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„Wieviel hat sie denn?" fragte die Mutter eifrig.
„Sieben Millionen!" sprach Hugo, ohne mit der Wimper zu zucken.
„Jetzt wird mir's aber doch zu bunt!" rief August Knorreck und ging zu Bett.
Hedwig erinnerte ihn an die dreißig Mark, die sie bei Franz Wiegelt bezahlt hatte. Hugo gab ihr sofort einen Hundertmarkschein. Tie andern drei aber saßen noch lange aus. Hugo, oer den Sekt fast allein austrinken mußte«, befand sich als glücklicher Millionenbräutigam in einer seligen Stimmung. Taß seine Braut früher beim Theater gewesen war, erzählte er nicht. Am Weihnachtsmorgen saß August Knorreck auf dem Sola, den rostigen Zwicker auf der Nase, und studierte Hugos Artikel. Uno je weiter er las, um so aufmerksamer wurde er. Manche Sätze waren ihm rein aus der Seele geschrieben. Aber Hugo mußte trotzdem der Kops zurechtaesetzt werden. Das bißchen Zeitungsschreiben war keine Beschäftigung für einen gesunden und starken Menschen. Das konnte er so nebenbei machen.
Und als Hugo endlich ausstand, verlas ihm August Knorreck tüchtig die Leviten wegen des Studierens, das er vernachlässigt hatte, und wegen der Siebenmillionenbraut, an die er nicht glaubte. Hugo ließ ihn ruhig roden unfo stopfte die süßen Streuselkuchenstreifen in sich hinein. Dann stand er auf, zündete sich eine Importe an, klopfte seinem Vater aus die Schulter und sah ihn liebevoll an.
„Lieber, alter Herr!" tröstete, er ihn. „Du lebst dein Leben, ich lebe mein Leben! Es lebe das Leben!"
„Was sollen die Flausen!" fuhr ihn der Vater unwirsch an.
„Das heißt: du bist ein Landmensch, und ich bin ein Stadtmensch. Punktum! Und daH Geld, das du für mich ausgegeben hast, kriegst du auf Heller und Pfennig zurück. Ich bin eben ein Glückspilz. Karl Zdurotschin wollte mir auch hunderttausend schenken."
„Aber du hast ja nichts gelernt!" rief August Knorreck, der sich vergeblich bemühte, seine Unsicherheit zu verbergen.
„Die beste Universität ist das Leben!" sprach Hugo sehr hoheitsvoll und nahm den Hut.
„Tu vergißt wohl, daß ich dein Vater bin!" brummte August Knorreck vor sich hin und vertiefte sich wieder in seine Zeitungen.
Hugo schritt über den Hof, um sich dem Baron vorzustellen. Doch der war schon lange aufgestanden und machte einen Marsch über die Felder. Dia spazierte Hugo ins Dorf hinein, übersah vornehm Frapz Wieaelts Kretscham und traf Moritz Gassel gerade beim Frühstüa.
Nach einer kurzen herzlichen Begrüßung legte sich Hugo lang aufs Sofa und gähnte. Moritz Gassel spülte den Kaffeetops aus und steckte sich eine Zigarre an, die chm Hugo groß- mütigst anbot.
„Sie führen doch^in.ganz miserables Leben!" sprach Hugo herablassend.
„Wieso?" fragte Moritz Gassel ehrlich verblüfft, als fiele er aus allen Wolken.
„Na, so als Dorfschulmtzister!" fuhr Hugo fort und blies Rcmchringel in die Luft. „Unfrei nach jeder Richtung hin, Hunaergehall und so weiter. Kommen Me mit nach Berlin. Da ist man wahrhaft frei. Da ist man eine Individualität. Man taucht im Strome des Lebens unter."
„Daß mich der Affe lause!" rief Moritz Gassel lachend. „Ich will aber nicht untertauchen. Und mit den Genüssen der Großstadt bleiben Sie mir vom Leibe. Die kenn ich von Breslau her!"
„Breslau ist ein polnisches Dorf!"
„An welcher Zeitung sind Sie denn eigentlich?" fragte Moritz Gasset, um das Gespräch auf ein erquicklicheres Thema zu lenken.
„,Dte X.-Zeiturrg!" enviderte Hugo gelassen.
„Was?" ries Moritz Gassel entsetzt. „Bei diesem erz- konservativen Blatte? Sie mit Ihrem Individualismus? Das hätte ich Ihnen nicht zugetraut."
„Was haben Sie gegen die Konservativen?" wies ihn Lugo zurück und setzte sich ans. „Das ist die einzige Partei, die den Individualismus achtet. Es.ist die einzige Partei, die kein Zutunftsprogramm hat. Alle andern Parteien haben sjch durch solch ein blödsinniges Fortschrittsprogramm fest- gerttten. Gs sind samt und sonders Doktrinäre. Es ist die Doktrin der Masse, die bekanntlich immer idiotisch ist. Nur dre konservative Partei hat sich von dieser Verblödung frei
gehalten. Hier nur sind Individuen möglich. Nur in dieser Richtung zeigt sich die wahre Freiheit!"
