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Nun atmete er auf. Sein gutes Herz rührte sich aber auch sofort. .Er untersuchte den an der Tür liegenden Feind, er war bewußtlos, aber anscheinend nickt allzuschwer verwundet, auch die beiden anderen waren noch gut wcgqekommen. Er verband mit seinen eigenen Verbandpäckchen die drei Verwundeten und schleppte sie dann in ein noch ziemlich vom Granatregen verschontes Zimmer in: ziveiten Stock und schloß sie dort ein. Dann stieß er das Maschinengewehr vom Sims und schleppte es nach dem Walde, nachdem er sich noch überzeugt, daß die Gefangenen im Keller wirklich nicht entschlüpfen konnten. Er suchte im Hause nach einem sogenannten Vorhängeschloß und legte dasselbe noch an die Kellertür. Den Schlüssel steckte er M sich. Im Walde band er den Riesenbusch Birkenzweige auf das Maschinengewehr, spannte sich davor und zog das ganze Pfingstvehikel durch das Birkenhölzchen. Als er am jenseitigen Rande angelangt war, ward er zur Schnecke, soll heißen, er kroch aus dem Bauche über das todumwehte Schlachtfeld und zog das grüne Gehäuse hinter sich her. Der Feind sah ihn merkwürdigerweise nicht, Ivo hl aber kam den Deutschen der wandelnde Busch recht verdächtig vor. Und schon hatte ein sür- witziaer, allzueisriger Musketier, der da dachte, ein böser Feind pirschte sich unter dem Schutze eines Birkenbusches heran, ans ihn angelegt und losgeknallt, und husch, fuhr ihm das heiße DingS durch den Oberarm. Aber da packte den braven .Günther grimme Wut. „Infame Lümmels!" schrie er und richtete sich aus. „Wollt ihr euren eigenen Kameraden erschießen?" Da ward er mit Halloh empfangen. Man verband ihm sofort die leichte Fleischwunde und dann ließ er sich zu Leutnant B. führen/. Und er rief seinem Kompagnieführer strahlend vor Glück entgegen: „Herr Leutnant! Der Kaiser und ich — wir sind nun quitt!" Und er berichtete nun die eben geschilderte Heldentat.
Während mit sinkender Nacht ein Unteroffizier und drei Mann und zwei Sanitäter die drei verwundeten und fünf gefangenen Feinde aus dem Gehöfte holten, ward der Schützengraben psingst- lich geschmückt, — und als in der Nacht der Divisionsstab die Stellung besichtigte, meldete Leutnant B. Sr. Exzellenz Günthers wackere Tat. — Und Exzellenz ernannte den Braven an Ort und Stelle zum Unteroffizier und verlieh ihm das Eiserne Kreuz.
vermischtes.
* tr e n f) & 11 b e*. In, Sommer des Jahres 1831 wurde der pommersche Handlungsdiener Kiselak auf einer Gebirgstour durch bte Cholera dahingerafst. Volle 84 Jahre sind seitdem verflossen. der Name Kiselak ist aber in Tentschland immer noch unvergessen. ES ist jedoch ein trauriger Ruhnz. den sich dieser Mann erworben hat. Kiselak war ein begeisterter Tourist; er hatte aber die merkwürdige Eigenart, daß er auf allen feinen Reisen einen Topf voll schwarzer Farbe, sowie einen Pinsel mttsührte und an den schönsten Punkten der Gebirgslandschaft, an den AussichtS- türmen usw. mit großen Leitern seinen Namen hinzumalen pstegte. Ja, er bestieg unter Lebensgefahr die unzugänglichsten Berg- und FelSspitze«,. um an bei, weithin sichtbaren Stellen das Wort »Kiselak* hinzupinseln. Wie Heinrich Anschütz in seinen Erinnerungen erzählt, gab es in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts in den österreickischen GebirgS- und Alpenländern fatim eine nennenswerte AuSsichtSstelle, wo KiselakS Eitelkeit sich nicht verewigt hätte. Scheffel hat diese Manie KtselaS in folgenden treffenden Versen gegeißelt:
»Schwindlig ob deS Abgrunds Schauer Ragt des höchsten Giebels Zack Und am höchsteil Saum der Mauer Prangt der Name Kieielak.*
Leider hat Herr Kiselak viele Nachahmer gesunden: noch immer bedecken sich die Wände der AuSsichtStürme, die an hervorragenden AnSsichtSpunkle«, ausgestellten Gällke ufw. mit vielen Jnfchri'ten. Vielfach bringt man an solchen Stellen wieder Inschriften an, in denen man daS Bekritzeln der Wände und Bänke untersagt. In einem bekannten Ausflugsorte Thüringens kann man auf der an einem schönen Aussichtspunkte arisgeslellterl Bank folgendes lesen: »Bemal mich nicht, bekratz' mich nicht llnd schneid auS mir nicht Sparren!
