Ausgabe 
26.7.1915
 
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August Knvrreck loartctc vor der Haustür auf den Doktor. Der nahm mit Befriedigung rvahr, das; die rechte Handfläche wieder durch einen Verband geschilpt war.

geht's dem.Herrn Baron'?" fragte der Inspektor.

Scheinbar besser!" meinte der Doktor pessimistisch. Mer nach acht Tagen haben wir den schönsten Rückschlag. Handeln Sie nur genau nach meinen Instruktionen. Sollte er wieder ins Bett müssen, schicken Sie mir sofort Nachricht."

Und da geschah das Wunder. August Knorreck besiegte sich selbst, ging schnurrskracks über den Hof, setzte sich an seinen Sekretär und schrieb nach Halle einen Brief, den er eigenhändig in den Kasten lvars. Nur zwei kurze Zeilen standen drin.

.Hedwig soll- sofort heimkommen. Ich' hole sie über­morgen mittag in Zdurotschin ab."

Hedwig empfing dieses Schreiben, als Hugo nicht zu Hause war. Wochenlang, seit August Knorreck wieder in Britzkawe war, hatte sie auf einen Ruf, nach Hause zu kom­men, gehofft, und jetzt, wo sie ihn wirklich in Händen hielt, fing sie an zu zittern und zu zagen. Sie sank aufs Sofa und saß zwei Stunden aus einem Flecke, ohne die Hand rühren zu können. So fand sie Hugo, als er mittags aus der Bor-« lesung kam.

Was ist dir, Hede?" rief er bestürzt.

Wortlos wies sie auf den Brief. Er las und ließ ihn langsam sinken. Dann sah er Hedwig an und überlegte. Er hatte sich in Blick und Ton bereits etwas Salbungsvolles angeeignet, was zu seiner geistigen Ueberlegenheit, die er nicht abgelegt hatte, vortrefflich paßte.

Es scheint!" sprach er abwägend und strich ihr über den Scheitel,es scheint sich alles zum guten zu wenden^ Vater gibt nach. Ich hätte es nicht geglaubt. Mutter wird ihm natürlich scharf zugesetzt haben."

Waun muß ich reisen!" ries Hedwig Plötzlich und sprang auf.

Etwas nur beunruhigt mich!" wehrte er vornehm ihre Eile ab.Warum hat Mutter nicht geschrieben? Ihr gestriger Brief enthält nicht der geringste Andeutung, daß Vater nachgeben will. Ta scheint mir doch etwas' nicht zu stimmen."

Ich reise!" ries sie heftig und begann sofort ihre Koffer zu packen.

Da gab er ihrem Ungestüm nach, suchte das Kursbuch heraus und strich die Züge, die sie benutzen mußte, mit Blaustift an.

Eine ganze Stunde vor Ankunft des Zuges, mit dem Hedwig von Posen auf Zdurotschin zufuhr,' kam August Knorreck auf dem Bahnhofe an. Er hatte den Korbwagen mit den beiden Wallachen genommen und kutschierte selbst. Die Wartezeit füllte er aus, indem er in die nahe Zucker-, siederei hinüberging und sich die Generalabrechnung geben ließ, die er zu Hause nachprüfen wollte. Als der Zug end­lich einfuhr, sah er Hedwig durchs Lenster winken. Sie fiel ihm um den Hals und küßte ihn aus beide Wangen.

Hede!" murmelte er zärtlichNun bist du wieder da!"

Tann lies er zum Gepäckivagen und ließ den Koffer auf den Magen tragen. Hedwig kletterte auf den Sitz und griff die Leine. Aber August KUorreck nahm sie ihr aus der Hand und ließ die Braunen durch Zdurotschin traben. Auf der Landstraße fielen sie von selbst in Schritt.

Was macht Hugo?"

O!" ries Hedwig freudig.Ter ist fleißig, sehr sogar!"

Und du meinst, er wird sein Examen machen?"

Sicher!"

Na, dann ist's schon gut!" meinte er zufrieden.Da hat Mutter doch ihven Willen durchgesetzt. Wenn er nur nicht durchfällt."

Er wird schon nicht!" erwiderte sie zuversichtlich. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie fleißig er lernt!"

Herr Gassel hat auch gelernt, und trotzdem haben sie ihn durchfallen lassen. Und oabei hat er lange nicht so viel auf dem Kerbholz wie Hugo."

Darauf sehen die Herren nicht!"

Meint er!" knurrte der Vater besorgt.Ich will's ihm Wünschen."

Dann stockte das Gespräch. Gemächlich zogen die gut- gepflegten Tiere das leichte Gefährt durch den Wald. Hed- üng ging es zu langsam.

Laß mich fahren!" bat sie und streckte die Hände nach Zügel und Peitsche aus.

