Ausgabe 
7.7.1915
 
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Mittwoch, den 1 . )ull

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Lurück zur SchsUr.

Nomen von Ewald Ger Herd Seeliger.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Sind Sie nun mürbe, mein lieber Knorreck!" lachte der Baron und i'lopste ihn auf die Schulter.Sehen Sie einmal, Sie richten mit Ihrem Dickschädel nichts aus. Werfen Sie mir wirklich den Kram vor die Füße, datnn wirtschafte ich mit Thomas Hauschild weiter. Hedwig kommt her. Ich finde sie schon. Sie hat in Zdurotschin dasselbe Billett wie Hugo gelöst, und zwar nach Halle. Wir umchen .Hochzeit. Ihre Einwilligung ist dazu nicht nötig. Und dann werden Sie schon ganz von selbst wiederkoinmen."

August Knorreck knüllte mit der rechten Hand seine Mütze zusammen.

Also, wie stehen wir?" rief Fritz von Winkelberg und schlug ihn auf die Schulter.

Wie der Herr Baron befehlen!" sagte der Inspektor und ging.

Fritz von Winkelberg atmete erleichtert auf und schrieb einen Brief nacfi Halle.

Als August Knorreck die Haustür erreicht hatte, durch die er über fünfundzwanzig Jahre gegangen war, mußte er sich an den Pfosten halten. Sein Gang war unsicher und tappend. Frau Knorreck öffnete die Tür.

August!" schrie sie auf, als sie ihn taumeln sah.Was ist dir!"

Nichts!" sagte er ruhig und raffte sich zusammen.Es war so ein kleiner Schwiudelanfall. Wir ziehen monjeit nach Zdurotschin. Der Herr Baron hat mir gekündigt."

Frau Knorreck entfiel vor Schreck der Leuchter. Das Licht erlosch.

Ruf Thomas!" befahl er mit fester Stimme.Er muß ein Telegramm nach Luschelau bringen. Der alte Abraham muß morgen Herkommen."

Zehn Minuten später sprengte der Gehilfe in voller Karriere in die Nacht hinein.

XXI.

August Knorreck schlief diese Nacht nicht. Zuerst holte er seine Wirtschaftsbücher heran und begann zu rechnen. Frau Knorreck, die sich noch immer nicht zu fassen wußte, saß zu­sammengesunken auf dem Stuhl hinter dem Ofen und schluchzte leise in ihre Schürze.

Was soll das?" rief August Knorreck barsch.Das hilft nichts. Hol dir zwei Mägde und pack die Sachen. Mor­gen früh ziehen wir. Es bleibt dabei. Hör auf zu laineru- tieren."

August!" stöhnte sie.Wovon sollen wir leben? Wir haben doch nichts als dein Gehalt!"

Ein Jahr halten wir's aus!" wies er sie zurecht.Und für das Weitere wird der Herrgott sorgen. Jst's hier mit

Britzkawe ganz und gar aus, dann such ich mir eine andere Stellung!"

Du bist doch ein alter Mann!" rief sie.Gib doch nach! Dich nimmt doch keiner mehr als Inspektor."

Das wollen wir erst mal sehen. Ich nehm's mit jedem Jungen auf."

Da wußte sie, daß nichts gegen ihn und seinen Starr­sinn auszurichten war. Sic ging langsam hinaus und holte sich ein paar Mägde, um -das Geschirr und die Wäsche einzupacken. Eine halbe Stunde später hörte sie Augu.st Knorreck im Schlafzimmer herumhantieren. Alle Hoffnung aber hatte sie noch nicht verloren. Sie konnte nicht glauben, daß sie der Baron ziehen lassen würde.

Der Inspektor aber rechnete, schloß die Zahlenreihen ab, überblickte den Inhalt der Kasse und machte einen Ruudgang durch die Ställe. Dann kam Thomas Hauschild zurück. Dem übergab er die Bücher und die Kasse, prägte ihm die Arbeiten für die nächsten Wochen ein und ließ ihn nicht eher los, bis er alles vom Herzen herunter hatte. Da schlug es Mitternacht.

Wenn Sie was nicht wissen," sagte August Knorreck und stand auf,dann kommen Sie zu mir. Ich wohne in Zdurotschin. Halten Sie die Ohren steif, daß nichts ver­säumt wird. Ich werd hin und wieder selbst zum Rechten sehen kommen. Wenn Sie nicht aufpassen, ist unsere Freund­schaft aus. Daun mögen Sie selbst sehen, wie Sie mit Hed­wig zurechtkommen."

Thomas Hauschild versprach hs ihm in die Hand und legte sich schlafen, denn er war übermüdet.

August Knorreck aber nahm Stock und Mütze und ging mit starken, langsamen Schritten durch die Felder. Matt nur schimmerte die Mondsichel durch die unbeweglichen Wolkenschleier der Nacht. August Knorreck brauchte kein Licht. Er kannte in der Gemarkung Britzkawe jeden Stein. Links und rechts streckten sich die dünnen, zähen Halme des Roggens in die Höhe. Sie leuchteten schon gelblich. Acht Tage noch, daun siel der erste Sensenwurf. Er hob die Hand und ließ die Halme durch die Finger gleiten. Eine Äehre blieb darin hängen. Sie war voll und schwer und strotzte von Körnern. Das war seine Arbeit, seine treue Arbeit seit fünfundzwanzig Jahren.. Und das sollte jetzt plötz­lich ein Ende haben! Gesenkten .Hauptes schritt er weiter, durch den fetten, raschelnden Weizen, durch die flüsternde Gerste, die der sanfte Nachtwiud furchte, durch die dunklen Kartoffelfelder und an beit schnurgeraden Rüben furchen entlang. Drei Stunden wanderte er, sprang über Gräben, strich am Waldrande entlang, umkreiste fast die ganze Ge-' markung bis nach Altsorge hinunter, luandte sich endlich und machte sich auf den Rückweg, als im Osten gerade der erste Morgenschimmer erwachte. Auf der Schwedenschanze, von deren freier Höhe man das ganze Dorf und den grüßten Teil der Gemarkung übersehen konnte, machte er halt. Lauge ließ er seinen Blick in die Runde schweifen und nahm Ab-