Ich lverde dadurch besser nicht,
Und du, du ivirst znin Narren I*
Es ist sehr fraglich, ob man mit solchen Inschriften, die allzu sehr an die Methode des TelstelSaustreiben durch Beelzebub erinnern. dielen, Unfug zu begegnen vermag. Hier kann inan, wenn freundliche Mahnungen nichts nützen, nur durch strengstes Vorgehen elivas erreiche:,.
Der »e i n g e z o g c n e* Kammerdiener des Papstes. Nach einem Bericht der .Stampa" ist zwischen den, bapst „nd der italienischen ^Militärverwaltung ein merkwürdiger
Konflikt entstanden : Ter LiebUngS"Kai„i„erdieiier des Papstes wurde ei>,gezogen und an die Front gesandt. Ter Papst, der seinen Leib- . ""er nicht missen wollte, beauftragte eine hohe Persönlichlctt. die italienische Negierung um sofortige Rücksendung des Mannes zu vli.cfc 1 r 0nfle lmö schwierige Verhandlungen waren das Resultat i leier Forderung, und es war nicht möglich, ein einschlägiges Gesetz für diesen Fall zu finden. Schließlich zeigte sich die Zivil
regierung einverstanden. Da aber legte die Militärverwaltung ihr Veto ein und erklärte, daß sie sich entschieden weigern müsse, den Mann auS den, Dienste zu entlassen. B,s heute wurde noch kein Niittel girr Beilegung dieser seltsamen Differenz gesunde»,.
Die Schulen imKeller. In R e i m s, dessen Stadtgebiet schwer unter den Schrecken des Krieges leidet, sind nun auch die Schulen unter die Erde geflüchtet. Ta die größte Anzahl der Schulgebäude de«, Geschossen oder den Fla,„men zu>„ Opfer fiel, wird der Unterricht in Kellergewölbe,, fortgesetzt. In, »Eclairenr de Brest* sind einige interessante Angaben über oiesen »unterirdischen Unterliegt* zu finden. Tie Schulen, die ja in, wahrsten £umc deS Wortes KriegSanstalten sind, wurden mit den Rainen bekannter Heerführer gelaust. So gibt e; in Reims eine Joffre- Schule mit den Klaffen Foch, Sarrail und Albert I., eine Tubatl-, eine Maunoury- und eine Garibaldi-Schule. Ter Weg zu diesen Schulen, der zu Fuß zurückgelegt werden muß, ist nicht i» ,ner gefahrlos. Bon 715 Schülern in Reims find 498 Zöglinge dieser Kellerschulen.