Nein!" sagte er und suchte nach Worten.Ich Hab noch was mit dir zu sprechen. Nämlich"

Da saß er schon fest und wußte nicht weiter. Seine Miene wurde tiefernst.

Hedwig erbleichte plötzlich und begann zu zittern.

Was hast du denn, Mädel!" rief August Knorreck! bestürzt.

Der Baron ist tot!" schluchzte sie auf.

Nein!" erwiderte er mit Nachdruck.Nein, wie kommst du nur darauf? Er lebt. Aber es geht ihm sehr schlechte Das Herz ist schwach. Er darf keinen Aerger und keine Auf­regung habeil. Und da Hab ich gedacht, wenn du wieder zurückkommst, das bringt ihn vielleicht auf die Beine!"

Mit angehaltenem Atem hatte sie ihm zugehört, jetzt seufzte sie befreit auf, aber sie schwieg. Nur ihre Wangen röteten sich.

Ich Hab mir die Sache überlegt!" fuhr er fort und machte ein gedrücktes Gesicht.Ich hätte gleich nachgeben sollen. Ich kann nicht gegen ihn aufkommen, er ist einmal oer Herr Baron. Und ich bin bloß der Inspektor. Und du hättest mich auch im Stiche gelassen, wenn er nach Halle gekommen war. Hab ich nicht recht!"

Hedwigs Gesicht glühte, und schamvoll senkte sie den Blick.

Erst muß er gesund werden. Wenn er dich dann noch heiraten will, dann mag er's tun. Meine Einwilligung aber kriegt er nicht."

Vater!" bat sie, unter stillen Tränen lächelnd.

_Nein!" beharrte er auf diesem letzten kümmerlichen Rest seines Eigensinns.Meine Einwilligung geb ich nicht. Ich will nicht schuld sein, wenn ein Unglück draus entsteht. Aber bei ihm bleiben werd ich und ihn nicht im Stiche lassen, und wenn ich mir wieder die Haut von den Händen arbeiten muß."

Dann gab er den Pferden die Peitsche.

Um diese Zeit saß Fritz von Winkelberg im Lehnstuhl und horchte auf sein Herz. Es machte ihm heute weniger Schmerzen als jemals. Auf einem Schemel zu seinen Füßen hockte Cäcilie und las das Märchen von den Bremer Siadt- musikanten. Zuweilen, wenn ein langes Wort kam, stockte sie und buchstabierte. Dann aber- sobald das Hindernis überwunden war, ging's um so schneller vorwärts. Der kleine Günther saß draußen vor der Tür aus der obersten Treppenstufe und versuchte ein unzerreißbares Bilderbuch zu zerkleinern. Von diesem Platze aus konnte er das ganze Haus überschauen, von der Haustür bis zur Bodenstiege. Saß er an dieser Stelle, gab er Ruhe. Das Kinderfräulein stand mit einer Handarbeit am Flurfenster und warf zu­weilen einen Blick aus ihn.

Da hörte er unten einen Wagen rattern.

Pferd!" ries er mit seiner hellen Stimme. Das Mäd­chen drohte ihm, ruhig zu sein und wies auf die Tiir des. Schlafzimmers. Was das zu bedeuten hatte, wußte Günther ganz genau. Er preßte die Lippen aufeinander und hielt die Haustür im Auge. Wer würde hereintreten?

Der Wagen hielt. Hedwig war dem Vater in die Zügel gefallen. Sie machte Miene herunterzuspringen.

Willst du nicht lieber mit Mutter hinausgehen?" fragte August Knorreck.Sie ist jetzt beim Melken. Sie weiß noch nicht, daß du hier bist."

Ich komme gleich nach!" flüsterte sie schnell.Ich will nur sehen, wie's den Kindern geht."

Dann drückte sie klopfenden Herzens die schmiedeiserne Klinke herunter. Lautlos öffnete sich die schwere Tür. Scheu sah sie sich um. Der untere Flur war dunkel, nur oben, auf den ersten Treppenstufen lag ein heller Lichtfleck. Und mitten drin saß der kleine Günther. Der erkannte sie zuerst und blieb verwundert sitzen.

(Fortsetzung folgt.)

Dar vischarin.

Von Alfred Bratt.

Es war das edelste Exemplar seiner Gattung, elastisch und voll Kraft, kein grobknochigesMulaid", das in Der Karawane Lasten trägt es war ein echtesBischarin", das leichtgebäute Reitkamel vornehmster Rasse.

Wer nicht zumindest bis an den Rand der Wüste gereist ist, weiß launi mehr von der Geschichte des Kamels, als daß es einen außerordentlich langen Hals und einen außerordentlich buckli­gen Höcker hat.. Und das genügt für das europäische Kamel, das