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Hel Spann die Braunen an und fahr nach dem Vorwerk. Hol ein Fuder Streu." . -
Eine Viertelstunde später klapperte §upo mit dem langen Leiterwagen der der evangelischen Schule vorbei, wo Moritz Gaffel grade „1 mal 6" traktierte. Hugo knallte mit der Peitsche, daß es klatschte. Am Abend strich er am Pfarrgutsgartenzaun entlang. Aber wie er auch schnalzte und pfifs, Pelagia Dubin blieb spröde. Sie saß drinnen bei ihrem Daniel Zpuppack. Als Hugo durch den dunklen Park schlich, hörte er plötzlich leise Stimmen. Er blreb stehen und lauschte. Das uxtr der Baron und Hedwig! Hugo wischte sich über die Augen, als wenn er nicht recht gesehen hätte. Und doch hatte er sich nicht getäuscht. Da kamen die beiden durch den dunklen Gang daher, eng aneinander ge- chmiegt und flüsterten zärtlich. Hugo machte einen Bogen, .chlich über den weichen Rasen und verriet nichts. Aber noch ein anderer Lauscher fand sich im Laufe dieses Abends ein. Da^s war Thomas Hauschild. Er empfand sofort das Ungehörige dieses Spaziergangs und ging zu August Kuorr- eck hinüber. Er ries ihn aus der Stube heraus und erzählte ihm draußen, was er gesehen hatte.
Der Inspektor stand eine Weile, als hätte ihn der Schlag getroffen. Dann schritt er ohne Mitze, die er sonst nie vergaß, durch den Gemüsegarten und in den Park. ,Er brauchte nicht lange zu suchen. Unter der mächtigen Linde, wo sie sich gesunden hatten, standen die beiden eugumschlun- aen und nahmen eben voneinander Abschied. Als Hedwig die nahenden Schritte hörte, wußte sie, daß es der Vater war. Sie riß sich von dem Baron los und tcuunelte ein paar Schritte zurück.
August Knorreck faßte sie, ohne ein Wort zu sagen, beim Handgelenk und wollte sie wegziehen. Mit einem schwachen Laut des Wehklagens streckte sie ihre rechte freie Hand nach Fritz von Winkelberg aus, der sich allmählich von feiner Ueberraschung erholt hatte. Er nahm die Hand und drückte einen heißen, glühenden KUß darallf.
„Leb wohl!" sprach er leise.
„Komm!" sagte August Knorreck ruhig und wollte Hedwig sortziehen.
,,Morreck!" rief der Baron lachend. „Sind Sie des Teufels!"
Mer diesmal hörte August Knorreck nicht auf feinen Herrn Baron, ließ die Hand nicht lioS und zog Hedwig schrittweise vorwärts.
„Komm, Hede!" dat er mit flehender, bekümmerten Stimme.
Da folgte sie ihm. Fritz von Winkelberg sah dem Mten kopfschüttelnd nach. Dann ging er langsam inS Schloß zurück. Morgen war auch ein Tag! Mochten sie sich da drüben einstweilen beruhigen. Er war sich keiner Schuld beton ßt.
Langsam zog August Knorreck seine Tochter durch den Gemüsegarten. Sie nmchte keine Bewegung, sich zu befreien, obwohl ihr das Handgelenk schmerzte. Denn der Vater hatte einen harten Griff. An der Haustür huschte ein Schatten zur Seite, das war Thomas Hauschild, den jetzt das böse Gewissen packte. August Knorreck ließ Hedwig nicht eher los, bis er mit ihr in der hellerleuchteten Stube war. Hugo und die Mutter, die sich eben zum Abendbrot niedersetzen wollten, blieben vor ueberraschung stehen.
„Geht raus!" befahl der Vater und hielt Hedwig noch immer fest.
Die Vtutter begann zu lamentieren. Hugo duckte sich.
„Raus!" schrie August Knorreck wild. „Oder es passiert was I"
Da fiihrte Hugo die Mutter hinaus, in die Küche hinüber, und schloß beide Türen. Thomas Hauschild schlich in diesem Augenblick die Treppe hinauf. Jetzt ließ August Knorreck Hedwigs Hand los. Sie setzte sich in den Lehu- jh^t, schlug die Augen nieder und rieb sich das schmerzende
„Hede!" sprach der Vater und hob ihr den Kopf mit beiden Händen, daß sie ihm in die Augen sehen mußte. „Hede! Das hätt ich nicht von dir gedacht!"
Sie ließ den Kops wieder sinken mrd zuckte die Schultern Sie wußte selbst nicht, wie das alles gekommen war
„Wie lange dauert das schon?" fragte der Vater.
„Ich weiß es nicht!" ertviderte sie tonlos und dachte nach. „Drei, vier Tage."
