bleibt’3 doch, sich so freiwillig zu melden- E das hinter sich zu werfen, was ernem das Leben so reich macht, weil reicher als andern-—
_ ^berufungsorder ist da. Noch ein paar Tage, dann
heim es, drele Werkstatt zu verlassen, Abschied nehmen von allem, . - S^mme von einem zloanziajähngen Künstlerschaffen bedeutet. Borausirchtlich ein Abschied für immer. Wenn man fällt, werden andere mit diesen Plastiken aufräumen. sie verschleudere Gipsmodelle »perden brüchig loerden. Kerfallen, niemand wird Uch darum kürnmern, fte in Marino r oder Bronze ausführen zu lassen. Dieser mächtige Tonkloß, irr dem iwch die Modelliere Holzer eingespielt lvie Pfeile sitzen, wird vertrocknen, ohne dal das Gebilde daraus entsteht, mit dem eine sehnsüchtige Künstler- phantalre srch so lange getrageii.
Und emsi gibt es, was Wimmer als Tod: verstümmelt werden. Dre rechte Hand kann zu einer breiigen Masse zerschossen werden.
stumpf, der nach der Operation geblieben, wird kein Modellierholz fuhren können---.
Warum hat inan sich eigentlich freüvillig gemeldet, nachdem man aus den Jahren heraus ist, uw man vermutlich noch Mi die N<eihe kommen wrrd? Eiye Torheit, eine ausgebauschite Begeisterung. Jüngeren würde fte besser stehen als einem Manne mit ergrauendem Haar-.
. . Wie abschiednehmend ging der Bildhauer durch sein Atelier, Kes ferner Werke noch einmal mit einem langen Blick umfassend.
-Äe ^ladonna mit den beiden knienden Engelsfignrvn zur Seite wrrd jrctltd) von ihnr zeugen. Der Bronzeguß ist bestellt, ihr Platz der neuerbauten Kirchen der Vorstädte gesichert. — fieses Mensckunpaar, Manu und Weib, die eine Schale Hochhalten, syllte gerade für Rußlaird in Marmor ausgeführt »perden — nun Unterbleibt die Ausführung, ein Opfer der Politik. — Ter Md trag für ein Grabdenkmal, für den schon die Skizze vorliegt, wrrd natürlich auch zurückgezogen werden — — was mt es? Wer weiß, ob man jemals tvieder ein arbeitender Mann fern wird —.
Ä den Wänden hingen eine Anzahl Reliefs aufgereiht, Portrate, „AusruhearbeUen" nach größeren Werken. Köpfe bedeutender Männer, schöne Frauen, die ihm angenehme Stunden rn dre Ermuernng riefen.
c, Da^mter der Relreffopf eines ganz jungen Mädchens, ganz f ach gehalten, wie hrngehaucht, von einem Kranze stilisiertev £* lie ” ^?"L^en, wie es der Geschmack vor zehn Jahren liebte. '1L Köpfchen, das dieses' Synrbols jugendlicher Reinheit
dednrste, daS für sich selbst sprach. Auf edrem iwerschlanken DalSchm etu ferner Kopf mit zärtlichem Wangenrund und träumt rtfchenr Mgs. Boll^ Haar, wie & damals gliicklicherrveise noch für
schön galt, um die Schläfen gebauscht-
Ter Bildhauer sah dieses Köpfchen lange an, darrn gingen senre Augen nreder zu der Unterschrift: „Bettina" und dein Datum: Jnnr 1905.
f ., Wunderlich: das Relief hatte so lange hier gehangen, er hatte srch daran gewöhnt, darüber hinzusehen wie über ganz Un- wrchtrges nun packte es ihn doch, daß genau zehn Jahre vergangen waren, seitdem er sie modelliert hatte.
Der ganze Reiz dieser Stunden wurde mit einem Male leben- drg. Das nahe Berernarrder — ihr feinfühliges Verstehen — die .Art, wie einer oft überraschend aussprach, was der andere dachte, der keusche Tust ihres Wesens. JU den ganzen zehn Iahten war rhnr nichts begegnet, was ihr ähnlich! gewesen wäre.
Er war danrals heftig in sie verliebt gewesen, nahe daran, d wr zu spvocherr — aber eben das war ihm nicht selten passiert
So oft, daß er seinem Gefühl nicht mehr' traute, daß er schlic em einsamer Mann geblieben war.
Sie hatte sich bald verheiratet, mit irgend einem Leutnant und war, nach ein Paar Jahren wieder Wrtwe geworden. Brei mehr wußte er Nicht — aber den Namen kanrtte er — und deck konnte man jeden Augenblick tut Telephonbuch nachschtagen.
Schon hatte er den .Hörer abgenommen.
«W —M wüniche die gnädige Frau seM »u spreclnni."
„Ich brn selbst am Telephon. Mit wem spreche ick» denn?" — „6-m alter Bekannter von vor zehn Jahren. Erkennen Sie meine Stl.inme nicht? — ,^Sre stellen Zumutungen, nach zehn Jahren und der allm diesen Nebengeräuschen." — „So kombinieren Sie Dmken Sie an erne sehr staubige Bildhauerwerkstatt und an einen Bilchaut'r, der damals noch kein alter Graukops war und den iKnen Borimmen Joses führte." — Ach, Sie sind's — wirklich. Wie mich das freut. Es muß doch etwas wie eine drahtlose Telegraphie Putschen uns geben. Ich war nahe daran, Ihnen zu schreiben und Ihnen Glück zu wünschen, daß Sie die schönste aller >^n«r modellreren durften." - „Sie haben davon ge- Hort? - „G.aubcn Sie daß ich aus dem Monde lebe? Ich lese boch, Zerttmgen Ueberall fand ich die Abbildung." — „Und sie ge,allt Ihnen? — Ich wußte keines Ihrer Werke, das mir so restlos gefallen hatte. —- „oo sehr, daß Sie auch das Original U seh-n wünschen? Bis übermorgeii steht der Abguß noch bei mir. Wollen Sie nur die Gunst erweisen, ihn anzusehen?" — Ich
Ä" rT "? d} ^ nen auch «nnt tadellosen
m sfr - ~ ^ .bedeuten wir Frauen überhaupt noch, wenn
die Männer sogar Kaffee koch«: können!" —„Darüber »vollen wir uns nwrgen unterhalten, »penn Sie kommen. Haben Sie die gute Tante noch, die damals, vor zehn Jahren, Sie vor mir behütete?
frm? Ja? Nun, ich wollte nur sag«n, daß ich bei schätz^uo ihrer -»veisellos achtbaren Ergeirschasten ntcht mtgekn aus fte verzichten würde." — „Ich werde etwas anderes ju meiiioai ©■a>ut>e mitixiiym/' — „Nicht doch — nein — ich verzichte, /imilert ete übrigens, daß ick» einmal riesig in Sie verliebt »oar?" „Ich ivußde es, aber vch habe ss vergessen. Es ist so langher'." Ardchchtnis rst besser. Aber wo sind Äe, gnädige Frau? So ohne Abschied fort — alle Wetter."
. Elu Tag rann sehr lang sein, »veUN nupr keine Lust hat, etloas U. arbeiten, weil s bei dein Zustande, mit dem einen Fup noch im ertelter, nnt dein andern schon int Soloatenksben- nicht inehr veriohiit. Doppelt lang aber, wenn man jemand erwartet.
.Da ordnet man allerlei in der Werkstatt, trifft allerlei Verengen, die man als einen „letzten Willen" bezeichnen könnte: da kau ft man Reitstiefel und Reitgamasclien und frischt mr Tatt«r- sall alte Reiterrunste auf, upt bei beit Langfuhrscken Dragonerp bod» turnt ganz nnvorbercrtet cinzntreten. Man nimmt em ^n'blbad und sucht eigerrhändig den feinsten Kuck-en und die ubersch»m'irutickchlen Rosensttäufte aus, die man in dem behaglichen Wohnzimmer verteilt. Man greift hocket setbst zur Meßkanne, um dre Palmen in dem üalienisch angel-auchien Irrten, der langgestteckt auf das Ateliergcbäude zufuhrt, nockmrT ab- ^o^usen — Und als endlich zur festgesetzten Zeit die Dingel! vör^ ^ nian, daß das .Herz ebenso jugendlich klopft, lute
Als der Bildhauer die Tür des kleiueu Vorramues öffnete, nanreu vor dem rotblühenden Busch von Py?rhu8 japonicus drei n€me, weitzgekleidete Gestalten, zlver kleine Mädck>en zur Seile, «-^^^ößerer Knabe in der Mitte. Sie standen gegen das Dicht, Ltchtkanten liefen an den feinen Gliedern hernieder, die dlondeir Flatterhaare unter den roten Hütchen flirrten, als seien dünne ^-adckM von der Sonne zu den Köpfen gesponnen. Alle drei hrelten srch an deii Händen und sahen den großen Mann vor sich ohne Lchen, in fröhlicher Erwartung an.
Er berrgte sich zrr der Gruppe nieder, ungewiß, was er daraus machen sollte sprach ein paar freundliche Worts, ft'ihlte die blut- warmen Kinderbändchen in seiyer großen Hand.
Und da trat hinter einem zur Pyramide perschnittenerr Buck)^- bauur eine vierte werße Gestalt hertzor, mädchenhaft schlank und mit deniselben Hellen Blpndhaar spie die Kürder.
„«nch Sie es, Bettmar" fragte er mit einen! jugendlichen Frcudeerschrccken: „Ich kann's nickt glaicken — eben weil Sie so ganz dieselbe geblieben sind, wie Vor diesen zehn Jahren."
„Ich bin s, Josef, und sch bringe Ihnen das Beste, was ich habe, wernc Kinder. Nlcht zu meinem Schutze, wie ich sagte, sondern hoffentlich zu Ihrer Freude. Sie waren ja immer kinder- —- ich erinnere mich, daß Sie an kernüm Krnde vorüber-i gehen konnten, ohne ihm das Haar zu streicheln."
^.Kommen Sie herein und bringen Sie mir mit Ihren Dreren den Segen üsser meine Schwelle in ernster Stunde. Ww wollsn pic Jhreit Kmdern (nt Bilde zeigen, damit sie sehen, daß ihre schöne MMter sett z^hn Jahren unverändert geblieben isd^ Sie nickte, schob dw Kmdsst vor srch her und betrat den Raum, der auch für sie eme Schatzsainmer der Erimrerrmgen war.
gehirebew? Hier hrng ich doch früher
„Ja, wo bin ich denn jvu.*. t/ui« iu; uuu^ iiumn —,
sagte fte in ehrlicher Eirttäulchung mit einenr Blick arrf die Wand, wo em duiiNes Viereck in dem ausgeblWnen Grrinde zeigte, daß hrer ftRher eine Bildplatte aehangen.
''Sie nnd avanciert, in wein Wohrrzimmer. Darf ich bitten —" Ein kleiner Wmtergarten voll Palmen und blühender PMreln Myrte m daS Wobnzunmer — in seiner Wperm Gediegenheit daS Ruhezrmmer e^nes einsamei; Mannes. Ein serdener Gebetsteppich deckte ern Poitament, darühcr lstng das iveiße Mudchenrelich der. Lurenrand drrrch einen Kranz pnrpirrroter Rosen verdeckt.
„Mer das ist ja — daß ist — " Sie tv-nrde rot und sah rhn unsrcher an, spie ein junges Mädchen.
„Ja, das ist — ein Altar mit einem Heiligenbilde, vor dem man betet, bevckr man iß den Kanrps zieht."
, Er hatte erwartet, sie werde erschrecken, aber sie sah ihn aus lerrchtcnden Augen an mtd faßte seine bc'iden Hände.
.. .-,2ie gehen? Sie haben sich freiwillig gemetdcl? O, das rst »ck,ön^ von Ihnen, das freut mim mehr, als ich sagen kann. Helfen Sie wehren und siegen, und kommen Sie nicht ohne das Erlerne K-rcuz zurück."
„Und Sie fnrcklten nichts für mich, Bettina? Ist das Glerck>- gülligkeit oder Fatalismus?"
„Der Glaribe an eine Vorsehilng, und dazu der unerschiittcr- liche Glmibe, daß das, was Sie Vorhaben, grrt ist. Sehen Sie. ich war eine Soldatenfrark, aber doch nur halb, eine Soldattnsrartz in Friedenszetten. Ich lmbc meinen Mann sehr lieb gel-adt, wie er mich^ — doch, ich muß Ihnen das sageir — und ich habe ihm nur das eine vorzmverfen gehabt, ivas er sich selbst rwrwarf. daß er in seinem Bett an einem elenden Typhus starb. Hätten Sie's gehört, »nie seine Phantasien sich immer um das eine drehten,; den Tod auf dem Schiachtfelde, in edelster Begeisterung und Lebensvcrgessenheit. Wissen Sie, was seine letzten Worte »varen? Jnr Delirium des Fiebers fing er air zu singen, daS alte Soldalett-> lied: Kein seliger Tod ist in der Welt, als nur fürm Feind er- schlagen, auf grüner Heid' im sre'M Feld-Wmrc ih m dieser


