Ausgabe 
4.8.1915
 
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Schreiben Sie sich nur diese Redensarten auf!" ant­wortete Moritz Gassel, in dem es kochte.Der Herr Kreis- schulinspektor Doktor Schrill wird Ihnen dafür dankbar sein!"

Das ist infam!" schrie der andere.

Wenn Sie's nur einsehen!" sagte Moritz Gassel trocken. Für gewöhnlich nennt man das Denunziation!"

Es ist mir ganz gleichgültig, wie Sie es nennen!" wich Kollege Littich aus.Ich halte es für meine Pflicht, Un- gehörigkeitcn meiner Vorgesetzten Behörde anzuzeigen. Für meine Berichte stehe ich mit meinem Namen und mit meiner Ehre ein."

Kunststück!" meinte Moritz Gassel.Ein Denunziant hat keine Ehre!"

Haben Sie die Absicht, mich zu beleidigen?" schrie der andere wütend.

Moritz Gassel schwieg, verschränkte die Arme und sah dem Eindringling kalten Blickes in die Augen.

Welche Meinung Sie über mich haben, ist mir übrigens gleichgültig!" fuhr er fort.Ich werde Ihnen aber beweisen, dag ich em anständiger Mensch bin. Sie haben mit dem Garten allerhand Auslagen gehabt. Ich bin nicht verpflichtet, Sie Ihnen zu ersetzen. Aber ich werde es tun. Für jeden Fruchtbaum biete ich Ihnen eine Mark und für die Bienen Volker"

Ersparen Sie sich die Mühe!" meinte Moritz Gassel ruhigIch verzichte auf den Beweis Ihrer Anständigkeit, ^ch uberlasse Ihnen den Garten und die Bienen ohne Geld. Denn ich komme in einem Jahre wieder hierher zurück!"

_ P e f der andere entrüstet.'Hierher zurück?

Das gibt's nicht. Ich bin fest angestellt. Ich werde mich schwer hüten, wieder auf die Wanderschaft zu gehen." unsicher ^ ^ 3 u f a 9 e! " erwiderte Moritz Gassel

Haben Sie's schriftlich?" höhnte der liebe Kollege. -Mo, was denken Sie sich eigentlich? Nehmen Sie das Geld und seren Sie zufrieden. Oder Sie kriegen überhaupt nichts!

Ich sehe!" sagte Moritz Gassel grimmig lächelnd.Daß Auen der Beweis ^hrer Anständigkeit recht schwer fällt. Anhalten Sie ^hre Groschen. Ich werde mir schon mein Recht suchen. Und nächstes Jahr komme ich wieder zurück ^n emem Jahre werden Sie ja nicht gleich alles in Grund und Boden gewirtschaftet haben. Und wenn Sie dann nicht gehen wollen, werde ich beim Herrn Kreisschulinspektor eiw- romn^'n, daß Sie nach einer Stelle versetzt werden, wo Sie fünfzig Mark mehr Grundgehalt kriegen."

Damit drehte er ihm den Rücken und ließ ihn stehen.

^9. mit hochrotem Kopfe ab und suchte Sebaldus Pohl auf, bei dem er sich nach Herzenslust sittlich entrüsten konnte. Die beiden kannten sich schon von früher fe- r traft l ecte f H sich gegenseitig mitHerr Kollege"^ belauerten sie sich gegenseitig, weil sie nun über- S Ä mußten, um bei Doktor Schrill fernerhin wohlgelitten zu sem. So wirkte die Erziehung zur Pflicht- L,.und sittlichen Reife, womit der Vue MfÄ

um L L ÄL ^ äU K"°rreck, um ihn

r Sie sich keine grauen Hcrare wachsen!" sprach

der zuversichtlich.Mir hat's der Regierungspräsident in d'e Hand versprochen, daß alles wieder ins al^ Gle^

wtr^ine N, aal e Lehrer nicht gehen, dann machen

wir eme Eingabe, daß wir ihn nicht mögen. Und ich will schon dafür sorgen, daß alle im Dorfe unterschreiben!"

Moritz Gassel gab sich damit vorderhand zufrieden wenn ihn auch die Angst nicht ganz verließt ° ' '

c r "Das Geld, was Sie da in den Boden gesteckt baden," f or r *' ^übernimmt einstweilen die Schnl- kasie. Und die Bienen stellen Sie so lange in den Park Der kann sie mit besorgen. Suchen Sie sich irgend einen Platz aus, der Ihnen am besten paßt."

T . Gassel nahm das Anerbieten dankbar an und

ll e % ^ übend die Bienenstöcke von zwei Dominialarbei- ber -ömspektor zur Verfügung gestellt hatte nn^^?^E^agen. Der Bienenschuppen wurde abgebrochen und dicht neben dem Gemüsegarten des Gutes wo der Bork 9 gehaltenen Obstbäumen und Büschs bestand hatten Keff* v brauchten die Bienen, dann

Leg erste AvrilUmgebung gewhhnt. Bald war oer erfte April da, und Moritz Gassel mußte Abschieh

nehmen. Der Inspektor hatte ihm einen Leiterwagen ge- stellt, auf den Moritz Gassel seine wenigen Habseligkeiten packte.

