Lurück zur Schotte.
M-oman von Ewald Gerhard Seeliger.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Im Jnspektorhause brannte auch ein Lichterbaum. Heb- tvig banr endlich aus dem Herrenl)ause herüber ulid fand sich reicti beschenkt. Thomas Hauschild, der die Feiertage in seiner Heimat verbrachte, Ejatte eine kleine, zierliche Bernsteinbrosche unter den Baum gelegt. Aber Hedwig sah sie kaum an
„Steck sie doch an!" mahnte August Knorreck.
Hedwig gelwrchte und vergaß ganz, das Schmuckstück wieder abzulegen. Im ganzes, war die Stimmung etwas» gedrückt. August Knorreck dachte an die Treibjagd, zu der die Hälfte der Schützeil noch immer fehlte, Frau Knorreck schaute verstohlen zu Hedwig hinüber, um sie unbemerkt beobachten zu können, und Hedwig saß in tiefes Sinnen versunken da und schwieg.
Da schlug plötzlich Waldmann an, im Hausflur ertönten starke Tritte, und in der Tür stand Hugo, dei) Zeitungsmann.
Das gab eine Neberraschung! Frau Knorreck blieb vor Freude für ein paar Auaenblicke die Luft weg. .Hedwig fiel ihm um den Hals und half ihm den schweren .Koffer hereintragen. Er lvar mit einer Numpeldroschke von Zduro- tschin herübergekomm^n, hatte einen starken Hunger und nocki mehr Durst, und die Mutter eilte sofort in die Küche. Im Hui? war der Tisch gedeckt. Hugo legte den schönen Winterpelz ab, der Frau Knorrecks höchstes Erstaunen erregte. Und sein nobler Anzug brachte sie vollends aus dem Häu-chen.
„Hugo!" rief sie außer sich. „Das hast du dir alles allein angesck)asft?"
„Kunststück!" lachte er selbstgewußt. „Ich verdiene ungefähr doppelt so viel wie Vater!"
„Mit dem Zeitungsschreiben!" rief die Mutter und schlug entsetzt die Hände zusammen. „Wie ist das möglich?"
„Wenn das nur nicht ausgeschnitten ist!" knurrte der Vater.
„Pack mal den Koffer aus!" sprach Hugo zu Hedwig und begann sich mit den guten Sachen ju beschäftigen, die aus dem Tische standen. „Hier ist der Schlüssel. Es ist für jeden war drin."
Hedwig schloß aus, und drei Pakete fielen heraus. Das rößfe, das für Vater bestimmt lvar, enthielt die Nummern er Zeitung, in denen Hugos größere Artikel standen. Sie waren blau an gestrichen. Dabei lag ein Blatt, aus dem vermerkt war, daß August Knorreck, Gutsinspektor in Britz- fawe, für die Folge die Zeituntz gratis zugeschickt bekommen würde.
„Ist das die Zeitung, bei der du schreibst?" fragte der
Vater uub legte die Blätter beiseite, um sie morgen eingehend zu studieren, denn bei Lampenlicht las er nicht gerne.
Hugo nickte nur, tveil er den Muird voll hatte.
Die Mutter bekam einen großen Fetzen schweren Seidenzeugs für ein Staatskleid. Sie lvußle sich vor Neberraschung nicht zu fassen. August Knorreck knurrte anerkennend. Hedwig bekam ein Dutzend feine Glacehandschuhe.
„Die kannst du doch nicht brauchen!" meinte der Vater.
„Hier nicht!" pflichtete ihm Hugo bei. „Aber in Berlin, wenn du mich besuchen kommst. Ich Hab schon schön mit dir herumgeprahlt."
„Dummheit!" gab der Vater zurück. „Sie hat hier genug zu tun!"
Endlich hatte Hedwig die drei Flaschen Sekt gefunden, die Hugo von Berlin mitgeschleppt hatte.
Und Hugo wurde nun ausgesragt. Er legte sich vornehm in den Stuhl zurück, spielte mit der wohlgepflegten Hand auf der Lehne und gab Audienz.
Er hatte Glück gehabt, brauchte nicht mehr den Tagesbericht zu redigieren, sondern bemühte sich auf allen journalistischen Gebieten mit gleicher Geschicklichkeit. Er schrieb kräftige Leitartikel, politische Wochenübersichten und betätigte sich auch im Feuilleton. Er sprach sehr bedeutungsvoll und sehr überlegen. Frau Knorreck war bald geneigt, ihn für ein höheres Wesen zu halten. Hedwig hörte schweigend zu.
Der Vater aber knurrte nur zuweilen, ob zustimmend oder abweisend, konnte man nicht erkennen. Aber er gedachte sich morgen seinen Erstgeborenen herzunehmen und ihm wegen des Studierens den Kopf zurechtzusetzen. Jetzt, am heiligen Abend, wollte er sich damit die Laune nicht vev- derben.
„Hugo, du bist ja verlobt!" rief plötzlich die Mutter und deutete auf den Mng, der ihm an der linken Hund saß.
„Jawohl!" antwortete er herablassend. „Gestern Hab ich mich verlobt und im Sommer werden wir Hochzeit machen."
Die Mutter,überschüttete ihn mit einer Flut von Fragen nach seiner Auserwählten.
„Ihr werdet sie ja kennen lernen!" lächelte Hugo generös. „Auf den Hochzeitsklimüim verzichten wir. elber auf unserer Hochzeitsreise kommen wir hier durch mit unserm Automobil."
„Automobil!" wiederholte die Mutter tonlos. „Ist sie denn so reich?"
„Es geht an!" gab Hugo zu. „Sie ist nämlich Witwe, aber erst achtundzwanzig? Ich Hab sie ganz zufällig kennen gelernt. Und da hat sre sich in mich verlieb:. Ich bin doch ein ganz hübscher Kerl. Und sie ist die schönste Frau von Rixdorf. Sie wird euch schon gefallen."
„Aber eine Witwe!" warf Frau Knorreck ein. „Sie hat wohl gar Kinder!"
„Gewiß!" erwiderte Hugo. „Zwei kleine reizende Mädchen. Ich verwalte ihr Vermögen. Das versteht sie nämlich nicht."


