Ausgabe 
16.8.1915
 
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ordentlich beweglich irrtb leicht zu lenken, hatte es über dein. Kiel einen verborgenen Raum, der jetzt mit Munition gefüllt war, während Hugh Edwards fouft hier allerlei Schmuggelware wus^rstapeln pflegte. An Backbord wie an Steuerbord waren außerdem je zwei 8,8 Zentimeter-Geschütze so gut eingebcntt, bah nur eine sehr genaue Untersuchung wie man eine solche kaum Au fürchten hatte sie ans Licht bringen konnte., Trotz ihrer Kleinheit besaßen diese Geschütze eine gute Tnrch- schlagskraft. Ein einziges Vollgeschoß tonnte für ein Untersee­boot vollständig ausreichen.

Die Besatzung desOld King John" bestand, abgesehen von Kapitän Hugh Edwards und dem ersten Steuermann, Charles Parker, aus nur zuverlässigen Leuten, die alle in die Pläne des Alten eingeweiht waren und von ihm durch reichliche Whisky- vationen stets in guter Laune erhalten wurden.

Schon seit einer Woche kreuzte Edwards im St. Georgs- Kanal, südlich der Irischen See, obne irgendeine Spur vom Feind zu sehen, als ein kleiner Schaden am Ruder ihn zwang, in Swansea zu landen. Die Reparatur dauerte nur 3 Tage, und während dieser Zeit stolperte der alte Kapitän von einer Branntweinschenke zur anderen. Er war Tag und Nacht bis mr den Hals mit Alkohol gefüllt, und in seinem Rausch renommierte er laut mit den Heldentaten, die er auszuführen gedachte. Er fcntd überall begeisterte Zuhörer, ganz besonders aber hatte er es einem jungen Burschen angetan, den er schon am ersten Tag imGoldenen Anker", dicht am Hafen, traf. Jener nannte sich Jimmy Dalbrook, ließ durchblicken, daß zwar seine Papiere nicht recht stimmten, er aber darauf brenne, germanischen Piraten das Handwerk zu legen, und folgte dem Kapitän und dessen Steuermmln wie ein Schatten. Da er ein kräftiger Mensch war, ein großer, starker Kerl mit einem Wald von flachsblondem !Haar auf dem Scheitel und im Gesicht, und gelegentliche fach­männische Unterhaltungen erkennen ließen, daß er in der Navi­gation eines Segelschiffes gut Bescheid wußte, hatte der Kapitän! nichts dagegen, daß Jimmy mtt ihm an Bord kam. Ein paar Hände mehr konnten auf keinen Fall etwas schaden, sondern! nur von Nutzen sein.

Jimmy Dalbrook erwies sich in der Tat als ein recht brauch­barer Mensch, der noch dazu, wenn er sonst nichts zu tun hatte, voller Schnurren steckte. Kein Wunder, daß er in seiner freien

f eit ständig in der Kapitänskajüte saß und mehr und mehr zum iebling des Alten wurde, bis ein Vorfall einttat, der ihm ganz plötzlich die Maske vom Gesicht riß.

Eines Morgens erschien ein Matrose, dessen Hängematte neben der von Jimmy ding, aufgeregt beim Kapitän und be­richtete, Jimmy habe im Schlafe deutsch gesprochen. Hugh Edwards wollte das erst nicht glauben, aber der Mann schwur hoch uttbl teuer, er könne sich nicht getäuscht haben. Er verstehe zwar das Deutsche nicht, doch habe er es am Klang und Tonfall erkannt. Der erste Steuermann wurde geholt, die drei berieten, und dann sandten sie nach dem Verdächtigen. Zwei Mann standen bereit und packten ihn sofort, als er eintrat. Er wehrte sich nicht lange und ließ es zu, daß man ihn durchsuchte. In seinem Rockfutter eingenäht fanden sich in einem wasserdichten Umschlag Schiffs­papiere, die auf den Namen Mels Grote aus Husum, Matrose im Dienst der deutschen Kriegsmarine, lauteten. Der Gefangene gab, ohne eine Wintper zu bewegen, zu, daß er dieser Mels Grote sei. Er hatte zur Besatzung eines Unterseeboots gehört, das von einem brittschen Handelsschiff, welches unter dänischer Flagge fuhr, meuchlings zusammengeschossen worden war. Alle Mann waren ertrunken, nur er hatte unter größten Gefahren und Beschwerden das Land erreicht. Er kam nach Swansea und traf dort, schon am ersten Tag den Kapitän. Sofort, als er hörte, was dieser vorhabe, faßte er den Entschluß, mit ihm an Bord zu gehen und seine Pläne zunichte zu machen, oder aber, wenn ihm das nicht gelingen sollte, bei passender Gelegenheit als Zeuge gegen ihn und gegen die britische Handelsmarine überhaupt auf-? zutreten.

