Ausgabe 
12.7.1915
 
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gerissen, lim die Ecke des großen Hauses kam ein L^ankenwagen mit einem Schwerverwundeten gefahren. Der ftoiuerob, der den Wagen sci)ob, Harde Elle, der im Wagen liegende noch mehr. Und beide sangen aus Leibeskräften:... sind den Madeln gu uut?" Alle, alle sangen mit. Seitdem die alte, löcherige Ziehharmonika im (Karten ,var, schien die Sonne noch toller zu leuchten als sonst. Die Spaziergänger blieben stehe,: und summten leise die alten schönen Lieder mit. Ein alter Invalid? aus der 70er Zeit bekanl plötzlich blanke Augen, zwirbelte den eisgraue,! Schnurrbart hoch und erzählte Kriegsanekdoten von damals, als man in Paris ein- -og Schließlich machte der Musikant Pause. Auch die Ziehhar­monika konnte nicht mehr, auch sie wollte Ruhe haben. Mit liebe-- 'wller Sorgsamkeit trugen die Soldaten sic in das Haus, das köst­lich schöne Instrument mit dem asthmatisck-en Blasebalg und der einen Stimme, die immer leise mitklang wie ein piepsendes Echo aus ,veiier Ferne. Tie Spaziergänger gingen weiter und sprachen über die Schönheit der Musik. Einige unter ihnen waren ständige Besucl^er der Philharrnonie, und gerade diese ware,^ enttäuscht, als das Konzert der Feldgrauen vorüber war. Der Spender deS Instruments meinte zu mir:Spielte das Ding nicht wunder? schön?" Ich mußte ihm stumm die Hand drücken.

vermischtes.

* Das neue Pariser Prinzeßkleid. Die jüngste Leidenschaft der Pariser ModellschneiOer ist die wohlbekannte Prin zeßsvrm. Diese Mode loird, wie derKonfektionär" berichtet, UN UNterbrockten und mit allem Eifer für den Winter angekündigt, übrigens aber schon jetzt cingesührt und auch bereits viel getragen. Der Schnitt ist eigentümlich; er geht dahin, daß vorn und hinten ganz flache Bahn geschissen und alleFülle" seitlich a,umbracht wird. Auch bei den Blusen l)errscht die Neigung vor, nicht vorn sondern seitlich die Falten anzubringcn. Als Typus hierfür wird ein marineblaues Taftkleid genannt, dessen Rock vorn und hinten stack, wirkt und dessen Fülle nur seitlich ausfällt. Der Miederteil mit breitem, dunkelblauem Bandaufputze hat Seitenteile, die jäck- ck>enartig wirken und somit auch ivieder die Neigung zckr seitlichn Fülle mit,nackten. Kugelstahlkuöpse und ein sckpvarzer Lackleder- gürtel vervollständigen das an sich sehr einfach gehaltene Modell.

9 Kriegs-Seile. Ans Industriekreisei, schreibt n,a>, uns: Daß England unsere Industrie vernichten null, ,veiß hente jeder Deutsche. Daß alle um uns herum liegenden neutralen Staaten für sehr viele Industrie-Rohstoffe ein Ausfuhrverbot erlasten haben, einem Drucke Englands in dieser Richtung folgend, ist nicht all gemein bekannt. Für die S e i s e u ' I u d tt st r i e ergeben sich da durch groste Schwierigkeiten in der Beschastring gewisser Rohstoffe. AlS dieser Industrie der Weltinarkt noch nicht algcschnitten >var, begegnete die Herstellung vo»r Seie keinerlei Schwierigkeiten. Wurde durch Nttßerntei, n,i irgend einem Punkte der Well der eine Roh­stoff knapp, so kam bald ein Allsgleich ans einen, ar,deren Lande. Heute ist nicht »mr alles knapo, sonder«, die »leisten srüher ge­brauchtet, Cele und Fette sind säst gar nicht mehr und dann auch nur in sehr geringen Mengen zu ungewöhnlich hohe», Preisen zu haben. Wir haben schon lange KriegS-Brot, und Ehren-Grey würde sich ivnndern, wenn er sehen könnte, ,vie gut cS nnS be­kommt. Wir bekonnnei, bald and) Kriegs-Seife, über welche die HanSsra«, sich ebenso leicht hinwegsetzen wird ,vie über das KriegS-Brot. Sie^dari eben nicht vergesten, daß sie in, Kriege nicht dasselbe von der Sei e verlangen dark luie in, Frieden. Tie Scise n,uß weicher werden als früher. Sie kann auch nicht ,nehr die gewohnte schöne Farbe haben. Sie mutz auch teurer werden. denn nachdem jetzt auch noch Holland etn AnSsnhrverbot für Fette und Cele erließ, wird die Znsichr imrner knapper. Eie deutsche Leihen- inbiiftrie wird sich aber auch hier zu Helsen wiffen. «venn die deutsche Hausfrau ihre bisherige,» Ansprüche an Farbe und Härte der Seife etwas ztlrückschralibt. Eine weicb«re Kernseife kann den- selben Waschwert haben ,vie eine ganz harte, llnd auf den Wasch- wert koinntt es in, Kriege nur an. Auch eine dmillcre Farbe der Seife beeinträchtigt keinesfalls den Waschwert. Trifft also die HanS- fran bei ihrer geivotnlten Cel'e auf ein ab,reichendes AnSfelen. so denke sie an KriegS-Brot und Schützengräben. Dann wird sich der gute Wille, auch mit Kriegs- Seite iertig zu werden, schon von selbst einstellen. Tie deutsche Eeisen-Industrie ,vird aber and, auf diesem Wege den Herren Engländern und ihren Knltnr°BiindeSgenossen nicht verraten, wieach ihrer Ueberzeugung das deutsche Polk nud; in Bezug auf Seisen-Versorgung beruhigt sein kann.

