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zum Gehen wandte, ging ihr Blick au Huxton vorbei, der zugehört hatte und seine Pfeife lässig rauchte. Da stieg ein heiles Gefühl in ihr aus, ein Haß: „Du, nur du, hast ihn mir getötet!"
Huxton hatte der letzte Spaziergang sehr geschadet. Er bekam Fieber und mußte liegen bleiben. Den ganzen Tag hatte Schtvester Hilde an seinem Lager zu tun. Wer sie arbeitete tvie emfe. Träumende. Die Hände schafften, als könnten sie nicht anders. Und sie sah keinen offen an.
So ging es drei Tage, da stland es mit dem cngliffchÄr Oberleutnant sehr schlimm. Schwester Hilde mußte die ganze Nackst an seinem Bett wachen. Der Kranke wühlte unruhig in den Kissen und Decken. Sie zwang ihn zur Ruhe, kühlte ihm die Stirn und hielt Ujm die Hände.
Der Kranke ivachte mitten in der Nacht auf. Seine Augen waren blank und groß rme irre Sterne.
„Schwester Hilde, hauchte er mit trockener Stimme.
Sie strich ihm über die Stirn und gab ihm zu trinken. Dann schlief er »nieder. Sie wachte die gairtze Nacht. Mer sie konnte, nicht denken vor lauter Gedanken.
Am anderen Morgen brachte ihr die Post ein kleines Päckchen aus dem Felde. Sie öffnete es ohne Neugierde. Seine Uhr ivar drin und sein Eisernes Kreuz. Sie legte beides zu seinen Briefen) in ihren Schrank, iveinte nicht, sondern ging still hinein zu dem/ kranken Offizier, für ihn zu sorgen. Sie mußte laufen und arbeiten wie eine Magd, sie rvollte nicht Nachdenken.
So ging es noch zwei Tage, daun drückte ihr der Stabsarzt die Hand.
„Schwester, Sie haben ihn durchgekriegt. Er ist unser Feind. Aber mein Gott, jetzt doch nur unser Kranker."
Das sollte ein Lob sein. Sie hätte es als Schmerz empfinden müssen. Aber sie hatte noch nicht innpre Ruhe genug, um sich das klar machen zu können.
Ms es Huxton besser ging, suchte sie seinen Blick zu meiden, Sie hatte kein Bedürfnis, ihm irgend etwas zu sagen. Er war still und bat sie nur um das Nötigste.
Nur der junge, russische Leutnant, der Student, schien zu ahnen, wie weh er ihr mit seiner Erzählung getan. Er suchte gut zu ihr zu sein. Sie fühlte es dankbar. Wer ste sprach sich nicht aus.
Huxton kam gelegentlich mit dem Russen in ein kurzes Gespräch
„Was halten Sie von Schwester Hilde, Herr Oberleutnant?" fragte der Russe.
Huxton zuckte die Achsel.
„Ich möchte, wir hätten viele Frauen, wie diese Deutsche es ist- Solche Frauen machen ein Volk stark und halten es jung. Glauben Sie es mir, mein lieber Oberleutnant. Glauben Sies mir!"— -
vermischtes.
