Hofe umher, bis Thomas Hauschild heimkam und Miene machte, den Hofhund loszubinden. Da verzog sich Fürchtegott Fritscher ins Kretscham. Und hier tobte er weiter, bis ihn Franz Wiegelt au die Luft setzen mußte, denn er wollte wieder gegen die Fensterscheiben angehen. Zuletzt schwur er, den Baron totzuschlagcn. Nach Hanse kam Fürchtegott Fritscher in dieser Nacht nicht. Er schlief im Graben vor' seinem Hoftor den Rausch aus.
Da fand ihn am nächsten Morgen der alte Abraharn und schaffte ihn inS Bett. Den Baron traf er bei der Dreschmaschine, die heute den vierten Schober völlig bezwingen sollte.
„Nu, Herr Baron!" rief der alte Abraham. „Der Fritscher ist fertig. In Snlitsch hängt er schon beim Amtsgericht aus. Bezahlen soll er und l>at keinen Pfennig. Die Gelegenheit kommt nicht wieder. Soll ich's machen für.Sie? Soll ich mit ihm reden, daß er geht im guten. Der Herr Knorreck ist auch dafür."
Fritz von Winkelberg zeigte nicht große Lust.
„Soll ich?" drängte der alte Abraham. „Tie Ernte ist gut. Wir kommen diesmal auf dreißig Perzent. Sie werden ans Fritschcrs Acker auch dreißig Perzent herausholen."
„Versuchen Sie Ihr Glück!" meinte der Baron endlich. ,Zch möchte aber nicht, daß der Mann auf irgend eine Art und Weise gezwungen wird."
„Wo wero ich denn!" verwahrte sich der alte Abraharn und lief ins Dorf zurück.
Fürchtegott Fritscher war grade bei der Krankenpflege, als der alte Abraham wieder zu ihm hereintrat. Die alte Mutter, abgezehrt und hustend, saß im Bett und schlürfte ein bißchen Milch, die die mitleidige Nachbarsfrau gebracht hatte. Eine Kuh hatte Fürchtegott Fritscher längst nicht mehr im Stalle. Der alte Abraham nahm ihn beiseite und sprach freundlich auf ihn ein, er sah nicht, welche Wut heimlich in dem unglücklichen Bauern kochte auf alle, denen es besser ging.
„Nu, Herr Fritscher!^ fragte der alte Abraham. „Wie steh n wir nun? Wollen Sie endlich verkaufen. Halten können nie sich doch nicht mehr. Sie sollen zahlen und "haben Ulchts. Und die Brandkasse wird auch nicht viel für die Gerste geben. Sie wissen doch selbst, wie dünn sie gestanden hat. Hoffen Sie nichts davon. Und der Gottlieb, mit dem Sie sich eingelassen haben, der bringt Sie ins Loch. Ich kenn ihn. Sie kommen in Schande und Unehre, wenn Sie nicht verkaufen. Wir übernehhmen alles, und Sie kriegen noch ein Stück bares Geld in die Hand. Für die Mutter wird schön gesorgt werden Es hilft Ihnen nichts, wenn Sie auch noch so bockbeinig sind Der Herr Baron kriegt das Gütchen doch. Er muß es kriegen, denn er kann nicht erlauben, daß sich diu anderer reinsctzt oder wenn es gar der Gvttlieb in die Klanen kriegt, dann wird es zerspitzelt in kleine Stückchen. Wollen Sie das vielleicht, Herr Fritscher?"
„Nein! Verfluchter Iud!" brüllte Fürchtegott Fritscher, rot vor Wut, fuhr deni alten Abraham an die Kehle, drückte ihn gegen die Wand und tv-ürgte ihn. Die kranke Frau im Bett schrie auf. Der alte Abraham mußte feine Nägel gebrauchen, um frei zu komnien. Eilig verließ er den verfallenen Hof und suchte den Baron auf.
„Gibt er nach?" fragte der neugierig.
„Ganz mürbe ist er noch nicht!" meinte der alte Abraham kleinlaut ulid rieb sich die roten Stellen am dürren Halje. ,
XXIII.
Am nächsten Morgen war Moritz Gaffel schon vor Sonnenaufgang in seinem Garten, um zu gießen Es war der letzte Ferientag. Tie Baronskinder hatten nun ein neues Fräulein bekommen, bei dem sie gut aufgehoben waren. r.er alte Abraham hatte lange gesiicht, ehe er eins gefunden hcitle, das vor Moritz Gassels strengen Augen Gnade fand, ^eiin die Oberaufsicht behielt er sich trotzdem vor. Kein ^ag verging, wo er nicht aus dem Schloß zum Rechten gesehen hätte. Mit Hedwig stand er in regem Briefwechsel, ^von aber erzählte er dem Baron nichts. Er bekam ihn auch selten genug zu Gesicht. Stets tvar er aus den Feldern draußen und bei der Maschine, die sich heute an den fünften Schober herangemacht hatte. Moritz Gasse! hob die Gieß- «cl ,C * U1 ^ o''? 1 ^ an das Pumpenrohr. Schwül lvar die - au ^sichen regte sich. Schon seit drei Tagen drohte iin Westen ein Gewitter, das aber nicht über den Wald kommen koiiiite.
