Samstag, den 1? Juli
M Knterhaltlnigsblatl )irm!§iHenerAnzeigei- lAeneml-A^eiger).
Lurück zur Scholle.
Vloman von Ewald Gerhard Sseligev.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
» iÄ rc * brauchte die Nachricht, daß FürchtegotL
fvrltschers Hof in Britzkawe in Rammen stände, um bis nach Mirotschm zu kommen. Ms August Knorreck das hörte, vlklt es ihn nicht mehr im Hause. Er griff wortlos zu Stock und Mlitze und ging. Diesmal wartete er nicht erst bis zum Dunkelwerden An der Britzkawer Grenze schrägte er mitten mrrch «den Wald, um auf der belebteren Straße nicht einem Bekannten in die Hände zu laufen. Als er den Waldrand erreichte, begann die Rnsternis die Fluren zu bedecken. Friedlich lag das Dorf auf dem sanften Hügel. Nur hinter dem Kirchturm zuckten zuweilen Flammen auf. August Knorreck setzte sich hin und wartete. Es wiar ih!m noch immer nicht finster genug. Aus einem Baumstumpf hockte er, den Stock «oischen den Beinen, und rührte sich nicht. Und er dachte an Fürchtegott Fritscher und hatte Mitleid mit ihn:, wenn es auch ein ganz infamer Brandstifter war.
Thomas Kanfchild und der Gendarm suchten ihn noch immer. Bei den anderen zehn Schobern l>atten sie ihn auch nicht gefunden. Jetzt pirschten sie am Waldrande entlang. August Knorreck sah sie kommen und blieb ruhig sitzen.
„Da sitzt einer!" schrie Thomas Hauschild und gab fernem Gaule die Sporen.
Ms sie aber heran waren, erkannten sie den Inspektor.
„Haben Sie den Fritscher gesehn?" fragte der Gendarm.
August Knorreck schüttelte denKopf.
Da ritten sie im Galopp nach Britzkcuve hinüber. Hier hörten sie iin Kretscham, daß sich bei der PodraMer Sandgrube eine verdächtige Gestalt herumtreibe. Gleich saßen sie wieder aus und nahmen die Verfolgung! aus. In scharfer Karriere asusten sie die glatte Straße hinunter und ver^ schwanden bei der Försterei hinter dem Walde.
August Knorreck begann nun seinen nächtlichen Rund- aang. Kaum hatte er hundert Schritte getan, da sah er bei dem ersten Strohschober ein schwaches Lichtlein, das un- ruhig hin und her schiuankte und endlich in einer haushohen Flamme über den Hausen hinausschlug.
August Knorreck lief querfeldein aus das Feuer zu. Er keuchte schwer, setzte ohne Aufenthalt über Grüben und nasse Wiesen, durch Kartosselkraut und Rübenfurchen, kam endlich auf den Stoppelacker, stolperte mit langen Sätzen über Sturzäcker. Da veränderte er plötzlich seine Richtung. Am zweiten Schober schlug auch eine weiße, leuchtende Stichflamme ernpor. Jetzt endlich hielt der Inspektor einen Augenblick an. Und dann rannte er sofort in der Richtung auf den vierten Schober zu. Er sah ihn nicht, aber er wußte es genau, wo er lag. Der dritte Hansen brannte schon Hundert Schritt vom vierten war August Knorreck entfernt, da schlugen auch da die fressenden Flammen herauf, NM
aber sah er den Brandstifter laufen. Den fünften Haufen, bei dem die Dreschmaschine stand, ließ er aus. Dafür schrägte er mit langen Sprüngen zum sechsten hinüber. Das aber war ein Getreideschober. August Knorreck lief, wie er in seinem Leben nicht gelaufen war. Da er sich nicht genau hinter dem Flüchtling hielt, sondern ihm von der Seite den Weg abschneiden wollte, wußte Fürchtegott Fritscher nicht, der eben dabei war, es dem Baron, der ihn ins Un» glück gestürzt hatte, gehörig anzustreichen, daß ihm schon jemand auf den Fersen war. Aber er hatte es trotzdem eilig, denn er wollte ja möglichst schnell nach Amerika. Als er den sechsten Haufen erreicht hatte, kniete er nieder, rieb ein Streichholz an und warf es in die Garben. Aber es erlosch. Er war an eine feuchte Stelle geraten. Wütend riß er eine Handvoll Stroh heraus, steckte das trockene Ende an und ging mit dieser größeren Flamme den Hausen an den Leib. Schon fingen die nassen Halme an zu glimmen und krümmten sich glühend unter der Hitze. Aber es wollten noch immer keine hellen Flammen herausschlagen. Der Haufen war zu fest geschichtet. Wieder rieb Früchtegott Fritscher ein Streichholz an. Aber er kam nicht dazu, es zu gebrauchen. August Knorrecks Faust fuhr ihm in den Nacken und schleuderte ihn zur Seite. Ein wuchtiger Schlag mit dem Stock traf ihn am rechten Arm.
„Du verfluchter Kerl!" schrie der Inspektor, entriß ihiy die Streichholzschachtel und gab ihm einen Fußtritt, daß er zu Boden taumelte.
August Knorreck kümmerte sich nicht um ihn und warf sich auf den glimmenden Hausen. Mit beiden Händen griff er in die Glut und riß die angesengten Garben heraus. Das war eine harte Arbeit. Denn kaum spürten die Halme Luft, lohten sie hell ans. Mit Füßen und Händen, mit dem Kopf, zuletzt mit dem ganzen Körper ging August Knorreck gegen den flackernden Feind vor, bis er ihn endlich zum Weichen brachte.
Fürchtegott Fritscher war unterdessen davongelaufen. Jetzt miloeten sich Husschläge. Thomas Hauschild und der Gendarm hatten die brennenden Hausen von Podraschke ans gesehen und sofort kehrt gemacht. Äe trafen aus August Knorreck, der jetzt schon mit dem Stock das Feuer im Schach halten konnte.
„Wo ist er hingelaufen?" schrie der Gendarm.
„Auf den Schwedenteich zu!" schrie August Knorreck zurück und schlug sich weiter mit den bösen Funken herum. Die Husschläge verhallten wieder. Eine ganze Stunde noch wachte August Knorreck bei den Hausen. Dann war die (&• fahr vorder. Die Leute kamen herangetaufen, sie bemerkten ihn nicht. Schweratmend saß er am Rain und ruhte sich aus. Seine Hände brannten ihm wie flüssiges Feuer. Bart und Haupthaar waren versengt, und sein Rock zeigte große Brandstellen. Er war nicht wiederzuerkennen. Aber er hatte gesiegt. Wieder kamen Leute aus dem Dorfe h-erbeigelausen. EndUch kam der Wasserwagen angerattert.
„Hierher!" befahl der Inspektor und wies auf das


