Ausgabe 
8.7.1915
 
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Jawohl, Herr Leitn«rt. seit ein paar Tagen und gestern nachmittag ist ein ganzer Pulk in Gwß Bandin einaesallsn. Dem Inspektor hat der oberst« pon ihnen gleich den Kautschuh inS Gesicht geschlagen und wie ich das sah, bm ich durch die Gartentür hinter der Scheune auf und davon."

Hafenfuß! Dein Glück, daß mein Onkel nicht aus Bandin war, der hätte dir dein Forrlaufen bös angestrichen/

Der gnädige Herr Onkel, Herr Leitnant, ist ja auf Bandin und das gnädige Fräulein auch"

Um Gotteswillen!" Das Gesicht des Sprechers hatte mit einem Schlage jeden Blrttstrvpfen verloren.Meine Base in der jetzigen Zeit auf Bandin, das wäre ja heller Wahnsinn."

Der miädige Herr ist krank und das gnädige Fräulein hat dein In,pertor gesagt, allein führe sie nickn nach Königsberg." War denn mein Onkel nicht transportfähig?^

Der Gefragte hob die Schultern:Das weiß ich nicht, den Franz hat erzählt, wäre die Gicht und der gnädige Herr soll esagt haben, vor solchem DrerLgesindel, knie die Russen es wären, ieße er Band in nicht im Stich."

Horst von Baudin hatte sich bei den letzten Worten deS Burschen nach seinen Leute,! unrgewandt.Gefreiter Smydra!"

Herr Leutnant!" Der Dragoner hielt mr nächsten Augenblick neben seinem Offizier.

, i^ie werden mit Schul- und Beyer werter in der Richtung, auf Snwdnovken aus klären, in ettoa zwei Stunden erwarte ich Sie hier an dieser Stelle. Sollte ich nidk eingetrossen sein oder Ihre Erkundigungen eilige Erledigung heiichen, sy stoßen Sie zur Sch-vadwn und machen dem Rittmeister Ihre Meldung. Haben Sie mich verstanden?"

.^Jawohl Herr Leutnant!"

^Schön, abreiten!"

Während die Patrouille davomrabte, wandte sich Horst an Men seiner Leute.Kästner Nelunen Sie dyl Jungen zu sich, ryrem Wallach mt die doppelte Last keinen Schaden, und dann nnr nach, was die Gäule lausen können, denn viel Zeit haben wir nickst zu verlieren."

. Ln schärfster Gangart verfolgten die Rester ihren Weg durch den schiveigAcheu Forst, und Horst von Bandin. der die FEung üoernonnnei! hatre, sorgte dafür, daß das Teurpo nicht schwäck>er nmi-e M-in mechanisch sein Pferd lenkerrd, beschüstigleu sich seine Gedanken owre unterlaß nrit seinen gefalndelen Berwandten. Bor reichlich einem Hallen Jahr hatte er seinen letzten Besuch auf Ban>- din aeniasl t Frohen Herzenls n»ar er daurals zu dem alten Stannn- sitz fernes Geschlechts geeilt, der Liebe seiner Base Ära sick>er, 'n ibm nicht der leiseste Gejdanke an ein mögliches Veto seines Dnkels. Doch das Unerwartete geschrh. der mte Herr versagte feister Bicte um die Hmrd Doras die Zustimmung.Es tut mir leid um euch beide miein Junge, aber Bandin verlangt einen Herrn, der nickst nur üandnnrt erster Klasse ist, sondern auch das nötige Kapital besitzt, ba3 Gut loieder hoch zu bringen. Du bist weder das eine, noch besitzt du daS andere und insolgÄ>essen kein Eidam nach meinem Wunsche. Ich habe mein Leben lang nnr eine Sorge gekannt und zwar die um Bandi,r. Du begreifst nickst, was es mach gekostet bat, dem Erbe meiner Väter zur Liebe zu leben. Ein ganzes Menschenalter voller Arbeit und Müh- ging drauf, ohne daß ich bas mir gesteckte Ziel erreicht habe uiw du nnrst ^greifen, daü ich die Frucht all der Jahre nicht leichtsinnig auss Smel letzen darf und deshalb bleibt cs bei meinem Nein." Horst kannte seinen Onrel und wußte, daß dieser Bescheid unabänderlich ser und so kam cs denn anr -Übend in eiusmi versckuoiegenen Winkel des Parkes zu einem tränenreicheir -lbschted. -an andern Morgen verließ er vor Tau und Tag Bandin mit dem festen Vorsatz, es me meist,nieder »u sel)en.

