Ausgabe 
5.7.1915
 
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August Knorreck schüttelte langsam den Kopf und schaute zu Boden.

Diesmal gebe ich nicht nach!" fuhr Fritz von Winkel­berg fort.Ihre Gründe, die Sie dagegen aufbringen, kann ich au den Fingern Herunterzählen. Erstens der Standest-- unterschied. Zweitens das mangelnde Geld. Drittens die fehlende Verwandtschaft. Das alles gilt mir nichts. Auf den Baron pfeif ich. Geld ist nicht notwendig. Ich werde zwanzig Jahre genügsam sein, damit mein Sohn wieder wie ein Baron leben kann? Uyid die noble Verwandtschaft? Die ist mir keinen Pfifferling wert, denn sie hat mir meine liebe Stiefmutter beschert, die mir meine Jugend verpfuscht hat und die erste Hälfte des Levens dazu. Und weil ich meinten Kindern keine solche Stiefmutter gebep will, deshalb nehme ich Hedwig. Und Cäcilie ist damit einverstanden."

Herr Baron!" sprach August Knorreck und atmete schwer.Ich werde das niemals zugeben. .Hedwig wird mir folgen."

Also eine Kraftprobe!" rief der Baron siegesgewiß. Lassen wir's drauf ankommen. Ich wette meinen Kopf, das; Sie verspielen. Und Hab ich erst Hedwig, danjl Hab ich auch Sie sicher. Und Sie als Inspektor und Schwiegervater Hup mir mehr wert, als eine angejahrte adelige Dame, wie sie der alte Abraham' auf Lager hat, die auf einer Kornkiste voU Pfandbriefen sitzt. Nein, reden Sie nichts dagegen, erst komme ich, und dann kommt erst das Majorat. Bei Jhneir mags anders sein, bei mir nicht. Werden Sie Hedwig znrück- rufen?"

Nein!" sprach August Knorreck.Ich darf nicht. Britz- kawe kann sich nur halten, wenn die Ernten gut sind. Kommt Mißwachs, wie Anno 83 und 89, dann hilft nur Kapital. Und Bartenstein und Levisohn haben jetzt wirklich nichts mehr."

Es kommt kein Mißwachs!" rief der Baron.

Das hat man nicht in der Hand!" meinte August Knor­reck schlicht.Ulch wenn dann Kinder aus der zweiten Ehe kommen, dann sind sie unebenbürtig."

Sie sorgen sich um Ihre Enkelkinder!" lachte Fritz voll Winkelberg hell auf und schlug seinem Inspektor steundlich auf die Schulter.

Dazu bin ich da!" sprach er ruhig.Uiw ich bitte den Herrn Baron inständig, von dem Plane abznstehen. Ich kann es vor Gott und der Welt nicht vepantwortem"

Schön!" meinte der Baron.Wir wollen die Sache nicht übers Knie brechen. Heut abend komme ich mir oie Ant­wort holen."

Damit drückte er ihm herzhaft die Hand, August Knorreck schritt hinaus, rief seine Leute heran, die längst, mit Schippe und Hacke bewaffnet, auf ihn warteten, und ging mit ihnen zum Graben bei der Schwedenschanze hinunter, wo Thomas Hauschild schon einen Korb Krebse gesammelt hatte. Dreimal schüttelte der Inspektor auf diesem Wege den Kops. Dann Metz er den Leuten ihre Strecken an, stützte sich aus seinen Stock und schaute ihnen regungslos und schweigend zu.

Als Frau Knorreck nach dem Mittagessen auf das Schloß kam, um die Kinder zu Bett zu bringen, nahm sie der Baron beiseite.

Wo ist Hedwig?" fragte er sie auf den Kopf.

Hilflos hob sie die Schultern. August Knorreck hatte beim Mittagessen kein Wort mit ihr gesprochen.

,' ,,Finden Sie es nicht bodenlos eigensinnig, daß er mich als Schwiegersohn ausschlägt?"

Frau Krwrreck entfuhr ein Laut der Ueberraschung, sie pretzte die Hände gegen die Brust und schaute den Baron erschrocken an.

Können Sie nicht ein gutes Wort für mich einlegen?" ^ l ie I Frau Knorreck überglücklich.Nein,

dieses Madel! Wass hat sie für ein Glück. Sie weiß ja itocf> gar nichts davon!"

r "^X- fuhr Fritz von Wmkelberg auf.Also auf diese Weise ist sie nur abspenstig gemacht worden. Das ist aller> dings ein starkes Stück. Sie sollten mich eigentlich besser kennen, Frau Knorreck. Wo ist Hedwig? Ich muß ihr sofort schreiben!"

.. ist, begann Frau Knorreck und sah sich scheu un !ie ist mit Hugo nach.Halle gefahren. Aber Sie dürfen nicht zu ihm sagen, Herr Baron."

Nur keine Sorge!" lachte Fritz von Winkelberg frol Morgen ist sie wieder da."

Ach, ich glanb's nicht," seufzte die Mutter.Sie ti

nichts, was er nicht will. Was er sagt, das ist für sie wie Amen in der Kirche!"

