Ausgabe 
7.7.1915
 
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schied von dem Boden, der ihm durch fünfundzwanzig Fahre harter Arbeit seine Heimat geworden lv-ar.

Da fiel drüben an der hohen Ecke des Südreviers ein lauter Schuß. August Kuorreck sah sogar die Flamme des Pulvers aufleuchten. Zuerst dachte er an den Förster, dann au Moritz Gassel, der oa einen Rehbock zur Strecke gebracht haben konnte. Aber er verwarf diesen Gedanken bald und schöpfte Verdacht. Die beiden hatten es nicht nötig, sich in der Rächt, wo alles schlief, auf den Anstand hinauszustehleu.

Eine halbe Stunde später klopfte August Kuorreck mit seinem Stocke an die Fensterläden des Försterhau sc s. Kar' Ruppert steckte den struppigen Kopf heraus, wies die Hunde, die fürchterlich lärmten, zur Ruhe utib fragte, was los sei.

Da drüben ist eben ein Schuß gefallen!" sagte der Inspektor und wies mit dein Stocke nach dem Südrevier.

Za!" knirschte der Förster leise.Ich kveiß schon. Es wildert einer. Aber ich krieg ihn noch. Er muß erst sicher werden!"

Wer ist's?"

Ich Hab den Reuschel im Verdacht."

Da seht Euch vor!" warnte August Kuorreck.Der hat eine sichere Hand!"

Keine Sorge!" knurrte der Förster.Der läuft mir schon mal vor die Flinte. Dann kann er sich seine Knochen im Schnnpstüchel nach Hause tragen."

Lebt lvohl!" sagte der Inspektor und reichte ihm die Hand.

Wollt Ihr nicht reinkommen? Was seid Ihr denn schon so zeitig ans den Beinen?"

Ich wollte bloß Adieu sagen!" meinte August Kuorreck. Der Herr Baron hat mir gestern gekündigt. Ich zieh nach Zdurotschiu."

Dem Förster blieb vor Schreck der Mund ofsenstehen.

Gekündigt!" stotterte er endlich.Ja, warum denn?"

August Kuorreck hob die Schultern und ließ sie fallen.

Das sind die neuen Herren!" knirschte der alte Wald­mann.Da wird mir's wohl auch bald an den Kragen gehen!"

Nein!" sagte August Kuorreck.Da ist keine Gefahr. Dals war eine rein persönliche Sache."

Damit wandte er sich. Der Förster schüttelte den Kopf, sah ihm nach und schloß dann das Fenster.,

Als August Kuorreck wieder auf dein Gutshof eintraf, erglühte der Lasten dunklen Sonnenfeuer. Er ließ drei Leiterwagen anspannen und vor seine Tür fahren. Tann wurden die Möbelstücke einzeln herausgetragen und ausge­laden. Ta viele Hände Zugriffen, verlief die Arbeit schnell und ohne Stocken. Die Dienstleute steckten die Köpfe zu- sannncn und flüsterten leise miteinander. August Kuorreck sprach kein unnötiges Wort, prüfte sorgsam, ob jedes Möbel auch ordentlich festgeschnürt war, und schickte seine Frau, noch emiiial in die St ille, um ba* Vieh zu versehen und das Melken zu beaufsichtigen. Die Möbel aus Thomas Hau- schnds Giebelstube, die. mit zum Knorreckschen Haushalt gehörten, wurden nicht heruntergetragen. August kuorreck neß sie da, weil Thoinas Hauschild darum bat.

Lange dauert's ja nicht!" meinte der Gehilfe.Sie werden ja doch bald wiederkommen!"

Darauf gab ihm der Inspektor keine Antwort.

4 lohlich rollte ein leichtes Wägelchen in den Gutshof. Das lutu der aite Abraham. Ms er oie vollgepackteu Leiter- wagen erblickte, begann er sofort zu schreien und mit den Händen durch die Lust zu schlagen. August Kuorreck be­ruhigte ihii, so gut cs ging, schleppte ihn in eine der leer- geräumten Stuben und legte ihm mit kurzen Worten dar was vorgefalleu ioar. '

r . "![ meschugge, und Sie sind meschugge!" rief der alte Abraham voll echter Verzweiflung.Sie sind alle beide verrückt und meschugge!"

es aU§/ " mnnte bcr Inspektor ernst.Aber

Nu?" fragte der alte Abraham mit fliegender Stimme. Warum wollen ^ne nicht, daß er sie heiratet?"

. l^il ich nicht will", sprach August Kuorreck fest,daß gcT;t^ Ctr ^ nr0H ^ter einmal mit seinen Kindern betteln

, , "Sie haben recht!" schrie der alte Abraham.Sie haben ganz recht. Er muß eine Partie machen, sonst geschieht

«3riÄc U ntdS Ä" rt U " 8lÜCf 9ef ^' er kam. Und eilig stob der alte Abraham zum Baron.