• D i e Heu bowle. Bald wird die Heuernte in vollem Gange fein und draußen vor den Stadttoren wird der kostlicke Wohlgeruch frischen HeueS die Flur erfüllen. Er ist allgemein bekannt und beliebt. aber die wenigsten wissen, daß er in sehr naher Verwandtschaft mit dem Dufte des Waldmeisters fleht und daß man die geschätzte Maibowle aus — GraS bereiten kann. Es gibt nämlich eine Grasart, die sich durch ihren angenehmen Geruch vor allen anderen auszeichnet, d. i. Anthoxauthnm odoratum, das gelbe Ruchgras. Die grünen Blättchen, welche die kleinen Blüten umgeben, sind mit kleinen gelben Pünktchen übersprengt, die wahrscheinlich Träger deS Geruches sind. Der macht sich, während das Gras lebt, kaum bemerkbar, sondern entwickelt sich erst, wenn es ge- sch,litten ist. Schon seit alten Zeiten mischen die Bauern das GraS unter den Rauchtabak, und auch bet der Bereitung von Schnupftabak wird eS benutzt. Nun hat schon 1846 Bleibtreu in Bonn nachgewiesen, daß der Ntechstosf im Rnchgrase derselbe ist wie der in den Tonkabohnen, da« sogenannte Cumarin, das 1820 Vogel auS ihnen hergestellt batte. Cumarin sindet sich nun auch in den Blättern von Angraecum fragrans, das ans Mauritius als Aufgnß- getränk bemiht wird, in den Blüten des geineinen Steinklee und endlich in, Waldmepier, asperuta odorata. Bleibtreu stellte nun seinerzeit Cumarin ans Ruchgras her und setzte dainit eine Bowle an, die von sachverständigen Personen der Bonner Universität sehr gut befunden wurde. Seitdem hat man noch ab und zu Versuche gemacht, aus Gras Cuinarin und Maitrank herzustellen, hat dann aber leider das sehr enckache Veriahren nicht mehr geül t. Vielleicht lebt es jetzt, wo man alles, was der heimische Boden liefert, gründlich anSznnntzen strebt, wieder auf.
'Fische im Herrenhaus. DaS preußische Herrenhaus - geht gern seine eigenen Wege und macht es nicht immer so, wie andere Leute es gern haben möchten. DaS preußische Abgeordnetenhaus wollte gern das Fischereigesetz verabschieden, eine um- fangreiche, bedeutsame Vorlage, und ,nan verlangte von der preußischen PnirSka,inner, daß sie in wenigen Tagen dieses Gesetz erledigen sollte. Da sagten aber diese Herren : »Nein, bloß keine Ueber- stürznng 1* und lehnten eine solche Hetzarbeit mit Ueberstunden olntt ab. Nun ist tie Vorlage gescheitert. Diese Fischerei-Tragi- koinödle erinnert an daS erste Fischereigesetz in Preußen, das im Jahre 1374 den, Landtage vorlag. Tan,als war daS Herrenhaus in wesentlich freundlicherer Stinnnung, und ein lustiger Kopf unter den hohen Herren sorgte dafür, daß in die Kon,Mission für dieses
Fischereigesetz nur Herren mit dazu geeigneten Namen kamen. So geschah es denn, daß in diesen, Ausschuß ein Herr Fischer saß, ein Fürst Salin, ein Herr v. Ploeh, ein Tr. Hecht nsw. Wenn man sich bei der nächsten Beratung de; Fischereigesetzes, das sicherlich dein nächsten Landtag wieder vorgelegt wird, denselben Scherz leisten wollte, so könnte n,an in die Kommission von 1915 oder 1916 wieder folgende Herren hineinwählen: Dr. Fischer, v. Ploetz, Fürst zu Salm-Horstinar, Altgras zu Salm-Peifserschetdt, Fürst zu Salm-Salm und Graf zu Troste-Bischering.
vüchertisch.
— Zuversicht. Bon Hou st o tewart Chamber- lain, München, F. Bruckmann A.-G. Preis 5Ö Pfg. Unter den zahllosen Schriften zum Kriege' und über den Krieg ist wohl keine, die allseitigere Zustimmung gefunden hat wie Chamberlains „Kriegsaufsätze", die dem Verfasser das Eiserne Kreuz eintrngeu. Ein Weltweiser, der die ganze Bildung unserer Zeit in sich auf-> genommen hat und der wie kaum ein zweiter die internationalen Verl-ältnisse überschaut, findet hier goldene Worte, um bei jedem einzelnen von uns das Vertrauen in unsere gerechte Sachte und in unsere Kraft zu stählen.
