Ausgabe 
31.7.1915
 
Einzelbild herunterladen

468

geholt. In allen Lebensphasen, vom unbeholfenen Säugling vis zum kecken Abiturienten, wurden sie nebeneinander gestellt. Und tausend liebe Züge seines Wesens wuchsen aus der Erinne­rung empor.Weißt Du noch", und ..weißt Du noch", so raunte es von Mund zu Mund und ein glückliches Leuchten stand in den Augen und ein wehmütiges Lächeln umspielte die Lippen. Selbst seine leichtsinnigen Streiche erschienen ihnen jetzt in anderer Beleuchtung. Sogar an das Schlimmste wagten sie zu rühren, nicht ohne einen großen Teil der Schuld auf sich zu nehmen.

Dann wurden die Siegesberichte _ herbeigeholt. Ob er hier wohl dabei war und da uird dort, fragten Mund und Augen und in dem Ueberfluten ihrer so lange eingedämmten Zärtlichkeit jauchzten ihre Herzen:ja", überall wo der Sieg war, glaubten sie ihn dabei. Wie er wohl ausgeschaut haben mag, ihr Held als Feldgrauer und mit von der neuen Freude noch fast ungeschickten Fingern glitten ihre .Hände über die Ehrenzeichen, die seine tapfere Brust geschmückt. Aber wenn der Frieden kam, daun wollten sie zu seinem Grabe hinpilgern Kein Prunk, kein Tand, sollte seinen Hügel vor dem der gefallenen Kameraden aus­zeichnen. Nur auf das einfache Kreuz unter seinen Namen wollten sie es schreiben:Er war unser heißgeliebter Einziger".

Wie das den Schläfer unter dem grünen Rasen freuen wird

Bieleri tausend Eltern reißt der männermordende Krieg die Söhne vom blutenden Herzen, diesem einen Eiternpaar hat er ihn lviÄrergeschenktihren Einzigen".

vermischtes.

* Ein Witz unsere- Kaisers. Als kürzlich nn Haupt- quartier des Deutschen Kaisers bei der Geburt des jüngsten Kaiser- Eukels aus da- Wohl des HohenzollernsproßlingS getrunken wurde, erzählte der Kaiser selbst folgende Geschichte: Als er in Bonn studierte, stand er boxt mit dem späteren, 1895 in Australien er­mordeten Forschungsreisenden ShlerS in regenr Verlehr, der auch später noch sortbestand. Als dann der Prinz Vater wurde, schickte ihm LblerS ein Glückwunschtelegramm, daS er in die studentische Form kleidete, die beide oft bei gemeinsamen KorpskneipEreien beim Zutrinken vernommen hatten: .Ich habe die hohe Eh,* und da- Vergnügen, auf daS Wohl des jüngsten Hohenzolleru einen Ganzen -u trinfem* Umgehend erhielt Ehlers die Antwort de- Kaisers, die m die gleiche studentische Form gekleidet war: .Der jüngste Hohenzoller bauft und trinkt.*

Englisches Seeräuberwesen im Baltischen Meer. Wie die Engländer schon in früheren Jahrhunderte'! unter falscher Flagge segelten und Seeraub betrieben, das zeigt die folgende, jetzt ':icht uninteressante Erinnerung, die sich an den Schauplatz heutiger Kämpfe knüpft: Den Engländern war das Ostseegebiet bis zum 16. Jahrhundert verschlossen. Sie rächten stch dastür, brachen das Völkerrecht und segelten uuter falscher Flagge in den baltischen Gewässern, um Seeraub zu treibe,,. Im 15. Jahr- hundert überfiel ein englische« Schiff mehrere Rigasche Salzschiffe in der Ostsee und führte sie als Beute fort Ein andermal landete eme große englische Kauffahrteistotte im Rigaschen Meerbusen und beo achtete die reichbeladenen Schiffe der Ostseeländer. Als einige nnt ivertvoller Ladung gefüllte livländische Schiffe a»>S der Duna fuhren, schmeichelte stch die englische Mannschaft an die Besatzung heran, versprach ihr Geschenke und lud ste zu einem reichen Gast- inahl auf ihr Schiff. Dort überfiel sie die Ahnungslosen hinter- * lcf t/2 n0lbete ,lc lmb ,0Qrf bic Leichen in- Meer, während sie die Schiffe m,t der Ladung als Beute nach England brachte

