Samstag, den 3. Zulk
P© Aulerhaltmgsblall Mm /ReßmerAn)eigK' li§eukm!Anzeiger).
Zurück zur Schotte.
öiomsn von Ewald Gerhard Seeliger. (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Mutter rührte unter Tränen die Hände bis kurz vo' «».»«acht. Sedwm half, aber ihre Arme waren kraftlos ^"Sknb.licke tank sie ans den Stuhl und starrte wortlos vo^ »lUt hin. Liie konnte es noch immer nicht begreifeu, daß fit von ihrer veimat und von dem. den sie liebte, scheide!! muszte. Fortwährend rannen ihre Tränen, und es war ei, tlleS, trostloses. Weinen. Die Mutter schaffte heftig nnt sprach ihr Mut ein ^
^ ^ufzte sie und setzte sich müde auf den
des gefüllten Koffers, weil er sich nicht gutwillig schließen wollte. „Du mußt fort. Du lveißt, wie Vater ist. ES gwt ein Unglück, wenn du nicht parierst."
Hedwigs Tränen rannen stärker, sie schlug die Hände vors vi)e|i(i)t.
„Sei doch gut!" tröstete sie die Mutter und strich ihr übers Haar. Ich kann's ja verstehen, daß du dich in ihn verliebt hast. Es ist eben ein koalier."
[jrt ,^ber tvenn er mich doch vielleicht heiraten lvitt'" schluchzte Hedwig auf.
„Hat er dir S versprochen?" forschte die Mutter eifrig ü Hkdwlg schüttelte den Kopf. „Aber es wär doch mög-
„Na und?" fragte die Mutter. „Dann kann er'S ja noch immer tun. Du läufst sa doch nicht aus der Welt. Sei nur still, ich »vill'S schon Herauskriegen."
„Und vergiß die minder nicht!" mahnte Hedwig und ^^rren „Günther ißt morgens zn-ei Teller Mltcwuppe, und Cäcilie kaut manchmal au den Nägeln."
Erstmals sich die Mutter alle Einzelheiten der Erziehung genau enigeprügt l-atte, gingen die beiden zur Ruhe.
XX.
Punkt vier Uhr morgens tveckte August Knorreck. Die Mutter lies in die Küche, um das Frühstück zu richten. Hed- lvlg erschien niit rotgeloeinten Augen Sie hatte die ganze Naclit keinen Schlaf finden können. Uebermüdet und zerschlagen hing sie auf dem Stuhle, sprach kein Wort und fröstelte zutveilen.
.... -Hede!" mahnte sie der Vater. „Hier hast du Geld. Du suhrst die Kasse. Sparsam wirft du schon sein. Und halt mir» den Hugo stramm, daß er nicht wieder das Lumpen anfangt. Und schreib fleißig. l>örst du?"
Hedwig steckte das Geld mechanisch in die Tasche und nickte. Als tue Mutter den Kaffee brachte, aß sie ein paar Bmeh, obgleich ihr ein schmerMrftes Würgen in der Kehle ap. Doch sw weinte nicht mehr. Die Mutter dagegen wischte sich fortwährend l-eimlich über die Augen August Knorreck trieb Hugo, der sich endlich aus den Federn geschält hatte,
iwch eininal zur Eile an und ging über den Hof. nach dem 2vagen zu sehen.
„Hede!" schluchzte die Mutter und küßte sie. „Sei nur gilt, meine Hede! Ich ivill schon alles ivieder in Ordnung bringen. Lange hält » Vater ja doch nicht aus ohlie dich. In ein paar Wochen bist du wieder da. Ich loerde .schon dafür sorgen. Paß nur auf Hugo auf, daß er fich nicht er- lältet. Und lvenn er Geld braucht, dann schreib nur an mich!"
Da ratterte der leichte Korbwagen vor die Tür, und Hugo setzte sich an den .Kaffeetisch. Seine Laune war sehr schlecht, denn er hatte noch lange nicht ausgeschlafen. Auch verbrannte er sich die Zunge an dem heißen Kaffee, als er ihn eilig hinnnterstürzen ivollte. Draußen lvurden jetzt die beiden .H off er anfgeladen
„Los geht s," kommandierte August Knorreck, als er ivieder hereintrat.
... Hugo griff noch einmal tief in die väterliche Zigarren- liste, schwang sich auf den Wagen und steckte fich einen Gliiumstengel an Hedivig nahrn Abschied von Vater und Mutter und fetzte sich an Hugos Seite. Der .Knecht, der auf dem Vordersitz hockte, hob die Peitsck>e
„Glückliche Reise!" ries der Vater und drückte Hedwig noch einmal die Hand Die Mutter weinte schnell noch ein paar Tränen. Die Pferde zogen an, und Hugo lüstete vornehm den Hut Die Eltern sckxinteil dem Wagen nach. Auch Thomas Haufchild, der sich zum Abschied eingefnnden hatte, blieb vor der Haustür stehen.
Als der Wagen bei dem Herrenhaus vorbeiroltte, wies Hugo auf die geschloffenen Fensterläden.
„Da schlafen sie noch alle!" knurrte er ärgerlich.
Hedwig antwortete nicht, wandte den Kopf ab und sah nach Osten hinüber, ivo sich eben der Horizont mit glühe ,\* dem Rot bedeckte. Im scharfen Trab ging'S das Dorf hinaus. Hugo verspürte ein menschliches Rühren, warf die Zigarre fort, denn sie schmeckte ihm nicht, weil er sich die Zunge verbrannt lsatte, und legte leinen Arm um Hedwigs Taille. v a
„Weißt du, Hede!" -meinte er gutmütig „Es ist doch besser so. Geheiratet hätte er dich doch nicht. Und für eine Liedfchaft bist du ^wirklich viel zu sck>ade Ich hätte ihn schließlich fordern müssen!"
Sie schauderte zusammen.
„ES wär mir nichts anderes übrig geblieben!" fuhr er fort. „Ich hab euch gestern auch im Parke getroffen Und ich hätte ihn heute zur Rede stelten müssen. Und so eine Schießerei ist immer dumm. Wenn ivir auch beide in die Lust schießen svürden, so eine Kugel hat man nicht in der Geivalt. Sie geht meistens dahin, ivo sie nicht sott. Na, und um den Baron lvär's wahrhaftig schade und um mich chließtich auch. Besser schon so." .
Hedwig erwiderte nichts. Langsam mahlten sich die Wagenräder durch den weißen Saud einen Hügel hinauf Oben stand schon der Wald und wartete ans sie. 5mao drehte sich um,


