Ausgabe 
24.7.1915
 
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Turück zur Lcholle.

b^oman von Ewald Gerhard Seeliger.

(Nachdruck verboten.)

(fcortic billig.)

, Sulitsch lief das Gerücht einen Tag länger. De

alte Abraham erfuhr es am Nachmittage vorher, als er n Alttorge sein P^erd<t>en tränkte. Sofort drehte er um un^ kam noch vor Sonnenuntergang nach Britzkawe

. . _ .^/r über den Hof schrägte, lief er August Knorreck n die Hände

stehtmit dem Baron?" rief er atemlos.

Besser!" sprach der Inspektor und vertrat ihm der Weg zum Herrenhaus.

Wird er sterben'?"

August Knorreck schüttelte den Kopf.

Nu, da ist^alles gut!" meinte der alte Abraham be friedigt.Und Sie find auch wieder da! Wie ist's mit dem künstlichen Dünger"

Zwei Waggons wie voriges Jahr!"

Schön, werd's besorgen!"

Gleich darauf klapperte er wieder zum Dorf hinaus ^iesiual aber hatte er es eilig. Auf der Chaussee lies; er sein Pferdchen sogar galoppieren. Als er in Sulitsch über den Marttplatz lenkte, hielt ihn ein Polizist au, weil die Waaeu- laterne nicht brannte.

..Nu, was wollen Sie!" lachte der alte Abraham. .Es ist do<k> noch hell, und ich bin doch schon zu Hause

Fünf Minuten später stürzte er zu Bartenstein und Levlsohu ins Kontor.

, u "Wissen Sie schon!" rief er atemlos.Der Britzkawer Baron! ^ie haben aus ihn geschossen. Er hat eine Kugel in der Brust."

Der dicke Bartenstein sank in den Stuhl und gab einen glucksenden Ton von sich Ter schlanke Levisohn mußte sich am Schreibtisch festhalten, so 'zitterten ihm die Knie.

"Ist er tot?" stotterte er, kreidebleich vor Schreck.

Noch mcht!" jammerte der alte Abraham.Aber wenn er stirbt, dann können Sie sich das (Held in den Rauchfang schreiben. Ich biete fünfzig Perzent!"

... " v u danken!" sagte der dicke Bartenstein und rappelte sich wieder ausWenn Sie uns fünfzig Perzent bieten, wiid 3 wohl nicht so schlimm sein."

. J 1 ?' "ächgen Morgen fuhren sie nach Britzkawe, um sich

durch den Augenschein zu überzeugen, was an dem Gerücht ,ohikv war. August Knorreck fing sie vor dem Herrenhause ab und ließ sie iiicht zimi Baron. Das war ein böses Zeichen' ^>ie sebten sich ms Kretscham und lauerten auf den Doktor. Und sie fingen ihn ab, als er gerade in die Kutsche steigen wollte, um nach Hanse zu fahren, und ließen sich von ihm beruhigen.

Winkelbergs Wunde begann sich zu schließen. Doktor Bielschowskv ivar mit dem Heilnnasvorgang zu­

frieden. Nur die Schnelligkeit,ließ zu wünschen übrig. Kom­plikationen blieben aus, jedoch das Her; wollte sich nicht zu seinem alten Zustand zurückfinden. Der Baron war ein sehr geduldiger Kranker. Für die nötige Ruhe sorgte August Knorreck, der auf dem Gute die alte straffe Zucht wieder ein- gesührt hatte, die Pflege leitete Frau Knorreck mit Umsicht und Sicherheit, und für die Unterhaltung sorgte Eäeilie und Moritz Gaffel, die abwechselnd vorlasen. Eäeilie zog die Mär­chenbücher vor, Moritz Gasse! war lveniger wählerisch, nahm Bücher aus allen Wissensgebieten, nur die Pädagogik ließ er aus.

Unterdessen begann die Rübenernte. Schwerbepackte Wa­gen schwankten und knarrten über die Fetter, ratterten durch das Dorf, die Straße nach Zdurotfchin zu. Doch der gerade Weg war für diese Fuhren nicht brauchbar, weil die Brücken zu schwach waren, ^ie mußten den Umweg über Podraschke machen, der zum größten Teil chauffiert war. Nur das Lehm stuck im Walde war noch nicht geregelt. Und hier blieb auch nach einem tüchtigen Regentage ein Wagen stecken. Er mußte entladen werden, um aus dem Loche herauszukommen.

^etzt riß dem Inspektor die Geduld, und er beantragte bei Franz Wiegelt die Einberufung einer Gemeindeoersamm- lnng. Und in dieser Persammlung hielt August Knorreck eine Rede, die ebenso kurz wie kräftig war. Er wusch den eigensinnigen Bauern so derb die Köpfe, daß sie nicht zu mucksen wagten. Aber von der Meinung, daß der Baron die Fuhren stellen müßte, ließen sie vorerst nicht. Da mußte gröberes Geschütz heran.

mx. "Wie ihr wollt!" rief August Knorreck und griff zur Mutze.Wenn ihr morgen früh nicht anfangt zu fahren, dann bauen wir durch den Wald einen Privatweg. Und dann könnt ihr euch eure Lchmstraße allem flicken!"

. Damit ging er hinaus. Die Bauern steckten die Köpfe zusammen, hörten mit einem Ohr auf Moritz Gassel. der zum Frieden riet, und überstimmten endlich die Opposition, die diesmal ohne Führer war, weil Christian Renschel noch immer das Bett hüten mußte.

Am nächsten Morgen fuhr Franz Wiegelt die ersten fünf Fuder Steine heran. Zehn Fuder ließ August Knorreck am Mittag daneben werfen. Die andern Bauern ließen auch nicht länger auf sich warten. Und endlich kamen bie Stein- klopfer.

Herr Baron!" meldete August Knorreck eines Mor­gens.Jetzt fahren sie Steine."

Fritz von Winkelberg hob die bleiche, abgezehrte Hand von der Bettdecke und dankte mit entern schwachen Druck. Beide dachten an Hedwig, ein jeder auf seine Weise, aber keiner sprach ein Wort.

Frau Knorreck dagegen war nicht so hart. Mit jedem Tage trieb ihre Hoffnung schönere Blüten. Sie ermahnte Hedwig, iioch fleißiger zu schreiben, uild brachte dem Baron leben dieser Briefe, auch die alten, die sie nach Zdurotschin ge­schrieben^ hatte, ^lnd der Baron bewahrte diese Blätter wie einen köstlichen Schatz unb gab sie nicht wieder her. August