Ausgabe 
12.8.1915
 
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nur von Kugeln und von den starren und so viel kürzeren Nadeln ! DaS Roßhaar als wandernder Körperbewohner ist eine interessante Neubeobachtung aus diesen: Gebiete.

* $te Atemlust in den Unterseebooten. Es ist erklärlich, daß in den engen Unterseebooten, wenn sie längere Zeit unter Wasser gefahren sind, die den Mannschaften zur Verfügung stehende Aimungslust verbraucht und dafür die Atmosphäre mit der ausgealmeten Kohlensäure geschwängert ist. Da eine Zu­führung frischer Luft von außen und eine Abführung der Kohlen­säure nach außen aber unter Wasser völlig unmöglich ist, würden unsere tapferen Matrosen in Erstickungsgefahr geraten, wenn eS nicht gelingen würde, die Sauerstoffzufuhr und die Kohlensäure- abgabe zu regeln. DaS Ideal wäre erreicht, wenn eS ein Mittel gäbe, das beiden Zwecken zugleich diente. Ein solches glaubte man schon lange, bevor es Unterseeboote gab, in einem chemischen Stoff, dem N a t r i u m p e r o x y d, gefunden zu haben. Dieses gtbt, mit Kohlensäure zusammengebracht, Sauerstoff ab, indem es die Kohlensäure verzehrt. Auf diese Weise könnte also ein mit Kohlen­säure besetzter Atcmraum in einen sauerstoffreichen automatisch um­gewandelt werden. Aber der Entdecker dieser Eigenschaft deS Natriumperoxyds, Prof. Dr. Georg Kaßner, konnte, wie er in der .Umschau-ausführt, alsbald sestslellen, daß sich in der Praxis diesem Vorgang Schwierigkeiten entgegenstetlen, da die ausgegtmete Kohlensäure nicht ausreicht, das Nalriuinperoxyd zur Erzeugung von Sauerstoff zu veranlassen. Um daher den Unterseebooten den für die Atmung nötigen Sauerstoff zuzuführen, bedient man sich des in Bomben gefüllten komprimierten Sauerstoffes, von denen man nach Bedürfnis entnimmt. Um die Atemlust aber hygienisch zu gestalten, ist noch die Kohlensäure zu beseitige«. Diese muß durch ein chemisches Mittel absorbiert werdet:. Dazu dient daS Aetz- natron. ES wird in: Unterseeboot in verteiltem Zustande in Patronen untergebracht, über die die verbrauchte Atemluft durch Ventilatoren getrieben wirb. Dabei absorbiert das Aetzuatron die Kohlensäure und wandelt sich in kohlensaures Natron oder Soda um. Aus diese Weise wird die Atmosphäre innerhalb der Unter­seeboote dauernd rein gehalten.

* Wie die englischen Soldaten ihre Lebens­mittel verschwenden. Jeder englische Soldat erhält, wie das .British Medical Jomnal" mitteilt, täglich eh: Pfund Fleisch. Ta dies mehr ist, als er zu seiner Ernährung bedarf, verkauft er sehr oft sogleich seine Nation. Aber er verschwendet auch die Lebens­mittel, inden: er das Ucberflüssige ohne weiteres in die ''Abfallkisten wirst. Die landwirtschaftlichen Betriebe, die in der Nähe der Lager sind, in denen die Truppen Lord Kitcheners geübt werden, wissen aus dieser Verschwendung der englischen Soldatei: ihren Vorteil zu ziehen. Sie verwenden nämlich die Speiseabsälle zur Ernährung ihres Viehes, besonders der Schiveine. Der Redakteur des »British Medical Journal", der die Nahrungsmittelverhältnisse und die Ver­schwendungssucht der englischen Soldaten studiert hat, fand ir: einem Schiveinekofen folgende Nahr:n:gs>i:ittel: ein Stück Käse, das ein halbes Pfund schwer war, ein großes Stück Schinken, viele Brote, Pasteten und Lebens,,,ittel jeder Art. Tie Menge der eßbare»: Gegenstände, die hier den Schiveinen vorgesetzt wareii, hätte ge- iiügt, einen erwachsenen Menschen für einige Tage mit Nahrung zu versehen! »Es ist eine traurige Ironie", sagt der Mitarbeiter der Zeitschrift, .daß man beim Militär eine solche unsinnige Ver­schwendung treibt, während die Ministerien nicht wiffeii, wie sie der Teuerung der Lebensmittel steuern sollen. Aerzte, die lauge Zeit in den Armenvierteln Londons oder anderer englischer Groß­städte gelebt und das unsägliche Elend der großen Blasse dort keimen gelernt haben, sind von dem Gegensatz dieser Verschivendung wie vor de,: Kops geschlagen und verlangen allgemein die Abstellung einer so unsinnigen Verschwendung/