Ein leiser Riuf aus den! Trupp seiner Leute ließ Horst den Blick heben und init einem Sckilage stoben die schmerzlick>en Er- rmrerungen divon. Bor ihn! sctstnmuerte durch niederes Unterholz vom Walde getrennt die Steinmauer c>«S B^rndiner Parke-s zu ihm herüber. Er griff in die Zügel und schioma sich dann aus dem Zattel, durch einen halb!la»tten Befehl seine Dragoner zu gleichem Tun auffordernd. Bon seinen früheren Besuchen her erinnerte sich Horst einer ru diesem Teil der Mauer befindlichen Tür, die seinem heutigen Unten!ehnmn Vorsckmb leisten sollte. Bald war diese er­richt, ihr verschlossener Zustand erwies sich als ein nur geringes Hrnderiüs und lvenige Minuten später sah sich dir kleine dwteilung den Wirtsck^ftsgebäuden des Gutes gegenüber. Ene im Znnschen raum zweier Ställe errichtete Brettertür schloß hier den Hos von, Parke ab, gestattete jedoch dank ilster Breite ein geschlosse^le? Vor­dringen der deutschen Reiter.

So mein Junge!" wandte sich Horst nun an den Flüchtling, du nnrst nun Umschau halten, loie stark der Feind ist und wo seine Pferde stehen. Beeile dich und benimm dich möglichst un^ befangen, damit du keinen Verdickst erregst."

Während der Bursckie jenseits der Tür verschwand, bereitete der Leutnant seme Leute auf den bevorstehenden Zusammeuchm vor. Enies Ansporns bedurfte es nicht, dnm alle bräunten daraus, M!t den Kosaken handgemein zu loerdeu. Den Säbel in der Faust nahm Horst gnade seinen Platz an der Spitze der kleinen Schar ein. als iidi ww ein Wiesel die geschmeidige G<sttalt des Al^sandlc:-.' durch den febalt bei* Tür schob.

v ^Et, es sind ftlns^ehn Sttick und zwei Ofsiziere-

oie sind im Sckstoß, aber die Kosaken treiben sich auf dem ganzeii '

Ho> umher, «m paar von ihnen liegen vor der Scheune im Stroh Und schlafen, ihre Pferde stehen im großen Stall an der Straße da liegen auch ihre Gewehre."

Dann sind sie in unserer .Hand, denn daß sie weder Pferd noch Gewehr in die schmutzigen Finger bekommen, dafür roei-est wir schon Sorge tragen. Mach' oas Tor auf Junge und dann, drauf aus das Gesindel."

Wie der Blitz war der Junge am Torflügel, den er krachend an die Wand des Gebäudes man, mit donnerndem Hurra spreng, ten bi* Dragoner in den Hof. Im nächsten -lugeublick war derselbe erfüllt vom Toben eines kurzen Kampfes. Wilde Flück^ in rusiisa/er und deutscher Sprache durchschwirrten die Luft, hallen­der Kampnmf der Dragoner antwortete bau Todesschrei nieder- gestoßener Kosaken. Tickst an der Tür des Stalles traf Horst vor! Bandm auf den Wackstmeister der Uederfallenen, der ihn mit gezückter Klinge wie eine Wildkatze anfiel. Ein Hieb schleuderte dem Kosaken die Waffe aus der Hand und ein zweiter eriedigle den Mann. Noch nn paar Schüsse aus seiner Mauserpistole, die chr Ziel nicht vecsehlten, und jeder Widerstand brach zusammen Ein HäusckMi von sieben Kosaken, keiner von ihnen ohne Wunde, trieben die Lanzenspitzen seiner Dragoner am Trog des Brunnens zusammen. Mit einem Gefühl freudigen Stolzes lenkte der junge Offizier sein Pseöd der kleinen Freitreppe des Herrenhauses zu als die Tür desselben krachend aufflog und in ihrem Rahmen die beiden russischen Offiziere ersckstenün. Mit einem Satz überwand der längere derselben die Treswe und im glichen Augenblick pfiff «ine Nevolverkuael dicht aii Horst vorüber. Ein« zweite solgre. dann warf die Klinge des Dvag^mers den Feind zu Boden. Ein dritter Schutz dröhnte von der Hühe der Treppe hernieder, und «in heißes Gefühl durchrann die Wang« des Deutschen, dessen Mftolenmündui.g den Feffid suchte. Der Knall zweier Schüsse ver- fchinolz zu eiste-M, und während der Russe leblos zu lammen brach, sprang der Kläger auS dem Sattel und stieß wenige Augenblicke später tne Tür des großen Wohnzimmers int ersten Stock auf.

