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ölten Friedhof noch pflegen, lvenn der im Gebrauch besmdluhv lernen wüsten, verwilderten Eindruck macht. Durch den Frred- doi wird mancher, der in die Stctdt verbog, allein noch an daS Dorf geburrden. Tausend Fäden verknüpfen so Stadt und Land. Wenn einer aus der Stadt die alte Heiiuat triebet aufsucht, er geht auch auf den Friedhof. Sehet darum zu, daß der Gast nicht durch verwahrloste Gräber abgestoßen wird, sondern sorgt, daß durck die Pflege der Ruhestatt euerer Toten das veimatgefühl der Lebenden geweckt und gepflegt werde.
Uni> dock, wie dft wird die Heimat vergessen, verkannt, ja verspottet und verlwkmt. Wie viele sind dem Zuge der Zeit, der Flucht nach den großen Städten gefolgt, um das Glück zu erjagen, das man daheim nicht sah. oder nicht sehen wollte. Betört ist mancher sortgezoqen, und einsam ist er draußen gestorben. Mancher kehrt auch wieder heim; aber er ist hier fremd geioorden. Er hat andere Anschauungen gewonnen, die laxe Lebensauffassung der Großstadt hat ihn gefangen genommen. Tie Folge davon ist der falsche Ehrgeiz, die Stadt und das Städtische nachahmen zu wollen, wobei natürlich meistens das herausgesucht wird, was auf das platte Land nicht paßt. So sahen wie dann als erstes äutzeres Anzeichen dafür, auch in den abgelegenen Gegenden, die althergebrachte Trackl immer mehr verschwinden. Man schämt su- der Kleider, ivelche die Voreltern mit Stolz getragen haben und damit ist der Anfang gemacht, daß man sich überhaupt schämt, von- pilatten Land zu sein. Hier gilt es emzusetzen und hier müssen alle Kräfte zusammenorbeiten, wenn Abhilfe geschaffen werden soll. Man braucht die Hauptaufgabe nicht etwa in dem Bestreben, die alten Trachten wieder einzuführen oder wieder zu beleben, zu sehen, das wäre kurzsichtig, ganz abgesehen davon, daß eS hierzu meistens zu spät ist. Rein, die Bekämpfung der Auf^ fafsung, welche durch das Bersä>winden der Tracht äußerlich gekennzeichnet wird, darauf kommt es an. Es gilt, alle Kräfte zusammenzufassen, um auf dem platten Lande den Stolz aus das Ererbte und von den Vätern Ueberkommene wieder aufleben zu lassen und zu stärken. Wir müssen die Meinung hi na usz ul ca gen suchen, daß das olatte Land seine Lebensauffassrmg und seine Eigenart der Großstadt gegenüber nichts Minderwertiges, sondern etwas Gleichberechtigte-, im vaterländischen Interesse Erhaltenswerte- ist.
(Schluß folgt.)
vermischtes.
• Der Seuchenhahn in Rußland. Tie gefangenen Rüsten haben den Flecktnphus mltgebracht, und den deutschen Aerzten ist es gelungen, die sehr gefährliche Epidenile zu bekänrpfen und auf ihre Herde zu beschränken. Ta- geschah bestich mit a- deren Mitteln, als man ste in Rußland anzuwenden pflegt. Tore wird jetzt »überall ani den Dörfer,i der Seuchenhahn an-
esteckt. Ta die russischen Bauern, die ja noch zumeist in der
lacht des tiefsten Aberglaubens stecken, die Erfahrung gemacht habe», daß die »varinere Jahreszeit besonders günstig der Verbreitung der Cholera, Pest und anderer epidemischer Krankheiten ist, so suchen ste stch in ihrer Weile davor zu schützen, indem sie bei Beginn der warmen Tage folgenden Brauch a„-führen. Tie Weiber schleppen um Mittag auf jedem Ende deS Torfes einen Hauken von Wirtschaktsabgänqen zusanimen und stecken beide Hügel um Mitternacht in Vrand Zu dem einen Feuer ziehen die jungen Mädchen m weißen Kleidern oder in weißen Heniden und mit löse fliegendeii Haaren einen ^«<1; eine Jungfrau trägt etn Heiligenbild hmtenan Zur zweiten Brandstelle am entgegengesetsten Ende der Torfftraße tragen die alten Frauen, schwarz gekleidet, einen schwarzen Hahn und führen ihn dreimal herrrm. Tann ergreift eine Alle den Hahn und läuft damit zum Feuer der Mädchen am anderen Torfende, indes der ganze Hause da- Geschrei ertönen läßt: »Sttrb, stirb, verschwinde, schwarze Seuche \ a Tann ziehen die FrRiren den Pflug dreimal rund um die Torfgrenze, und alle sind überzeugt, daß diese Grenze nunmehr nicht vom Tode mehr über- schritten wird. Charakterisiert stch im allgemeinen dieser abergläubische Brauch als ein Abköinmling der alten heidnischen Tier- opier, so scheust doch auch die Erfahrung dabei mitqewirkt zu l aven. daß die Verbrennung des wirtschaftlichen HaiisunraleS der Verbreitung der Seuchen Abbruch tut.