Moritz Gassel saß mit offenem Munde da.
„Sehen Sie das nicht ein?" rief Hugo ärgerlich.
„Das tvohl!" erwiderte Moritz Gassel. „Wenn man's Von der Seite ansieht. Aber dann steht alles aus dem Kopfe."
„Die Welt ist rund!" dekretierte Hugo, erhob sich, warf seinen Pelz über und ließ sich von Moritz Gassel zum Baron begleiten, mit dem er den ganzen Nachmittag diese hochpolitischen Dinge weiter traktierte. Doch hier hatte er einen schwereren Standpunkt, denn Fritz von Winkelberg kannte die Welt und war nicht so naiv wie Moritz Gassel, der bald in seine Mause zurückkehrle uud die Lehrbücher für die Weite Prüfung hervorsuchte.
Am nächsten Morgen fuhr Hugo wieder nach Berlin zu seiner Siebenmillionenbraut, deren Vermögen er verwalten mußte. Länger als drei Tage wagte er sie nicht allein zu lassen.
Drei Tage vor Neujahr kam der alte Mraham ans Sulitsch nach Britzkawe und meldete elf Schützen an. Mehr hatte er nicht zusammentrommeln können. Auch an den Kreisschulinspektor Doktor Schrill hatte er gedacht, ihn aber wieder von oer Liste abgesetzt, weil er doch nur daneben traf.
„9kvch nicht genug?" fragte der Baron seinen Inspektor.
„Dreißig müssen es mindestens sein!" gab August Niwr- xeck Mrück, und der Förster, der diesmal mitgekommen war, bestätigte es durch Kopfnicken.
„Laden Sie die Bauern ein!" schlug der Baron vor. „Wer sich einen Jagdschein kaufen kann und eine Flinte hat, mag mitgehen."
„Herr Baron!" warf der Förster ein. „Wenn das nur gut abläuft."
„Wissen Sie einen andern Ausweg?"
Karl Ruppert, der Grünrock, schüttelte den >vopr. Auch August Knorreck hat schwere Bedeuten, alle Bauern, ohne Ausnahme, zur Treibjagd einzuladen.
„Welche befehlen der Herr Baron?" fragte er.
„Me!" erwiderte Fritz von Winkelberg. „Je e r kommen, desto besser. Damit wir endlich von dieser Landplage befreit werden."
t wei Tage vor Beginn der Schonzeit traten die Schlitzen reiber aus dem Gutshofe- zusammen. U B da-in knallte es auf den Britzkawer Feldern, als wären M Patronen, überhaupt nichts wert. Augus :
Ährten die beiden Flügel der Schlachtordnung, d ichtig und leise um jeden Kessel Auf
irns Treiber kam immer ein Schätze. Zue \ oe 'mrn-cher Fehlschuß getan. Aber aegen Mittag, als rie Felder im Süd- revier eingekreist wurden, gelang! es n mehr
durchzubrechen. Ter alte Abrahm,>. fuhr mit ei icnt grnchen Schlitten hinterdrein und lud die Beute auf. Sechsmal mußte er nach Britzkawe zurück, um den Snnitten ;it leeren. Am Abend gab's im Kretscham ein großes Jäger 'sseu. Htmig war Christian Reuschel, der Müller, der dreiund-,
achtzig Langohren das Lebenslicht auAgeblasen hatte. Und dabei hatte er nur neunzig Patronen verkna! i gelt hatte es.sogar bis auf hundert gebracht. D.-äi lchite er aber dreizehn ganze Hafen getroffen,'von denen über die Hälfte nur krank geschossen und von den Treibern mit dein Knüppel totgeschlagen worden war. D i .. l.r r-io hatte einen Gutsknecht angeknallt und veiband die leichte Wunde am Arm mit einem Zwanzig^ ließen ihren Baron hochleben und zechten auf seine Kosten. Als er heimging, gerieten Christian Neuschel, der siB auf seine Schußsertigkeit nicht wenig zugute tat, und Marl Ruppert, der Förster, aneinander, und August knorreck hatte Mühe, Frieden zu stiften. Auch Moritz Gassel, der zwanzig Hasen geschossen hatte, für einen Schulmeister eine ganz achtungswerte Leistung, ging bald nach Hause. Am nächsten Taae fuhr der alte Abraham mit sechs Schlitten voll Hasen nach Sulitsch. Täe Preise hatten sich schon wieder an gezogen.
* (Fortsetzung folgt.)
Pflanzenkult am Johannistag.
Zum 24. Juni.
Bon Friedrich Spree n.
Mittsom'MLrtag ist's! Die Sonne hat ihren höchsten Stand erreicht, und die Natur prangt in üppigster Sästln-eit. Dicht wölbt sich das Dach des Waldes, der grüne Teppich in Feld und Flur,


