Ausgabe 
24.7.1915
 
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Knorreck wußte nichts von dem heimlichen Bündnis, das hinter seinem Rücken geschmiedet wurde, um seinen tyranni­schen Eigensinn zu brechen. Als der Baron zum erstenmal aussitzen durfte, war sogar der Schlachtplan schon geschmiedet. Fritz von Winkelberg wollte, sobald er völlig genesen war, die Reise nach Halle machen und Hedwig ohne Wissen des Bakers heimholen.

Dann kamen Frau Knorreck doch Gewissensbisse und sie teilte es.Hugo mit, um auch in Halle einen Bundesgenossen zu haben. Dtzr enrpsing den Brief eines Morgens, als er gerade ins Kolleg gehen wollte. Ohne ein Wort reichte er ihn Hedwig. Tie las und ließ die Hände ratlos in den Schoß sinken.

Was' soll ich tun?" fragte sie endlich und atmete schwer.

Eigentlich könntest du jetzt nach .Hause reisen," meinte er zögernd.Vater ist rehabilitiert. Ob es ihm aber recht sein wird?"

Soll ich?" rief sie mutig und sprang auf.

Ich rate dir nicht zu!" sprach er, nachdem er alle Möglichkelten erwogen hatte.Jedenfalls brauchst du die Sache nicht übers Knie zu brechen. Wenn mich nicht alles täuscht, ist Vater jetzt nachgiebiger als vorher. Es scheint sich da etwas vorzubereiten. Tein Tazwischenkommen könnte die Lage leicht verschlimmern. Solange der Baron nicht reisen kann, bleibst du am besten hier. Macht er Ernst, so mußt du heim, ehe er kommt. Dann man Vater ent­scheiden."

Ich werde warten!" erlviderte sie, faltete das Schrei­ben zusammen und geleitete ihn bis zur Tür.

XXVI.

Als der Herbststurm die letzten welken Lindenblätter von den Zw-eigen riß und ins Torf hinunter warf, hatte sich Fritz von Winkelbergs Wunde geschlossen. Unter Tok- tor Blelschowskys Leitung durste er zum erstenmal in den Lehnstuhl übersiedeln. Doch das bekam ihm schlecht. Am nächsten Tage fand ihn der Arzt wieder im Bett. Er be­horchte lhn genau und geduldete sich noch ein paar Tage.

Stehen Sie auf!" befahl er dann, beinahe ärgerlich. Sie können doch nicht Ihr ganzes Leben im Bett zw- bringen!"

,,Ich kann nicht!" lächelte Fritz von Winkelberg.So­bald ich sitze, habe ich Schwindelanfälle."

5 aibt sich!" meinte der Toktor gleichgültig.Es

fehlt Ihnen nur an der nötigen Energie!"

Verschreiben Sie mir welche!"

Versuchen Sie's nur Hetzt, wo ich Sic so schön zu- sammengeslickt habe, müssen Sie mich nicht im Stiche lassen!"

,., mu * faHö nicht liegen!" lächelte der Baron schmerz­lich und kam mit dem Oberkörper niühsam hoch.Ich möchte schon morgen eme kleine Reise machen."

Damit warten Sie nur bis zum nächsten Frühjahr!" jachte der A^zt und unterstützte ihr:, wobei er ihm unten die Arme faßte.Haut und .Knochen, die schöne Speckschicht 1 fr weg. Dafür können Sie sich beim Windmuller bedanken!"

Dieser Kerl!" stöhnte Fritz von Winkelberg.Hat mich schon Wgerichtet. Ist aber ein Schütze, der sich sehen lassen kann. Wie geht's ihm übrigens?"

Kann Weihnachten wieder tanzen gehn."

Ganz kuriert?"

.. hoff ich?" lachte der Toktor.Ein

zweites Mal legt der sich nicht mehr unter mein Messer."

m $*-" sprach der Baron und streckte den rechten Fuß aus dem Bett heraus.

Halt!" kommandierte Doktor Bielschowsky erschreckt und griff nach dem Fuße.Ssu wann ist der geschwollen?"

Wmkelberg war in die Kissen zurückgesunken und schüttelte lerse den Kopf. Auf alle Fragen, mtt denen« ihn jetzt der Arzt überschüttete, hatte er nur'diese Antwort gehabt?' StC ln bn * ten ^gen irgend eine Aufregung

Nicht die Spur. Eher das Gegenteil davon."

, , Tann zog Toktor Bielschowsky das Hörrohr und unter-

mtoteber das kranke Herz. Bald vom Rücken, bald von ,?u 2 belauschte er das Arbeiten der Herzklappen.

ei hielt er die Augen geschlossen und sprach kein Wort. Eme halbe stunde dauerte das. Tann richtete er sich auf. In seinem Gesicht zuckte kein Muskel.

