Ausgabe 
21.7.1915
 
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Euriidi zur Scholle.

Woman von Ewald Gerhard Seeliger.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

In der ersten sternklaren Nacht aber schritt Fritz von Winkelberg durch die Britzkawer Gemarkung und suchte seinen Inspektor. Aber er traf ihn nicht. Gerade an diesem Abend war Auaust Knorreck zu Hause geblieben. Bis um ein Uhr wunderte Fritz von Winkelberg die Feldraine entlang, sprang über Gräben, querte über Sturzäcker, strich am Waldraude hin, bis weit ins Südrevier hinein. Und da, als er schon umkehren wollte, siel ganz in seiner Nähe ein scharfer Büchsenschuß. Er sah die Pulverflamme aufleuchten und schlich sich näher. So vorsichtig fühlte er sich mit den Fußspitzen vorwärts, daß nicht ein Zweiglein knackte. End­lich, immer am Waldrande sich entlangtastend, sah er im Licht der Sterne den Wilderer vor sich, der am Boden kniete, um den eben erlegten Nehbock aufzudrechen. Es ivar Ehri- stian Reuschel, der Müller. Die Büchse lag schußbereit neben ihm.

Fritz von Winkelberg rief ihn scharf an und trat auf ihn zu.

Der Müller riß die Büchse an die Wange und zielte.

,.Sie werden zu Ihrer ersten Dummheit eine zweite setzen!" warnte chn der Baron ruhig und blieb dicht vor der drohenden Mündung stehen.

Da senkte Christian'Reuschel beschämt das Rohr, und Fritz von Winkelberg trat schnell mit dem Fuße darauf.

,^Ich rate Ihnen dringend," fuhr der Baron fort, ohne die Buchse freizugeben,für die Folgezeit selche Späße zu Unterlasten, cs könnte vielleicht schlimm aolauten. Der Förster ist Ihnen auch schon auf der Spur. Also nehmen Sie sich in acht. Sie haben Weib und Kind."

Was kommt's Ihnen denn ans so einen lumpigen Reh­bock an!" würgte sich der Windmüller heraus.Es ist doch nicht der Rede wert."

Es handelt sich hier nicht um den Rehbock!" schnitt ihm der Baron das Wort ab.Wenn Sie schon das ver>- dammie Knallen nicht, lassen können, warum sind Sie nicht zu Mir gekommen? Ich hätte Ihnen die Erlaubnis gegeben. Und Sie hätten dann wohl nicht die Frechheit besessen, mir in der Gemeindeversammlung Opposition zu machen. Jetzt natürlich werde ich Ihnen diese Erlaubnis nicht geben. Hüten Sie sich aber in Zukunft. Ich kann Sie ins Zuchthaus bringen!"

\Oho!" lief der Müller und riß die Büchse unter dem Fuße heraus.Du wärst mir der Rechte, du Lausebaron! Klag doch, wenn du Zeugen hast. Ich schwör alles ab!"

Damit verschwand er schnell in der Finsternis des Waldes.

Fritz von Winkelberg mußte sich an einen Baum lehnen, so stark pochte ihm das Herz.

Drei Nächte später klopfte Karl Ruppert kurz nach Mitternacht an das Herrenhaus. Der Gärtnerbursche ließ ihn ein und rührte ihn an die ^ochlafzimmertür. Der Förster pochte den Baron aus dem Schlaf.

Was ist los?" rief Fritz von Winkelberg und zwang sein Herz zur Ruhe.

Ich bin's, der Förster!" gab Karl Ruppert zurück.Ich bab ihn', den Reuschel. Ich weiß, wo er seine Flinte versteckt. In der alten Ulme beim Schwedenleich."

Wildert der Kerl rwch immer!" fragte der Baron aufs höchste aufgebracht, und fuhr schnell in die Kleider.

Gestern hat's wieder geknallt!"

.Fünf Minuten später trat Fritz von Winkelberg heraus und ging mit dem Förster auf den Schwedenteich zu. Als sie bei der Försterei vorbeikanien, machte der Baron Plötz­lich halt.

Holen Sie mir eine Flinte heraus!" befahl er kurz. Sie braucht nicht geladen zu sein!"

Karl Ruppert brachte eine und steckte zwei Schrot­patroneil hinein.

Sie ist geladen!" sprach er, als er sie dem Baron reichte.

Der nickte und ging mit starken Schritten voraus. Der Förster halte Mühe, an seiner Seite zu bleiben. Als es im Dorfe eins schlug, standen sie vor der alten Ulme, deren Stamm einen handbreiten Riß zeigte. Fritz von Winkelberg griff hinein und fühlte einen Gewehrschafl und eine Blech- schachtel mit Patronen.

Jetzt müssen wir uns auf die Lauer legen!" flüsterte der Förster aufgeregt.Ich habe alle allen Bäume durch- fucht,^bis ich auf den gekommen bin."

Sie zogen sich zurück und warteten eine Stunde. Da hörten eilige, schleichende Tritte. Im schwachen Licht der Mondsichel, die eben im Osten heraufftieg, sahen sie den Müller, der die Büchse herauszog, sich ein paar Patronen cniitedfte und leisen Tritts über die Schwedenschanze huschte. Der Förster pirschte sich den Abhang hinauf und schaute ihm nach. Fritz von Winkelberg wartete unten.

Herr Baron!" flüsterte Karl Ruppert, nachdem er sich über die Richtung, die der Müller eingeschlagen batte, ver­gewissert hatte.Er geht auf Podraschke zu. Dicht bei der Lärchenschonung ist der Wechsel. Da können wir ihn gut be­schleichet!."

Vorwärts!" befahl Fritz von Winkelberg und nahm die Flinte unter den Arm.

Der Förster schlich voraus. Er folgte dem Müller nicht auf dem geraden Pfade, sondern zog einen Umweg vor, um möglichst bald den Schutz des Waldes zu erreichen. Auf der Straße nach Podraschke machte er plötzlich halt.

Wir müssen ihn von zwei Seiten anpirschen!" sprach er leise.Sonst reißt er aus. Gehen Sie langsam bis zur nächsten Schneise vor. Ich halt mich auf der andern Seile. Wenn er geschossen hat und über dem Bock ist, schnell vor­wärts!"