Ausgabe 
23.6.1915
 
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Mittwoch, den 23. Zunl

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Zurück zur Schotte.

Koman von Ewald Gerhard Seeltger (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

der Ernte kam der alte Abraham und machte mit okui Baron die Schlußrechnung. Fritz von Winkelberg schenkte rhu: volles Vertrauen, und der alte Abraham ver- diente es auch. Sogar August Knorreck kam gut mit ihm aus. Das Goldkettlein war längst vergessen.

Herr Baron!" lachte der alte Abraham und rieb sich die Finger.Dreißig und ein halbes Perzent ohne die .Kartoffeln und die Rüben. Was sagen Sie jetzt! Sie werden noch ein Millionär werden! Und die Versicherung? Ä?., jpfo ich werd einhalb pro Mille durchdrttcken können. Weil Sie's sind, Herr Baron."

Dann notierte er sich die Zahl der Strohschober, die draußen ans den Feldern! standen, rtnd die Wertsnmme der gefüllten Scheunen.

Wissen Sie schon das Neueste?" ries er dann, indem er. '/ln Notizbüchlein einsteckte.Der Frilscher hat geerbt. <>iel frcilid^ nicht. Von seiner Tante in Gontkowitz. Er hat den Wechsel bezahlt dem Gottlieb."

Sollte mich freuen," erwiderte Fritz von Winkelberg, wenn er wieder in die Höhe kommt!"

Glauben Sie?" lachte der alte Abraham. ,Lch nicht! Warten ^ie's nächste Jahr ab, da sitzt er um so ärger in der Tinte!"

Aber der alte Abraham hatte sich wohl getäuscht. Fürchtegott Fritscher hatte sich aufgerafft, einen Knecht in Dienst genommen, und saß nicht mehr so viel hinter der Flasche. In der Ernte arbeitete er tüchtig, trieb in der Ge­meindeversammlung scharfe Opposition und grüßte den Baron nicht, wenn er ihn traf. Denn der hatte ihn vod jeuiem Erbe bringen wollen!

Als die Rüben herausgeiiommen worden waren, lief sich Thomas Hanschild selbst im Wege herum. Das Sechs­undsechzigspielen mit Franz Wiegelt brachte nichts mehr ein. &o ritt er denn jeden Sonnabend nach Zdurotschin hinüber, wo er bei Dudeck im Hinterzimmer die Bank hielt.

Aber als Franz Wiegelt im November ein großes Schwemeschlachten machte, fehlte auch Thomas Hauschild nicht. Mittags gab's Wellfleisch und abends wurde getanzt. Die Guhrer erschienen in geschlossener Masse. Pelagia Dubin drehte sich wie ein^Kreisel, und Daniel Zpuppack mühte sich nin sie vergeblich. Sie hielt es heute mit den Guhrern, die sie umschwärmten wie die Wespen den Honigtopf. Und doch wurden sie von Daniel Zpuppack allesamt ansgestochen, als die Musikanten einen Krakoviak anfspielten. Da mußten alle vor Daniel Zpuppack zurückiveichen, der den Tanz mit Pe- lagia Dübln zu Ende führte. Zuletzt stampfte er allein mit ihr durch die Stube, und die andern, besonders die Guhrer, standen im Kreise herum und hielten Maulaffen seil. Seit­

dem blieb er an ihrer Seite und sie tanzte mit keinem ai^- dern. Das gefiel den Guhrern durchaus nicht, und sie schimpf­ten und rempelten Daniel Zpuppack an.

Als Franz Wiegelt fünf Minuten vor Mitternacht Feierabend kommandierte, er wollte sich nicht wieder von dem Gendarm, den er schon witterte, aufschreiben lassen, ge­rieten die Guhrer draußen vor der katholischen Schule mit Daniel Zpuppack, der Pelagia Dubin nach Hause brachte, zusammen. Es gab eine herzhafte Prügelei, wobei Daniel Zpuppack sich wie ein Löwe wehrte. Zuletzt stach er mit dem Messer um sich. Doch das wurde ihm schnell entwunden, und er wurde so windelweich geklopft, daß er liegen blieb. Die siegreichen Guhrer suchten nun ihren Mut an den Britz- kawern zu kühlen, warfen Sebaldus Pohl ein paar Fenster­scheiben ein, wurden aber endlich mit blutigen Köpfen zum Dorfe hinausgetrieben. Der Schmied, bei dessen Werkstatt sich das Gefecht vorbeiwühlte, griff mit einem Hammerstiel beftinnnend in den Kampf ein. Da gaben die Guhrer Frieden und zogen eilig ab. Denn der Gendarm kam angeritten. Er erwischte aber keinen. Daniel Zpuppack wurde von Pelagia Dubin über den Pfarrgutsgartenzaun hinweg in Sicherheit gebracht, die Guhrer zerstreuten sich wie die Hasen über die Felder und in die Büsche, und der bewaffnete Hüter der Ord­nung inußte sich damit begnügen, die Blutlachen und die zerbrochenen Fensterscheiben zu zählen. Eine Untersuchung förderte nichts zutage, .aber Britzkawe bekam beim Kreis­ausschuß in Sulitfch wieder einen kohlschwarzen Strich. August Knorreck war wütend und verdächtigte sofort Daniel Zpuppack als den Anstifter der Prügelei. Doch der kam drei Tage nicht zum Vorschein, ließ slch von Pelagia.Dubin ge­sund pflegen und hatte, als ihn der Inspektor zur Reoe stellte, noch einen großen Mund. August Knorreck setzte es beim Baron durch, daß der verdammte Polack auf reden Fall sofort abgeschoben wurde. Fritz von Winkelberg ließ ihn zu sich rufen.

Hier ist dein Lohn bis Weihnachten," sprach der Baron und schob ihm das abgezählte Geld hin.Du wirst noch heute abfahren. Pack deine Sachen, der Herr Inspektor wird an­spannen lassen."

Ist nicht nötig, Panje Baron!" grinste Daniel Zpup­pack und strich das Geld ein.Hab ich genommen eine Stelle als Kutscher beim Dubin drüben auf dem Pfarrgut."

Als August Knorreck das hörte, fluchte er, aber ändern ließ sich nichts mehr: der verdammte Polack saß fest. Auch Thomas Hauschild sah das bald ein.

XVII.

Als die Wintersaaten keimten und der erste Schnee siel, machten sich auch die Hasen wieder -emerklich, und zwar viel stärker als im vergangenen Jahre. August Knorreck ging sofort zum Baron.

Befehlen der Herr Baron, daß die Treibjagd vor oder nach Weihnachten stattsinden soll?"

Je eher, um so besser! Treiber sind wohl genug da. Woher nehmen wir aber die Jäger?"