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kommnen wollen ttnr diese Schätze. Nicht einzelnen zum Genießen, zur Freude, nein, zum Jungbrunnen der Gesundung der deutschen Volksseele sott unser Streben führen. Die Erkenntnis muß jeder einzelne gewinnen, daß das Straßen-, Dorf- und Landsckzaftsbild ein kunst- und kulturgeschichtliches Erbteil ist, das durch aufdringliche, unschöne Neubauten ebenso verdorben werden kann wie durch Beseitigung wesentlicher charakteristischer Teile des Vorhandenen. Kein Gedanke daran, die berechtigten Forderungen der neuzeitlichen Perkehrsentwicklung den Schrullen der modernen Heimatschutzlern zu opfern. Die Freunde des Heimatschutzes sind ja auch moderne Menschen und nicht so töricht, sich der Erkenntnis zu verschließen, daß sich die Zeiten ändern und wir mit ihnen. Was mau im Namen verständnisvollen Heimatschutzes fordert, ist im wesentlichien zweierlei: einmal, daß man alte Schönheiten nicht unüberlegt beseitige, wenn sie sich ebensogut erhalten ließen, und zweitens, daß man, tvenn ettvas Neues an ihre Stelle gesetzt werden muß. man Bedacht darauf nehme, das Neue der .Umgebung in charakteristischen Formen anzupassen. Wenn es ivahr ist, daß auf der Heimatliebe sich die Vaterlandsliebe a u s b a lt t, dann ist die innige Pflege ersterer eine heilige Pflicht jedes BaterlandsfreundeS.
Wie aber wird dieser Pflicht genügt?
1. Dadurch, daß man die Stammeseigentümlichkeit in Bauart, Sprache. Sitten und Gebräuchen erhält.
2 Daß man diese Eigenart als historisch begründet und darum als etwas Wertvolles anerkennt.
3. Daß man das Erbe der Väter als ein teueres Bermäckünis übernehmen und in verständigem, liebevollem Sinne weiterpflegen lehrt.
Leider hat man es vielfach verlernt, die trauten Pfade zu wandeln, die durch die heimatlichen Gefilde führen und hat fremde Wege ausgesucht, bei deren Betreten inan jene innige, harmonische Stimmung einbüßt, die nur da entstehen kann, wo der Mensch als ein zu der Umgebung gehöriger Teil sich fühlt. Daher kommt es auch, daß mail das eigenartig Schöne, das Charakteristische einer Gegend oft nicht sieht und nicht begreift. Wie wäre es sonst möglich, daß man bei der Feldbereinignna jedes Naturdenkmal, jede Hecke, ja ganze Baumgruppen gleichsam vom Boden wegrasiert ! Ms Beispiel ganz in unserer Nähe nenne ich nur den auf diese Art ganz und gar nüchtern, öde lind einsam gewordenen H e ß l e r an der Lahn zwischen Klein-Linde n U n d Heu ch e l- heim. Kein Spaziergänger mehr, selbst Vögel wie Storch, Elster, Wiedehopf und (Äsvogel habeil sich verzogen und können für unsere Gegend als ausgestorben betrachtet werden. Und tvenn nun gar noch das Verbindungsgeleise der Köln-Mindener- mit der Main-Weserbahn fertiggestellt ist, dann ist weiter der schöne freie Blick ins liebliche Lahntal, durch einen hohen Thrhndanttn genommen, das so freundlich im Tal grüßende Allendörfer Wäldchen wird abgehoben und als Aufsüllungsgrund verschleppt werden, und der einsam' daherziehenden Landstraße wird wieder ein Stück Poesie genonlmen. Der Gesamteindrnck Klein-Lindens leidet schwer unter dieser im Bau begriffenen Linienführung und wird nie wieder gut zu machen sein. Festungsartig voll Bahndämmen «äugeschlossen wollen wir doch nicht in einen Dornröschenschlaf verfallen und auf den befreienden Kuß des Prinzen warten, sondern erst recht darüber wachen, daß uns die Zukunft nicht noch mehr einengt und damit Liebe zur. Heimat verleidet. Die Bahlr schafft wohl Leben und Betrieb, aber niemals eine Idylle.
