fintoen W^n fort, weil sie sich in Zdürotschiir verpflicht und die Amme mußte man auch bald entlassen, kcll sie unbrauchbar wurde. August Knorreck fand es ganz ln Ordnung, daß Hedwig die Pflege der Baroneß und des kleinen Barons, der den Namen Günther erhielt, weiter überwachte. So hatte sie etwas m tun, und man sparte außerdem einen Dienstboten, auf die doch kein Verlaß war. Auch Frau Knorreck fand daran nichts auszusetzen. Nur als Hedwig durch eine kleine Erkältung Cäciliens gezwungen wurde, eine Nacht im Herrenhaus zu verbringen, legte die Mutter Protest ein.
„Es paßt sich nicht!" behauptete sie energisch. „Was werden die Leute sagen!"
„Was paßt sich nicht?" gab der Inspektor zurück.
„Daß Hedwig mit dem Baron unter einem Dache schläst!" ereiferte sich die Mutter.
„Traust du deiner Tochter was Schlechtes zu?"
„Aber die Leute!"
„Die Leute können mir den Buckel langrutschen!"
Frau Knorreck schlug in ratloser Verzweiflung die Hände Zusammen.
„Das sind Redensarten!" fuhr August Knorreck ärgerlich fort. „Entweder deine Tochter ist ein anständig ges Mädel, dann braucht sie keinen Aufpasser. Oder sie ist es nicht, und dann hilft das Aufpassen nichts. Punktum! Laß die Leute reden, wenn sie nichts Gescheiteres zu tun haben!"
„Aber denk doch," rief Frau Knorreck, säst zu Tränen gerührt, „Hedwig muß sich doch mal verheiraten!"
„Muß?" fragte er zweifelnd. „Das ist ihre Sache. Dummheit, immer gleich das Schlimmste zu denken! .Und wenn sie einer nicht mag, weil sie an zwei unmündigen/ Waisen wie eine Mutter getan hat, dann ist er sie nicht wert."
Dabei dachte er an Thomas Hauschild.
„Sie ist doch nur ein schwaches Mädchen!"
„Das ist sie nicht!" rief August K'norreck überzeugt. „Wosiir ist sie meine Tochter. Und unser Herr Baron ist ein Kavalier."
„Eben deswegen!" trumpfte die Mutter aus und holte ihr Taschentuch hervor, um es an die Augen zu drücken. „Du bist blind. Und was du Hedwig zuviel gibst, läßt du den armen Hugo entgelten."
„Fängst du mir schon wieder damit an!" schalt August Knorreck ungehalten und stand auf. „Das ist kein Mädel, sondern ein Junge, und dem muß man die Zügel ein bissel straffer anziehen. Und hat's nicht gut getan? Jetzt merkt er wenigstens, wie es ist, wenn man sich selbst sein Brot verdienen muß."
„Aber er ist doch unter die Zeitungsschreiber gegangen!" warf Frau Knorreck ein und vergoß nun wirklich eins Träne. „Und wir wissen nicht einmal, bei welcher Zeitung er schreibt. Wenn er nun bei den Ichrecklichen Sozialdemokraten sitzt!"
„Unsinn!" wies der Vater diese grundlose Annahme von sich. „Das Jahr ist ja bald herum. Und wenn er Juli nach Hause kommt, will ich ihm schon den Kopf zurechtfetzen.
geduw?" Corres ergab sich in ihr Schicksal und seufzte
Bald darauf sollte der kleine Baron getauft werden * ^ "K e ? wünschen der Herr Baron als Taufpaten zr laden?" fragte August Knorreck.
_.. Fritz von Winkelberg den Kops in bu
Hände. Er hatte niemand, den er zum Gevatter bitten konnte Seit der Wahl hatte sich sein Verhältnis zu den benachbarten feudalen Grundbesitzern noch verschlechtert
Plötzlich lächelte er verächtlich.
„Was meinen Sie zu meiner lieben Stiefmutter?" fragte er sarkastisch.
August Knorreck stand regungslos.
„Machen Sie einen besseren Vorschlag!" lenkte de, Baron ein.
„Ich habe an Doktor Bielschowsky gedacht"
„Gut!" stimmte ihm Fritz von Winkelberg bei. .Genügt einer?" "
„Wenn der Herr Baron mit mir vorlieb nehmen wollten!" schlug August Knorreck vor.
„Bravo!" ries der Baron und drückte seinem Inspektor dre Hand. Und wenn Doktor Bielschowsky absogen soNte. bitten Sie Herrn Gasfel in meinem Namen."
