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nal von vielen Autos, die Heranrasen imd zehn, zwölf Mann in jedem Wagen führen. Diese Leute sind, als Reserve eiligst vom Kommando verlangt worden, um „die Arbeit" fortzusetzen, die ihre Vorgänger nicht beenden konnten. Je weiter man fährt, desto häufiger begegnet man den Zelten, welche die Werkstätten der Intendantur, die Artillerie-Parks und die Materiallagerräume dar- stollen. Und überall sind Tausende von Menschen unermüdlich am Werke, um zu graben, zu bauen, aus-ube,sern und Dinge neu herzustellen. Es brausen die Motore, es klirren die Eisengerüte, cj klopfen bie Hämmer, und es pfeifen die Dampfnraschinen. Vom Ballon aus ist von den Wäldern der Argonnen bis Reims von einem Ende des , Horizonts zum andern ein endloser, sich rührender Ameisenlaufen zu sehen. Erst da gelangt man zu der Erkenntnis, welch eine ungeheure Masse fieberhafter, angespanntester Arbeit der Krieg täglich verlangt! Tie Msamte Arbeits- cnergre der französischen 40 Millioncn-Bewohnerschast scheint sich hier zu entladen. Daher ist Frankreich auch verödet, seine Fabriken geschlolsen, seine Städte mrd Felder ohne Menschen. . . Noch näher zur Front, uird das Bild ist lviedet anders! Hier birgt die Oberfläche der Erde gar nichts mehr. Der Krieg und die Geschütze, die Bomben und^Ncinen haben Wälder und Häuser dem Boden glerchgemacht und alles Leben erwürgt. Selbst Teiche und Flüsse siiid leblos und mit Trümmern. Sand und Steinen überfüllt worden. In tiefen Schluchten befinden sich verstteute Höhlen, die alle zur ersten Frontlinie führen und in deneii Soldaten und Generäle leben. Am Tage kommen sie kaum zum Vorschein, es sei denn, dass eine Attacke eine unverzügliche Befestigung erfordert. Nachts aber rührt sich der Ameisenhaufen umso mehr, und die ermüdeten Gruppen werden immer von neuein abgelöst, die alles herbei- schleppen, was zum Essen und Trinken und zum Kampfe in der Feuerlinie unentbehrlich ist. wie Munition. Sprengstoffe usw . , . Man kann bestimmt behaupten, daß an der Front und hinter derselben alle Franzosen von, 19. bis zum 45. Jahre, mit wenigen Ausnahmen, zusammengezogen .sind. In recht bunten Uniformen stellen sie, als Männer verschiedenen Alters und Berufes ern mächtiges Arbeiterheer dar. „Das Zkriegslager," sagte ein Ottlzrer, „ist heute eine Riesenfabrik, denn der Krieg setzt sich aus technischen Operationen zusammen!" Dieser Auffassung entsprechend haben die französischen Soldaten äußerlich selbst an der Front kein Gepräge von Kriegern, sorrdern von Arbeitern. Sie schreiten langsamen, schweren Schrittes, wie Leute, die sich redlich mühen, ihre Kleidung ist vom Rogen uiid von der Erde schnrutzig und ihre Unterhaltung ernst und sachlich. Gerade solch einen Eindruck tvie Hafen- und Eisenbahnarbeiter machen auch die Haufen an der Vorderlinre — nur daß sie hier noch zurückhaltender, schweig- samer und vvrsichtiger sind — wie bei einer gefährlichen Arbeit, wo leben Augenblick ein „Unfall" eintreten kann. Ml die Tausende sind zu einem einzigen Arbeitsorganismus zusammengeschlosien, ob- schon die französische Zivilisation eine außerordentlich individualistische ist. Und wenn der russische Soldat auch „wir" und tver .französische systematisch „je" sagt, so fühlt dieser doch die Krastlougkeit des „je" in dem alles gleichmachenden, meckiam- fierenden Kriege und versteht, daß die Schwere desselben von der ganzen Nation getragen werden mutz .
vermischtes.