Gerade in unserem Heimatland werden folcfrc Gelvaltakte besonders schmerzlich empfunden. Hessen ist nun einmal das Land per altdeutschen Erinnerungen und waldumrauschter Bauerndörfer. , Es scheint, als habe der tiefgewurzelte Eindruck dieser Erinnerungen die Dörfer und den Bauer an einem von alters hergebrachten lckerbaubetriebe geschichtlich festhalten wollen. Tenn in den ma- lerischeli Fachlverkhäusern, die von einer sorgsam gepflegten, örtlichen .Ueberlieseruilg von Gau zu Gau verschieden gebildet sind, ist der Ackerbau allein der Gebieter der wirtschaftlichen Verhältnisse, denn sich neuerdings die Industrie zugesellt hat. Tie Dörfer unserer engeren Heimat präsentieren sich meist als Straßen- unb Haufendörfer. Sie sind gerne in den Tälern oder auf flachen Erhebungen angelegt: die Häuser drällgen sich zusammen, so daß die Höfe eng werden, die VerbinidlMgSwvge vielfach über den Hof des Nachbarn führen. Die Vorliebe für den Baum ilinerbalb des Torfes, die malerische Wassermühle am Eingang, die Dorflinde, der Zieh und Leierbrllnueu und ein Kranz wohlangelegtcr Gärten, sie alte treten charakteristisch in das Dorfbild ein. Tie Wohnungen mit ihrer Einrichtullg, die Häuser, die Gerätschaften, die Landschaft mit ihren Ruinen und sonstigen Denkmalen der Vergangenheit, Mit ihrer Pflanzen- und Tierwelt sind der Rahnlen, in dem sich das ganze Volksleben abspielt, und empfangen ihren Wert durch ihre enge Verknüpfung mit dem Denken, Fühlen und Handeln des Volkes; »vor sie schützt, will 'dadurch zugleich dem Leben, das dieser Rahmen einschließt, seinen Wert und seine Eigenart bewahren. Die alte Dorflinde mit ihrer weitausladenden Lanbkrone soll in erster Linie nicht deshalb geschützt werden, damit der Städter ans seinem Ausflug einen wohltuenden Eindruck mehr empfängt, sie verdient Schutz um der Menschen willen, die um sie herum wohnen, die unter ihrem Schatten Kühlung finden, die unter ihren Zwergen tanzen und spielen, deren Lied von ihr singt und der-en Sage von rhr erzählt. Wer einen solchen Baum fällt, der zerstört nrcht bloß einen Gegenstand des wohlgefälligen Genusses, sondern
er vernichtet auch ein gutes Stück Volksleben; er zerstört einen Wert, der sich in Zahlen nicht berechnen läßt; er lockert das Band, das den Einzelnen an sein Geschlecht, an seine Heimat, an «'ein Volk knüpft und heilige Erinnerungen, indem er einen ehrwürdigen Zeugen der heimatlichen Vergangenheit, der zu Generationen geredet hat, zum Verstummen zwingt. Und so handelt es sick auch bei dem SchuUe der Volkskunst zunächst nicht darum, Bauernmöbel und Gerätschaften in die Wohnungen und Museen der Städrc zu versetzen, damit sie dort mit und ohne Verständnis angestaunt ivcr- den, sondern es gckt, sie möglichst denen zu erhalten, zu d ren Lebenskreis sie gehören. Geradeso ist es um den Schutz der heim: tchen Tierwelt bestellt. Wenn im Landschaftsbild alles Buschwerk, iede Hecke, jeder Baum! schonungslos entfernt wird, dann ist ein großer Teil unserer gefiederten Freunde und Helfer aus der Vogelwelt vor die entscheidende Frage gestellt: entroeber ausznwandern, oder elend umkommen.
Betreten wir ein Dorf, das weltfern der städtischen Kulturzone wert entrückt rst, so fällt uns zunächst eine gewisse Einheitlickikeit beim Hausbari auf, die bedingt ist durch bestimmte Bauordnungen von ehemals, durch Beschränkung in der htzahl der Werkzeuge, durch Benutzung selbsterzeugter oder von der Heimat dargebotener Materialien (krumme Hölzer beim Fachwerkbau) und nicht zum wenigsten durch eine gewisse Kontrolle, die beim festlichen Bauheben von der ganzen Dorfgemeinde geübt wurde. Hierzu kommt noch der Umstand, daß die meisten Handwerker ihre Arbeit nicht zu Hause in ihrer Werkstatt fertig lieferten, sondern als Kostgänger beim Bauherrn die Zimmer- und Schreinerarbeit in dessen Behausung und unter dessen stetiger Aufsicht anfertigten, so daß ein Sprung in eine neue Formemvelt so gut wie unmöglich war. Wie prächtig stellt sich doch das so entstandene schmucke .Fachwerkgebäude dar mit den geschnitzten Balken, den verzierten Läden, dem überdachten Einfahrtstore, an welches sich ein mit zierlich aus- gestattetem Oberteil versehenes Seitenpsörtchen anschließt!