Ä l ü cl) e r i„ Paris. Als vor hundert Jahre», Blücher in Paris elngezogen war. machte ihn, das Französische nicht viel Schwierigkeiten. Er konnte zivar nicht französisch, aber sein Adjutant Genera» v. Strany, der Vater des vor wenigen Jahren verstorbenen Ferdinand v. Strauß, deS originellen Theatervelerane«,, mußte den Tolinet'cher machen. Empfing Blücher französische Deputationen, so eröffnete der Feld,,,arschall die Sitzung feierlichst mit den Worten: „Le roi. raon maitre!“ und sagte dann zu Herrn v. Slranh : »Fahr Er fort!- Wenn der Adjutant nicht sehr schnell das Französische ins Deutsche übertrug, so fuhr Blücher ihn mit de«, Worte», an: »Er kann wohl ooch nischtl* I», Paris schlenkerte Blücher mit seine», beide», Adjutanten in Zivil gerade in de», Straße.! umher, als König Ludwig XVIII. am IS. Juli 1815 seinen Anzug Hallei, sollte. Ta siel es plötzlich Blücher ein, sich den E,nzug des Königs von einen, Fenster aus anzusehen. Tie Wirtin verlangte für die Benutzung dieses Fensters 40 Francs; Blücher aber meinte: »WaS, dafür, daß ich den König in Paris einztehen lasse, soll ich noch Geld allSgebe«, ? Ich deicke nickt daran!* Und er verzichtete auf das Vergnügen.
* W, e man u u s r e i »v i l l i g B e „ t e m a ch t. Das Ge- schichtche«, ist 1870 passiert, kam, sich aber beute genau so begeben. Ein Leutnant a»»S den» Bayer „lande schickt seinen Burschen nach Eiern, schärst ihm aber genau ein, wie er auf französisch zu frage«, habe, was die Eier koste,,. Der Bursche kehrt heim, bringt die ganze Mühe voll Eier mit, aber hat auch daS ganze mitgenommene Geld noch bei sich. »Hube ich dir nicht streng beiohlen, du Teufelskerl du, daß du die Eier bezahlen sollst," wettert der Leutnant. »I ha's zahle «volle," sagt gutmütig der Bursche, „aber wie i giragt ha: Kombi futt il? hat die Bäuerin gsät: Gah zue (Quatre sous) — und da bin i gange."
vüchertisch.
— Feuertaufe. Geschichten a»«S dem großen Krieg. Von Kurt Küchler. Leipzig, Hesse & Becker Verlag. 2 Mk., geb. 3 Mk. — Ter Hamburger Schri'tstellerKurt Küchler legt,,, den, gut aus- gestatteten Bande eine Auslese seiner Kriegsgeschichten vor. Neben zarten Pastellbildern w«e »In, Park von Cirey* und »Tie gelbe Kerze* stehen Gemälde vo«, ei«,er düsteren Schönheit «vie »Julienne* oder »Revanche* und krallige Holzschnitte wie ,Auferstehung" und »Der tägliche Gast".
— Wichtige Kriegsereignisse „ach Berichten deS großen Hauptquartiers. Unter diesen, Titel sind in der Reihe der weitverbreiteten und lesen?,verte«, „Volksschrilleil zun, großen Krieg* vor einiger Zeit schon zivei Hefte (Nr. 30/31 und 3 i/37) mit den vom großen Hauptquartier herauSgcgebene,^ also offizielle,, KriegSschilderungeu auS Ost und West veröffentlicht worden, denen sich nun in gleicher Stärke von je 49 Seiten und zu gleichen, Preise (je 20 Ps.) zwei weitere Sanlmelheste (Rr. 40/41 und 43 44) anschließen. Mit je 4 Karte«, und Bildschmuck versehen bilde«, die Hefte eine empfehlenswerte Kriegdlektüre. Das 2 . Ost- heit berücksichtigt neben dem Ruffenvorstoß auf Meine! und Tilsit vor allen, die Karpathenkämpse bis zr«r großen galizische«, Durchbruchsschlacht von Gorlice-Tarnow. In, 2. Westhest ist gesammelt «vas unser Hauptquartier über die bis heute andauernden Kämpfe irn Ober-Elsaß, zivischen Maas und Mosel und bei Ypern an z„- saminenhängenden Schildcruugeu veröffentlicht hat. Tie 4 Hefte denen von Zeit zu Zeit weitere folgen werden, sind vom Verlag des Evangelische«, Bundes, Berlin \V. 85, An, Karlsbad 5, zu beziehen.
Palindrom.
Nahrung liehe ich dem Tier, Rückwärts spende ich Ruhe dir. Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer: EBERS BARI E R A R I S
«chrlftleitung: Aug. Goctz.
Rotatio.iSdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Stcindruckerci. R. Lange. Gießen


