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schied von dem Boden, der ihm durch fünfundzwanzig Fahre harter Arbeit seine Heimat geworden lv-ar.
Da fiel drüben an der hohen Ecke des Südreviers ein lauter Schuß. August Kuorreck sah sogar die Flamme des Pulvers aufleuchten. Zuerst dachte er an den Förster, dann au Moritz Gassel, der oa einen Rehbock zur Strecke gebracht haben konnte. Aber er verwarf diesen Gedanken bald und schöpfte Verdacht. Die beiden hatten es nicht nötig, sich in der Rächt, wo alles schlief, auf den Anstand hinauszustehleu.
Eine halbe Stunde später klopfte August Kuorreck mit seinem Stocke an die Fensterläden des Försterhau sc s. Kar' Ruppert steckte den struppigen Kopf heraus, wies die Hunde, die fürchterlich lärmten, zur Ruhe utib fragte, was los sei.
„Da drüben ist eben ein Schuß gefallen!" sagte der Inspektor und wies mit dein Stocke nach dem Südrevier.
„Za!" knirschte der Förster leise. „Ich kveiß schon. Es wildert einer. Aber ich krieg ihn noch. Er muß erst sicher werden!"
„Wer ist's?"
„Ich Hab den Reuschel im Verdacht."
„Da seht Euch vor!" warnte August Kuorreck. „Der hat eine sichere Hand!"
„Keine Sorge!" knurrte der Förster. „Der läuft mir schon mal vor die Flinte. Dann kann er sich seine Knochen im Schnnpstüchel nach Hause tragen."
„Lebt lvohl!" sagte der Inspektor und reichte ihm die Hand.
„Wollt Ihr nicht reinkommen? Was seid Ihr denn schon so zeitig ans den Beinen?"
„Ich wollte bloß Adieu sagen!" meinte August Kuorreck. „Der Herr Baron hat mir gestern gekündigt. Ich zieh nach Zdurotschiu."
Dem Förster blieb vor Schreck der Mund ofsenstehen.
„Gekündigt!" stotterte er endlich. „Ja, warum denn?"
August Kuorreck hob die Schultern und ließ sie fallen.
„Das sind die neuen Herren!" knirschte der alte Waldmann. „Da wird mir's wohl auch bald an den Kragen gehen!"
„Nein!" sagte August Kuorreck. „Da ist keine Gefahr. Dals war eine rein persönliche Sache."
Damit wandte er sich. Der Förster schüttelte den Kopf, sah ihm nach und schloß dann das Fenster.,
Als August Kuorreck wieder auf dein Gutshof eintraf, erglühte der Lasten dunklen Sonnenfeuer. Er ließ drei Leiterwagen anspannen und vor seine Tür fahren. Tann wurden die Möbelstücke einzeln herausgetragen und ausgeladen. Ta viele Hände Zugriffen, verlief die Arbeit schnell und ohne Stocken. Die Dienstleute steckten die Köpfe zu- sannncn und flüsterten leise miteinander. August Kuorreck sprach kein unnötiges Wort, prüfte sorgsam, ob jedes Möbel auch ordentlich festgeschnürt war, und schickte seine Frau, noch emiiial in die St ille, um ba* Vieh zu versehen und das Melken zu beaufsichtigen. Die Möbel aus Thomas Hau- schnds Giebelstube, die. mit zum Knorreckschen Haushalt gehörten, wurden nicht heruntergetragen. August kuorreck neß sie da, weil Thoinas Hauschild darum bat.
„Lange dauert's ja nicht!" meinte der Gehilfe. „Sie werden ja doch bald wiederkommen!"
Darauf gab ihm der Inspektor keine Antwort.
4 lohlich rollte ein leichtes Wägelchen in den Gutshof. Das lutu der aite Abraham. Ms er oie vollgepackteu Leiter- wagen erblickte, begann er sofort zu schreien und mit den Händen durch die Lust zu schlagen. August Kuorreck beruhigte ihii, so gut cs ging, schleppte ihn in eine der leer- geräumten Stuben und legte ihm mit kurzen Worten dar was vorgefalleu ioar. '
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