Turück zur LchsUe.
Koman von Ewald Gerhard Seeliger.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung)
Fritz von Wittkelberg hatte die Ernte glücklich hinter sich Dank der Fürsorge des alten Abrahams waren die Erträge des Verkaufs vorzüglich und übertrafen die der beiden Vorjahre um ein bedeutendes. Bartenstein und Levi- sohn atmeten auf, als sie zum erstenmal außer den Interessen ein Teil des Kapitals, wenn auch nur einen winzigen, ernstreichen konnten. Die Kartoffeln ließen zu wünschen übrig, sie hatten an vielen Stellen an der Blattrollkrankheit gelitten. Dagegen standen die Rüben prächtig und versprachen guten Gelvinn. Der Baron, der sich sechs Wochen hindurch kaum beu nötigsten Schlaf gegönnt hatte, bekam Plötzlich wieder mit dem Herzen zu tun und mußte auf Doktor Bielschowskys Befehl auf ein paar Tage ins Bett. Dank seiner Energie und seiner robusten Natur wirkte die Ruhe ausgezeichnet, und er konnte nach acht Tagen wieder an die Arbeit gehen. Nur das Reiten und die Jagd wurde ihm verboten. Er mußte Doktor BielfchowSky in die Hand versprechen, sich von jeder Aufregung fern zu halten und die nächste Ernte nicht ohne Inspektor zu unternehmen. Dieses Gelöbnis siel Fritz von Winkelberg gar nicht schwer, denn er dachte dabei an August Knorreck und an Hedlvig. Jin Herbst, sobald die Rüben von den Feldern waren, lvvllte er nach Halle reisen. Dann -kam altes wieder ins alte Gleis.
Auch mußte vorher die Angelegenheit mit dem Chaussee- balt in Ordnung gebracht werden. Es handelte sich um die zerräderte Lehmstraße nach Podraschke, die im Frühling und Herbst bei anhaltendem Regen schlechterdings unpassierbar war. Daß diese Straße notgedrungen verbessert werden müßte, sahen alle Beteiligten ein. Daß aber alle Beteiligteil an diesem gemeinnützigen Werke gleichmäßig Mitarbeiten müßten, das wollte den Britzkawer Bauern nicht in die harten Schädel. Und dabei kam nur die Herbeischaffung des Baumaterials in Betracht. Dagegen aber sträubten sie sich ans Leibeskräften. Die Steinfuhren sollte das Gut allein liefern. Die Bauern rechneten bei dieser Forderung auf die Gutmütigkeit des anädigen Herrn. Irgend ein Rechtsgrund war nicht vorhanden. Drei Gemeindevertreterversammlungen hatten in dieser Sache fcydn ohne Erfolg getagt. Jetzt berief Franz Wiegelt mit Moritz Gassels, des Ge- meindeschreibers Hilfe die vierte. Auch Fritz von Winkelberg als Gutsvorstand wurde eingeladen. Und er kam auch und setzte sich, wie schon oft, mit den Bauern auf eine Bank. Moritz Gasse!, der neben dem Gemeindevorsteher saß, führte das Sitznngsprotokoll. Lange lvurde hin und her geredet, ehe man aus den Kern der >sache kann Der Baron legte den Bauern mit freundlichen Worten auseinander, daß sie ihre Wagen und Pferde auch bemühen müßten. Franz Wiegelt bestritt das höflich, uuo die andern Bauern schlossen sich
ihm mehr oder minder grob an, je nach dem Grade ihrer Bildung. Besonders Christian Renschel hatte sein heftige- Mundlverk voran. Der Baron blieb vornehm und sachlich, aber fest und bestimmt, ließ sich nicht ans seiner Ruhe bringen, drang jedoch nicht durch. August Knorreck wäre noch grober geworden als die Bauern und hätte sie mürbe gekriegt. Fritz von Winkelberg sah endlich das Vergebliche seiner Bemühungen ein und verlangte Abstimmung. Moritz Gassel jedoch suchte vorher einen Vermittlungsantrag anzubringen und erntete dabei von dem Baron ein zustimmendes Nicken. Aber Christian Reuschel sprang auf und schrie: „Der Schulmeister hat gar nichts zu sagen. Der hat hier keine Stimme. Der hält's mit dem Herrn Baron. Wir brauchen die Chaussee nicht. Für uns ist der Lehmweg gut genug. Wir zerrädern ihn auch nicht. Das sind nur die schweren Domanialfuhren, die das tun. Die mögen auch die Steine ranschafsen."
Fritz von Winkelberg verließ die Versammlung und sah zum ersten Male ein, daß er die Bauern zu hoch eingeschätzt hatte.
August Knorreck stand wieder einmal morgens um vier Uhr auf der Schwedenschanze und horchte in die Nacht. Der September neigte sich seiner Mitte zu. Hell und klar leuchteten die Sterne. Kühle wehte es von Osten herüber. Da siel drüben an der Ecke des Südreviers ein Schuß, gleich darauf ein zweiter aus derselben Büchse. Der Inspektor besann sich nicht lange und ging zur Försterei hinüber. Jrtzt brauchte er es nicht mehr so eilig zu haben, denn die Nächte waren schon länger. Er klopfte an den Fensterladen, bis Karl Rnppert den grauen Kopf herausstreckte.
„Da sind eben zwei Schüsse gefallen!"
Dein Förster entfuhr ein böser Fluch.
„Wo?" fragte er dann.
„Scheint beim Birkenbusch gewesen zu sein. Diesmal Hab ich das Feuer nicht gesehen."
„Der Kerl muß Lunte gerochen haben. Immer, wenn ich schlafe, knallt er los. Ein ganz verfluchter Schweine- Hund!"
„Habt Ihr denn aus das Licht in der Luke acht gegeben?"
„Darauf ist kein Verlaß!" knurrte der dickköpfige Förster, „Das^rennt jetzt immer."
„Jetzt nicht!" meinte August Knorreck und wies mit dem Stocke aus die Mühle, die drüben, hinter dem Dorfe, auf dem Hügel saß.
„Ihr habt recht!" rief der Förster überrascht. „Drei Nächte Hab ich da drüben aus der Lauer gelegen, hat sich aber nichts gerührt."
„Und tue vierte?" forschte der Inspektor.
„Meine Knochen Hab ich nicht gestohlen!" rechtfertigt« sich der Grankopf. „Und der Jüngste bin ich auch nicht."
„Ihr seid der Förster!" meinte August Knorreck schlicht.
„Förster hin, Förster her!" rief Karl Nirppert unzufrieden. „Wozu soll ich mir die Jacke zerreißen, wenn ich


