Tie Tischgesellschaft sah den großen, blonden Hauptmann, der den Arm in der Binde trug, erwartungsvoll an.
„In meiner Kompagnie," begann er, „war ein Eesreiter, der nicht bloß ein Quartiergenie war, das heißt in der Besci-aftung von Lebensmitteln und Quartierbequemlichkeiterl eine erstaun- liche Findigkeit an derr Tag legte, sondern der auch dem Gegner seine liebevolle Aufmerksamkeit in besonderem Maße zuwandte. Immer neue Listen und Tricks ersann er, um' dein Feinde Fallen ju stellen und ihn zu beunruhigen, und manchmal konstruierte er zu Schutz- und Abwehrzweckeu mit den einfachsten Mitteln, mit einigen Brettern, Stäben, Bindfäden und Trübten, geradezu raffinierte Apparate. Er hat uns damit manchmal große Dienste erwiesen, und einmal haben wir sogar obendrein noch euren Mordsspaß gehabt. __
Ter Mann war Pantofselmacher und stammte aus dem Olten. Zuerst war er sehr zurückhaltend und still: die Kameraden bebaw- delten ihn unter Anspielung auf fernen Beruf als Pantoffelheld, obwohl er nicht verheiratet war. Als wir einige Wochen draußen waren und die ersten Gesahren hinter uns hatten, nannte man ihn in Abänderung seines Namens Rackel mir den Racker. Tas war ein glücklich gewählter Spitzname, der hier eigentlich ein Ehrenname war. Er ivar wirklich ein richtiger Racker. Dre >schwe^ blütigkeit urrd Verschlossenheit der Ostpreußen verließ chn auch später nicht, nur wenn er „einen Gedanken hcftte", wie er es i^nnte, wurde er seftr betriebsam, und man merkte tbm die innere Freude an seinen: Vorhaben an.
Einmal lag das Regiment allein, einer ganzen ru,suchen Division gegenüber. Zwar waren es Sibirier, Kirgisen, Tartaren oder irgend so eine halbwilde Bande, mit der wir es zu tun litten, Mr da die erdrückende Uebermacht auf ihrer Seite war, ,ahen wir einem Angriff doch nfit einiger Sorge entgegen. Besonders nerven au freibeiw war die dauernde Bereitschaft, dgs angespannte Warten aus den Feind, der sich anfangs nicht Heranzügetraueft Men. - . ^ , ..
Eines Tages war Rackel zu einem Ordonnanzaang tu die einig« Kilometer hinter uns liegende Stadl kommandiert, die von dim Russen zuvor bereits stark mitgerrommen war.
Wends kam Rackel zurück mit esnem Paket unter dem Arm. Ein anderes, ziemlich umfangreiches Bündel, das er auf dem Rücken
S äen hatte, händigte er seinen Kfomeraden ein M er seine folg erstattet hatte, blteb er ftshen. „Wünschen Sie noch etwas,
.Befehl, Herr Hauptmann! Ach Hab !n sanken." gch wußte, bevor er seinen Plack verwirklicht hatte, war Nichts aus ihm herauszuoekoutmen. Auch Störungen, das hEdenB^ der Vorgesetzten, liebte er bei feiner «iVttait nicht. Es blieb g^iftchtsümiDW
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Ivo wärd ich doch," gcch er in gemütlichem Ostpreuhtsch
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dM Unterstand Rackel^ 'chnßmden. In der lig, hör(e eini^
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Die LUft war rreblia mrd wir i fein, ich revidierte daher gegÄi yfockel war wieder da: er h irfe in den Nebel hin
anders auf der Hut e Artllung.
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«8 Büchsewicht herrschte, begannen die Russen ""ter lebe haftem Feuer ihren Angriff. Offenbar »poflten He sich den Nebel tzunutze machen: wenn er freilich auch nicht sö dicht war, wie sie £ sich gewünscht haben ntfatn, so imrkten dach alle Gegenstände auf weitere Entfernung phantasttM schemenhaft. Die Silhouetten der Russen beioegten sich auf dem von unserer Höhenstellung all- Mhltch abfallenden, ebenen Efolände langjank näher beran. Hier und da blieb ein dunkles Häufchen in unferm Feuer liegen, aber Ke dichten feindlichen Schützenketten drangen weiter vor. Mein Mick schweifte prüfend Mr unsere Drahtverhaue. Würde der Sturmangriff hier zusamMeckbrechen?
