Ausgabe 
14.7.1915
 
Einzelbild herunterladen

Mittwoch, den 14 Juli

Zurück zur Scholle.

Kom<rn von Ewald Gerhard Seeliger.

/ (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

die alte Frau.Du wirst nichts crusirchten. Du machst dich bloß noch unglücklicher. Setz dick mir tom in Frieden auseinander!"

« . "Mieden?" schrie der Bauer.Die großen Herren geber orredeu. Die wollen die kleinen Leute ausfressen. Abei rch laß mich nicht auffressen! Ich schlag ihn tot, wenn ei hrer auf meinen Hof kommt!"

Die alte Mutter schloß die Augen mrd stöhnte, fällt "^ a * fragte er dann und erhob sich schwer-

Sie schüttelte den Kopf, ohne ihn anzusehen.

begann er alle Schubladen und Kasten zu durch- suchen, warf vor Wut alles durcheinander und fluchte dabei aus den Baron. Endlich stieß er in der Lade seiner ver­storbenen -^rau auf ein kleines Kästchen. Darin lag ein blanker Taler. Das war sein Truftaler, den die Mutter dort v§rstE hatte. Den nahm er und ging ins Kretsckjam

Franz Wiegelt war auf dem Felde und fuhr Gerste ein. e ^ nter dem Schenktisch vertrat Daniel Zpup- pack, der nur noch auf seine Papiere wartete, um sich mit Pelagia Dubin aufbieten zu lassen.

Fritscher klopfte mit dem Taler quf den Lisch und verlangte eine große Flasche. Ohne Geld bekam er überhaupt nichts mehr. Daniel Zpuppack mußte mit- trinken. Das machte ihm nichts aus. Er konnte zu jeder Lageszert einen tiichtigen Schluck vertragen. Fürchtegott Ditscher lwtte schon bei der ztveiten Flasche das qrmie Glend. Da jammerte er meistens wie ein altes Weib'. Bei der dritten Flasche wuchs ihm wie gewöhnlich der Mut, und er begann wieder auf den Baron zu schimpfen. Das aber war Daniel Zpuppack incht recht.

"P«uje Baron ist sich ein guter Kärel!" behauptete er schlanttoeg. '

x schrie Fürchtegott Fritscher.Was sagst du da.

du Polnischer Hund!"

Daniel Zpuppack ,nachte nicht viel Federlesens und packle ihn vor der Brust. Aber Fürchtegott Fritscher schlug mit der Flasche drein. ^

Du polnischer Hund!" brüllte er, daß ihm die Stimme uberschnappte.Was willst du hier in Britzkawe? Scher dich zum Teufel über die russisch Grenze! Da gehörst du hin!"

Ein scharfer Donnerschlag schnitt ihm das Wort ab. Das Gewitter war plötzlich herausgekommen. Ein heftiger Wind durchfuhr die hohen Eichen uiid Linden des Kirchhofs uno n ^l r . Wetterfahne des Turms. Schwarz starrte der westUck-e Himmel, der in die Fenster des §tzretscl>ams sah. Fürchtegott Fritscher nahm die Flasche, schwankte zum Fenster und setzte sich. 9Loch immer lootlte es nicht regnen.

Graue Staubwolken fegten über den Platz. Da schmetterte ein blendender Blitz senkrecht aus der Schwärze herunter.

Fürchtegott Fritscher.Schlag tot! Schlag den Baron tot! Schlag alles tot."

Jetzt fiel ein Blitzschlag kurz hinter dem andern. Sie jagten sich förmlich. Immer kürzer wurden die Pausen zwischen Entladung und Donner. Und bei jedem Blitz, der herniederfilhr, bei jeden: Donner, der krachte, brüllte Fürchtegott Fritscher vor Freude und Wut.

Schlag tot! Zünd an! Prost! Schlag alle tot! Alle große Herren schlag tot! Zünd die Scheune an, die Domiuial- scheuue! Das ganze Gut züiid an! Immer drauf! Gib's ihnen gut! Daß sie alle Viere von sich strecken! Diese ver­fluchten großen Herren, die das ganze Land in den Klauen haben. Hurra! Das war ein Schlag! Der hat gesessen! Schlag alle Versicherungsgesellschaften tot! Das ist ein Schwindel!"

^ Da rauschte draußen der Regen. Die Blitze ließen nach. L>ie kamen in immer größeren Zwischenräumen.

Fürchtegott Fritscher war plötzlich verstummt. Sein Blick ging wirr in der Runde. War er nicht auch versichert! Und» konnte es bei ihm nicht auch einschlagen! Tann bekam xr Geld in die Finger! Blitzschnell übersiel ihn dieser Gedanke.

Und leise streckte er die Hand nach der Streichholzschach­tel ans, die auf dem Tische lag, und ließ sie in feiner Tasche verschwinden. Er wankte eilig durch den wvlkenbruchartigen Regen nach Hause, stolperte über die Kuhstallschwelte und tastete sich in die dunkle Mügdekammer. Da lag ein Hausen alter Lumpen in der Ecke. Das wußte er. Er steckte sie an, daß sie glimmten, stinkenden Rauch emporqualmteu und Flämmchen zeigten. Daun häufte er ein paar Bretter dar­über und schob das Ganze an die Tür, die er von draußem schloß. Lange horchte er draußen, wie sich die Flamme weiter­fraß. Die Türbvhlen wurden glühend heiß, sie dehnten sich

Da dachte fürchtegott Fritsckjer an seine alte Mutter und verlor den Kopf. Er lief ratlos durch den Kuhstall und die Scheune. Er durfte die Mutter nicht heraustragen, sonst merkten es die Leute, daß er das Haus angesteckt hatte! Und er konnte sie auch nicht verbrennen lassen! Er mußte das Feuer wieder löschen! Aber schon ivar's zu spät dazu. Die ^ür der brennenden Kammer hatte sich fest geklemmt und gab nicht nach. Er holte ein Beil, um sie zu zerschlagen. Sie trachte auseinander, und heraus fuhr eine flammende Stich­lohe, die ihm in die Augen schlug Geblendet taumelte er rückwärts. Nur an Flucht.und Verstecken dachte er noch. Er vergaß die kranke Ntutter. Er lief durch den Garten auf die Felder hinaus. Das Gewitter hatte sich schon verzogen. Nur schwach rieselte es noch aus den dünnen Wolken. Die Sonne kam schon durch.

Uiid Fürchtegott Fritscher floh. Nur iveit weg von dem Feuer, daß man ihn nicht entdeckte! In seinem Hirn wühlten züngelnde Flammen, vor den 9lugen flackerten sie ihm, in den Ohren sauste ihm ihr knisterndes Geräusch. Thomas Hau- jchild, der bis aus die Haut durchnäßt ins Dorf sprengte^