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Ferne den lieblichen Gesang der Nachtigall, empfindet den Früh­lingshauch und die tiefe Einsamkeit und läßt sich vom Müten- duft umkosen, just wie daheim in Vaters Garten in warmen, süßen Sommernächten. Die Gedanken kommen und geh>en. Dabei spitzt man die Ohren, denn wer würde selbst in dieser Seligkeit seinen Dienst vergessen? Oft horcht man auf.Was tvar das?" Man späht in die Mondscheindämmerung über die dunkle unruhige Wasserfläche und sieht doch nichts, sucht den Himmel ab und findet dort nur die Sterne ftiedlich ihren gewohnten Weg ziehen. Feinde verraten sich, ob sie wollen oder nicht. Jeder von uns hat schon einen erspäht, er weiß also wenn sie nahen. Diesmal ist es nichts, weiter dauert also die Wache! . .

Aus dem Hinterlande dringen gedämpfte Stimmen zu mir. Kameraden sinds, die,^dienstfrei, die Nacht genießen, sage ich mir, tod? da höre ich das Summen eines Motors. Gen Himmel richtet sich der Blick. Nichts ist zu sehen: ein Flieger aber muß es sein. Jetzt scheint er über mir zu fliegen. Ich stürze zum Fernsprecher. Hier Ausguck Nr. .. . Mädung: Soeben Flieger über mir. Sck>eint in großer Nähe zu fliegen, da unsichtbar. Richtung West!" Tann laß er fliegen!" komMts zurück. Weshalb sollten wir diesem Besuch in der Luft Zielscheiben geben? Daß es ein feind­licher Flieger sein mußte, war mir!klar, da man uns keine deutscher* Flieger für diese Stunde angezeigt hatte. Kaum habe ich den Fernsprecher fortgelegt und, nach oben schauend, mich der Küsts genähert, als etwa fünfzig Meter von mir etwas aufklatscht, mit dumpfem Knall sich das Wasser antürmt und ein leiser Sprüh­regen sich über mich ergießt. Das war der Scheidegruß des Heimkehrcnden. Auf gut Glück hatte er seine Bombe geworfen, denn kein Feuer, kein Licht wjar weit urrd breit, nichts hat ihnr verraten, uw er sich befindet, vielleicht hat es die unten brandende Flut getan?

Das Surren des Motors ist lange verhallt, wieder Ist es einsame Nacht geworden, als vom Wasser her aus weiter Ferne ein dumpfes Grollen fontmt. Dieses Geräusch kenne ich und kann mir denken, daß weit auf dem Wasser, vielleicht nahe an Englands Küste, ein Unterseeboot an der Arbeit ist. Der dumpfe, lange, gurgelnde Ton sagt mir, daß wieder einmal ein Torpedo gesessen hat. ..

Auf dem Wasser gebt in der Nacht gervöhnlich ctlvas vor, doch ist es nicht für uns Landratten bestimmt. Wir haben unserv Strandkanonen schon zu oft und zu deutlich sprechen lassen, deshalb lassen uns die Engländer in Ruhe, dafür suckln unsere U-Boote sie auf urrd finden in der Nacht ihre beste Beute.

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Der unserem Hühnervolk beigegebene Hahn hat den begin­nenden Tag schon lange verkündet, als ich, dienstfrei, mich meinem Blumengarten zuwandte. Er brauchte noch viel Pflege, da ich ihn erst etwas spät ins Leben gerufen hatte. Wir an der Küste haben unsere eigenen Passionen. Ter eine zieht sich Schweine groß, der andere hat sich Hühner zugelegt, där dritte baut sich Gemüse und der vierte vertreibt sich die Zeit, wie ich. mit der Blumenzucht. Ich bedaure gerade meinen verwelkten Rosenstock, als vom Strande Alarm kommt. Blumen und alles andere ist in diesem Augenblick vergessen, bergauf und bergab, über Dünensand und durch Gestrüpp geht's im Laufschritt zur Batterie.