Doch da — was war das? . . . Wer stand da vor unseren Drahthindernissen? War das einer unserer Posten? Oder gar ein iffe? Mer nein, das war ja gar kein Mensch . . . Tas war . .
war . . Wa^ ich sah, war so furcmbar, daß ich meinen men nicht traute. War ich wahnsinnig? Ich eilte zu einem der Nähe stehenden Leutnant. Auch er h^tte die Augen schreck- lft iyeit anfgerissen. .Hatten wir beide dieselbe Vision?
„Mein Gott, das ist der ... der .. . Tod!" stotterte der ttnant mit emer Slimure, die nur mühsam das Grauen zu ver- :gen vermochte. Auch an anderer Stelle war das Spukbild be- rkt worden, (jrln blutjunger Fähiirich kam angestürzt. Er lv-ies - mit einer stummen Sckfteckgeb'ärde auf das Phantom, das im echnnst vor uns aufragte.
Mit dunklen Strichen zeichnete sich das Knocl-engerippe in: Nebel ab. Mf denr beinernen Schädel saß ein feldgrauer Jn- lnteriehelm, und der hocherhobenc rechte A,rm des Gespeiistes kte droherid einen Degen, um 1 Beiiie und Hüften ftappte im iigrauen ein Leimoaudfetzen. Das üblickxe Phantasiebild dev nta* WtrÜichkett geworden.
Zum Reden und Fragen war keine Zeit, denn schm: bannte uns eine neue Erscheinung: Ter Tod bewegte sich? Wahrhaftig, er bewegie sich langsam, lautlos, gleitend auf die feuerirden russischen Reihen zu, und er tmirde, da sich der Nebel unterdessen mehr gelichtet hatte, auf der Höhe immer weiter sichtbar. Die sablen Strahlen der aufsteigenden bleichen Sonne blitzten wie eine Schwefelslamme aus dein Degen des Todes, und es schien, als ob im Wiederschein des Lfichts von ( beit beinernblanken Knochen die dunstige Lust um! die Spukgestalt herum eine gelbliche Färbung annahm, als brodle auf dem Htachseld die Hölle auf.
Auch die Rufseii mußten die Gestalt, die sich ihren Reihen näherte, bemerkt haben. Sie hörteir im ersten Erstaiinen zu schießen auf, dann eröffneten sie ein wahnwitziges Schnellfeuer auf den Tod, der unter dem Geschoßhagel, der ihn ttaf, nicht fiel, sondern nur ein wenig zitterte, aber immer weiter geländeabwärts auf die russischen Sächtzen zueilte. Einen Augenblick herrschte beim Feinde unheimliche Stille. Durch tausende Hirne zuckte drüben der eine Gedanke: Das ist kein sterblicher Mensch, das ist ein übernatürliches Wesen, das ist der Tod, der gegen uns anrückU Der leibhaftige Gottseibeiuns ist mit den Deutschen im Bundes Rette sich, wer kann!
Ein geltender, grausiger Schrei, aus mehreren tausend Kehlen zugleich auSgestoßeu, durchdringend und markerschütternd, wie ihn nur die wilde Todesangst erzeugt, drang zu uns herüber. Und dann machten die Russen kehrt und warfen alles fort, was sie trugen, Gewehre, Tornister, Koppel, Säbel, Mäntel und Mützen und liefen, liefen wie gehetztes Wild.
Ein donnerähnliches Gelächter drang vom linken Flügel meiner Kompagnie herübev. Dort stand Rackel. Er zog wie toll an der Schnur, die er um den dicht vor den feindlichen Vorposten ew» geschlagenen Pflock gelegt hatte, und je eifriger er zog, desto schneller stürmte auf einer schlittenähnlichen, mit Sandsäcken beschwerten Plattform der „Tod" auf die Russen los. Rackel riß an der Schnur im Schweiße seines Angesichtes und seine Kameraden quiekten, kreischten und wälzten sich vor Lachen. Rackel ivar wütend. „Vorivärts!" schrie er, auf die fliehenden Russen deutend. Zn diesem Mgenblick kam der Befehl zum Gegenstoß.