— Als ein wirklicher Schatz erweist sich namentlich für unsere tapferen Feldgrauen, die ihr Leben in, Dienste des Vaterlandes dransetzen, „Kürschners Bücherschatz-, die bekannte Sammlung illustrierter Romane und Novellen (He,»nanu H i l l g e r Verlag, Berlin-Leipzig). Ungezählte Exemplare der bekannten rotbraunen Hefte wandern wöchentlich und täglich ins Feld, in die Schützengräben, in die Quartiere iin Feindeslande, aus die Kriegsschiffe und in die Lazarette. In nicht wenigen Aufforderungen zur Abf.-ndung von Liebesgaben iverden gerade die Bände von „Kürschners Bücher- schatz* an erster Stelle genannt. Die Feldgrauen erhalten hier snr den erstaunlich billigen Preis vo>, 20 Psg. einer, gebestetcn ,md beschnittenen, also vollkorninen leseferligen Band mit gutem, deutlichem und großen Druck. Zn diesen äußeren Vorzügen gesellt sich der gediegene und fesselnde Inhalt. In jeder Woche wird ein i,euer Band ansgegeben; die neueste Erscheilnmg — Nr. 1014 — stellt eine ausgezeichnete Erzählung ans der,, Thüringer Volksleben voi, E. Krickeberg „Trotzige Liebes dar. Auch dieses Werk wird sicher ans der, Beifall der zahlreichen Freu>,de von „Kürschners Bnscherschatz* soivohl in den Kreisen der Feldgraues als auch über diese hinaus zu rechnen haben.
— Bürgers Gedichte. Kritisch dlirchgesehene und erläuterte Ausgabe, heransgegeben voi, Tr. Ernst ConsenlinS, mit zwei Bildnissen Bürgers in Tie!- und Kunstdruck, zlvei Handschristen- vrobei, und 18 Notenbeilagen. Bongs Goldene Kl.,ssiker-Blbliolhek. TelltscheS Perlagshaus Bong & Co., Berlin W 57. In zwei Leinenbänden 5 Mk. — Bürgers Gedichte werden hier in einer bisher noch nicht erreichten Vollständigkeit geboten durch die Aufnahme vieler in Zeitschriften und Mnsen-Almanache» nsiv. zerstreuter Gedichte. Eine umfangreiche Lebensbeschreibung, die zugleich die ivirtschastlichen und literarischen Zustände der Zeit berücksichtigt, zeigt dank der Fülle des handschriftlichen und noch unbenutzten Materials, das dem Herausgeber zur Verfügung stand, ein ergreifendes Bild von de», verworrenen Leben deS Dichters. Tie umfangreichen Amnerkungen vereinigen das gesainte wissen- schafliiche Material und bringen nicht nur Worterklärungen und sachliche Erläuterungen zu einzelnen Versen, solider», sie berichte», über die Entstehungsgeschichte jedes Gedichtes, weisen die Quellen nach, gebe», Aufschluß über alle vorhai,denen Drucke und Verschiedenheiten des Textes, zeigen daS Fortleben der Gedichte in Nachahmungen und Parodien, fuhren Stimmen der Zeitgenossen in Briefen und Besprechungen a», — kurz, die LebenSgeschichle eines jede», einzelnen Gedichtes in literarischen, Zusammenhang. Einen besonderen Reiz dürsten der Ausgabe die Kon,Positionen aus den Mnsen-Almanachen verleihen, die erst in Faksimiledrücken, daiii» in den modernei, Violinschlüssel übertragen, beigegeben sind. Zun, erstell Riale iverden hier einer Ausgabe von Bürgers Gedichten die Musiknotei» beige'ngt. -
Diamanträtsel.
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a a b b b de eeeghiinnnrrrrr z derart einzutragen, daß die ivagerechten Reihen folgendes bedeuten:
1. Einen Buchstaben.
2. Geschenk der Erde.
3. Felsengrnppe der sächs. Schweiz.
4. Eine Halbinsel.
5. Stadt ii» Schlesien.
6. Ein Tier.
7. Einen Buchstaben.
Die senkrechte und wagreckste Mittelreihe ergeben das Gleiche, Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung des Arithmogriphs in voriger Nummer:
Erde — lieber — Bee — Hera - Erdbeere — Beer — Eber Xecb - Erdbeben.
Schristlestnna: Ang. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei. N. Lange. Gießen