Was gibt's?" tönt es durcheinander.Brite überm Kanal!" Richtig, mit bloßen Augen kaum sichtbar, taucht am fernen Him­mel ein kleiner Punkt auf, der die Richtung zur Küste hält. Un­sere .Geschütze richten sich nach oben, und erlvarlunasvoll harren wcr unserer Ausgabe.Jst's auch ein Brite?"Mensch, kannst nich kieke?" Mit bloßen Augen war freilich nichts zu sehen, aber durch's Glas schien der Flieger als Engländer festgestcllt zu sein. Die Minuten des Wartens werden manchmal zur Qual, haupt­sächlich dami, wenn man damit rechnen muß. daß der Feind noch im letzten Augenblick eine andere Richtung einschlagen kann. Doch diesmal hielt er tatsächlich auf die Küste zu. schraubte sich aber, höher und höher. Das KommandoFeuer!" kam. Unsere Blicke folgten der Wolke, die durch den blauen Aether binaufstrebte. dicht hinter dem Flieger zerstob und seinen Apparat für einen Augen­blick einhüllte. Durch einige geschickte Wendungen und die un­erreichbare Höhe entging er uns. Seine Aufgabe schien er jedoch erfüllt zu haben, denn sein Weg führte zurück übern Kanal . . .

Wir haben Fliegerbesuch! Ehe zwei unserer bekannten Flieger ihre Reise übern Kanal antreten. rasten sie ein »venig bei uns, da eine weite Fahrt bereits hinter ihnen lag. Mle. die nicht der Dienst sesthält, sind auf dem Landungsplatz erschienen und in respektvoller Ferne staunen die Beivohner von .... zu den Fliegern und ihrem Flugzeug herüber. Wir alle legen Hand an, als es weiter gehen soN.Glückliche Fahrt" wünschen wir, als die beiden Leutnants das Flugzeug besteige,! und drei'donnernde Hurras klingen ihnen nach als sie in die Luft steigen.

Legen Sie den Engländern 'paar hübsche Dinger aus den Kvpf, daß sie auch was vom Kriege spilren, Herr Leutnant," ruft unser Obermaat.

Wird gesck)ehen! Ihr iverd's lesen!"

Höher und höher steigt der Vogel, bald ist er unfern Augen entschwunden. Wir Unssen: seine Insassen roerden ihre Pflicht tun, denn diese Flieger sind just so, wie unsere Unterseeboots! eutv.

fte haben stkerven von Stahl imd einen unbeugsamen Willen, der Taten vollbringt...

Eine Stunde inochte es her sein, als von der Küste wieder, einmal Alarm kommt.Flieger in Sicht!" Tatsächlich kommen von Englands Küste nicht einer, sondern sechs oder sieben Vög< angeflogen, voran in respektvoller Entfernung ein deutscher, tmi föitnen durchs Glas bereits das Kreuz erkennen. Es sind unsere Flieger, sagen wir uns, es sind die beiden Leutnants, die vor knapp einer Stunde vvn uns Abschied nahmen.

Aus dem Manöver, das unser Flieger macht, schließen wir, daß er von Engländern verfolgt wirv, und machen uns bereit, ihm beizustehen. Kurz vor der Küste verlangsamt das deutsche Flugzeug seinen Flug, steigt aber höher hinauf, was die Gegner veranlaßt, es ihm glnchtzutun. Eine weitere Steuerbeivegung, dann dreht unser Flieaer auf die Feinde ein und vor unseren Augen beginnt ein Fliegerkampf. Wir sind ruhige Leute, nun begannen unsere Nerven aber doch zu fiebern; einer gegen sechs, das schien uns doch etwas gewagt, aber unsere Flieger, sis wagen alles!

Kaum merkten die Gegner die Absicht, als sie unser Flugzeug zu umschwärmen begannen. Einige versuchten höher zu steigen, andere das deutsche Flugzeug von hinten zu fassen und die übrigen es von vorn anzugreifen. Die sich uns zu nahe wagten, d. h. hin­ter unserem Flieger soaren, wurden von uns auf's Korn genommen. Nach drei guten Schüssen schwankte ein feindlicher Zweidecker bedenklich und mußte im Gleitflug niedergehen. Die Gegner, die über unser Flugzeug zu kommen trachteten, wurden von unserem Flieaer beschossen. Wir konnten sehen, daß der Begleiter in einem der Flugzeuge zusammensank und das Flugzeug sich bedenklich auf die Seite legte. Dieser zcheite Unfall lvar den Feinden das ge»' gcbene Zeichen, sich schleurngst zur Flucht zu wenden. Unsere Flie­ger liehen es sich nicht nehmen, die Fliehenden noch eine Weile; -u verfolgen, dann landeten sie hinter den Dünen, aus der ebenen Fläche, von wo aus sie ihren Aufstieg unternommen hatten. Die notlandenden Gegner- waren inzwisck>en von unseren Leuten ge­fangen genommen worden.

