Ausgabe 
28.7.1915
 
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seiner Rastlosigkeit und Kühnheit wohl bekannt und hieß allgemein dertolle Deutsche". Im Frühling 1914 machte Ph«l Wurst einen Abstecher nach Berlin, um seine Mutter zu besuchen. Ter Krieg brach aus und Wurst wurde Freiwilliger- ber der Fliegertruppe. Er sagte zu Fox:Das war doch eine seine Gelegenheit, alles zu lernen, ivas über KriegSNugzeuge sich lernen läßt. Und Spaß «nachts «wf«." Der deutsche Flieger must, bevor er das Zeugnis zur Befähigung zum selbständigen Kriegsslugdienste erhält, sich erst das gelbscywarze Abzeiä>en erwerbe«:. Dazu gehört ctlvas. Man must nicht allein seine völlige technische Sicherheit, sondern auch Tapferkeit und Geschicklichkeit berveisen. Es werden Erkmr- dungsflüge «md Flüge mit Bmnbenabwurs verlangt. Bei Phil Wurstfeite nix", «vie unsere Tiroler Freunde sagen: er erwarb sich das Abzeichen. Dann flog er über Reims, ließ seineBon- bons" fallen und erwies sich der Arnrae veeringen als sehr ««üb­lich. Aber seine Großtat vollbrachte er erst aus dem östlichen Kriegsschauplätze. Es war in de«« Kümpfen vor und um Lodz. Da ward eines Tages der Befehl gegeben, die Beleuch- tungsansdalten von Lodz zu vernichten und die Stadt in Dunkel zu versetzen. Es «var Phil Wurst, dein der Auftrag erteilt wurde. Phil Wurst steigt in seinen Albatroß, fliegt durch Pole«« «rnd er­reicht unerachtet der heißen Grüße der russischen Artillerie unoer-, sehrt die polnische Industriestadt. Kreuzt über der Ltadt, dreht, »«m den Wi«rd zu gewinnen, und sängt an, seine Bomben abzuwer- sen. Die große fiel nur in die Werkstätten, die zivLite zertrüm­merte die Dynamos und Lodz sank in Nacht. In Nacht blieb eS neun Tage lairg, dann hatten die Deutschen Lodz erobert und es kostete sie eine volle Woche, um die. Dynamos lvieder berzustellen, die Phil Wurst zerstört !>atte.

Noch dramatischer «md auch tvagifdjer ist eine zweite Flrcger- geschichte, die Fox erzählt. Ihr Held ist der Flieger Wolfe. Er überflog mit einem Beobachter die französische Stellung in der Rühe :wn Soissons, stellte die Anwesenheit einiger fran­zösischer 75er fest und bemerkte, daß der Feind Truppen massierte «md offenbar sich zu einem Angriff vorbereitete. Die Franzosen er- öftneten ein wahrhaft höllisches Feuer auf das kühne Flugzeug. Der Beobachter erhielt einen Lungenschuß, blieb jedoch am Leben. Wolfe selbst wurde durch ein Scbrapnellstück ein Arm zerschmettert, während er gleichzeitig am Nacken und Hals noch andere Wunden erhielt. Kaum komrte er sich nod) aus seinen« Sitze halten, er war bl«U überströmt von Kops bis Fuß. Aber mit dem einen Arm, der ihm «roch geblieben «var, steuerte er fest sein Flugzeug. Er «vußte: «vurde die Meldung von den französischen Angrifssvor- bereitungen nicht gemacht, so war Gefahr im Verzüge. Und brachte sei«« Flugzeug heim, «md stattete die Meldung ab! Fox sah ihn im Lazarette Der Mann glich einem Schatten, und er «var abgcma- gert, wie nach einer Hungerkur. Aber das Eiserne erster hatte er und ein schwaches Lächeln lag auf seinen Zügen. Das ist der Geist dieser Flieger, so schließt der Amerikaner. Sie sind anders als die Landsoldaten. In ihnen wirkt jener merkwürdige Lustzauber, den jeder kennt, der sich eininal mit einem Flugzeirge in dre Wol­ken erheben durfte. _

vermischte-.