„So?" atmeto er erleichtert auf. „Also nicht länger. Wie konntest du dich nur nnt dem Herrn Baron einlaffen^
Heiraten kann er dich nicht und darf er nicht. Du bist doch sonst nicht so auf den Kopf gefallen! Aber wenn ihr Weibsbilder verliebt seid, ist rein der Geier mit euch los. Was hast du dir denn eigentlich dabei gedacht?"
„Nichts?" sprach sie leise mio senkte den Nacken tiefer. „Ich habe ihn gern, mehr weiß ich nicht."
„Das hat nun ein Ende!" entschied der Vater nach einer Weile. „Das muß noch heute ein Ende haben. Daß du nichts Schlechtes getan hast, das weiß ich. Aber tvenu du erst ins Gerede der Leute konnnst, dann bist du unten durch. Fort mußt du, und das auf der Stelle!"
„Die Kinder!" stöhnte Hedwig verwundet.
„Die werden nicht umkommen/" antwortete er. „Mutter wird für sie sorgen, bis sich die Sache wieder zurechtgezogen hat. Du gehst mit .Hugo nach Halle. Willst du das?"
Sie nickte schwach.
„Und du versprichst mir in die Hautz," suhr er fort, „nie wieder mit dem Herrn Baron was zu haben. Du schreibst ihm nicht, keine Zeile, kein Wort. Uno wenn er dir schreiben sollte oder wenn er gar hinkommen sollte, dann bist du nicht zu .Hause. Das muß aus sein und zu Ende!"
Damit hielt er ihr die Hand hin. Sie zögerte, eiuzu- schlagen.
„Wenn er mich aber doch heiraten tvill!" sprach sie zaghaft.
„Mädel!" ries August Knorreck außer sich. „Was setzt du dir für Graphen in den Kopf? Er bars nicht. Er ist ein Baron und ein Majoratsherr, und tm bist bloß eine gewöhnliche Jnspektorstochter. Siehst du denn nicht ein, daß das niemals zusammerrpaßt!"
Hedwig starrte regungslos vor sich hin. Das wollte ihr nicht in den Sinn.
„Hede!" mahnte der Vater. „Schlag ein. Sei ein braves Mädel und gib dein Wort, daß die Sache aus und vorbei ist. Gehst dann nach Halle, wird vir schon gefallen dort, kommst auf andere Gedanken, paßt auf Hugo auf, daß er endlich seine Prüfuim hinter sich bringt, Uno bist in eiueur halben Fahre zurück^ wenn sich der Baron verheiratet hat. ^lnd sr wird dich geschwinde vergessen, wird eine Reiche nelüuen mit einer vornehmen Verwandtschaft. Denn das braucht er wie das liebe Brot. Kannst du imn das bieten? 9liso schlag ein, Hede, und besinn dich! nicht lange/
Da schlug sie eim
„So!" nickte er befriedigt und streichelte ihr die blassen Wangen. „Äetzt bist ou wieder rneiile gute Hede! Kopf hoch! Und pack deine Sachen. Morgen zum ersten Zuge müht ihr beide in Zdurotschin kein."
„Morgen schon r rief sie bestürzt, und ihre Autzsn fülltensich mit Tränen.
' „Morgen schon!" entschied August Knorreck. „Wenn schon, denn schon? Äst es sotvvit, hmp kann kein Mensm tnehr für dich einstch!en, gm wenigsten ein JuitfljeÄ Amdtzl wie du. Ich lernt die jWelt besser, glaub mir schon. Ddvk willst du meine grauen Haare in Schande bringen?"
Da stmw sie cm/ und verlieh weinend das Zimmer. Draußen entlockte ihr die Mutter schnell das ganze heimnis. Hugo kam herein und machte ein mürris Gesicht.
„So eilig brauchst du's grade nicht zu haben!" knurvte ev den Vater an. „Es sind ja doch bald Ferien."
„Man kann auch! in §>en Ferien tvas lernen!" wies er ihn zurecht. „Und du wirst ans sie acht geben, wie sich das für einen größeren Bruder gehört. Bon pur wird's keiner erfahren, wo sie ist. Und von dir auch nicht. Merk dir das'! Pack deine Sachen und geh zu Bett. Um viere lveck ich. Um halb fünfe fährt ihr ab."
Damit schritt August Knorreck hinaus und über dml Hof, um dem Knechil dler im Pferdeftall schlief, Bescheid zu sagen. Hugo ging sofort zu Bett. Das Packen konckte #c der Mutter überlassen.
(Fortsetzung folgt.)
Der requirierte Tod.
Kriegs? krzzc von AlfredKrüger. —
Man f<nu ans die Intelligenz und Anstelligkeit unserer Soldaten zu sprechen.
„Um Ahnen *!u zeigen, über welche Erfindungsgabe initunt« unsere Leute verfugen, möchte ich Philen ejir Erlebnis ekzMen/<
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