Geld — unirdcu die Gemüter bald ruhiger, Tie Diskussion nahm zusehends sanftere Formen an.
„Was sollen wir," wagte endlich ein Weinhäudler zu sagen „einen Menschen erschienen, mit dem wir Geschäfte machen können. Hast du nicht gehört, was er an Wein kaufen will. Wenn wir den Auftrag teilen..."
Säue Worte sollten Labarbe gelten, aber umsonst sah er sich jetzt nach) dem Napoleonskops desselben um. Während noch die Wogen der Erregung hoch gingen, uxu Labarbe geräuschlos oei schnwnden. Jetzt war er schon im Rathaus, denn er wußte, daß es außer ihm noch ein Dutzend anderer WeinhäMer in Beau ville gab, _
vermachtes.
^ Die # itönen Neffch and eller*. In den vierziger Jahren spielte im alten Berlin das Garde-Schützen-Bataillon eine große Rolle. Es war ganz eigenartig zusammengesetzt. Sein Ersatzbezirk war nämlich das Fürstentum Neufchatel in der Schweiz, das durch Personalunion mit der Krone der Hohenzollernkönige verbunden war. Der Ersatz wurde zum Teil in Neufchatel durch Handgeld geworden, zum Teil durch Dreijährig-Freiwillige gedeckt. Tie Notabel« von Neufchatel halten das Recht, dem Könige junge Leute ihres Standes zur Erueunung als Oifiziere vorzuschlagen. Diese »jrimtn Neffchandeller", wie fte im berliner Volksmund hießen, waren ungemein beliebt bei der Bevölkerung, insbesondere bei der weiblichen. Tenn diese jungen Schiveizer sahen nicht nur in ihrer grünen Uniform sehr hübsch auS, sondern waren auch flotte, lustige Leute, und in den beliebten Lokalen von Alt-Berlin, insbesondere tn den .Zellen", wurden sie als gute Tänzer sehr bevorzugt. Sehr drollig war die Sprache dieser grünen Chasseurs. Kamen sie als Rekruten nach Berlin, so sprachen sie noch in den ersten Wochen Französisch, das sich aber sehr bald mit einem so ausgesprochenen Berliner Deutsch, von ihren Küchenbekanntschasten nur zu schnell erlernt, mischte, daß nur echte Berliner es verstanden. Zu diesen gehörte vor allem die Kantineuwirt»»», die in der Köpemcker Straße gegenüber der Kaserne wohnte, Schönwetter hieß, aber von den Soldaten Madame Beautemps genannt wurde und sich selbst Frau Botang unterschrieb. Sie verstand sofort, wenn ein „Nesschandeller »ave ebripps odroiröe paar au sekser et na körn fe!r§* verlangte. Gepfefferter Korn war Kornbranntwein, dem »roch gestoßener Pfeffer beigemengt war, damit er beffer brenne. Der Mann dieser ,Frau Botang* war Kasernen»värter. Als seine treffliche Gattin plötzlich starb, teilte er daS der Welt durch folgende Todesanzeige mit:
»Jestern starb Frau Botang aus die Resschandeller Kantine.
Wer meinen Schmerz jekannt, wlrd mir ermessen.