Fritz von Winkelberg war eben aufgestanden und sah mrt Ingrimm, daß August Kiiorreck Ernst machte. Da schoß der alte Abraham zu ihm herein.

Herr Baron!" rief er atemlos.Sie werden doch den Herrn Kuorreck nicht fortschicken. Das gibt ein Unglück. Das muß ein Unglück geben. Sie müssen die Kündigung zurücknehmen! Was wollen Sie ohne Inspektor inachen!"

Geben Sie sich keine Mühe, Herr Abraham," er­widerte Fritz von Winkelberg und unterdrückte mühsam seine Aufregung.Ich schicke Herrn Kuorreck nicht weg, er geht von selbst. Ich verliere ihn nicht gern. Das lveiß er!"

Geben Sie ihm ein gutes Wort!" rief der alte Abraham. Ein einziges, gutes Wörtchen, und er bleibt. Er wartet nur drauf. Er will bleiben. Es ist der tüchtigste Inspektor im ganzen Kreise."

Ich weiß es!" sprach der Baron ruhig.Aber kein Mensch ist unersetzlich."

^Herr Baron!" schrie der alte Abraham in höchster Seelcnangst.Sie können doch nicht das Fräuleinchen hei­raten. Sie müssen eine Partie machen, eine feine Partie."

Fritz von Winkelberg drehte ihm den Rücken. Aber der alte Abraham ließ sich nicht so leicht verblüffen.

Herr Baron!" rief er und unterstützte seine Arguinente durch die lebhaftesten Handbewegungen, die ihm zu Gebote standen.Herr Baron, der Herr Kuorweck ist im Recht, ganz im Recht. Das ist kein Kündigungsgrnnd. Er hat's im Kontrakt. Er ist vollständig im Recht!"

Ich auch!" sagte Fritz von Winkelberg trocken.

Aber er ist besser im Recht!" trumpfte der alte Abra­ham auf.

Erfpareu Sie sich Ihre Vermittlung," sprach der Baron und wandte sich lvieder um.Ich gebe nicht nach. Es sieht auch viel schlimmer aus, als es ist. Herr Kuorreck wird in vier Wochen wieder hier sein. Ganz von selbst wird er ankommen, wenn ich erst sein Schwiegersohn bin."

Er kommt nicht, Herr Baron!" verschwur sich der alte Abraham.Ich kenn ihn besser. Er kommt nicht, wenn

ihn nicht bitten."

Dann mag er bleiben!" rief Fritz von .Winkelberg ärgerlich.Und ich werde ihm beweisen, daß ich Manns genug bin, mein Gut selbst zu bewirtschaften. Das können Sre ihm meinethalben sagen!"

Damit ließ er den alten Abraham allein. Ansgeregt zappelte der wieder über den .Hos zurück. August Kuorreck nahm ihn beiseite. Ohne zu fragen, las er in Abrahams Gesicht, daß ?r nichts ausgerichter hatte.

Sie sind beide verrückt und meschugge!" stöhnte er und wußte nicht aus noch ein. Er sank aus den letzteil Stuhl und ließ die Arme hängen.

.Ihr werdet aufpachen, Abraham," sprach August Kuor­reck,daß dieses Jahr gute Preise geinacht werden. Und aus die Versicherungen gebt acht, daß sie nicht ablanfen."

xcx alte Abraham hörte nur mit halbem Ohre hin

Sie müssen nachgeben, Herr Kuorreck!" ries er und sprang aus. ,,L>ie müssen! Er hat Sie doch ganz iil der Hand! Was sperren Sie sich lange. Es hat ja doch keinen Zweck."

Das ist meine Sorge!" erwiderte der Inspektor und richtete sich stramm ans; eben trat Thomas Hauschild herein.

Ich muß das wieder in Ordnung bringen, ich muß das lmeder ganz in Ordnung bringen," murmelte der alte Abraham vor sich hin und ließ den Kopf hängen Das geht nicht, das geht ans keinen Fall nicht."

Ra!" meinte Thomas .Hauschild und kani näher Ich will auch mein Möglichstes tun, daß sich die Sache wieder ziisamnienzieht."

(Fortsetzung folgt.)

ucr anoere zruyimg.

Von Rudolf M i ch a e l.

Huxton, der englische Oberleutnant, lchilte aus den breiten weiven Fenstern l^s Lazaretts und schaute zu beiden Seiten der Ltratze hinunter. In seinen scharfen Augen war Neugierde. Durch die kippen blies er eine leichte, frivole Melciüe. Es schien ihm £L f J u l liefen Tagen, als er zuerst wieder auiüehcn

tJÜhIV u .war von »rehreren Schüssen getroffen. Einer hatte die Lunge ge,trecht. So lvar er in deursche Hände gekommen. ~ AHc ^trotze lag im blochen Sonnenlicht des Frühlings Tie Sowie tat wohl nach den langen, kargen Monaten der Entbehrung in Flandern.Die Lazarette sind gar nicht schlecht".

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