Hugh Edwards schäumte vor Wut. Er »vollte den Husumer sofort niederschießen, aber der Steuermann hielt ihn davon ab. Sie kamen überein, ihn vorläufig in Eisen zu legen und ihn dann bei der nächsten Landung der Marincbehörde abzuliefern. Diese würde nicht nur wissen, wie sie mit solchen Burschen zu ver­fahren babe, sie wußte jedenfalls auch seine Gefangennahme tnU sprechend zu belohnen. Eine Viertelstunde später lag Niels Grote im Kielraum und dann hatten sie auf demOld King John" keine Zeit mehr, sich mtt ihm abzugeben, denn sie mußten sehen, wie sie mtt dem Schiff fertig wurden.

Schon seit Stunden webte eine steife Brise aus West-Süd-West, und mehr und mehr »vurde diese zu einem Sturm.

Man war gezwungen, nach und nach alle Segel zu bergen, und bis der Abend kam, mußte man auch das Vor-Untermars- segel, das Edwards hatte noch immer steheil lassen, um Fahrt zu behalten, einziehen. Der Kapttän ließ den Sturmklüver setzen und das kleine SturmLesan, so daß derOld King John" sich mit der Breitseite gegen den Wind einstellte, der ihn langsam! weitersckob. Der Gaffelschuner hatte eine wilde Nacht zu be­stehen. die für jedes weniger gut gebaute Schiff wohl die letzte gewesen wäre.

Unter dem sternlosen Himmel, an dem sich gewaltige Wolken- manern türmten, jagten sich die schtoarzgrünen Wogen in breiten

Reihen, über denen die weißen Gischkämme sprühten. Ununter­brochen flammten die Blitze herab in breiten Feucrbränden, die den ganzen Gesichtskreis in schwefelgelbe Fluten tauchten, und dre Donnerschläge rollten wie das Geschützfeuer einer ungeheuren Schlacht. Pfeifend heulte der Sturm über die weite Fläche und warf eine Wellenmauer nach der anderen gegen die Breitseite desOld King John", der sich jedesmal so weit niederlegte, daß die Wasser wie eine Sturzflut über sein Teck fegten. Abev immer wieder richtete der Gaffelschuner, der in allen Fugen krachte, sich ächzend und stöhnend auf. Der Kreuzmast splitterte mit lautem Getöse und flog vom Mars bis zur 'Royalstenge über Bord. Er nahm einen Teil der Reeling an Backbord mit und drei Leute, die dort festgebunden »varen. Niemand hatte Zeit, srch um die Unglücklichen zu kümmern. Es gab auch etwas anderes, was gerade in diesem Augenblick das ganze Interesse des Kapitäns und seiner Mannschaft in Anspruch nahm.

Die ganze Benannung desOld King John" war seit Auf­bruch des Sturmes mn Deck. Die Leute waren in ihren Teer- mänteln und Südwestern bis auf die Haut durchnäßt, aber der Kapitän duldete nicht, daß auch nur einer hinnnterging, uw jeden Augenblick alle bei der Hand zu haben. Als der Kreuzmast brach, neigte sich das Schiff soweit nach Backbord 'über, daß Hugh Edwards eben für alle Fälle die Boote klar machen lassen wollte, als sein Blick zufällig nach Norden fiel. Es war die Zeit, da der Orkan seinen Höhepunkt erreicht hatte. Die Blitze ließen! sich nicht mehr voneinander unterscheiden, der ganze Himmel war ohne Unterbrechung in ein flackerndes Feuer getaucht und das brandende Meer taghell erleuchtet.

Da sah der Kapitän in einer Entfernung von höchstens fünfhundert Metern ein Unterseeboot. Es kämpfte schwer mtt den Wogen, aber es schob sich langsam vorwärts.

