Zurück zur Scholle.
Noman von Ewald Gerhard Seeliger. (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
. Doktor Schrill verleugnete nicht seine gute Erziehung, rndem er auf diese Drohungen hin schwieg und mit keiner Wimper zuckte. Aber er sah jetzt ein, daß er Moritz Gassel mcht nur aus Britzkiawe, sondern auch aus dem Kreise hinausbringen müsse.
„Sie werden augenblicklich den Schulgarten so Herstellen, wie er früher gewesen ist. Diese Eigenmächtigkeit setzt allem die Krone uns."
„Ich bezweifle stark," sprach Moritz Gassel mit bebender Stimme, „daß Sie überhaupt etwas von Bodenkultur verstehen."
„Sie haben zu schweigen!" befahl Doktor Schrill heftig und ließ das Protokoll auf dein Lehrtisch liegen. „Sie werdeii dieses Protokoll dreimal abschreibeu und mir binnen acht Tagen zuschicken."
Moritz Gassel drehte ihm kurz den Rücken nnd begleitete ihn nicht zur Tür.
Vierzehn Tage später hielt er einen Brief von der Königlichen Negierung in Händen, worin ihm mitgeteilt wurde, daß er im Interesse des Dienstes nach Kletzine, Kreis Domslau, versetzt worden sei mit dem Antritt auf den ersten April.
Zwei Stunden lang saß er an seinem Tisch, den Kopf m beide Hände gestützt, und starrte regungslos auf dieses Schreiben. Er kam sich vor wie ein zur Deportation Verdammter. Vergeblich suchte er auf der großen Provinzkarte das Dorf Kletzine.
Dann ging er zu August Knorreck und zeigte ihm den Brief.
„Dagegen muß etwas getan werden!" sagte der und fuhr am nächsten Morgen zum Landrat.
Der versprach ihm, ein gutes Wort für Moritz Gassel emzulegen, war aber nicht imstande, die Sache rückgängig zu machen. Kaum aber hatte August Knorreck diesen Be- scheid in Händen, so machte er sich nach Breslau auf und ließ sich beim Regierungspräsidenten anmelden. Der zeigte wenig Lust, den Beschluß der Behörde umzustoßen, ließ aber durchblicken, daß man vielleicht späterhin die Sache wieder ins alte Gleis bringen könnte. Bedingung aber sei, daß Moritz Gassel nach Kletzine gehe.
Und das gerade wollte er nicht. August Knorreck konnte es ihm nicht verdenken.
„Geht's nicht krumm, geht's grade!" sprach Moritz Gassel, dessen Geduld zu Ende war.
„Was wollen Sie tun?" fragte der Inspektor.
„Ich schreib mein Abschiedsgesuch!"
August Knorreck holte tief Atem. Das hatte er nicht erwartet.
„Sie raten mir natürlich ab!"
,^Jch rate nicht ab, ich rate nicht zu!" meinte August Knorreck, und in seinem Gesicht zuckte dabei keine Fiber. „Das muß der Mensch ganz mit sich allein abmachen. Das will überlegt sein!"
„Vier Jahre Hab ich's überlegt!" entschied Moritz Gassel und suchte nach einem weißen Bogen. Das ist lange genug."
Der Inspektor drückte ihm wortlos die Hand mtb ließ ihn allein. Sechs Bogen schrieb Moritz Gassel, dann hatte er alles herunter, was er auf dem Herzen hatte. Kurz und knapp und ohne Ilmschweife und ohne vorsichtige Verschleierungen reihten sich die Sätze aneinander. Nachdem er eingehend seine Erlebnisse mit Doktor Schrill geschildert hatte, bat er um Aufhebung der Strafversetzung, die gegen das Interesse des Dienstes sei. Könne dem aber nicht statt- gegeben werden, so müsse er sein Amt zum ersten April niederlegen.
Auf dein vorgeschriebenen Instanzenweg sandte er dieses umfangreiche Schreiben an die Königliche Negierung. Doktor Schrill, der es als zweiter zu begutachten hatte, verbrachte darüber eine schlaflose Nacht. Am nächsten Morgen hatte Moritz Gassel eine Vorladung in Händen, sich sofort bei dem Kreisschulinspektor einzusinden.
Moritz Gassel lehnte ab, weil es für ihn mit Doktor Schrill keine Verständigung geben konnte. Vierundzwanzig Stunden später war der Kreisschulinspektor in Britzkawe. Moritz Gassel korrigierte gerade Hefte. Weil es aber nach Schulschluß war, konnte sich Doktor Schrill darüber nicht aufreg'en. Das hatte er auch gar nicht nötig. Er war schon genügend geladen. Die rechte Brusttasche seines Ueberrocks- war dick geschwollen. Da steckte nämlich Moritz Gassels Anklageschrift.
„Sie haben es gewagt!" begann der Kreisschulinspektor wütend und wollte ihn mit einem einzigen Blick durchbohren.
„Ich hab's geivagt!" sagte Moritz Gassel ruhig und erhob sich. Die rote Feder steckte er sich hinters Ohr.
„Sie werden dieses Schreiben sofort zurücknehmen!"
„Nein!" rief Moritz Gassel entschieden.
„Es enthält nichts als Verleumdungen!"
„iEs wind Ihnen ein leichtes sein, sie alle zu entkräf- tigen."
„Herr!" fuhr Doktor Schrill auf ihn los, und seine Stimme wurde schneidig wie eine Säbelklinge. „Was bezwecken Sie eigentlich damit?"
„Ich verteidige mich gegen Ihre Ungerechtigkeit!"
„Sie drohen mit Ihrem Abgang. Das ist, gelinde gesagt, eine Anmaßung. Ob eine Dienstentlassung notwendig ist, darüber hat allein die Behörde zu befinden."
„Ich entlasse die Behörde aus dein Dienstverhältnis zu mir!" sprach Moritz Gossel gelassen und trat ein paar- Schritte zurück, denn der Doktor uub Kreisschulinspektor war ihm schon sehr nahe auf den Leib gerückt.
„Ich weiß," fuhr Moritz Gassel unbeirrt fort, „daß es