dem sich enlsptnneuden weitläustgen Prozeß sicherte Koni., Hein- rich^I. den Livländcrn eine Entschädigung zu. ohne je sei» Ver­sprechen einzuloen. Mit derartigen Geschehniffen :>,ag es i,n 3u- fammfnbaug stehen, daß auch späterhin die Engländer in den Ostseelandern nicht sehr beliebt ivaren. Tie in den baltischen Stadtei» herrschenden vorz st.chen Lebensoerhältniffe lockten im 17. Jahrhundert viele Auslüuder an, so daß sich die Stadtväter

""F onrch e»n besonderes Gesetz entledigen konnte, i. Das richtete sich nun vorzüglich gegen die Engländer. In Riga z B war den Engländern und Schotten der Aufenthalt bet Strafe ver^ boten, gestattet wurde ihnen alleniallS. sich auf den Duna-Znfeln und den »»derbalb bei Stadt gelegne» bolme» an,usicdeln. vor- auSgeferch daß sie sich e,neS .auständigen Betragens besteißigen*. La »ich die Engländer auf deni sog. Hasenholm »iederließen, hießen

c noch die, Dasenhül.nerE, ivaS einen verächtlichen und lächer- licken Beigeschmack hatte.

m * ^""uncto» - offizieller K r i e q « ch r o n i ft'

-tun Eud.ich ist daS Schicksal Gabriele d'AnnunzioS entschieden.

; eme fe,n2l,che K»«gel wird ihm den Garaus machen. Er hat enien !^o^en erhallen, der seinen Ruhn» ver» ehren und ,egl:che hJ- «f»Lf?°K^ , x.^ b ^ aIlen * oCL * ie römischen Blätter verkünden ^ bati b ^nnuiijio zum offiziellen Chronisten des italtenj. scheu Feldzuges ernannt wurde. Ter D,ch:ec brauchte also nicht o,e e^eder mit dem Degen zu vertausch«-,,, den er zwar an seiner durch alle Städte Italiens schleppt, aber mals ivird -ucken können« Ans diese Weise wird er allerdings nicht a»-.l eigenen Leibe erfahren können, was er vor seiner Abreise nn 5

9Jom so laut verkündete: .äulee et äeeornm e«t pro patrla wori!" Ob er sich darüber sehr kränken wird? . . .

' Ein verhängnisvoller Druckfehler. Daß in diesen Zeiten politischer Wirren sogar der Druckfehlerteufel für und ,vider Stellung uiinmt, beweist die folgende Berichtigung im Journal': .Ein unangenehmer Druckfehler hat sich in den letzten Artikel unseres Berichterstatters vom italienischen Kriegsschauplatz eiugeschtichen. Darin hieß es: Auk seiner Reise längs der Front

konnte Ealandra vom Wagen des Königs aus die gebräunten In­fanteristen im Kampfe sehen, di? am Kragen die weiß-roten, weiß- grl«nen und blau-schwarzen Abzeichen der Briganten von Apulien niid Palermo trageil. Es sollte natürlich nicht Briganten, sondern Brigaden heißen.' . . O iveh l

vüchertisch.

Mi L Tho, a's n e u e st e Radierungen bringt die

°ü m, n 1 ^ l,v bn§ deutsche Knust- und Geistesleben ,Bühue und Welt', herausg ge en von Wilhelm Kieler. Mit den neuen Werken des Meisters belaßt sich A. R n d o l v h un selben He'te und ein hervorragender Tbomakenner, Auto,, Fendrich, schreibt dann über das Seelische »einer Kunst. Neben diesen wert­vollen Beitragen zur bildenden Klmst enthält die cS Heft bedeutende Beitrage allgemein-gestriger und literarischer 9>atur. So ist vor . EM ein Zinssatz .Neue Geineinschasl' von Diedrich Bischofs, eme Abhandlung über den .Krieg und die Tragödie' von Rndol! P u ch neben einem Aussatze über .Der Krieg und die deutsche Buhne von Wi.helnl Kiefer erwähnenSivert. .Ueber den biologischen Wert der Kunst' schreibt Heinrich DrieSman« eine bedeutende Abhandlung - Robert W a r n e ck e erinnert an die Be­deutung von Grabbe'S Hohenstaufen-Drama lmd Mar 9l r e n d an das nationale Element in GlnckS Musik. - Ein Nachruf Ernst Wachlers auf Jocza -LavitS beschließt den Hauptteil diese- reich- haltigen HesteS, demch die Rundschau mit wertvolle,i und in- tereffantei, kleineren Beiträgen anschließt. - Preis «0 Pfg.. ein ^lbiahrSbeziw 3,- 0 Mk. Probeheite verse,ldet der Verlag von »Buhne und Welt*. G. ,n. b. £) Hamburg 83.