Tie Hand am Helm rrat Horst auf den im Lehnstuhl iitzerrden alten Herrn zu.

Melde gehorsamst lieber Onkel, daß Balcdin von seiner auf-

gezwungenen Einquartierung befreit ist. Ein heller jubelnder Aufschrei t

--- ----- von »veibltchen Appen und die

schlanke an der Seite des LehnFruhleS stehende Mädchengestalt flog aus den Sieger zu. .Horst, mein Horst!" alleS übriae ging in der stürnnschen Umarrnung und der Begegnung zweier sich suck)en- den Livl>enpaare unter.

Dora! Madel zum Donnerwetter, erdrück mrr den

Jungen nickst imd schließt mal vorerst die Tür. damit sich der Franz vor lauter Verwunderung draußen keinen Sck-aden tut." Das laute Poltern das alten Herrn trieb die Liebenden auseinander.

Komm Junge, die Zeiten hirben sich geändert und meine Li.elnu!!g mit, du bist mir als Sch.'mrgersohn jederzeit willkommen, j>enn ich bin überzeugt, daß du jederzeit, genau wie heute, den Boden BaudmS rein ballen wirst von allem Sckxil-lichen. So Horst, das wäre erledigt und nun zu wickstigerem, tvie steht es mit un­serer Provinz - Werdet ihr dieses Ungeziefer nicht bald zum Laude hcmusscklagen?"

.. "^)r sind dabei, Onkel! Generaloberst von Hindeuburg hat

die Ruisen l^ei Taimenberg bis zur Vernichtung geschlagen, und wenn Gott irciter zu unseren Jahnen steht, wird kein Moskonntcr wieder den Fuy am ostpreußisck-m Boden setzen."

< . " «ort sein Junge mrd nun Tara, nimm dich

dclneS Zukunfttgen Ml. Still' ihm den Riß an der Wange und den Huiiger. deiul ein tüchtiger Drescher verlamst auch derbe Kost und «inen Kuß rechnet man im allgameiuen nicht dazu. Vergiß auch die Mideren draußen nicht, sie haben eS reichlich um uns ver­dien!."

Während der alte Herr behaglich schmunzelnd in seinen Stuhl sank venchromtden die berdan Glücklichen, den Schöpfer ihres Bundes allem lassend. TLohlig delmend streckte sich dieser, die große Freude dieser Stunde batle die schnrerzende Gicht in die Flmht aetneben und seine Gedanken n»alvderten zurück in jene Zeil, in der er als tunger DalN sein Roß auf fränkischer Erde tununette.

iiirschenzeit.

Ein Neuntel unserer deutschen Obstbämn« bilden die Kirschl'äuine. nämlich 218W 088 Stück. Der Anbau der Kirsche u»eist im Deutschen Reiche ^trckchtlicbe Unterscknede auf. Während nach den Ermittelungen deS)res 1900 m ganzen Reickw auf einen Quadrate:lometer durchschtittt« lich 40 .Kirschbäume kamen, beherderate unser kirschen- reichsreS Griffet, das Herzogtum Sachsen Alteuburg. nicht tuenigcr als 164 Klrfchväume airf her gleichen Fläche: ihm olgteu der Regierungsbezirk Merseburg mit 149. die Kreis- bauptmannsck-aft Leipzig mit 141, das Herzogtum Andalt mit 137 und die Krei-hauptmannschaft Dresden mit 1^4 Kirschbänmen auf 1 Qutü)ratkrlometer. Dagegen wurden m W<ildeck und im Regierungsbe-irk Lüneburg nur 7 .Ktr'äT- bänme auf 1 Qnadixrtkilometer gezählt.

Nehmen krnr an. daß ein ernmchsener >lirsck>baum irn Jahresdurchschnitt 10 ttfflogr'amm F-rüchle tragt und daß