Schöuwelter, Kasernenmärter in der Köpenicker Straße/
* Ein Fahnen Wechsel. Als Metz schon längst reichs- dentsch geworden war, wehte auf der Kathedrale daselbst noch einige Jahre die französische Trikolore. Sie saß auf der höchsten Turmspitze und war nicht ohne Lebensgefahr hernnterzuholen. Der solches wagte, mußte, auf der Turmspitze angelangt, noch über eine große Kuppel und dann noch auf eine zweite kleinere Hügel zur Fahnenstange klettern. Bis zum Jahre 1874 wehte die Fahne auf dem deutschen Tom. Endlich setzte inan eine Belornuna von 100 Talern für die Herabholung aus. Und am 16. Juli des genannten Jahre« wurde das Wagnis ausgeführt. Ein Pionier, Karl Ltto Bredenow aus Prenzlau, war der Mutige, der die Jahne holte. Zur Mittagszeit rückte mit voller Musik eine Truppen- abteilung auS, den kühnen Pionier in der Milte. Er hatte tn der Tasche große Nägel und einen Hannner, mit dem er die Nägel stufenweise einschlug und so immer höher stieg. Plötzlich — der Kiihne war bereits auf der großen Kugel ängelangt — ertönt unten lmter den vielen Tausenden Zilschanern ein Entsetzensruf: ^Er fällt!* Bredenow war ausgerntfcht. Aber er Halle sich noch festzuhallen gewußt, und eS gelang ihm in der Tat, die blau weiß-rote Flagge herabzuholen imb eine riesige schwarz-weiß-rote an der Stange zu befestige,,. Tann putzte er noch die große Kugel blank und kletterte hinunter. Vier Stunden hatte da? Werk gedauert. Mit einem Hurra, in dag auch viele ein- stimmten, die damals in Metz noch nicht deutsch gesinnt waren aber die Kühnheit deS Pioniers bewunderten, wtirde der Waghalsige empfangen.
* Io ff re-Blau. Die Pariser sind trotz Kriegstaumel und Knegsernst ihren kleinen äußerlichen Liebhabereien nicht untreu geworden. Auch in dieser bitterernsten Zeit ist ihnen die neue .Rode eine wichtige Frage geblieben, und fte köiinen es nicht unterlassen, hin und wieder das diesinal besonders schwierige Problem zu erörtern. Selbstverständlich ist die neue Mode — wenn auch nur sehr lose — mit der Kriegszeit in Zusammenhang gebracht. Die Farbe der Modcnwelt ist diesmal das helle Blau
voll Vaterlandsliebe „Joft're-Blau" genannt. Nun widmet das Journal des T-6bats der neuen Farbe eine patriotische Be- grußungsr^>e: „Das blasse Blau, das jetzt an der Tagesordnung ist, heitzt Horizont-Blau, wenn es zur Färbung der Uniformen verwandt wird, und Joft're-Blau, wenn es das Kleid der Fra« bel-erricht. Jedes Jahr hat seine Farbe — wir hatten weiße und rore Jahre, und diesinal ist's leider ein schwarzes Jahr. Aber
schließlich gibt es nod> immer Schneiderinnen, eine Mode und Danren, die sie tragen: und die Arbeiterinnen leben davon. Das Blau ist eine französische Farbe, es paßt zu keinem Lande so wie zu dem unsrigen, zu keinem Himmel so wie zu dem leichten, flüssigen Himmel unseres Vaterlandes. .Ja, wir haben diese Farbe erfunden?..." In der schönen Erkenntnis, daß cs doch etwas übcrhebcnd lväre, allen anderen Ländern das Recht aus blaue Farben ab-usprechen, fügt das Blatt hinzu, daß es allerdings auch ein Preußen-Blau gäbe. Aber dies sei eine öde und dumme Farbe. 9tun, wir lverden auch das zu ertragen wissen!...
vüchertisch.
— D t e Leipziger l l u st r i e r t e Z e i t u n g" beweist mit ihrer soeben erschienenen Nummer 37öV von, 15. Juli auf« neue, daß sie in Bezug auf die bildliche Kriegsberichterstattung aichergewöhnliches bietet. Im vorliegenden Heft finden wir u. a bemerkenswerte Zeichnungen von Proseffor Hugo Unqewitter. Professor HanS v. Hayek, Wilhelm Buddenberg, Felix Schwor,nslädt, Karl v. Tombroivöki und Ernst Bnfch. Einen besonderen Wert erhalten die KriegSnnmmeri, der »Illustrierten Zeitung" durch dir hälisig beigegebeiien Reliefkarten größerer und kleinerer Ausschnitte der gerade im Vordergründe deS Interesse- stehenden Operationsgebiete. Die besprochene Nummer bringt eine sehr ins einzelne gehende Spezialkarle des KainpfgebieteS an der Lorettohöhe und eine z,var in größerem Maßstabe gehaltene, aber ebenfalls noch alle wichtigen Einzelheiten erken>i?n lastende Darstellung des Kriegsschauplatzes in Ostgalizien. In dem nicht ininder reichhaltigen Textteil dieses Heftes finden »vir Georg Hirfchfeld und Hermann Schönfeld mit spannenden Kriegsnovelle»» vertreten. Profeffor Dr. Dinger plaudert über beu Weltkrieg und Theaterkultur und macht beachtenswerte Vorschläge, wie die Lehren unserer Zeit für die Entwickelung deS deutschen Theaters an» besten nutzbar z»» machen si>»d. Proseffor Tr. Gramzoiv zeigt in von historischer Beweiskraft getragenen Ausführungen die llnhaltbarkeit der Behauptung. daß die Franzosen unser ritterlichster Feind seien. Ein reich illustrierter Beitrag von StabSvetermär Rühm, betitelt »In» Pferdelazarett*, schildert die außerordentliche Bedeutung der tierärztlichen Tätigkeit für den erfolgreichen Fortgang unserer mtli- tärischen Operationen in Feindesland.
