Ausgabe 
8.7.1915
 
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vier Fünftel der vorhandenen Bäume ün traafähiFen Alter stehen, so ergibt sich für eine mittlere Kirschenernte ein Umfang von etwa 171 Millionen Kilogramm; hierzu tritt eine Ern fuhr in Häshie von 6 bis 10 Millionen Kilogramm. Unser Jahresverbrauch an Kirschen würde sich Hernach für den Kopf der Bevölkerung auf etwa 5 l / t Psund stellen. Bei den Auslandsbezügen handelt es sich zumeist um Früh­kirschen, die aus klimatisch begünstigteren Ländern ein- geführt werden. Der Hauptlieferant war bisher Italien, das in den letzten fünf Jahren Mengen von 31 000 bis zu 63 000 Doppelzentner im Werte von l 1 /* bis 2 1 /* Millio­nen Mark sandte. Dann kamen Frankreich und Holland', deren Einfuhr in günstigen Jahren nur wenig hinter den italienischen Lieferungen zturückb'lieb; Frankreich z. B. sandte im Jahre 1912 32 338 Doppelzentner, Holland 26 293 Dop­pelzentner Kirschen. Wesentlich geringer sind die Zufuhren aus Oesterreich-Ungarn (Tirol) mit einem Umfang von 4000 bis 5000 Doppelzentner im Jahre.

Die Urheimat der Kirsche, sowohl der Süß- oder Vogel- kirsche als auch der Sauerkirsche oder Weichsel, sind die Länder des westlichen Asiens. Doch kam die erstere, wie zahlreiche Pfahlbautenfunde bewiesen, schon während der vorgeschichtlichen Zeit in wildem Zustande in Europa vor. Die heutige Kulturform der Süßkirsche gelangte durch die Vermittlung der Miner schon früh bis an den Rhein und nach Britannien. PliniuS lobt besonders die hervorragenden Eigenschaften der belgischen Kirschen.

Die vielseitige Verwendung der reifen Früchte zur Bereitung von Kompotts und Kuchen ist bekannt. In Sud­deutschland und in der Schweiz stellt man aus ihnen den Kirschbranntwein, das beliebte Kirschwasser, her, aus Dal­matien kommt der gleichfalls aus einer Sauerkirschsorte bereitete Marasckinolikör. Das Holz des Kirschbaumes wird vom Tischler und Drechsler gen: verarbeitet, die Blätter dienen als Tee, aber auck zum Gurkeneinlegen. Aus dem fettreichen Samen wird ourch Auspressen ein gutes Oel gewonnen. Wenig bekannt dürfte sein, daß sogar die Sten- g e l der Sauernrschen einen Handelsartikel bilden. Diese werden wagenladungsweise in Frankreich und Amerika be­zogen, wo man aus ihnen ein beliebtes Hustenmittel bereitet.

Vermischtes.

Waü der Haushalt eine? Milliardärskindes kostet. Wie man sich erinnert, hat beim Untergang der »Titanic* auch der »Colonel* John Jacob Astor, der bekannte Milliardär, sein Ende gekunden. In seinem letzten Willen hatte er iür seinen dainalS zu erwartenden Erben den Betrag von 12 Millionen Mark ausgesetzt, wovon jährlich aus einen Zinsenertrag von über 550 000 Mk. zu rechnen war. Die GerichtSstelle aber, in deren Hände die Verwaltung der Vermögens der Wage gelegt ivurde, trat die Bestinnnunq, dab der Witwe Aktors jährlich für ihren und ihres SöhnchenS Unterhalt »nur* 80 000 Alk. auszuzahlen feien, während der Rest gespart und im Interesse des KmdeS dein Vermögen hinzugefügt werden sollte. Jetzt hat nun Frau Astor bei dem Gerichte die Rechnungen über ihren Verbrauch seit der Geburt des Kindes im August 1912 bis zum Januar 1915 ein» gereicht. Danach hat in dieser Zeit der Unterhalt des Millrardärs- söhnchenS den Betrag von über 250 000 Mk. bereits erfordert. An WohnnngSmiete iür den kleinen Astor hat die Mutier den statt­lichen Betrag von 84 000 Alk. 311 zahlen gehabt, während die ge­samte Führung seines Haushaltes in der gedachten Ze,t nicht unter 120 000 Mk. zu bestreiten war. DaS sind nun bloß die Kosten iür den Kleinen; Frau Astor selbst hat iür sich in derselben Zeit 408 000 Mark verbraucht, so dab ihre Allsgaben iür sich und ihren Sohn vom August 1912 bis zum Januar 1915 sich im ganzen aus rund 665 000 Mk. belausen haben. Da sie für diese Zeit voill ver­richte noch nicht ganz 240 000 Mk. angewiesen erhielt, so ergibt sich eine sehr erhebliche Spannung zwischen dem Verbraliche, deil sie iür sich und ihren Sohn für »merlählich hält, und den,, waS das Gericht ihr zu diesem Zwecke zubilligt. Sie hat nun bei letzterern den Antrag gestellt, daß die ihr zur Verküglmq stehende Summe wesentlich erhöht iverde, um so in die Lage versetzt zu sein, sich und das Milliardärskilid »standesgemäß* zu erhalten. Ganz spaßhaft ist übrigens in den Rechnungen der Jralt Astor der Bosten, wo- nach lie in dem gedachten Zeitrauine nicht weniger als 32 000Mk. üir Anwälte hat ausgeben müssen. Dagegen haben Spielzeug und Kleidung de- Mtlliardärchen- in 2'/, Jahren nur 20 0uü Mark erfordert.