Der alte Edwards schrie laut auf und sein Schreien und Ge­stikulieren .machte auch die anderen auf den Feind aufmerksam. Bald spähten alle nur noch da hinüber; das Boot nahm! jetzt ihr ganzes Interesse in Anspruch, UM so mjchr, als der SturM adzuflauen begann. Doch noch ttnimer war er sehr stark und der Old Kin«g John" tanzte wie ein Stück Holz auf den Welken, so daß lnün nicht daran denken konnte, ihn zu dirigieren, oder gar das Unterseeboot anzugreifan. Das Keine Fahrzeug wurde bewunderns- würdig gesteuert. Man hatte da drüben den Gaffelschuner ebenfalls entdeckt, und nun fing der winzige eiserne Fisch an, ihn in toeitem Biogen zu umgreifen, so wie ein Raubvogel um seine Beute kreist, ehe er sich auf sie stürzt. Winid und Wogen schienen, das Boot nicht zu genieren, und nun hißte es auch noch die deutsche Kriegs- flagge.

Ter Sturm! wurde schwächer und schwächer, und als ein trüber Morgen über das eisengraue Meer heraufzog, »vehte nur noch eine leichte Brise ans Südwest. Sobald es anging, liefen die Matrosen die Wanten hinauf, an den Rahen blähten sich die grangelben Segel. Ter Kapitän wollte das Schiff sofort manövrierfähig haben, um das Unterseeboot so schnell als möglich anzugreifen. Ec hätte jetzt bereits feuern können, wenn der Feind nicht schlau im Kiel­wasser desOld King John" gehalten hätte. Jetzt beizudrehen, um ihn vor die Breitseite zu bekommen, wäre ihm wohl sofort ver­dächtig gewesen. Der Gaffelschuner hätte unter Umständen sofort ein Torpedo in den Bauch bekoMnien Es schien dem alten Fuchs, der schon im Geiste mit den Sovereigns klimperte, ratsamer, zu­nächst ein freundliches Gesicht zu zeigen, und so karn! es, daß am Heck desOld King John" sehr bald das Sternenbanner im kühlen Morgenwind flatterte. Edwards rieb sich schlau die Hände. Das' Unterseeboot würde sich wohl hüten., auf ein Schiff zu feuern, das die Flagge der Vereinigten Staaten trug. Merkten die Deutschen, wen sie vor sich hatten, so War es bereits zu spat für sie.

Mährend dieser ganzen Zeit lag Niels Grote im 1 Kielraum des Schiffes und keine Seele kümmerte sich um ihn. An Händen! und Füßen gefesselt, vermochte er sich nicht zu rühren, wie ein Ball flog er »nährend des Sturmes von einer Seite auf die andere, und als es endlich ruhiger wurde, da hatte er ein Gefühl, als seien ihn: alle Knochen int Leibe zerschmettert. Nun versuchte er, sich ettoas aufzurichten. Es gelang ihm, aber vergebens »vollte er mit den gefesselten .Hcutden das Blut von de»: Augen wischen, das ihm aus ein paar Kopfwunden libers Gesicht lief. Damit kaut er nicht zurecht.

Da wurde plötzlich die Luke über ihm aufgestoßen und helles Tageslicht flutete in den finsteren Raum. Kapitän Hugh Edivards kam herab, gefolgt von Fred Koldwey, der eine»: Revolver trug uitd eine Laterne, die er auf den Blöden stellte.

Wenn er sich rührt, oder einen Laut von sich gibt, jagst du ihin alle sechs Kugeln zwischen die Rippen," sagte der Kapitän, ohne den Gefangenen eines Blickes zu würdigen, uird stieg »nieder hinauf. Ter Teckel fiel krachend zu, die beibcit waren allein.

Erst redete keiner eilt Wort in dem engen, dunklen. Raunt. Die flackernde Petrolcuntlampe zeichnete lange Schatten auf die schwärzten, geteerten Spanten uitd draußen plätscherte leise das Wasser an die Schiffsioaud. Dann hörte man viele Schritte in der Höhe.

Jetzt ist der deutsche Kapitän da," sagte Fred Koldivey, dem die Ruhe kangiveilig wurde. Niels Grote blinzelte ihlt alls seinen blutverklebten Augen fragend an.Was ist's'?" sagte er.

,-Sprich nicht laut," sprach der Matrose drohend und fuchtelte mit dem Revolver.Wir .haben ein deutsches Unterseeboot"