Abwarten!" lächelte der Baron.Er wird schon nacw geben. Ich habe ein Mittel in der Hand, gegen das er macht­los ist."

Als August Knorreck am Abend mit den Arbeitern wieder zurückkam, ließ er zuerst die Krebse in die Küche bringen. Dann stieg er die Treppe hinauf. Fritz von Winkelberg hörte ihn kommen und öffnete ihm die Tür.

Haben Sie sich die Sache überlegt?" fragte er kurz.

,,Ja!" erwiderte August Knorreck und in seiner Brust arbeitete es schwer.Ich kann's nicht zugeben, niemals!"

tzst das Ihr letztes $W?" rief der Baron rarch.

,,Mein letztes !" sprach August Rstorre'ck.Ich kann nicht andertz.

Dann hören Sie auch mein letztes Wort!" sprach Fritz von Winkelverg und trat dicht vor ihn hin.Mit einem Menschen, der von solchen Vorurteilen besessen ist. kann ich lischt länger arbeiten. Entweder Sie lassen Hedwig unver­züglich znruckkommen oder Sie sind von heute ab entlassen!"

August Knorreck fuhr sich ühdr die Stirn. Daun trat er einest Schritt zurück. Das letzte Wort hstkte ihn lote ein Beilhieb getroffen.

Herr Baron!" stöhnte er.Ich bin über fünsjundt-, zwanzig Jahre auf dieser Stelle."

Das weiß ich, mein lieber Knorreck. Und ich »veiß auch, daß ich ohne Sie nicht lange arbeiten kann. Aber trotzdem, ich muß Sie endlich klein kriegen!"

Ich bin ein alter Mann!" sprach August Knorreck, der sich inzwischen beruhigt hatte, weit er diese ungeheuer­liche Drohung nicht fiir Ernst nehjrnen konnte.Sie wollen mich auf die Straße setzen, Herr Baron!"

Das will ich nicht!" lächelte der Baron, der den Widerstand seines Gegners schwinden fühlte.Sie sollen ja auch hier bleiben. Nur die Dummheit von heut morgen sotten Sie wieder gut machen. Ihr Kontrakt läuft noch zwei Jahre. Sollten Sie, was ich nicht glauben kann,- meiner Kündigung Folge leisten, so werde ich Ihnen das Gehalt weiter zahlen, sofern ich dazu imstande bin. Kvnn ich's nicht, und wirtschafte ich mich ohne Sie auf Britzkawe zugrunde, dann tragen Sie allein die Schuld."

August Knorreck hielt den Blick gesenkt und schüttelte in einem fort den Kopf.

,-Gs ist mein letztes Wort, Knorreck!" warnte ihn der Baron.In der Dickköpfigkeit nehm ich's noch mit Ihnen aus. Ueberspannen Sie den Bogen nicht."

Ich tu das nicht, Herr Baron!" stöhnte der Inspektor.

Sie wundern sich darüber?" rief Fritz von Winkel­berg, seines Sieges sicher.Obgleich Sie selbst den Herrn Baron in mir großgezogen haben. Jetzt saßt er Sie an. Jetzt ivill ich eimnal wenigstens Ihr Herr Baron sein."

Herr Baron, ich bitte Sie, nehmen Sie die Kündi­gung Zurück."

Nur unter einer Bedingung."

August Knorreck sanken mit einem Ruck die Schultern herab.

(Fortsetzung folgt.)

5' mutz doch 'nen Grund ha'n!

Kriegshunioreske von Florentine Gebhardt.

Tie ylpfelbäume standen im Blütenschmuck und die Sonne lachte goldig über der ft-ühlingsschönen Welt. Trude Mönnig ftaub ein Weilchen überlegend am Fenster und blickte hinaus. Alles lockte sie aber die Arbeit! Da lag noch ein Stoß AnfsatzheftL unkorrigiert.

Ach was, wer weiß, ob morgen solches Wetter war! Sie ivollte schon Klange einmal das I)örschen Bergscheide besuchen und ein paar Skirren aufnchmen. Sie hatte da einige malerische Bauern- lstitten entdeckt, die geradezu herausfordernd auf ihren Pinsel wirk- ten! Heute aing es und sie hatte Lust. Also das Malzeug in den Rucksack, das iRad aus dem Vorkeller und los, in die grüue, frische Landschaft hinaus!

^ Gut dreiviertel Stunden Radsatzes dann n>ar sie an Ort und stelle. Sie kannte das Nestck-en, hatte |ic doch in den drei Jahren, fert sie nun in der guten Stadt S», als Lehrerin an der Volkse schule ihres Amtes ivaltete, die ganze Umgegend fleißig zu Rad abgHreift und besonders botanische und zeichnerische Studien-, zwecke dabei verfolgt. Und seit sie wußte, daß auf den Sumpfwiesen beim Dörfchen Bergscheide eine seltene Pplsatillenatt wachse, war fie eifrig auf die Suche gegangen und dgbei durch Gassen und in Winkel gekommen, die sonst kein Stadtbewohner berührte