^ U JJ* bv&xld > t k e 1 d e r W a l d b e e r e n l e f e. Draußen tn den Wäldern hat jetzt die Lese der Heidelbeeren begonnen. Ganze Familien eilen mit allerlei Körben. Schüsieln und Kannen hlnanS' um die klelne blauschwnrze Frucht zu pflücken. die so wmztg erscheint und von der doch in jedem Jahre ganz riesige K U ^ lnöeI kommen. In ganzen Wagenladungen wecdeii bte fretbelbeereu, Blaubeeren, ober, wie sie in Berlin heißen, die Beelinge, in die groben Städte eingefnhrl. Auch mit Der Beerenlese sind noch allerlei Bräuche verknüpft. DieUach, so tm Rhe»nlande, m Westfalen, ini Vogtlande und im Erzgebirge, werden ,cdeS>„al vor Beginn des Pflücken 4 die ersten drei Beeren an etneni alten Ba»nn zergr.et'cht. Dieles Zerguetschen wird der .schwarze bet er genannt und soü zn„i Anifinden reicher Aeeren- grnnde verbellen. In manchen Bezirken ,oill eS der Brauch, daß die ^.eerenoflucker die ersten bici Beeren zivifchen einen Dorne,i- strauch> werfen oder den Vögeln hinstrenen. Wieder in anderen legenden gehört zu eine.n guten Beere,„und, daß-die ersten am. gelnndenen Waldbeere., non den Pflückern selbst anlgegesse,, .verdeu. i-im. ' bX \ r fnul waren oder die die n,eisten Beeren
verzehrt haben, entschuldigen sich da.n.t, daß das Beeren- madche" oder Beeren.,,aidli in, Walde zu chnen gekommen ,väre und ihnen den größten ^eil der eingesammelten Waldbeeren wieder abgenominen hatte. Debalb singen die Kinder im Badischen auch: volle, Holle Röhre Mir kmn,ne „S d? Beere,
'« Beere,»,,,aidli isch zu nnS kumme,
Het „ns alle Heibeer g'numme,
'S Kiewili (Mund) voll, 's Kärbli leer.
. Mienner twem, nian) nu dr' hai.ne ner!
Schildkröte als englischer Werber. In England muß letzt >chon all und jedes zur Werbung dienen. Der
! neueste Werber, der dort in den Dienst der nationalen Sache getreten ist, ist die Riesenschildlröte des Zoologischen Gartens in London, die auf ein Alter von 160 Jahren geschätzt wird und daher den schonen Namen Methusalem trägt.' .Methusalem" zeigt nun an, seiner Schale feit kurzer Zeit eine Jnschrilt. zu deren Ve'r- ümuuls „,an sich gegenwärtig halten muß, daß das e„gl,sche Wort ,shell sowolst Schale wie auch Geschoß bedeutet. Also Methusalems Inschrift lautet: .Wir komnien ohne unsere «U)eU§ - niajt ans, aber sie werden dazu dienen, dich daran zu erinnern, dag es^noch andere gibt, die dein Land braucht." Just die langsame Schildkröte als Werber — sollte das nicht eigentlich ein nicht ganz günstiges »-men in sich schließer, ? Spotten ihrer selbst »md wissen mcht wie!
vüchertisch.
— Die soeben erschienene Nummer 3758 der leipziger »Illustrierten Zeitung", die zweite im neuen Quartal, zeigt aufö neue die Dielsenigkeit der beliebten Wochenschrift auf illustrativem Gebiet. Um den, großen Publikllm Oielegeuheit zu geben, an der Hand bildlicher Dokumente einen Ueberblick über den bisherigen Verlaus des Weltkrieges, die Tätig- * x i m ' e I ec feldgrauen und ihrer Bundesgenossen zu geiviunen und die Originale einmal mit den Reproduktionen zu vergleichen, eme Gegenüberstellung, die übrigens nicht z,l Ungunsten der „Illustrierten Zeitung" aussällt, veranstaltet der Verlag des Blattes zurzeit in den Räumen des Vereins Berliner Künstler, Berlin IV.. Bellevnestraße 3, eine Ausstellung von etiva 400 ansgewählten Qrtginalen der »Illustrierten Zeitung". In ihrer Gesamtheit stellt viele Ausstellung. in der ueben ersten deutschen Küiistlern auch lungere Talente bemerkeilswerte Proben ihres Zeichensliits bieten, ebenso wie die bisher erschienenen 49 Kriegsbeile der.Illustrierten Ze.tnng , gleichsam den Widerscheil» deS mächtigen seelischen Er- levenS deiilscher ZUmstler während deS großen Völkerringens dar.