Oberhessen ist das Land des Holzbaues, da erwächst uns die Pflicht, die altehrwürdigen Zeugen, die uns einen Blick in die Holzbaukunst des Mittelalters eröffnen, auf das sorgfältigste zu erhalten. Ein weiteres Erkennungszeichen unserer oberhessischen Dörfer sind nicht die schnurgeraden, sondern die winkeligen und krummen Straßen, in denen die Häuser gleichsam aus der Reihe hervor- treten, als wollten sic dem Ankömmling einen freundlichen Gruß bieten. Wie einförmig, geschmackwidrig und häßlich wirken die jn den letzten Jahrzehnten angelegten, schnurgercchen Straßen unserer Dörfer mit ihren stillosen Backsteinkasten (ein tragisches Beispiel dazu die Ludwigsstraße in Heuchelheim und Gießen) neben den alten krummen Gassen mit ihren trauten, bunten Fachwerkgiebeln! Und wenn dann mich iwch aus weißem Gefache Inschriften angebracht sind, die von der Erbauung des Hauses .in freier oder gebundener Rede berichten, in einem Bibelspruch oder Gesangbuchvers von dem frommen Sinne und Gottvertrauen des Bewohners Zeugnis ablegen. oder alte Bauernweisheit in sinnigen Reimen wider- spiegeln, die Neider und Spötter zurückweisen, gelegentlich auch einmal in origineller Form dem Vorübergehenden ein Scherzwort zurufen '— dann verdient ein solches Haus, daß man mit wohlgefälligem Blick einen Augenblick vor ihm Halt macht.
Mit demselben Recht, wie das Volk an beu alten Haus namen. festhält, soll man auch auf die Erhaltung der herkömmlichen Straßennamen Bedacht haben. Solche alte Namen haben ihre Eigenart und Bedeutung. Sie sind verwachsen mit dem Ort. zu dem sie gehören. Und nicht nur das, sie haben auch Wert als geschichtliche Urkunden. Bei Benennung neuer Straßen sind in erster Linie die alten Flur- und Gewannamen zu berücksichtigen.
Die letzten Zeugen geschichtlicher Erinnerungen, wie Maucr- refte, Türme, Reste ehemaliger Befestigungen, die schon seit Jahrhunderten als solche ihrem Zwecke nicht mehr dienen, besonders aber diejenigen, welche mehr oder lveniger zerstört sind, müssen die Kennzeichen der Jahrhunderte an sich tragen, die über sie hingegangen sind, müssen auch äußerlich zu erkennen geben, daß sie heutzutage nicht mehr zur Verteidigung benutzt werden, daß sie nur als 'Zeugen einer älterer: Kultur bestehen bleiben und die Spuren der Vergangenheit an sich tragen.
Ganz besonders gilt dies bei Wiederherstellung der alten >tir- chen um die Erhaltung des Baustiles, besonders des charakreristt- schenKirchturmes — oft das einzige Wahrzeichen des Torfes. Wo übertünchte Wandgemälde frei gelegt iverden können, da gilt es, sie von sachverständiger Hand wieder aufzufrischen und zu erneuern, und wenn es auch gerade keine künstlerisch vollendete Darstellungen sind, dann ist es vielleicht eine alte Bauernkunst, die in ihrer Art ebenfalls unserer Schonung und Erhaltung verdient. Mit den alten Glocken im Kirchturm soll nuut nicht so ftieW mütterlich umgehen und sie nicht gleich zum alten Eisen werfen, weil sie dem einen oder andern rvenig harmonisch ins Obr Hin* gen. Die Glocken sind den Dorfbewohnern einmal alte Bekannte, denen inan auch eine Schwäche gerne verleiht. Wie reich ist oft der Sagenkranz, der sich um sie schlingt! Da wird die Glocke zum beseelten Wesen; man liebt und versteht ihre Sprache, man läßt sich von ihr rühren, belvegen, erheben, erschrecken, begeistern, trösten und meistern.
Unsere alten Dorsfriedhöse verdienen ebenso unserer Sorge und Pflege. Ist einer außer Gebrauch gesetzt, dann pflanze man Bäume daraus, Halle die Wege sauber und suche bü* Ganze gärtnerisch zu gestalten. Aber nur dann wirb eine Gemeinde ihrm