* Tolstoi über die russischen Kriegsberichte. Tre naioe Methode, ,rach welcher das russische Volk gegenwärtig über den wahre,: Stand des Kneges hinweggctäuscht wird, gehört zu den^nerkwurdigslen strategischen Traditionen der russischen Generäle. Schon Tolstoi »veiß davon zu erzählen. Bekanntlich hat er als Leutnant der Artillerie den russisch türli'cher'. Krieg milgemocht.
« t. August 1855 hat er an der Schlacht an, »Schwarz lüßchcn' icilgenoinmen, kam aber mit seiner Bergbatterie gar nichl zum wirklichen Kample. Nach dein Falle Sewastopols erhält Tolstoi Ne Wliiston, als Kurier nach Petersburg zu reisen. Vor der Llb- reije word^ihm noch die Pflicht zuteil, den Bericht über die letzte - -sc e; Feldzuges zu schreiben Er berichtete später darüber (in * nmne Worte zum Romane „Krieg ,l,id Friede ,\‘)i .Nach dem , uoii Sewastopol sandte mir der Koi,una»,dant der Artillerie, Krüchanowsk!, die Berichte der Artillerieosi ziere von sänstlichcn
Bastionen ei», und bat mich, ich möchte aus ihnen allen (es waren ihrer »nehr als zwanzig) eine», einzigen Bericht zusanimenstellen. Ich bedauere, daß ich diese Berichte nicht abgeschrieben habe, dal iväre daS beste Beispiel geivesen jener naiven, unvermeidlichen Kilegslüge, aus der dann die Schlachtbeschreibungeu zusammen- gesetzt werde«. Ich vermute, daß viele von den Kameraden. d»e dainalS diese Berichte verfaßten, Mm Lesen dieser Zeilen lachen in der Erinnerung daran, wie sie aus Besehl der öbrtgkeit daS schrieben. waS sie gar nicht wissen konnten.- Tolstoi sprach schon damals von .naiven Kriegslügeu*. Wie würde er heute die russischen Kriegsberichte bezeichnen, die trotz der sichersten Beweise ihre- Lügensystems an ihrer Tradition lesihalten?
Süchertlsch.
— Wilhelm K l e m m, Gloria! Kriegsgedichte auS dem Feld. Mit 18 Vollbildern nach Original-Holzschnitten von Professor Walter Klemm. Preis in Pappband 4 Mark. Verlag von Albert Langei^ München. — Wilhelm Klernm ist unter unseren jungen Lyrikern ivohl der, dem unsere große Zeit am meisten geschenkt hat zur edeln Rene. Tenn reis und edel sind diese Gedichte; hier ist die Modernität der Form künstlerisch gemeistert, — eS klebt iilcht inehr die kleinste Schlacke »netttönerischer- Pose daran. Wilhelm Klemm hat nicht nur de', Krieg »draußen erlebt-, er hat ihn vor allen, innerlich erlebt, mit einem starken und feinfühligen, andächtigen Herzen, ihn durchlebt bis in die Tiefen seiner Begeiste- rungen, seines Entsetzens und seiner großen fragenden Müdigkeit, die dennoch anshält, daure es noch so lange. . . Der Verlag rechnete es sich zur Ehrenpflicht, dieses Buch auch äußerlich auS der Menge hervorzuheben. Er geivann dazu in einem Namensvetter des TichterS, Professor Walter Klemm, dem berühmten Graphiker, eine gleichivcrtige Kraft. Seine 18 Holzschnitte zu den Gedichten passen sich diesen in den, groß Phantasievollen ihrer Art z,l einem treu harmonischen Bunde an. wie man ihn selten findet, ohne dabei jedoch pedantisch ängstlich zu »illustriere«-. Tie übriae Ausstattung ist von schlichter Vornehmheit; und so entstand ein wunde, schönes ruck rm Verhältnis z» den. Gebotenen dabei sehr billiges zeitgemäßes Geschenkwerk für Le»lte von Geschmack.
— Die »Fliege,»den Blätter- gelten seit länger denn 70 Jahren als älteste und hervorragende Vertreter echten deutschen HtiMorS. lieber den ganz.« Erdkreis verbreitet, sind ste überall beliebt wegen ihrer Haltung, die alles irgendwie Verletzende auS- scheldet. Einwandfrei wie ihr Text sind aber auch ihre reichen ,lnd schönen Bilder, die dem Stifte erstklassiger Künstler elltstammen. Die Verlagsbuchhandlung Bra»ln & Schneider, München, stellt uns den letzten Halbjahrband zu, und wir ersehen daraus, daß besondere Auimelkjainkett in den »Fliegenden Blättern" jetzt ihre Beiträge a»ls dem Kriegsleben erwecken, das in patriotischer, gemütvoller und humoristischer Weise z»ir Darstellung gelangt, getreu die tiefen Leiden und die erhebende« Freuder, dieser gewaltigen Zeit widerspiegelnd (Preis für das Biertejahr (13 Nummern) Mk. 3,50.) _
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Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung des Silbenrätsels in voriger Nummerr Armenien — Itoffmi — Neapel — Obelisk — Lnömiee — Oelawarv — Home© .
Arnold Boeckltn.
Schristleitung: Aua. Goetz - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen


