Donnerstag, den 29. Juli
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Zurück zur Scholle.
KomLnr von Ewald Gerhard Seeliger.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Schweren Herzens machte der Förster am Schmiede- |? un ^* e ljrt und ging heim. Ehe aber August Knorreck die schmiede erreicht hatte, hörte er ein leichtes Wägelchen über den Dorfplatz klappern. Den Ton kannte er viel zu gut, um nicht zu wissen, daß der alte Abraham wieder einmal in Britzkawe gewesen war und nach Hause wollte.
„Herr Knorreck!" rief er schon von weitem, hielt das Pferdchen an und sprang herunter. „Da kommen Sie endlich. Wir haben drei Stunden auf Sie gewartet. Ter Bartenstein und der Levisohn find eben da rausgefahren."
Dabei zeigte er nach der Chaussee hinunter.
„sie haben gleich die ganze Erbschaft eingetlagt. Sie wollen sich ans Inventar halten. Zwei Leute vom Gericht waren auch schon da."
„Das Inventar gehört zum Majorat!" behauptete der Inspektor. „Und wenn der Herr Baron danials gegen seine Stiefmutter geklagt hätte, wäre sie sicher verurteilt worden."
„Und warum hat er nicht geklagt?"
„Er wollte nicht?"
„Was heißt das?" erwiderte der alte Abraham ungläubig. „Es wird wohl doch einen Haken gehabt haben. Aber jetzt wird ja ausgemacht werden, ob das Inventar mlt in die Masse gehört. Es sind doch auch Vorräte da."
„Biel nicht?"
„Es wird schwer halten für den Bartenstein und den Levlsohn!" meinte der alte Abraham. „Sie stehen nicht gut. Sie haben heute die Hände gerungen und geschrien, als wären sie schon machulle."
„Was meint Ihr, werden sie's aushalten?"
„Kriegen sie das Inventar nicht, werden sie vierzig Perzent dreien, und es kommt vielleicht zum Vergleich. Was lassen sie sich mit Britzkawe ein. Ihre Schuld? So ein Majorat ist immer eine faule Sache. Es ist eine schlechte Einrichtung, die gegen das Gesetz ist. Der Sohn erbt das Gut, aber für die Schulden haftet er nicht, die fern Vater gemacht hat. Ist das vielleicht recht?"
„Bartenstein und Levisohn haben gewußt, daß sie leicht alles verlieren konnten!"
„Und wenn schon! Recht ist's doch nicht. So ein Majorat ist einfach ein Betrug, den die Regierung konzessioniert Wenn wir kleinen Leute was aus die Seite bringen, was zur Masse gehört, gleich kommt der Staatsanwalt mit dem Paragraphen vom betrügerischen Bankerott. Aber für die großen Herren gilt das nicht. Ist's etwa nicht so?"
„So mag's wohl sein!" erwiderte August Knorreck trocken. „Aber man kann auch anderer Meinung sein."
„Sie sind'sl" bestätigte ihm der alte Abraham. „Wofür sind Sie denn Gutsinspektor? Aber ein Unrecht bleibt's doch, das mit dem Majorat!"
Dann klapperte er mit seinem Wägelchen nach Guhre hinüber.
Der Inspektor schritt, in tiefe Gedanken versunken, über den Hof und durch die Ställe und stieg endlich zu seinem toten Herrn hinauf. Er ruhte schon im starken Eichensarge, umgeben von einem dichten Kranz dunkel- grüner Blattgewächse und Tannenzweige, die Hände aus der Brust zusammengelegt, das Gesicht steinern und wachsbleich.
August Knorreck blieb mit gesenktem Haupte am Fußende stehen, faltete die Hände und sprach halblaut ein Vaterunser.
Das war der zweite Herr von Winkelberg, den er begraben mußte!
Dann schritt er langsam durch die Räume, rückte hier und da ein verschobenes Möbelstück zurecht und bemerkte dabei an den Schlössern des Schreibtisches und am Geldschrank die Siegel des Gerichts.
Als er nach Hause kam, fand er Hedwig schon «im Stuhl sitzen. Sie hob die Äugen, als er eintrat. Ta sah er, daß sie sich aufgerafft hatte und den Schmerz besiegen wollte. Die Kinder waren bei ihr. Cäeilie schmiegte sich dicht an sie und schluchzte still in ihr Taschentuch. Günther dagegen zankte sich mit Waldmann herunt, weil er sich nicht am Schwanz ziehen lassen wollte.
Der Inspektor wies den Hund hinaus und nickte Hedwig zu.
Die zog die schluchzende Eäcilie an sich und flüsterte ihr Trost zu.
„Tante Hedwig!" rief der kleine Günther eifersüchtig. „Tante Hedwig, mich auch lieb haben!"
Da lächelte sie schmerzlich und drückte ihn an sich. Und er wurde ganz still.
Am nächsten Abend kam Hugo aus Halle. Er sah aus wie ein Kandidat -der Theologie und sprach auch so. Um Hedwig aufzurichten, kargte er nicht mit dem Tröste, den er aus der lauteren Quelle des christlichen Glaubens schöpfte.
Am nächsten Mittag wurde Fritz von Winkelberg in die Gruft seiner Väter getragen. Die benachbarten Herrschaften, von denen er sich bei Lebzeiten verfolgt glaubte, gaben ihm die letzte Ehre. Vollzählig erschienen sie, legten Kranzspenden nieder und hörten die Predigt an, die der Pastor an der offenen Gruft hielt. Moritz Gaffel sang mit seinen Schulkindern eine Motette. August Knorreck stand mit den beiden Kindern am Fußende des Sarges und ließ sie nicht los. Neben ihm hielt Hedwig, die sieh auf Hugos Arm stützte. Glanzlos und matt blickten ihre Augen und hatten leine Tränen. Die Nebenlinie derer von Winkelberg uhu zahlreich Vertreten, geführt von der verwitweten Freifrau von Winkelberg, der Stiefmutter des Toten. Ihr Trauerkranz um der größte, der auf dem ßpxge lag. Fritz von Win-.


