Der blaue pnker.

Roman von El friede Schul-.

* (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

13. Kapitel.

Schloßpark von Bronin stand im ersten Herbst- '?> öen nohen Birkenkronen schimmerte ein fahles

Gelb, rn den Buchenwipfeln mengte sich ein leichtes Rot dazwischen, und der wilde Wein, der den ganzen Turmbau umsponneu hatte, flammte in Purpur. Am zweiten Sep­tember hatte man noch Sedan gefeiert, in dem großen Stil, kee auf Bronin uneder in Kurs gekommen war, mit Schlachtenmusik von den Gnesener Dragonern, Parkillumi- ^^tion und Feuerwerk am See.'Acht Tage darauf wurde das <uepärk der CharlottenburgerFerienkolonie", wie Walde- rnar bte Sommergäste genannt hatte, zum Bahnhof gefahren, und am Sonntag sollte ein Rothkirchsches Automobil die drei jungen Mädchen in die Heimat zurückbringen.

Es war wohl niemand auf Bronin, der gern an den Ab- schred dachte. Trude Ladenburg hatte Bater und Mutter vergessen und war in den neun Wochen mit der kleinen Eva fast verwachsen und gründlich verwildert. Die Unter­richtsstunden, die sie mit Eva unter der alten Rotbuche oder rm luftigen Gartensaal von Mademoiselle Fichu und Lotte Wölflin bekommen hatte, dünkten sie eine .Herrlichkeit gegen die Stubenhockerei in den Mauern ihres Charlotten­burger Lyzeums.. Sie tonnte nicht begreifen, warum das alles nnt einem Mal ein Ende haben sollte. Hätte man sie gefragt, sie wäre noch lange geblieben.

Und hätte man Schwester Ilse gefragt, nun war sie doch aus Bronm heimisch geworden, seitdem der junge Bernward v. Schmettau jede Woche mindestens zweimal von semen Gütern Solkowko und Grzezmin herüberkam, ein Junker vorn alten, derben Schlage, grob und gewalttätig gegen Untenstehende, heftig gegen den Mann, aber von einer seltsamen Weichheit und Rücksichtnahme gegen das weibliche Geschlecht, offen und ehrlich gegen die Freunde, rücksichts­los und verschlagen in Geschäften, die er als Kriegszustand bezeichnete eine merkwürdige Mischung von ronrantischer Wildheit, slawischer Biegsamkeit und germanischer Kraft. Sern Stammbaum sah auch kunterbunt aus, und es war manches Reis darunter, das ein anderer am liebsten ver­steckt hätte. Bernward v. Schmettau lvar stolz darauf.Nur recue ewige Leier!" Pflegte er zu sagen, und brachte auch ernen abenteuerlichen Wechsel in sein Leben.

Ilse Ladenburg staunte sobald über nichts, aber der lunge Schmettau fesselte sie vom ersten Tage. Das war Blut von ihrem Blut. Hier blühte ihr ein Leben in eiiiev romantrschen Abart aiif. In der Sedannacht, als die Funken- garben des Feuerwerks über den See schleuderten, hatte Schmetten sich an das junge Mädchen heran gepirscht und

sie fest an der Hand gefaßt, wie sie allein in einem Winkel träumend stand.

Sie sind der einzige Kerl hier in dem Schwarm, vor dem ich Respekt habe, gnädiges Fräulein!"

Sie auch!" erwiderte sie kürz und entwand sich in einem unerklärlichen Gefühl seinem Händedruck. Aber er ergriff sie am Arm und faßte ihre beiden Hände und drückte einen brennenden Kuß darauf. Da ging ihr ein glüheirder: Strom über das Herz, und sie hätte sich von diesem Wild-, ling alles gefallen lassen, wären nicht Rothkirch und der schöne Albert in die Szene getreten.

Und jetzt hieß es fort? Sie stemmte sich verzweifelt gegen diese Vorstellung. Aber es half nichts. Lotte Wölflin wäre, nicht nur ihr zuliebe, ja gern auch noch geblieben. Aber am fünfzebnten September tvar der Geburtstag des Vaters. Der fand die kleine Familie immer an dem kleinen Mederwiesenthaler Grabe versammelt. Gestern hatte Erich geschrieben: -»Eben mit Ladenburg den letzten Punkt hinter die Broniner Pläne gesetzt. Nun komm bald !"

Mit einem stummen Grauen sah Frau Nataly in die nächste Zukunft. Ein unerklärliches Wunder hatte den Frep, Herrn neu aufgerichtet. Keiner hatte an solch ein Wunder glauben wollen. Aber sie sahen es' von Tag zu Tag wirken, und der alte Tschammer berichtete der Gutsherrin treulich alle die Kleinigkeiten aus Hof und /Feld, die er mit dem Baron erlebte, wie ein Arzt die laufenden Genesungs-' rapporte gibt. Ueber Bronin war die Sonne neu auf-^ gegangen.

Seit der Tag der Abreise festgesetzt war, sah die Frei­frau schon die kalte Abenddämmerung in den Zweigen des herbstlichen Varkes hängen. Eines Tages fand sie Susanne aus ihrem Lieblingsplätzchen hinter den schwarzbeerigen Holunderbüschen, Tränen im Auge. Die Mutter brauchte nicht zu fragen. Müde sagte sie:

Jetzt kommt der Winter über Bronin, Kind. Was nun?"

Suse warf sich an ihre Brust und schluchzte:

Muttin g, was für ein Unglück verfolgt uns? Ich finde mich nicht mehr zurecht. Papa ist auf das Feld ge* ritten, als der Morgen noch graute, still und mürrisch, nicht wie sonst. Mümmri-Kathrin sagte es mir ganz vev-, zweifelt. Er hat sie grob angefahren, als sie ihm in den Weg kam. Jetzt säugt es wieder von vorn an?"

Dann raffte sie sich auf.

Wir müssen uns wehren, Mutting. Das Schreckliche pars nicht mehr wiederkommen. Auf Bronin wird überall gebaut. Ich habe mit Saar gesprochen. Dazu brauchen sie Papa nicht. Es geht alles nad) den Plänen von selber. Wir wollen Papa bitten, daß er mit uns nach dem Süden geht, ehe wieder alles aus ist, nach Sorrent oder Nervi. Mein Gott, ich muß immer an den alten König Saul denken, über den der böse Geist kam. Und an David so »ist es mit Papa."

Frau v. Rothkirch träumte vor sich bin.