Ausgabe 
21.6.1915
 
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Lurück zur Scholle.

v>«m«n von Ewald Gerhard Seeltger.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Lassen Sie mir den Zpuppack in Frieden!" wies Knor- reck'den Gehilfen zurecht.Er tut seine Arbeit fiir den halben Loh,:!"

Der wird schon seine Gründe haben!" knurrte Thomas Hanschild.Mir scheint, er ist hinter der Pelagia her!"

Aha!" rief August Knorreck und .sah den Gehilfen scharf an.Daher bläst der Wind. Sie wollen wohl wieder da anbandeln?"

Ich?" verteidigte sich Thomas Hauschild.Ich denke nicht dran. Aber wenn sich der Zpuppack da drüben festsetzt!"

Ach was!" lachte August Knorreck.Sie kann ganz andere haben als den Zpuppack, der n.öchts hat und oberie drein noch dumm ist!"

Na!" sprach Thomas Hauschild herablassend.Mir kann's ja gleich sein. Ich bleib höchstens bis nach der Ernte hier. Ich hab's nun satt. Fräulein Hedwig ist immer un­sichtbar. Wozu soll ich mir die Jacke zerreiben, wenn es doch keinen Zweck hat. Ich such mir eine selbständige Stellung."

Suchen Sie!" erwiderte der Inspektor lächelnd.Wer Sie als Inspektor nimmt, der mutz rein mit Blindheit ge­schlagen sein!"

So?" rief der Gehilfe schlagfertig.Dann mutz es eben an meinem Lehrmeister liegen, daß ich hier nichts Gescheites gelernt habe."

Was reden Sie da wieder für dummes Zeug!" lenkte August Knorreck ein.In zwei, drei fahren lernt man nicht aus. Sie sind doch erst dreiundzwanzig. Können Sie's denn nicht erwarten? Ich Hab mich erst mit dreihig Jahren selb­ständig machen können. War zeitig genug. Ich Hab noch manche Dummheit in den ersten Jahren gemacht. Bleiben Sie noch ein Jahr. Sie sollen auch Zulage kriegen. Aber das Mädel lassen Sie mir in Frieden. Die hat den Kopf voll mit den Kindern. Nehmen Sie sich die Zeit. Uebers Jahr, wenn sich der Herr Baron wieder verheiraten wird, werd ich selber mit ihr reden. Das versprech ich Ihnen!"

Damit hielt er ihm die.Hand hin, und Thomas Han- schild schlug ein.

Moritz Gassel regte seine Hände fleißig im Garten. In der Schule arbeitete er mit Ruhe und Gemächlichkeit. Die Kinder vergaßen wieder die Flüsse Amerikas und die Gebirge Asiens, dcnu den Vogel Strauß, denn Moritz Gassel mußte sich mehr den Kleinsten widmen, denen er die Geheimnisse der Schreiblesefiebel zu enthüllen bestrebt war. An die zweite Prüfung dachte er sehr selten, an den neuen Kreisschulinspek­tor noch seltener. Dagegen überlegte er sich sehr genau, ob er den Schulacker schon dieses Jahr in den Garten yereinziehen, oder db xr den freien Meck mit Daser besäen lassen soltte«. Gr entschied sich für den Aaser, weil er es dieses Jahr vort-

erst mit der Hühnerzucht versuchen wollte. Jeden Montag und Donnerstag ging er nachmittags aufs Schloß, um mit dem Baron Schach zu spielen. Schon um fünf Uhr war er geladen, je weiter aber der Frühling vorrückte, um so länger mußte Moritz Gassel auf den Baron warten, der manchmal erst mit der Dunkelheit von den Feldern heimkehrte. Aber Moritz Gassel ließ nicht von seiner Pünktlichkeit, denn er hatte daun zuweilen das Glück, ein paar Minuten mit Hed­wig plaudern zu können. Und so traf er sie einmal auf dev Terrasse, über der die dünnen Zweige der alten Parklinden gerade ihre Knospen trieben. Sie nähte mit flinken Fingern an einem Jäckchen. Neben ihr saß Cäcilie, die schon ins fünfte Jahr ging, und mühte sich mit Stricknadeln ab, mit denen sie den widerstrebenden Wollfaden einfangen wollte. Der kleine Günther lag int Kinderwagen, krallte seine runden Fingerchen in die Decke und gab zuweilen brummelnde Töne des Wohlbefindens von sich.

Moritz Gassel zog den Hut, und Hedwig bat ihn, Platz zu nehmen.

Sie sehen!" lächelte sie schelmisch,ich pfusche Ihnen ins Handwerk!"

Dabei wies sie auf die fleißige Cäcilie, die mit flehenden Augen Verzeihung für eine entschlüpfte Masche erbat.

Hedwig holte den Flüchtling ,nieder heran.

Ach!" seufzte Moritz Gassel ergeben,ich bin der Pfuscher, nicht Sie!"

Dann teilte sie ihm einige ihrer hausmütterlichen Sor­gen mit, und er hörte aufmerksam zu.

Cäcilie muß nächstes Jahr zur Schule!" sprach sie etwas bekümmert.Der Herr Baron wird sie wohl in ein Pensionat geben müssen."

Hm!" machte Moritz Gassel und überlegte lange. Lesen, Schreiben und Rechnen könnte ich ihr ja bei- b ringen."

Wie schön!" ries Hedwig erfreut.Das ist ein Ge­danke!"

Ich will es gern tun!" fuhr er fort.Für den Einzel­unterricht bring ich wohl das nötige Geschick auf. Und sie kann dann noch ein paar Jahre Zu Hanse bleiben!"

Das wäre wunderschön!" rief Hedwig ans und strahlte vor Freude.

Dann erzählte er von der geplanten Hühnerzucht und von seinen Bienen, die den Winter sehr gut überstanden hatten.

Währenddessen ging Thomas Hauschild über den Hof und sah die beiden zusammensitzen. Wieder quoll ihm die Eifersucht zum Herzen. Llber er ballte nur die Faust im Sack. Uebers Jahr tvar sie doch sein! Das hatte ihm August Knorreck versprochen. Und der pflegte sein Wort zu halten.

Endlich erschien der Baron, scherzte ein wenig mit dem kleinen Günther, ließ sich von ihm den Bart zausen und begann endlich Cäcilie zu necken.

Was soll das werden?" fragte er sie, indem er das unregelmäßige WoNfadengebilde auseinanderzog.