'Reinekes K r i e g s s r e u d e n. Es ist gerade so, als ob er eS wüßte, der alte Spitzbube Reineke, daß ihm das Rauben und Gaunern gegenwärtig so leicht und gefahrlos gemacht ist! Wo er sonst bei der Ausübung seines unedlen Geiverbes nach Brigantenart die allergrößte Vorlicht walten und all seine ihm erb­lich überkommenen Ränke in Schlauheit spielen läßt, zeigt er sich Heuer in einer staunenswerten Unbefangenheit. Ganz gegen seine Gewohnheit, so schreibt uns ein Mitarbeiter aus dem Westerwald, kommt er jetzt häufig am Helle,: lichten Tage auö seinen Schlupf­winkeln in des Waldes tiefsten Gründen hervor, un: mit dem psifsigsten Gesicht durch die .Dörfer zu stolzieren m:d dort- das ahnungslose Volk der Hühner und der Gänse mit seiner allzu plötz­lichen Anwesenheit zu überraschen. Als ob er es wüßte, der listige Bruder Notrock, daß die Jäger mit dein Scl)ießgeivehr fernab weilen und in Gefilden pürfchen müssen, wo das Grauen herrscht, das kemen Gedanken an heimatliche Fuchsjagden duldet. Zu Dutzenden holt er sich daher, unbekümmert um Tag und Stunde, gefiederte Beute von den Höfen, so daß er es augenblicklich wahrlich nicht notrg hat. etwa einem törichten Raben >:achzuspüren, ih»r: durch schmeichlerische Redensarten ein Stückchen Käse abstenslig zu machen oder gar sich um hochhängende Trauben zu bemühe», die überdies beraimtltch stets scuuw sind. Niemand ist so sehr erklärter Freund von Krieg und Kriegsgeschrel ivie die Janiilie Dieinefe. Einzig ab- flejcijen davon, daß das eine oder andere ihrer Mitglieder geleaent- Lich unvorsichtigerweise einmal ins Eisen geht, hat sie nie zuvor Kv gute -rage geschaut wie ir: dieser sog.schweren Zeit".

F viichertisch.

Allgemei>:e Ziele der beiden Schriften- s o l g e nW e l t k u l t u r und W e l t p o l i t i K Unter diesem Sammeltitel beginnt eine deutsche und österreichische Schriitenkolge zu erscheinen: in: Verlag vor: F. Bruckmann A.-G. in München und herausgegeben für Oesterreich vom Wiener Jiislitut für Kultur­forschung und für Teutschlaiid von Ernst Jäckh. Tie beiden ersten Hefte veranscliaulichei: Sinn und Zweck: die österreichische Reihe beginnt mit einer Arbeit des Lemberger Professors T o n: a s ch i w s» k y j über .Die weltpolitische Bedeutung Galizien s- und die deutsche Reihe mit einer Studie des Freiburger Privat­dozenten und Bismarck-Biographen Dr. Valentin über »Belgien uilddie großePolitik derNeuzei t". ES sind also ge­schichtliche und politische Schriften, die in den durch der: Weltkrieg veranlaßten Fragen der Weltpolitik und Weltkultur Wege und Ziele zeigen sollen. Die alten Begriffe einer Weltherrschaft nach Eng­lands Willen sind il:s Wanken gebracht; neue Aufgaben sür eine deutsche Weltpolitik erhebe,: sich und neue Verpflichtunge» auch für eine Weltkultur. Da braucht das deutsche Bock eii: starkes Rüst­zeug, ein Rüstzeug des Wissens und des Wollen-; das ivill diese Sammlung .Weltkullur :mb Weltpolilik" schaffen: durch Männer der Geschichtsforschung, der Volkswirtschaft and der Politik. Daß diese jo notwendige Arbeit gemeinsam vo>: Deutschland und vo>: Oester:eich angesaßt wird, das bat feinen Grund nicht nur in einer gut angelegten Organisierung der geistigen Kräfte, sonderr: ins­besondere auch in der durch den gen'.einsamen Krieg geschaffenen Gemeinschaft des politischen Schicksals der beiden Kaiserreiche.