Wtt hatten leichtes Spiel. Der Schreckensruf „Der Teufel ftcht mit den Deutschen!" hatte sich durch alle Regimenter der russischen Division fortgesetzt und alle liefen fort. Als wir heran-- famen, ließen sich die verstörten MuschikS zittenld vor Aiigst ge- kangeil nehmeil und blickten zu unseren Soldaten fofau wie zui Wesen höherer Art auf. , ., c .
Nach dem Gefecht traf ich Rackel, wie er fein säuberlich die
Sie bloß, Sie Racker" — er war glücklich, wenn ich ihn fo nannte — „wo hatten Sie daS Gerippe her?"
..Requiriert, Herr Hauptmann", grinste er. „Beim Doktor m bei- Stadt." Gleichsam entschuldigend fügte er hinzu: „De Tieren waren im Haus schon teberall aufgebrochen, de Russen hatten doll gireweti.
Konnte man ihm verdenken, ivenn er unter diesen Umständen zu allgeineinem Nutz und Frommen der: Tod „requiriert" hatte?
Eftiige Tage später konnte ich ihm das Eiserne Kreuz anheften.'
von einem Uamps zwischen einem Zeppelin und einem Zlugzeug
entwirft ein englischer Flieaer in der „Tailh Mail" eine sehr anschauliche Schilderimgi ,,11,16 Uhr nachts: Ein Zeppelin ist lim II Uhr in — beobachtet, nach Westen segelnd. Höhe 9000 Fuß geschätzt." — ,,11,86 Ubr: Ein Keppelin passierte — um 11,10; Fahrt nordioestlich. Höhe etwa 9000 Fuß." Diese Melduiv- gen gaben mir asnng Anhalt zum Aufbruch. Wienige Minuten später hörte man dis englische Front eiitlang das Summen der ver- schiedeiisten Flugzeuge. ES war stockdunkel. Als wir von dem Flugplatz absuhren, war nur ganz schwach die Silhouette eines nahegelegenen .Waldes sichtbar. Währeiid wir über die niedrig hängenden Wolken hinweg aufstieaen, dnrchtränkte un8 eine unheimliche Fenchtigkrtt, die ten kommenden Regen an kündigte. Einige Minuten später ivaren wir wie ans der Welt verschlviinden, nur ünsere Instrumente ufw die Uhr erinnerten uns noch an sie. Sp stiegen wir ganz langsam höher, und es wirkte wie eme Erleichterung auf uns, als wir plötzlich die Lichter emer Stadt erspähten Uiid allmählich noch andere Städte in unserenr Gesichts, kreis culftailchteii. Plötzlich^ zeigte sich wie diirch Zauber ein Licht vor imi. Es war ein feindlicher Scheinwerfer. Cr war über unseren Erkundungsflug unterrichtet worden, und durch die obere LuMucht ergoß sich letzt ein großer Strom weißen Lichtes. Der ^chasL verschwindet, aber einen Moment später sehen wir grellstes Lucht. Durch plötzliches Niederachen und eine schnelle Wendung gelingt es uns, ihui aus dem Wege zu gehen. In ungefähr 20 Sekiinden saugen die Geschütze an. Der ganze soeben von uns durchfahrene Raum ist mit Granaten erfüllt. Sie platzen in Gruppen und Reihen: einigen entströntt ein sirupartiger Strom matter Flarn- men. andere Platzen ivieder wie ungeheure Raketen und lähmen fast mit ihr«: blendenden Strahlen, die von den: Hintergrund zerrissenen Gewölks zurücksttahlen. Aber her Scheinwerfer kann uns nicht folgen. Sorgfältig sijcht er den Himmel ab. und plötzlich riä)tet er sich auf eine andere Flugmasä-iire. Jetzt bleibt er