Dann ging er zum letzten Male ins Juspektorhaus, wo er zur Henkersmahlzeit eingeladen war. Sogar zwei Flaschen Wein standen auf dem Tische. Das war bei August Knorrech der keine Verschwendung liebte, schon sehr viel. Auch Hed­wig nahm daran teil.

Prosit, Herr Gassel!" sagte der Inspektor und stieß mit dem Auswanderer wider Willen an, der eine recht betrübte Miene aufgesetzt hatte.Glückliche Reise und frohes Wiedersehen!"

Moritz Gassel dankte.

Ach!" sagte er kleinlaut.Ich weiß noch immer nicht,- wo Kletzine liegt."

,Macht nichts!" tröstete ihn Thomas Hauschild, der den N^enbuhler nicht ohne innere Genugtuung scheiden jvh- galten Sie sich nur immer auf Domslau zu. BiH Groß-Wartenberg weiß der Knecht den Weg. Von da ab muffen Sie sich weiter fragen. Sie werden schon hinkoinmen." rti rr'/r«? Hutkommen ist mir nicht bange!" meinte Moritz Gassel bedrückt.Aber ums Herkommen!"

Jetzt nahm sich Frau Knorreck seiner an und spendete chm mutttrlichen Trost. Dann stand er auf und reichte jedem iroch einmal die Hand.

Als er zu Hedwig kam, die still und teilnahmslos da- gesessen hatte, stand sie aus und streckte ihm die Hand ent­gegen.

Ich wünsche Ihnen viel Glück!" sprach sie leise und erwiderte schwach seinen etwas hastigen Druck.Auf Wie­dersehen, Herr Gassel!"

Da stieg^ihm wieder der würgende Ball in die Kehle, daß er kein Wort herausbringen konnte. Wenn er nicht an ttchf Sehalten hätte, wären ihm die Augen voll Wasser ge-

Ich laß anspannen!" rief Thomas Hauschild, nahm die Mutze und lief hinaus.

Eine Viertelstunde später rollte der Leiterwagen das Dorf hinunter. Vor der Schule standen die Ander und starrten ihrem Lehrer nach, den sie gerne behalten hätten.

Adieu! Kinder!" rief Moritz Gassel vom Wagen her- un-^er.Wenn ihr recht artig und fleißig seid, komm ich übers Jahr wieder!" 7

Da kam plötzlich Leben in den Haufen, und sie liefen dem Wagen nach, bis das Dvrf zu Ende war.

(Fortsetzung folgt.)

Napoleon auf Zt. Helena.

Zumi hundertjährigen Gedenktage seiner Verbannung.

Von Albert Fr i ck.

«Kn r 15 Aapoleon I. zugunsten seines Sohnes ^gedantt, hatte sich unfchluspg über das, was er tun sollte, nach Rochefort begeben, wo er >den Hasen von englischen Schiffen blockiert fand, und sich, am 15. Juli dem englischen LinienschiffBelle- rophon anvertraut, wo er der Bestimmung der verbündeten Monarchen voirEngland, Oesterreich, Rußland und Preußen über ihn harrte, die ch!n als ihren Gefangeneir betrachteten , ^unter Metternichs Leitung wurde die Ueberführnng Napoleons

und ferner, die Begehung Msivlt Y ec britischen Regierung anzuverttauen, jedoch sollten die drer übrigen Regierungen Kommissionäre zu dauerndem Ausent- Wt nach jener Insel senden. Am 2. Anglist 1815 war dieses Abkommen zu Paris geschlossen worden. Am 7. August 1815 er­röte die Ueberfuhrung nach dem Felsen-Eiland St. He ena dessen Ehrling kurz zuvor übernommen hatte fn Afl Wlf liegende Insel mißt siebzehn Kilometer ^ange und elf Kilometer in der Breite, ungefähr also einen ^^bmnhalt von etwas über zlvei Qnadratmeilen, erscheint aber durch den bergigen Eharakter noch kleiner. ' ^ aoer

J? ner 000 Meter hohen Ebene im Mittelpunkt des ^^wood genannt, lag das bescheidene Wohnhaus des ^fangbnen von St. Helena, und danebeir die Wohrrung n der L - die ihm m diese Verbanming gefolgt waren

ri77^ äl ir bie ft u Henri Gratien Bertrand mit seiner Familie, der Napoleon sclwn SS

nphJpfi? ^ at * e ' während derhundert Tage" sein Vertreten gewesen, aila) bei Waterloo an seiner Seite war Ferner blieb

Sfont&t*(1783Graf Charles Tristan de i J, 5 ffll 1 treu, der wahrend derHundert Tage"

PF 1 , a !| Generaladjutant gedient hatte. Auch seine Gern a bl irr ^ste ihm auf das Felseneiland, doch hielt deren zarte Gesundbeit devi Klima nicht lange Stand, und das Ehepaar nmßte sich trennen!