* Ein Legat für «verbliche GeschichtS st»« denken tn Norwegen. Ein DerrnächtniS von nicht gewöhnlicher Art ist soeben der Universität Kristiania zngelatten. Sie hat näin- Uch von Dr. Grace Raymond Hebard, die eine Professur an der Staatsuniversität von Wyoming in Laramie bekleidet, eine An­weisung über 1000 Dollars emvfangen, die als Grundstock zu einen« Legate dienen sollen, da- den Nanren von Professor Agnes Mathilde Wergeland tragen soll. Diese Dame hatte an der Universität von Laramie eine Professur für Geschichte inne, und Miß Hebard hat den Wunsch, da» Andenken an diese, ihre verstorbene Freundin, die Norwegen«« «var, durch die von ihr begründete Stiftung zn er­halten. Die Zinsen des Legate- sollen, nachdem diese- eine gervisse Höhe erreicht hat, einem weiblichen GeschichtSstudenten der Uni­versität Kristiania -««fallen, «md -war alö Preis für eine Arbeit, die Norwegens Beziehungen zu den Vereinigten Staaten behandelt' Sollte eine solche Arbeit nicht vorltegen, so ka«,n der Preis a««ch einer Studentin -nerteilt iverden, die sich sonst mit amerikanischer Geschichte beschäftigt, oder er kan«, auch als Beitrag zn einer ameri­kanischen Studienrelse an eine norivegische Geschichtsstudentin ver­geben werden. Es ist anzunehmen, daß eS eine UniversitätSstistung «nit solcher Bestimmung an europäischen Hochsch«,len bisher noch nicht gegeben hat.

Ameisen a ls G a r t e n p o l i z i st e n. Biele, besonders tropische Pstanzen beherbergen stets eine große Zahl von Ameisen, und man t)at bekanntlich gewisse Beziehungen zwischen diesen Pflanze«« und ihren Bewohnen« im Sinne eines Schlitzes der erfteren feststellen f. 0 ! 111 * 11 ; Trage ist allerdings umstritten, vor allen« die. ob es stch dabe« nicht mehr um Zufälligkeiten als um «virkliche Gesetz- mavlgkeiten handle. Einzelne Forscher gehe«» sogar so «veit, anzu- nehmen, dag Ameisen den Pflanzen meistens mehr Schaden als ,$2 brachte«:, indem sie, «in: nur ein Beispiel zn bringen, Spechte anl^klen, welche dann den Pflanzen große gefährliche Wnnden bei- vrachtei«. D,e Frage scheint sich nun neuerdings dahi«: zu klären,

daß es nur die fleischfressenden Sorten von A«««eisen si««d, »velche als Beschützer von Pflanzen in Betracht kommen. In China hat man aus Grund dieser Erkenntnis, «vie wir de««: Hand-Wörter­buch der Naturwissenschaften e»«tl«ehn:e»l, schon seil alterS raub­gierige, sleischfressende Ameisen sozusagen als Pol«zisten in den Orangen- und Mandarinengärten absichtlich angesiedelt. Auf Java, z. B. Tjilmtjtng bei Batavia, verfahrt n«an ähnlich. Man fan««nelt die Nester einer sehr bösartigen, fleischfressende»« Ameisenart und hängt sie in die Mangobäume. Um den Ameisen den Verkehr zu erleichtern, verbindet man die ei««zell»en Bäume mit Bambus- stangen und hängt außerdem Leg«,ankadaver als F««tter a««s. Die so gehegten Ameisen säubern den Obstgarten von eine««: das Obst sonst «mfehldar vernichtenden Rüsselkäfer. I«: ähnlicher Weise «ver- de«: in Oberitalien Obstbäume geschützt, und neuerdings wird ^"kh bei tropische,« Kulturen ei«« Versuch in dieser Richtung ge­macht. Am ergiebigsten in der Vertilgung von Schädlinge«« ist die Lelstuiiasfähigkeit einer großen Wald an« eise (Formica rofa). Von biefer Art vernichtet die Bevölker«mg eines ei««zigen großen Nestes, wie r^orel feststellte, an einem Tag 100 000 Insekten!

vüchertisch.