„H H^t der Kriegszeitschriit .Ter t5r «? ' Verlag von Julius Hoffman», Stuttgart, ist anS-
ailleß ich den Vorgängen ani dem serbiich-montenegrinischen Kriegs- chauplay gewidmet und stellt insofern einen vollständig abgeschlossenen und iest umgrenzten Zeitabschnitt dar, als mit der Wledereroberllng Belgrads durch die Serben auf diesen, Teil des Krie^schauplatzeS für lange Zeit ein abjolntev Stillstand der mili- -»« v 11 Operationen eintrat. Nirgends wohl treten die Wechsellalle des Krieges so deutlich und charakleristisch in die Erscheinung wie bei den Kamp,en „.Serbien, wo nach dem, unter den schwie- rigUcn Verhalt,»isien nniernommenen. siegreichen, Vorstoß der erster, reicher, der mit der Eroberung Belgrads endete, das tapfere Heer nnferer Verbündeten zum Rückzüge, zur vollständigen Räuinmia serbischen Gebietes und damit auch zlir Preisgabe Belgrads gezwungen wurde. In dem vorliegenden Heit ist eine genaue Schi!- dernilg davon gegeben, wie durch die Ausdehnung der Front bis Betgrad hinauf bie verhängnisvolle Lockerung der österreichisch, ungarischen Anmarschlinie enlsiaird, die die Serben zur letzten Tat der Verzweiflung a,»spornte, alles gegen Westen zu »verfen. um ai J orese Weise den rechten österreichisch-ungarischen Flügel ein- zlldrncken. Neben den fachlich behandelten Kriegsereignissen bean- fpruchen beionders die anschaulichen Schilderungen' der inneren Zustande des sch.rer henngestichten Serbiens besonderes Interesse «Jü« d -,x blc|e,U if / eine gute Uebersichtskarte. sowie zahlreiche
Abbild»,ngen belgegeben. die eine ebenso wertvolle ivie weiten Kre.scn wiNkominene Eraänzung deS allgemeinen Inhalts bedeuten. Ter Prei» des He tes beträgt d0 Psg.
--Hochland, hundert rheinprenß,..^.^ .
- Ter Parlamentarismus. Von Privatdozent Dr. K. G. Hngcl- mann. - Die Knappen von Prettan. Eine Ehronik von Johann ® eo ™ ^,^^/Ier. — Zunr Gedächtnisse Napoleons. Von Univ- ,^-Dr. Martin Spahn. -England und Deutschland am Ende des 19. Jagrhnnderts. Von Gehein,rat Unio.-Proiessor Dr. £> von Armiert. - Bismarck in Frankreich. Von Firrnin Eoar. - Kritik : ^»e sranzosticheil Katholiken. Von Firnnn Eoar. - Hockland-Eckw' Deutsch als Weltsprache. Englische Sin»»eösälschunge,u - Rnnd^ schau: K r legS betracht »nrg. Wendelin Foerster. Das literarische Italien der inngiten Vergangenheit. Berliner Theater. Musikalische KriegSlyrik. — Unsere Knnilbeilagen. ’
e tes betragt d0 P,g.
,d. Inhalt des Iuliheftes: Das erste Iahr- l'-b»scher Volkswirtschaft Von Tr. P. A. Ctasen. itarismns. Von Privatdozent Dr. K. G. Hugel-
Tauschrätsei.
Hagen — Ober — Dose - Leber — Ost — Feiae —
Keller — Falle — Alba — Durst — Miller — Dame — Leid — Wanne
Tie Aniangöduchstaben vorstehender Wörter sind mit anderen Blichstaben derart zu vertauschen, daß man ebenso viele neue Wörter erhält, deren Aniangsbllchsiaben ein Sprichn ort ergeben.
Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung deS ZahlenrähelS in voriger Nummer- Ösen — Tune — Tonne — Odin — ^Vaaen - hlqae — lleacn — Doge - Igel — «ölen — Eitel - Noemi. Otto Weddigen.