"ff rr,J rQ <& b r r ®, ar ° ö uach einer Weile.

Wmkelbergsche Herz!" erwiderte der Arzt und setzw sich auf den Bettrand.Es ist von der Operation nicht

stärker geworden. Wenn ich Ihnen diesen verdammten Muskel herausschneiden könnte!"

,^ch danke Ihnen für die freundliche Absicht!"

Scherz beiseite! Sie haben ein miserables Herz. Wir müssen es etwas auf die Beine bringen. Ich werde Ihnen hu-? Medizin schicken. Alle zwei Stunden drei Tropfen. An Aufstehn ift noch nicht zu denken."

Tann kam auch Frau Knorreck mit den Kindern herein. Cäcilde setzte sich sittsam ans Bett und streichelte dem Vater die schmale Hand. Ter kleine Günther hielt nicht lange Ruhe.

Ter ^unge muß raus!" befahl Toktor Bielschowsky. Er darf nicht eher wieder herein, bis ich's erlaube."

Frau Knorreck entfernte ihn schleunigst, Toktor Biel- schowsky verabschiedete sich, und Fritz von Winkelberg blieb Mit Cacilie allein. Sie schlug das alte Märchenbuch auf, das fre immer mit sich herumschleppte, und begann zu lesen.

Es war einnial ein König und eine Königin."

Fritz von Winkelberg schloß die Augen und horchte auf den matten, unregelmäßigen Schlag seines Herzens.

Unterdessen hatte Toktor Bielschowsky den Inspektor gesucht. Er trieb ihn endlich in der Futterkammer auf.

Herr Knorreck," sagte er und gab sich Mühe, seine Nervosität zu unterdrücken,die Krankheit des Barons hat sich verschlimmert. Lie werden dafür sorgen, daß ihm jede Aufregung fern gehalten wird. Bor allen Dingen kein Aerger! Bleiben rüe ihm mit alten Wirtschaftssorgen vom Halse. Er muß in einem Zustand absoluter Ruhe bleiben Angenehme Sachen dürfen Sie ihm natürlich Mitteilen. Es scheint mir, als leide er unter einer Depression des Ge- Er bestreitet es zwar, aber ich bin überzeugt davon. Wissen Lie vielleicht etwas darüber?"

August Knorreck hob hilflos die Schultern.

Versuchen Sie, es zu ergründen," fuhr der Toktor fort.Lie sind fern Vertrauter. Aber gehen Sie mit der- notigen Vorsicht zu Werke! Wir müssen dann versuchen, die Ursachen fortzuschafsen."

Ist es denn so schlimm?" preßte sich der Inspektor aus der Kehle.

Noch schlimmer!" erwiderte der Toktor.Mit diesem Herzen wird er nicht alt. Ich müßte mich sonst täuschen. Oder es mußte ein Wunder geschehen!"

Ein Wunder!" wiederholte August Knorreck tonlos und begleitete den Arzt zur Kutsche.

. " 6en wohl!" sagte der Arzt, den Fuß schon auf

dein Wagenschlag.Und schicken Sie bald jemand, der die Medrzrn hott."

August Knorreck nickte und reichte ihm die Hand Ter Doktor beschaute sich die vernarbte Handfläche und machte ein strenges Gesicht.

ihn an ^° ben bn ^band zu zeitig entfernt!" fuhir er

Ich muß doch zugreifen!" meinte der Inspektor kleinlaut.

Wozu haben Sie Ihre Leute! Ich werd Ihnen sonst in acht Tagen die vand abschneiden müssen"

Die Kutsche rollte durch das Gutstor, und Auausk Knorreck ging in tiefe Gedanken versunken über den Hof' An der Ecke des Maschinenschuppens traf er mit Thomas Hauschild zusammen. J

Es muß einer in die Apotheke!"

Ich reite!" rief der Gehilfe und sprengte eine halbe Stunde spater der Toktorkutsche nach.

(Fortsetzung folgt.)

volkstümliche Lrntepoefie.

Bon Franz-Pflüger.

Erntezeit? Eine schlvere Zeit für den Landmann und doch eine heilige, frohe und festliche Zeit. Vielfach wurde früher und teil- werse auch wohl heute noch die Ernte eingeläutet, und ehe man mit einemWalt Gott, daß es wohl ausgebe!" hinauszog, versam­melte man sich m der Kirche, nachdem Sensen, Sicheln und Rechen vor ihr niedergelegt loaren, zu einem Bittgottesdienst. Allgemein, hatte man gute, womöglich neue Kleider und reine Wäsche angetan, M hier und da war sogar eine besondere Erntetracht üblich. Um

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die noch heute - . weiße Seinen*

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