* Die Garderobenfrau im Dien st e des Vater­landes. Uns wird geschrieben: Belausche ich da kürzlich folgen­des Gespräch z,irischen zwei Garderobenfrauen:Ich habe noch zwei Zehnmarkstücke."Was machst du denn damit?"Die lege rch mir zurück. Man kann nicht wissen, was für eine Zeit kommt."

»Du, gib mir die Goldstücke, ich gebe Dir für jedes 20 Psg. Ikra "Daß ich so dumm wäre? Was willst Du denn mit dem Gold? Das will ich je,,müdem geben, der mir sehr lieb ist!"

->-ooo? Na, gieb mir für jedes Stück 50 Psg."Hier l>ast Zklmmarkscheine und eine Mark eztra."Du, wem luilllt i bie beiden Füchse geben?"Tie bringe ich mor-

gen zur -Lparkasie. Lene, das Vaterland braucht Gold!"

vüchertisch.

K u n st w i s s e n s ch a s t. Die Büchereien der Stadt Magde­burg haben kürzlich eine sehr intereffante Statisltk veröffentlicht. Es hat sich heranSgestellt, daß währe»rd des KriegSjahreü 266192 Per­sonen die Magdeburger Atbliolheken besucht haben; 301 708 waren eS im Vorjahre. ES wurden 506 2,2 Bände (gegen 581686 im Vorjahre) atisgeliehen. Diese belvtllldernswerten Ziffern sprechen dafür, daß der deutsche Geist auch im Weltkriege ruhig seine Bahn nimmt. In solchein Enrne möchte nun daS nenesle Heft deS .Kunstfreund-, der Zeitschrift der Vereinigung der Kunst­freunde (A. C. Troitzsch. Berlin-Lchöneberg). ein weiteres ZerigniS sein. ES bringt in knapp umriffenen. Aussätzen einen Ueberblick über den gegenwärtigen Steck,d der n,odernen Knnstiviffenschaft. Die besten Sachkenner jagen ihre Ansicht: Einil Waldinann, der Direktor der Aren,er Kllnsthatle, Wilhelnr Hanseustein, Karl Schesiler, Proieffor Maz Testolr, der Psychologe Alax Deri, Professor Georg Ciinmel und der Ingenieur Dr. Walter Eurt Behrelldt. Mit Recht rveist Robert Breuer in einigen einleitenden Worten darauf hin, daß naive Frerli,de der Kllnft vielleicht ein AergerniS an solcher proefforalen Analyse nehlner, könnten, daß aber schließlich die Klmstwissenschaft und ihre Historiker, Psychologen, Philosophen und Soziologen immerhin etlichen Nutzen schaffen können, und wenn eS auch nur der ist, einen Ziv ei des Geheimmsses zu lüsten, und so jeden Einzelnen den, Genießen der Ktinst naherjubringen. Man dars sagen, daß daS ncnc Kunslfrennd-Hest einiges von solcher Auf­gabe legtet. Und daß solche abstrakte Arbeit geschieht, während Europas Fenerschlnnde dröhnen, lobt Detitschla>,d.

