Ausgabe 
12.7.1915
 
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Lurück zur Scholle.

Roman vonlSwald Gerhard Seeliger.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Als August Knorreck von seinem Spaziergang heim- ram, saß seine Frau auf dem Sofa und schlief. Er schalt El rhr, daß sie nicht z-u Bett gegangen war, und verlangte Frühstück. Dann setzte er sich wieder in den Lehnstuhl und wartete. Sie ahnte, wo er gewesen trlar, und hoffte wieder.

Als man den Weizen zu schneiden begann, brachte der alte Abraham von Sulitsch den reparierten Dreschkasten. Sofort begann er wieder an dem ersten Getreideschober Ku fressen. Drei Tage später hatte er sich schon wieder mitten in den zweiten hineingewühlt. Der dritte bei dem Kleefelde war kleiner und konnte in einem Tage bewältigt werden. Das Dreschgut war von einer vorzüglichen Be­schaffenheit. Der alte Abraham rieb sich für den Baron immer wieder die Hände, so freute er sich. Trotzdem be mitzte er jede Gelegenheit, für August Knorreck einzutreten.

Sie sehen doch," rief Fritz von Winkelberg unwirsch, daß es ohne Inspektor ganz gut geht."

Freilich, Herr Baron!" gab der alte Abraham zu. Aber wenn der Herr Knorreck da war, würd's halt noch viel besser gehen."

Immer weiter rückte die Maschine vom Dorfe ab. Nachdem sie drei Tage lang unter der Windmühle gefaucht und getobt hatte, wurde sie zum vierten Schober neben Fürchtegott Fritschers Gerstensleck gezogen. Der hatte noch immer keine Zeit zum Mähen gefunden, weil er im Kret­scham saß. Die Halme waren überreif und von der Hitze wie Zunder gedörrt. Heißer brannte die Sonne aus das milde Lalid. Der Erdboden war hart wie Knochen. Die schwere Lokoinobile ließ kaum eine Spur zurück, wenn sie über das Feld fuhr. Keuchend warf sie den breiten Treib­riemen herum. Wie eine lange flatternde Florfahne riß der schnaubende Südwind, der die Gräben austrocknete und das Unkraut lechzen ließ, den schwarzen Rauch vom schlanken Schornstein. Wenn der Mann im Feuer herum­rührte, flog zuweilen ein leuchtender Funke aus dem Fänger. Doch er wurde nicht gefährlich, denn mau hatte die Maschine so ausgestellt, daß der Wind die Funken vom Schober abtrieb. Aber all Fürchtegott Fritschers Gerste hatte man nicht gedacht. Und so geschah es denn eines Mittags, als die Leute grade mit dem Essen fertig umreit und die Maschine wieder ihr Geheul anstimmte, daß ein besonders großer Funke in die trockene Gerste siel, Feuer fing uild ausloderte. Der Wind fegte die heiße Flamme über das lange Feld, daß es binnen weniger Minuten von Allfang bis Ende brannte und fast ebenso schnell wieder verlöschte. Ehe man den Gedanken zu einer Rettung fassen konnte, lvar dieser unerwartete Brand, der wie eure Ex­

plosion wirkte, schon vorüber. Die Rauchentwicklung war äußerst gering gewesen. Rur ein kleines Wölkchen ruß der Wind über den Wald hinweg. Fürchtegott Fritschers Gerstenfleck aber sah kohlschwarz aus. Der empfing die Nachricht von dem Unglück bei Franz Wiegelt.

Der Baron muß zahlen!" lallte er und gab eine Runde aus.Der Baron muß mir dreitausend Taler zahlen."

Wird sich hüten!" meinte Franz Wiegelt, der sich in der Erntezeit am liebsten in zloei Stücke zerrissen hatte, um auf dem Felde und im Kretscham gleichzeitig zu sein. Er suchte noch immer nach einem Pächter und hatte den Zins schon um ein Viertel zurückgeschraubt. Aber es wollte noch immer keiner anbeißen.

Muß er!" schrie Fürchtegott Fritscher und trank sich Mut.Er muß zahlen, was ich verlange!"

Zwei Stunden später wankte er durch das Gutstor. Fritz von Winkelberg, der eben von der Unfallstelle heim- gekehrt war,, ging ihm entgegen.

Guten Tag, Herr Fritscher!" sprach er leutselig und bot ihm die Hand.Es tut mir leid!"

Dreitausend Taler!" stotterte Fürchtegott Fritscher wütend.

Bescheiden sind Sie grade nicht!" lachte der Baron gutgelaunt, denn der angerichtete Schaden wurde von einer Versicherungsgesellschaft getragen. Der alte Abraham hatte auch daran gedacht.

Dreitausend Taler will ich haben!" schrie der Bauer.

Na, Fritscher!" begütigte ihn Fritz von Winkelberg. Das ist doch nicht Ihr Ernst! Der Schaden wird abgeschätzt und Sie sollen nicht zu kurz kommen. Das Geld wird Ihnen von der Versicherungsgesellschaft ausbezahlt."

Das geht mich gar nichts an!" brüllte Fürchtegott Fritscher wild.Sie haben mir meine Gerste angezündet. Sie müssen sie bezahlen. Auf der Stelle will ich das Geld haben.Sonst verklag ich Sie!"

Fritz von Winkelberg versuchte, den Wütenden zu be­ruhigen, aber Fürchtegott Fritscher brüllte und tobte lvie ein Irrsinniger. Daß er das Geld nicht auf der Stelle bekam, das versetzte ihn in rasende Wut. Er fluchte und schrie und schimpfte, drohte mit dem Gendarm und dem Staatsanwalt.

Herr Fritscher!" mahnte der Baron.Gehen Sie nach Hause und schlafen Sie sich aus. Sie haben heut genug ge­trunken."

Jetzt aber fuhr der Bauer zum Schornstein hinaus.

Sie sind mir der richtige Lausebaron!" brüllte er, daß es über den ganzen Hof gellte.Hat keinen Pfennig Geld in der Tasche und schnauzt groß. Und wir kleinen Leute, wir kriegen kein Recht. Wir müssen alle Sozialdemokraten wer­den, sonst wird es nicht besser. Und die großen Herren müssen alle aufgehängt werden!"

Fritz von Winkelberg ließ ihn stehen und aiug ins Haus. Eine halbe Stunde lärmte der betrunkene Bauer auf dem