— Neuerscheinungen von Reclams Universal- Bibliothek. Nr. 577!, 5772. Die Milttärversorgungs- g e s e tz e (OsfizierspensionSgesetz, Mannschastsversorq»»ngSgeletz, 2t»li- tärhinterbliebenengesetz» Lufifahrerfürforgegejetzj fü r d a S D e u t f ch e Reich nebst AnSführungsbesttunnnngen des BundesratS. Textausgabe mit kurzen Anmerkungen und Sachregister. HeranSgegeben von Karl Pa»»nier. (184 S) I»» Leinen 80 Pig. — Nr. 5773.
Meister Andrea. Lustspiel in zwei Aufzügen. Von Einanuel Getbel. (63 S.) — Nr. 5774. Echte» Gold iv i r d klar i in Feuer. Ein Sprichwort Einakter. Don Einanuel Geibel. (27 S.) — Nr. 5775, 5776. Da» eins« »ne Land. Erzählungen. Bon Baldeinar Lindholm. Autorisierte Uebersetzung aus dein Schwedischen von At. Rassow. (213 S.) - Nr. 5777. Ueber d a S V e r h ä l t n i S der b i l d e n d e n Künste z u r N a t u r. — Gedanken über Malerei. Von F. W. I. Schelling. Herausgegeben und eingeleitet von Prof. Dr. Ludwig Kuhlenbeck. (100 2.) — Nr. 5778. Firma M»»rkS. Von L. Schermann. Heitere Schilderungen a»,s dem Geschäitsleben. Trittes Bändchen. (96 S.) Bde. 1 bis 3 z»»f. geb. In Leinen 1 Mk. — 9!r. 5779. N a ch d e n» S ü n d e n f a l l und a n d e r e N o v e l l e n. Bon Luise Westkirch. (95 S.) — Nr. 5780. Berichte a»»s de m Großen Hauptquartier 1914 15. HeranSgegeben von Karl Wilke. 1. Band. (95 S.) Die ausführlichen Berichte des Großen Hauptquartiers über einzelne Abschnitte und Ercigniffe des Krieges verdienen für immer emc» hervorragenden Platz in unserer kriegS- geschichtlichen Literatur. Sie sind eine zuverlässige Quelle für die Erkenntnis der Geschichte dieses Krieges und ein ausgezeichnetes Hilfsmittel, un» die Elemente der militärischen Geographie aller derjenigen Gebiete kennen zu lernen, die den Scha»,platz dieses riesenhaften VölkerringenS bilden.
Diamanträtsel.
In die Felder nebenstehender Figur sind die B»lchstabe>» a a a b e e f h i i iiilmmnnrssttttz derart einzutragen, daß die »vagerechten Reihen folgendes bedeuten:
!. Einen Buchstaben.
2. Stadt in Belgien.
3. Teil eines Bauines.
4. Ein Land.
5. Männlichen Bornainen.
6. Aegyptische Gottheit.
7. Einen Buchstaben.
Die senkrechte und wagerechte Mittelreihe ergeben das Gleiche. Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Palindroms in voriger Nun»»»,er: Gras, Sarg
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Schrlftleitnng: Aug. Goetz, - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UniversitälS-Buch- und Steindruckcrci. R. Lange. Gießen