o Irland und Freiheit, jenes rühmlichst bekannte

Kriegsbildwerk der Montanus-Bücher lHermann Montanus. Ver­lagsbuchhandlung Siegen und Leipzig, leder Band 2 Mark) bringt soeben einen dritten Band heraus, der gleich wie seine Vorgänger die ergebende Gr oße des gewaltigen Volkerringens und seine Schrecken nnt plastischer Klarheit dem Beschauer zeigt. Bekanntlich haben von A,i ang an Verleger und Herausgeber an« alle fantastischen Dar­stellungen und Zeichnungen verzichtet tlnd alle diejenigen Bilder weg gelaffen, dre nicht die Grüße der Stunde lebendig werden ließen Lo entsprechen diese Bände durchaus dem dentschen Wahrhaiiiakeits- sinn und bringen lediglich Wirklichkensa,nahmen aus dem große,, Kriege. M.tzt man den Wert eines Bildwerkes an der Anzahl bis- lang unbekannter und noch nicht gesehener Bilder, so ist unzweiiel- Haft dem leyt vorliegenden dritten Bande die erste Stelle zuzuerkennen.

-^Kunstwart. Erstes Angusthest. Gedenkheit: Ein Fahr Krieg! (Kriegsallsgabe zuni halben Pre 2 , 2 2 b Mk ^tliahrlich. Verlag von Georg D. W. Lallwey. München.) Inhalt: Avenarms. Ein Jahr! Artur Bonus, Für welchen Welt- gedanken kämpfen wir? Dietrich Freiherr v. Miltitz. Im Kriege eloer ,st das Letzte nicht der Krieg. Karl Nohel, Die Zeit zum Umlernen. AuS Martin Rades KriegSanda chten. Btlderbeilagen: Hugo Grtmui, «odenkblatt für Gefallene (farbig). Martha Schraa Soldatenz.ige. Bruno Bieleeldt, Ruffenein'all. Im Tert zwei Zelchiinngen von Ernst Ltebermann und Willibald Weingartner.

^ ^ Er a n li von Eisen, Ro>nau aus Ostpreußens

Drecke,'Stagen von Fritz Stow rönnet. Verlag von Otto Janke, Berlin SW. 11). Da« deutsche, das eiserne Volk schildert Fritz Lkowronnek au einem typiscken Vertreter, dem ..Mann von Eisen . Während der russischen Invasion in Ostpreußen bietet der veld der Erzählung russischem Uebermut die Stirne, indem er nicht von der Scholle weicht und d,e Ehre seiner Geliebten gegen russische Angriffe verteidigt. Aus dem rauhen Hintergründe des Kriege- spielt eine Liebesgeschichte von anmutiger Feinheit.

verfteckratsel.

Man suche ein Sprichioort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe »an* in .Wanderer*.

Schöppenstedt Wannenbad Der,vorfenheit Gartenhaus Tier.ualer Drachenblut - Bidassoa - Krautheim - Vergißmeinnicht - Gänsefeltbemmchen. Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer:

Liegt dir Gestern klar und offen.

Wirkst du heute kräftig frei,

Kannst du auf ein Morgen hoffen,

Das nicht minder fröhlich sei.

Kch7i!!le't,mq: Au«, «oet, - Stotationfbruct itnb «erlag der «rLHI'Ichen Univers,tä,»-B»ch- und 6Mnkru(fewi SH. Sonne, Gieße»