»Mit den fiegreichen verbündeten Heeren vo»n D««najec bis Lemberg betitelt sich eine Serie hoch­interessanter Zeichnungen des Wiener Malers Richard Aßmann, eirieS unserer besten Illustratoren, mit deren Veröffentlichung die Leipziger »Illustrierte Zeit«« n g" in ihrer soeben erschienenen Nummer 37- 0 beginnt. Aßmann harte als Sonderzeichner dieses Blattes Gelegenheit, den großen Durchbruchsschlachten in Galizien von Anfang an beizuwohnen. Die von ihm ans Grund der ge­wonnenen Eindrücke geschaffene«« Bilder tragen dei« Stempel des belbslerlebten. Bon dem «veiteren Inhalt der umfangreichen Nummer fesseln die beiden Buntdrucke .Gefangenentransport in Lille' von Georg Macco und .Am hä,«Slichen Herd in FeindeS- tand' von Felix Schivormstädt. Der Nummer ist beigegeben eine vierseitige Beilage .Skizzen vom «vestiichen Kriegsschauplatz' in Offsetdruck (ein iieueS Berviel'ältigungSverf ihren. das jeden Strich des Malers «viederzngeben vermag). In der Tat wirken die hier reproduzierten Bleistiftskizzen von Karl Felder, Professor Hans von Hayek und Fritz Grote»«eyer «vie kl'mstlerische Originale. An größeren textlichen Beiträgen enthält die Nummer einen Leitartikel de« bekannten Berliner Publizisten Graf E. Reventlorv .Die Neu­tralen in diesen« Kriege", die Kriegs,«ovelle .Das Testament' von August TrtniuS und eine Schilder«,,,g des deutsche,« Sanitätsdienstes im Kriege aus der Feder von Stabsarzt Wetneck in der Medizinal- Abteillmg des Kgl. Preußischen Kriegsministeriums.

Ein luftiges Buch «vird in diesen schivereu Zeilen jeder gern lesen «vollen. A««ch unsere «vackeren Feldgrauen sehnen sich danach, «,« den kargen Stunden der Ruhe, die ihnen beschieden sind, sich in ein gutes gediegenes Buch zu vertiefen, das sie die Mühen und An­strengungen des Feldzuges vergeffen läßt. Ei» Buch, das sich als Lektüre soivohl für unsere tapferen Krieger als auch für die daheim- gebliebeiiei« vortrefflich eignet. ,st der soeben erschienene !017. Band vo», Kn Zehners Bücherschatz': .Stan iS l a wa s N a ch so l g er« n «I en und andere Humoresken von Kate Schnitzer Die Verfasserin verfielst es ganz au4geze«chnet, mit ihren den« Lebe,« abgelauschten, d««rch einen echten sonnigen Humor ausgezeichneten Erzählungen uns in eine fröhliche Stimmung zu versetzen.

Deutscher Heldentod. Gedicbte von« Opfermut im Felde «lnd Daheim 1914/1915. Au-gewählt von Dr. Rudolf Krauß. Verlag von Juli»,« Hoffmann, Stuttgart. Preis kartoniert Mark 1.&0, in Ganzleder Mark 4.50.

- Deutschland und der Orient. Heft 1 der Feld­postbücherei des .Neue»« Deutschland', heransgegeben von Dr-Adolf DrabowSky. Berlin W. 57, .Politik", BerlagSanstalt «md Buch­druckerei, G. m. b. H. Preis 50 P'g. Das .Steue Deutschland" da« sich in den drei Jahren seines Bestehe,«S eme führende Sielluna unter den deutschen Zeitschriften erobert hat. gibt ein neues Unter­nehmen heraus: eine Feldpostbücherei. ES sind das kleine hand­liche Büchlein, die mit Briefumschlag unter 50 g wiegen, so daß sie als portofreie Feldpostbriefe versandt werden können. Als erstes Heft der genannten Reihe ist soebenDeutschland und der Orient" erschienen. Die Hauptauisätze, die in der letzten Zeit über diese heute im M«ttelp«,kt deS Interesses stehende Frage im .Neuen Deutschland" sich fanden, sind hier zufamme,«gestellt.

Ztädterätsel.

Arnsberg Budapest Frankfurt - Iserlohn Kreuznach Wien Wiesbaden.

Die vorstehenden Städtenamen sotten derart geordnet werden daß der erste Buchstabe des ersten Namens, der zweite deS z,veiten' der dritte deS dritten ««siv. «viedertim einen Städtenamen ergeben'. Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer:

Eisen, Essen.

8chr>ftle>tuuj>: Au,. ffioetj. - Rolaliouldruck imb «erlag der Brühl'sche» Unw-rsitälZ.Buch. und Llemdnickerci. N. LjMgk. Aieb^"