Da endlich zuckte drüben ein schwacher Blitz. Moritz' Gassel zögerte. Gab's heut ein Gewitter, konnte er sich das Gießen sparen. Dann aber setzte er doch mit kräftigein Schwung den Schwengel in Bewegung. Lieber zuviel Wasser als zu loenig! Und er arbeitete, daß ihm der Schweiß auf die Stirne trat. Eben hob sich glühendrot die Sonne. Moritz Gassel lief immer schneller zwischen der Pumpe und den Gartenbeeten hin und her. Dazwischen dachte er an Doktor Schrill und an die zweite Prüfung, die er nächstes Jahr.wohl oder übel wiederholen mußte. Der Kreisschulinspektor hatte ihn bisher in Frieden gelassen. Und wenn er wirklich noch kommen sollte, dann war ja die Einladung vom Baron da. Nur mit Sebaldus Pohl hatte Moritz Gassel noch nicht abgerechnet. Das hob er sich für eine günstige Gelegenheit ans. Und er füllte die grüne Kanne und leerte sie ans seine Beete im schnellen Einerlei. Nächstes Jahr wollte er sich eine Handspritze kaufen. Denn bis an das Ende des vergrößerten Gartens waren hundertsechzig Schritt. Da hinten . hatte er einstweilen allerhand Gemüse gepflanzt. Am liebsten hatte er auf diesen Platz ein großes Glashaus gesetzt, um auch im Winter seiner Lieblingsbeschäftigung obliegen zu können. Aber das kostete schweres Geld und mußte deshalb hinausgeschoben werden. Vor der festen Anstellung lvar schon gar nicht daran zu denken. Endlich stellte er die Gießkanne hin und griff zum Spaten, um zwei abgeerntete Radieschenbeete umzustechen. Höher stieg die Sonne und brannte ihm heiß auf bnt Rücken. Er wischte sich den Schweiß von Stirn und Schläfen, machte eine kleine Pause, trat an den Drahtzaun und schaute ins Gelände hinein. Ueberall regten sich fleißige Hände, um den gelben Segen oer braunen Scholle zu bergen. Das Dorf lag da wie ausgestorben. Nur hin und wieder schwankte ein schwerbcladener Erntewagen herein, leere polierten im schlanken Trabe wieder auf die Felder hinaus. Eile tat not, denn-das Gewitter drohte. Moritz Gassel stützte die Hände aus den Spatengrifs und schaute. Jetzt summte unten beim Vorwerk die Maschine los. Kerzengerade stieg der schwarze Ranch in die, Höhe und verlor sich im Blau des Himmels, das einen stählernen, stumpfen Glanz hatte. Wie ein böses, gefräßiges Untier schluckte der rote Dreschkasten die vollen Garben in sich hinein. Vier große Strohhaufen, die fast in einer graben Linie vom Torfe bis zum Vorwerk lagen, hatte er schon hinter sich gelassen. Und auf allen, auch auf den sechs, die er weiter drüben noch zu bewältigen hatte, glänzte das goldne Versicherungsschild.
Ta rollte von Westen her ein leiser Donner. Das Gewitter kam also doch herauf! Und Moritz Gassel schwang wieder seinen Spaten, hastiger als zuvor, damit er die beiden Beete noch vor dem Gewitter fertig bekäme. Tenn dann hielten sie den Ammoniak, den der Regen aus der Luft herunterbrachte, fester und konnten mehr davon schlucken.
Alle Leute hatten den leisen Donner gehört, nur Fürchtegott Fritscher nicht, der in seinem Hause auf dem Stuhle hockte und vor sich hinstierte. Die kranke Mutter, die ans Bett gefesselt war, stöhnte und konnte ihm nicht helfen.
„Geh zum Baron, Fürchtegott!" jammerte sie. „Nimm das Geld, was er dir geben will. Es bleibt dir ja nichts anderes übrig!"
„Sei still!" brüllte er sie an. „Ich verkauf nicht. Ich geh hier nicht fort. Das ist mein, und das bleibt mein Und den verdammten Lauscbaron verklage ich."
(Fortsetzung folgt.)
011 umrciung.
Eine Erholungs- und Sommcrgeschichte von K ä t e L u b 0 w s k i.
, , ."3a," sagte der unermüdliche Pastor Weiß und schob seiner licf'Ueit and ältesten Tochter Rut den soeben empfangenen Briet wüßte ich mir auch wirklich fine» Rar Wenn, .cklune» Müller erkrankt i,t, kann sie natürlich nicht als U"'N und Zimmermädchen ins Seebad Nest zu Frau Nektar LL nn Nur - wie satt ich ihr in drei rage»
Er,av seltnen ? Xu mußt teilen. Ja, ja, das geht »ich, «rders -u oi)t gänzlich herunter — und wirft ja auch erioartet —
. nnst nur al)o niemand besorgen. Wo soll man jetzt nberhau.pt erne weibliche Kraft herbekommen? Unmöglich, nicht wahr, Rut?" Ds-. I"nge Mädchen dachte angestrengt nach.
„Leicht wird es nicht sein. Papa. Aber ich will versuchen"
F.r,4f"r- Par V bie - es ist vergebens. Wir haben weit und
brcrt kerne, die ferernd zu Hause äße."


