Lurück zur Scholle.
biom-an von Ewald Gerhard Seeliger.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Inspektor empfing die beiden Sulitscher mit einem Achselzucken des Bedauerns.
„Herr Knorreck!" sagte der ruhigere Bartenstein. „Die rvl,rcn. wir haben dem Baron das Geld gegeben fürs Inventar^ Das Inventar ist mit unserm Gelde gekauft. Das sehen Sie doch ein!"
August Knorreck nickte zustimmend.
,,-r.as Gericht !>at uns Unrecht getan. Wenn wir das Geld verlieren, — "
„Davon ist keine Rede!" schnitt ihm der Inspektor das Wort ab. „Das Geld wird in achtzehn Fahren zurückgezahlt mit Zinsep-mud Zinseszins."
„Eben!" hakte der lebhafte Levisohn sofort ein. „Lassen wir mal das Kapital einstweilen beiseite. Bleiben wir bei den Zinsen. Und da wollten wir Ihnen einen Vorschlag macken Sie zahlen uns unterderhand die Zinsen weiter "
August Äuorreck rickstete sich steif aus.
„Sehn Sie doch!" fiel der gute Bartenstein schnell ein. „Wir verlangen dock> nichts Schlechtes von Ihnen. Das Geld gehört uns doch, und die Zinsen müssen wir haben, sonst müssen wir Konkurs aiimelden. Achtzehn Jahre halten wir's eben nicht aus. Sie ziehen vom Ertrage jährlich die Interessen ab."
„Das geht nicht!" entschied der Inspektor. „Ich muß über jeden Psennig Rechnung ablegen beim Bvrmundschast-^- gericht."
„Ru!" meinte der schlanke Levisohn. „Da sollte sich doch ein Ausweg srnden lassen. Wer kann Ihnen denn die Preise
nachrechnen?"
„Schluß!" ries August Knorreck und wies aus die Tür. „Wir sind fertig miteinander. Bor achtzehn Jahren kommt Ihr mir nicht wieder ins Haus."
Da schlichen die beiden davon, setzten sich beklommenen Herzens hinter den Tisch, auf den Franz Wiegelt zn>ei frischgefullte Biergläser stellte, zogen ihre Notizbück)er l>er> aus und begannen zu rechnen.
Und sie kamen auch diesmal auf das Resultat, das sie sckwn zwanzigmal mit schmerzlichen Bemühen gefunden hatten.
„Dreißig Perzent!" stöhnte der gute Bartenstein und wischte sich den hellen Schweiß von der Stirn. „Dreißig Perzent, mehr können wir nicht geben. Ob sie sich drauf einlassen werden?"
„Sie müssen!" knirsckste der schlanke Levisohn und klappte das Buch zu. In diesem Augenblicke schob sich der alte Abraham heran und nahm unaufgefordert bei ihnen Platz.
„Diu!" sagte er pfiffig. „Wie steht's mit dem Konkurs. Was wollen Sie bieten? Vierzig Perzents'
„Was wissen Sie davon?" fragte der behäbige Bartenstein und sah den alten Abraham verwundert an.
„Sie werden achtzehn Jahre trocken Brot essen!" lächelte er verschmitzt. „Ich weiß alles! Und in achtzehn Jahren werden Sie beide Millionäre sein."
„Wenn er zahlt?" warf Levisvhn ein.
„Vorausgesetzt?" antwortete der alte Abraham und hob die rechte Hand. „Und er kann sterben. Er kann! sag ich. Ein schwaches Her» soll er auch haben. Und dann kommt das Majorat an die Nebenlinie, und Sie kriegen keinen roten Heller!"
Bartenstein und Levisohn krümmten sich vor inneren Qualen.
„Aber ich habe ein Planchen?" flüsterte der alte Abraham plötzlich. „Sie bieten vierzig Perzent!"
„Dreißig," entschlüpfte es jetzt dem leblzaften Levisohn.
„Dreißig! 9kch besser!" fuhr der alte Abraham fort. „Und Sie müssen pleite machen. Der große Bartenstein und der Levisohn sind machulle! Wissen ^ie auch, ivas das für ein Geschrei wgeben in Breslau und in Posen? Nu, sehn Sie, ich weiß i, der gibt vierzig Perzent für die ganze faule Forderung. ^-chlagen Sie zu!"
„Unter siebzig geben wir sie nicht weg!" entschied der nervöse Levisohn, der bei der freudigen Nachricht vom Stuhle sprang.
Aber der alte Abraham war zähe. Eine halbe Stunde handelten sie, dann hatten sie ihn erst auf fünfzig Perzent Herausgetrieben.
„Bar Geld auf den Tisch?" rief er laut. „Fünfzig Perzent und das ist mein letztes Gebot. Höher darf ich nicht gehen!"
„Kommen Sie morgen zu uns aufs Kontor!" sprach der gute Bartenstein, dem plötzlich ein Mühlstein vom Herzen gefallen tvar.
„Wollen Sie mitsahren?" fragte der schlanke Levisohn beflissen.
„Ich Hab mein eigenes Wägelchen!" lächelte der alte Abraham stolz und lief; die beiden allein.
In dieser Nacht schlief der alte Abraham, der um die Dunkelheit in Snlitsch eingetrosfen war, keine einzige Sekunde. Er saß vor seinem altersschwachen Sekretär und rechnete. Alles, was ihm an Geld und Geldeswert erreichbar war, kratzte er zusammen und machte eine einzige Summe daraus. Nichts ließ er übrig. Sogar das Wage!- chen und das Pferdchen setzte er mit aus dieses Konto. Alle Papierchen, die er im Schubfach liegen hatte, und allen Kredit, den er bei dein und jenem in Anspruch nehmen konnte. Und das alles zusammen ergab eine gar stattlich Zahl. In den drei Jahren hatte er manch großes Eksckäft machen dürfen, das mehr als seine früheren Sck)ocher- geschäftchen abgeworfen hotte.