Der Völkerkrieg". Als ,vir in: vergangenen Winter an der Hand enMojer Einzelberichte die monatelang sich hin­ziel,enden Kämpfe un: die Karpathen-Täler ui:d »Pässe und in der Bukowina verfolgten, ivollte es uns nicht recht glücken, den äußeren und inneren Zusammenhang zu finden in den: Geivirr von un­aussprechbare,:, zum Teil auch uuausfindbaaen Namen. Heft 34 des »V ö l k e r k r i e g" (Verlag von Julius Hoffman',, Stuttgart) bringt unS nun klare, zusammensaffende Darstellungen dieser Kämpfe, die sich besonders um die Duklasenke und den USzokerPab drehten. Entsprechend den: in den Darstellungen des .Völkerkrieg" mit Ö3lücf angewendeten Plan werden die wichtigsten Abschnitte der Kämpfe dem Leser durch trefflich ausgewählte Einzelschilderungeu anschau­lich und lebendig gemacht. Der Schluß dieses Hestes und Heft 35 bringen die Kämpfe der Grenzschutztruppen in Ostpreußen u>:d die große W in t e r s ch l a ch t in Masuren. Neben den aus­führlichen Darstellungen aus dem Große,: Hauptquartier, die bei aller Sachlichkeit und Klarheit doch von soldatischer Frische durch­zogen sind, treten Schilderungen von Mitkämpfer», voi: denen die des Dichters Ernst Wolzogen sich besonders ansprechend lesen. Eine reizvolle Zugabe sind die .Episoden von de,: russische,: Kriegs­schauplätzen". die uns rührende Züge von soldatischer Tavferkeit, List, Kameradschaft und Hingabe, aber auch Herrliches von Bräuten und Müttern erzählen. Bei den glänzenden Taten, die aus dem östlichen Kriegsschauplatz geschehen sind, hat sich das Herz deS Volkes für die ruhmreichen Führer erwärmt, die echt deutschen Heldengestalten eines Hindenburg, Mackensen u. a. Mit besonderer Teilnabme liest man deshalb das Kapitel .Von den Fürsten und Heerführern der Verbündeten" und (in He't 36) den mit köstlichem Humor ausgestattetenBesuch bei Hindenburg". Auch in das russische Hauptquartier dürfen wir eine,: ziemlich interessanten Blick tun, und der ganze Abschnitt überdie russischen Kriegsschauplätze bis zur Winterschlacht in Masuren- findet mit der Darstellung der Verwaltung der von den Verbündeten besetzten Teile Russisch- Polens" seinen Abschluß. Die zahlreichen und sehr guten Bilder führen unS Truppen, Kämpfe, welthistorische Szenen und besonders auch die Fürsten und Heerführer vcr, deren Namen in aller Munde ist. Uebersichtskarten ergänzen, wie immer, die Darstellungen.

Gitter-Rätsel.

In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben

aaaa, d, eeee eeee ea e e, g, h h, i i i i i i, 1 1 1 1, nnnn, sss, tttfctt, zz

derart einzutragen, daß die senk­rechten und wagerechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben:

1. Einen Baun:.

2. Beliebten Vogel.

8. Eine Nedefigur.

Auflösung in nächster Nummer,

Auslösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Wer Reichtum hat und doch davon nicht spendet,

Und ihn auch zum Genießen nicht verwendet,

Der hat ihn gar nicht, gleicht den: Strohmann nur, Ter Korn bewacht für andre aus der Flur.

Schulleitung; Aug. G»etz. - Notalionsdruck und Verlag der Brühl'schen UniverMls-Bnch- und Lteindruclerei. 31 , S m e, ©lejjeifc'