Es war eine aufreibende, aufregende halbe Stunde, wie wfr sie nicht oft an der Küste erlebten. Wir bedauerten nur, daß die Engländer sich nicht näher herangewagt hatten und wir deshalb unseren Fliegern nicht besser Hilfe leisten konnten. Doch waren sie mit uns zufrieden Für sie war der Kampf in der Luft ein lange erwartetes Ereignis. Sie sprachen nicht viel darüber, man merfte es idnen jedoch an daß sie sich freuten, gegen sechs Feinde Sieger geblieben zu sein.

Wir waren nicht mehr weit von Englands Küste entfernt", erzählte der eine Leutnant,als wir daS feindliche Geschwader kommen sahen, schnell hatten wir unsere Rechnung mit unserm Gott gemacht, und dann begann unser Manöver, das uns zurück­führte. Daß nnr glücklich zurückkommen würden, haben wir nicht geglaubt."

Als sich der Abend leise heranschlich, saßen beide wieder in ihrem Flugzeug, das sie lvieder zu Englands Küste trug. Sie batten einen Auftrag, und ohne ihn ausgeführt zu haben, wollten sie nicht zu ihrer Truppe zurück. Später hörten wir. daß sie mehr geleistet hatten, als sie eigentlich leisten sollten.

«riegstiere und «riegspflanzen.

Die Zeit wird komrnen. n*> sich die Wissenschaft mit der Frage zu befassen hat, ob, in tvelchem Umfange und in rvelcker Art der Weltkrieg auf die Tier- und Pflanzemoelt der europäischen Länder und besonders der Kriegssck-anPlätze Einfluß ausgeübt und Ver­änderungen darin hervorgebracht hat. Geipiß ist. daß die Kriegs- aeschicifte auch im Tier- und Pflanzenleben manche Spur hinter­lassen hat. Es sei da an den heimischen blauen Seide nschivanz erinnert, der in Deutschland vielfachKriegsvogel", in Hol­land dagegenPcstvogel" genannt wird. Diesen grimmigen Namen verdankt das harmlose Tierchen der Eigenart, daß es plötz­lich zu versdpoinden und ebenso plötzlich wieder zu erscheinen pflegt, und zwar will der Volksglaube, daß sein Verschwinden und Wieder^ kommen sich in einem Zeiträume von sieben Jahren »viederhole. Sieben ist ja die bekannte heilige, aber auch unglückliche Zahl des Vol^glcmbens, und er deutet sich das Verschwinden und Erscheinen des Vog^s dahin, daß er Krieg oder Pest ankündbre So hieß es denn nnrklich auch tat vorigen Jahre, beim Ausbruch des Krieges, daß der Kriegs- oder Peiwvgel in Holland gesehen worden sei. Mch die geivöhnliche Feldlerche ist zum Träger von KriegScnnne- rungen geworden. Sie hat den NamenK o s a k e n v o g e l" er­halten, und zwar behauptet das Volk, daß dieser Vogel bis zum Anfänge dos 19. Jahrhunderts in Deutschland noch unbekannt ge­wesen und erst 1813 mit den Russen ins Land gekonunen sei. Ur- sprttnglick» habe sie sich nur in Ostpreußen angesiedelt und sch von da aus er-st allmählich «ach Westen hin weitergelvandert. Richtig ist soviel, daß die Feldlerche von Hause aus ein Steppenbewohner ist, aber tatsächlich hat sie mit den Kosaken und ihrem Erscheinen in Deutschland nichts zu tun. Eher wäre das schon von jenem wenig beliebten Insekt denkbar. daS bei unsRu s se n" zu heißen pflegt Es trägt übrigens, me in einem Aufsatz imAlgemeen Handels­blad" bemerkt wirb, redjtt verschiedene Namen: bei Plinius heißt es Btlatta, bei uns im allgemeinen Schabe, woraus dann durch