehen Sie wirklich fort und lassen uns Wer zurück Sie wissen nicht, wie Sie uns mit Ihrem Besuche beschenkt haben, mich und alle."
Da wehrte Lotte heftig ab.
„Wir haben doch nur genommen, Herr Baron, liebe, ^rche Gastfreundschaft, tausenderlei kleine und große Güte. Es tvar so wunderbar schön hier auf Bronin. Es ist mir, als weftn"^ niU Cin ^"äiger langer warmer Sommertag ge^
Ä7ir in einziger warmer Sömmertag," wiederholte Rothkirch leise. „Und was werden Sie nun treiben?" fragte er unvermittelt. ^
, r "KA.fängt die Arbeit an. Ohne Arbeit kann ich nicht leben. Mein ganzes Leben war Arbeit und das meines Bruders. Wir waren immer fleißige Menschen."
Sie mußte ihm von den letzten Jahren erzählen Er fragte nach dem Kleinsten, bis ihre Seele ganz klar und durchsichtig vor ihm lag.
„Und so sind Sie Sie beide, recht glücklich geworden? Immer recht glücklich?"
„Ja, Herr Baron, das können wir wohl sagen- Wir waren recht glücklich, und auch Erich hat in seinem Berufe alles gefunden, wovon er von klein auf geträumt hat "
Da griff er aus einem überquellenden Gefühl nach ihren beiden Händen. '
_ Sie glücklich, mein Kind, und kommen Sie
bald, bald wieder!"
Es war so wohlig warm, daß man auf der Veranda, sitzen konnte. Zum Abschied waren bunte Lampions auf- geyangt und die Tafel trug eine wundervolle Blumenlast. Waldemar und Schmettau waren da, Tschammer und Herr v. Saar. Frau Nataly hatte dem Abend mit banger Sorge entgegengesehen. Aber sie sah keinen Kopf hängen. Das Jungvolk war wie immer, ja noch viel ausgelassener als sonst, als wollte man noch einmal eine kurze Bilanz der ganzen Sommerlust ziehen. Als Rothkirch mit Lotte Wolslin zurückkam, klangen ihnen die Gläser entgegen Aus den Augen des Freiherrn strahlte eine helle Zufriedenheit, und Frau Nataly wußte nicht, wie ihr war, als er in einer frischen, von kleinen Neckereien durchsetzten Abschiedsrede den drei Mädchen ein Lebewohl zurief.
_ • Susi ergriff die unerwartete Stimmung des Vaters beim Schopfe und hatte nach drei Minuten die Reise nach dem Süden in der Tasche.
-.Aber nur bis zum Reichstagsanfang l Ich will euch den
mit^mir gehen^^ "iitgehen. Hernach müßt ihr aber auch
ueigte sich mit warmer Zärtlichkeit zu seiner stillen Gattin und druckte ihr die Hand.
„Nicht wahr, Tilchen? Ihr kommt dann mit nach Berlin. Wir haben den Charlottenburgern Bronin und Umgegend gezeigt, jetzt sollen uns Ladenburgs und Wölflins einmal Berlni und seine .Herrlichkeiten zeigen. Einverstanden?"
Da klangen die Gläser zusammen.
„Auf Wiedersehen in Berlin!"
dlur Schmettau saß still und brummte leise:
„Und tvas wird mit mir?"
W^demar Rothkirch war schon vorher unbemerkt davongeschlichen. Er saß auf einer Bank, tief hinten im sich hin " ^obf in die Hände gestützt, und schluchzte vor
14. Kapitel.
Der ungewohnt geräuschvoll verlaufene Sommer auf ^ronrn ließ in sämtlichen Mitgliedern der Familie Rothkirch aufkommen, die iiächsten Wochen in einer abgeschiedenen Stille zu verleben. In jedem klang etwas nach, was sich, erst abtönen mußte, selbst Eva, die Kleine, nicht ausgenommen. Ihr war schließlich auch, alles gleich, ^.er Gedanke, eine neue Welt und zum erstenmal den zaube- rischen Süden zu sehen, drängte jeden andern Wunsch in
Zurück. So kam es, daß man sich für die Mittagseite der Halbinsel Sorrent entschied und sich in einer wunderbaren weißen Villa zwischen den romantischen Felsen über Amalsi niederließ. Zu beiden Seiten und aufwärts üppige Weingärten mit Orangen- und Olivenbäumen; tief unten das unbeschreiblich tiefblaue, unendlich weite Meer.
Von Bronin war man in einem frostig-kalten Regenwetter abgefahren, und es hatte geregnet bis nach Genua. Aber die Seefahrt voii Genua nach Neapel war von einem prächtigen Sonnenschein begleitet, der nicht mehr verschwand, vielmehr mit jeder Stunde würziger und milder wurde. Waldemar v. Rothkirch lag den ganzen Tag auf Deck und ließ sich dort auch, für die Nacht ein warmes Lager zurechtbauen.
„Ich könnte in der Kabine nicht liegen. Ich muß in die Sterne sehen," sagte er.
Manchmal bereute er, nicht doch nach Meran gegangen zu sein, wie er ursprünglich wollte. Dort wäre er unter seinesgleichen gewesen, unter den Stiefkindern der Natur, denen die Tage zugemessen sind und wo einer am andern einen Trost sucht, denn es gibt in einem solchen Kveise immer noch Kranke, die schlimmer dastehen. Aber es zog ihn ein stiller Gedanke zu Susi.
Susanne war wohl die einzige, die ihn verstand. Einmal
ach, er hatte sich diesen wundersamen, traulichen Tag, den 24. August, gut gemerkt — hatte sie ein Wort hingeworfen, so leicht und harmlos, wie man oft ein Krümchen von der Frühstückstafel unter das lauernde Spatzenvolk wirst, ein Wort, das ihm für einen Augenblick, nein, nein, für immer und ewig eine Seligkeit vorzauberte, von der er nicht mehr lassen konnte.
„Wenn du wieder aesund bist, Waldi, dann mußt du dir einmal Lotte Wölflin näher ansehen. Ich glaube, ihr beide versteht euch. Wenigstens — wäre ich Waldemar Roth- kirch, ich wüßte, wer Lotte Wölflin ist." -
Damals war er vor Schreck fast in die Erde gesunken und vor Scham über sein Leiden, das ihn zum halbdn Menschen degradierte. Aber er bezwang den Sturm, d-en Susis Wort heraufbeschwor, und lenkte ängstlich von dem Thema ab.
Jetzt, wo er die warmen Lüfte des Mittelmeeres eiwog, wurde ihm das alles wieder lebendig. Seine Brust hob ich leicht und frei, und er meinte, ein andrer zu werdem
Hinter einer Hecke von Glyeinen und Rosen glaubte er Susis hellblaues Kleid zu sehen. Er rief ihr zu und richtete sich in der Hängematte, die er zwischen zwei! alten Johannisbrotbäumen ausgespannt hatte, hastig auf. Ein scharfer Hustenanfall warf ihn wieder zurück, und auf den schmalen Lippen fühlte er Blut, dies Mut aus seinem Innersten, vor dem er ein Grauen hatte. Da fühlte er sich von neuem auf den Tod verwundet und hoffnungslos elend. „Waldi?"
Ihm war es, als hörte er Lottes Stimme. Er suchte Susis Hand. Sie sah sein bleiches Gesicht und die grüw* lichblauen Aederchen auf den Augenlidern und wüßte, was er sagen wollte.
(Fortsetzung folgt.)