D a S I n l i h e f t der M ü n ch n e r K n n st z e i 1 s ch r i f t "D i e K n n st- (F. Brnckinann A.-G., Atnnchen) zeichnet sich durch außerordentlich reiche Abwechslung im Inhalt a»lS, durch welche dieses Heft einen ganz besonderen Reiz gewinnt. Wir nennen den »,it einer prächtigen Farbenta'el .Enzivehr bei Besigheim- ge- schn,lickten f)lnfsatz über Gustav Schönleber, den KarlSurher Dleiner der Landschaft«,nalerei. Als Plastiker vo>, Rasse und Eigenart zeigt sich nnS der Aiähre Jan S t u c { o. Weiter werdet, uns Mar Stevogts Bilder ans Aegypten, mit deren Ankauf bei- Dresdener Galerie ein glücklicher Griff gelungen ist, gezeigt. Ueberraschend ist eS, die vorzüglich gelungene Echwarz-Weiß- Wiedergabe dieser durchaus impressionistischen Malereien zlt beob­achten. Honors DalimierS weltderühnlte politische Karika ur- zeichlnulgen erleben hier ,hre Auferstehung a»lS dem heute nur noch sehr wenigen ztigänglichen Eharivari. Der ?lrchitektttransfatz über ein Landhaus von Cito Nienierschmid zeigt uns die Reize der Ehiemseelandschaft, in welche dieser den Landhaus­charakter vorzüglich betonende Bau hnieingesetzt ist. Entzückend in ihrer Feinheit sind die Stickereien und Spiyen ans beit Evitzet,- frtmleu der I fl r ft i u von Plcß in Hirschberg, und diesen an Feuiheit lmd^ Zartheit zu vergleichen, die auf farbige Seidenstoffe aufgelegten Scherenschnitte von Rolf Winkler. Zun, Schitlß n,.ahl,ei, »ins die G r a b in a l« e n t w ü r i e für gefallene Krieger, sowie die für das dlirch den Krieg verwüstete Ostpreußen gefliftelen Ha,ts- einrichtllngen an den Ernst der Zert.

K r o n e n - A ü ch e r, B a n d 19. .T r e u e'. Ron»an von Margarete B ö h m e. (Kronen-Berlag, G. in. b. H^ Berlin SW. 63, drei; 1 Mk.) In diesem nellesten Bande derKronen-Bücher* schildert Atargarete Aöh>ne etlvaS, was zwar nicht eng mit der uoi, Kriegsgeschrei und Kanonendonner erfüllten Gegenwart zn- fan,inenhangt, ,vaS aber Irotzdein den Grnndton bildet für die große Zeit, in der wir lebe». Tie wundervolle heilige Treue nämlich,nt der deutsche Männer und Frauen unbeirrt voi, selbstischen Interessen ben geraden Weg ihrer Pflicht gehen! Sie schildert ne an den Schicksalen der schönen GastwtrtSfran lind ihrer seinen, liebenswerten Tochter, schildert sie im Leben des alten Seklsabrikanten Korsaar und in ieinen Kindern, schildert sie in jener Gegend, die uns Deutschen wohl allen die liebste ist, am blitzenden Rhemslrom, wo in jcnnendnrchglnhten Nußban,nlauben, ans Bergen und Häiigcn sich die Fäden dieses anmutigen Werkes verschlingen und entrollen.

Zahlenrätsel.

19 4 8 Znnmergerät.

2 6 3 2 4 Flüssigkeit.

2 1 8 8 4 Getvicht.

1 5 6 8 Gerinaiuscher Gott.

3 IO 7 4 3 Gebranchsgegenstand.

4 7 7 4 Ackergerät. '

5 4 7 4 8 Eine Waffe.

5 17 4 Herrschertitel.

6 7 4 11 Ein Tier.

7 1 2 4 8 Ein deutscher Volksstannn.

4 6 2 4 11 Dlännlicher Vornan,e.

8 10 4 12 6 Biblischer Name.

Die AnfangSbnchstabeil, vo>, obei, >,ach nisten gelesen, ergeben de», Namen eines berühmten Seehelten. (7lnfl. in nächster Nr.)

Auslösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Sanedand Ceber -- llucloa Lchternacl, dichte »'enelL LisackL I^anzv: Scheffel, Ekkehard.

Kchristleitung: Ang. Goetz. - RotationSdntck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Longe, Gießen