* * ? 8 an u ^1' f ^ e . Kwab a l s d e u t s ch e s Volks-

trank. Wenn wir im allgemeinen auch gewöhnt flnb, den uc °? Nationalqetränk anzusehen, so ist es doch

etgentlich inehr der Kwaß, der diesen Titel verdient. Ja, diesem

sollen so köstliche Eigenschaften innewohnen, daß er es verdiente, an Stelle des Bieres das deutsche VolkSgeträiik z,l iverde,Kwab ist ein billiges, alkoholarmes, sehr erfrischendes Getränk, das aus einem Gemisch von Mehl, Malz, Brot, mit oder ohne Zucker cut- steht. ES kann von jeder Hausfrau nach Geschmack bereitet werden. Tie Gärung wird durch lein besonderes Kwabier,uent erzeugt, sondern durch Hefe, die an Rosmen klebt. Prof. Ködert, der Rostocker Pharmakologe, der den Kwab vo>, seiner russischen Tätigkeit her kennen gelernt hat und der seine Einführung warm empfiehlt, gibt in einer bei Tausche-Grosse erschienenen Broschüre nicht weniger als 70 Rezepte zur Kivabbereitnug. Auch a,»S Aevfeln, Birnen, Kirschen kann man ihn Herstellen. Besonders alS Getränk für Soldaten ist er geeignet. Tie ruffifcbcu Regimenter führ»... Kwaßkocber mit sich, die sicherlich sich auch »luter unseren Beute- stücken befinden. Sie würden unsere Soldaten seine Zubereitung lehren.

Vüchertisch.

Sammlung von Schriften zur Zeitgeschichte. Band 6: Die Fahrten d e r E in d e n und d e r A y e s h a. 9tach Erzählungen deö Kapitäulelltnants v. Muecke, seiner Offiziere und Mannschaften von Emil Ludwig. <S. Fischer, Verlag. Berlin). Mit 20 Abbildungen. Geb. 1 Alk. Selbst unter allen de>, herr­lichen Taten deS Krieges nimmt die odysseische Heldenfahrt der Emden «lid der Ayesha einen besonderen Rang ein. Wir wissen darüber jetzt Authentisches. Einil Ludwig fuhr der fast sagen- berühmten Emden- und Ayesha-Manns i>afl entgegen, er traf sie in der Wüste lind begleitete ihren Triumphzug bis nach Konstaiittnopel. Selten fügt es das Geschick, dab ein Kriegserlebnis sich mit solcher Schönheit ivte von selbst zum Heldengedicht abrundet.

»Der K r i e g s st r n w ,v e l p e t e r.* Unsere Feinde in deutschein Witz. Wir haben genug Proben gesehen, daß auch an­gesichts der grobe» und schweren Ereignisse dte gute deutsche Laune bestehen bleibt; ein Teil dieses Geistes steckt in einen. Buche, das den uns allen vertraut klingenden Titel: »Der Kriegsstruwwelpeter* tragt. Da tritt uns in lustigen Bildern und flotten Versen der »Bombenpeter" entgegen,

»der mit Haut und Haaren sich verschrieb dem Zaren,

Ränke spann bei Tag und Nacht* ns,v.

Dgnl, ^er »böse Nikolai*, der die »deutsche Dogge* prügeln will, »aber in eine Stelle, die eiupfiudlich*. von ihr gebissen ivird und dem der »kluge Doktor" schlieblich »bittre Arznei* reicht mit den Worten: »DaS beste Mittel, das ich fand,

Für Bosheit oder Unverstand Ist Wasser aus M a f u r e n l a n d.*

»Mariancheli* spielt mit dem Feuerzeug »Revanche-Ideen* in der trügerischen Hoffniing:

»Den Brand wird löschen schnelle Die »Herrscherin der Welle*.

Tie drei bösen Buben necken den Michel.

Da kommt daher der W i l h e l m baß Mit seinem großen Tintenfaß Und tunkt sie in die Tinte tief,

Wie auch der Franzmann: »Japan* riest

Der »Zappel-Bevpo* schaukelt fo lauge, bis er unterm Tisch Ueat. »Ter John-Guck-in-dle-Luit* fällt am Dardanelleiistrand tnS Wäger »erklärt dann aber später allen,

er sei nicht hineingefallen.

Doch il, Wahrheit war er naß,

O, eS ivar ein teurer Spaß!*

Besonder« lehrreich ist es auch, einen Vergleich zu ziehen, wie unsere Feinde in diesem Buche und >vie >vir in der entsprechenden englischen, französischen und italienischen Literatur ' behandelt werden. Der Witz unserer Gegner erschöpft sich im allgemeinen in unflätigen Beschimpfungen, nicht zum wenigsten der Person unseres Kaisers. Es ist erfreulich an diesem Buche, dab der Witz bei aller Sa ärfe und Deutlichkeit gesittet bleibt und niemals bösartig wird. Es ist im Holbein-Berlag in München erschienen. (Preis 2,40 Mk.).

verierrätsel.

Herr Salomo wollte das Kindlein zerteilen; Nun mag ihn das nämliche Schicksal ereilen. Der richtigen Halste gesellest du Einen deutschen Bauernbnrschen hinzu.

Und hast du zum Mineral sie verbunden,

Co hast du schon etivas von, Pulver erflmden. Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Diamant-Rätsels in voriger Nummer:

A

Erz

Brand

Arabien

Brie g

Reh

n

Schristleituna: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäls-Buch- und Steindruckerei, R. Lange. Gießen