Das erübrigte sich, denn Doktor Bielschowsky sagte Kn. Mehr Schwierigkeiten waren bei dein Pastor in Luschelau m überwinden, der verstimmt war, daß inan ihn nicht beim Begräbnis der Baronin zygezogen hatte. Doch Mgust Knorreck lvußte ihn zu versöhnen, und die Handlung wurde im Britzkawer Herrenhause vollzogeii. Hedwig trug dcii Täufling, der mit seinen klaren, hellblauen Augen scholl verständig um sich blickte.
Danil verging der letzte, graue Winterschnee. Wieder wühlten die Pflüge den braunen Boden um. Die Frühjahrsbestellung begann. Tie beiden Karpfenteiche wurden mit einsömmeriger Brnt besetzt, die der alte Abraham iil Fässern von Grabosnitze herüberbrachte. Karl Ruppert, der Förster, bepflanzte die kahle Stelle bei Altsorge im Südrevier, wo im Dezember die Fichten gestohlen worden waren, mit kleinen Zöglingen seiner Baumschule. Hinter dein Schweinestall wurde ein Saugattcr angelegt, und der Pferdestall auf dem Vorwerk mußte neu eingedeckt werden. An all diesen Arbeiten nahm Friß von Winkelberg regen Anteil. Mit Aufgang der Sonne schon war er auf den Beinen, schritt^ meist an August Knorrecks Seite, über die Felder, beaufsichtigte die Arbeiter und sand in dieser ununterbrochenen ermüdenden Tätigkeit das Vergessen seines Schmerzes. Er wurde ein Landwirt, wie August Knorreck einer »var, bewegte sich fast nur im Freien, trotzte dem rauhen Märzwind und den Aprilschauern, und seine Gesundheit kräftigte sich zusehends. Und allmählich kam wieder das stille Lachen tit seine Augen. Der Gedanke an den Tod, der das Glück von seiner Seite gerissen hatte, verlor den Schrecken und die Verzweiflung. In ihren Kindern, in seinen Kindern, fand er die Verstorbene wieder. Und er wollte leben! Wirken und schaffen rvollte er fiir sie und Britzkawe halten fiir seinen Sohn.
Thomas Hauschild hatte den Winter gut überstanden. Das Glück im Spiel, das er bei Franz Wiegelt und chei Dtcdeck in Zdurotschin abwechselnd versuchte, war ihm treu geblieben. Sein Reitpferd hatte er bezahlen können. Oesters als vorigen Winter sprang er vor dem Hotel zur Sonns aus dem Sattel, um sich mit feinen Spielgeselten eine Nacht um die Ohren zu schlagen. Selten sah ihn: ein weibliches Auge mit Bewunderung nach. Hier wirkte noch zu stark Karl Zdurotschins Testament. Sogar die drei niedlichen Töchter des Oberförsters Kochalke waren unter die Haube ge kommen. Deshalb auch tvar der diesjährige Fastnachtsball schlankweg ausgefallen. Trotzdem hatte Thomas Hauschild den Winter gut überstanden.
Uni so unfreundlicher ließ sich für ihn das Frühjaho an. Pelagia Dubin, mit der er zuweilen zusammentraf, doch nur in später Nachtstunde, um nichst erkannt zu werden war plötzlich spröde geworden. Sie hielt cs am Abend mit Daniel Zpuppack, der sich vorsichtig drückte, sobald der Herr- Assistent aus dem Plane erschien. Doch Thomas Hauschild wußte ihm für diese Aufmerksamkeit keinen Dank. Er fühlte deutlich, daß Pelagias Sprödigkeit eng mit Daniel Zpuppack Aisammenhing, und nahm sich den Polack besonders aufs Korn, um ihn von Britzkawe wegzubringen. Doch Daniel Zpuppack ließ sich nichts zuschulden kommen, war rührig wie ein Ohrwurm und fleißig wie eine Biene, daß es sogar! August Knorreck auffiel. Mer er bemerkte auch, daß Thomas Hauschild eine Pike auf ihn hatte.
(Fortsetzung folgt.) _ ^ "
Zur pflege des Keimatjinnes.
Von A. B o ß l e r. '" , - ^
_ Ein großer gewaltiger Zug geht durch unsere Zeit. Wie bunt- farbige Blüten bricht es auf, hier und dort, langsamer und schneller, überall in deutsck-en Landen der herrliche Gedanke eines Sich- Selbstbesinnens des deutschen Mannes auf seine in ihrer Eigenart dastehende deutsche Heimat. Gleichsam über Nacht sind die Begriffe Hei mal schütz und Denkmalpflege die wegweisenden Fackelzcichen geworden. Viel ist ja schon von Männern und Frauen geschehen, denen es an rechter Einsicht und zäher Kraft nicht mangelte, um das Deutsche in unserem Lande rvirklich heimisch und allgemeingültig zu machen. In Geschichts- und Altertums- Vereinen, Hnmatvereinen für Kunst- und Wohlfahrtspflege, Ver- saiönerungsvereinen, in Vereinen mr Pflege der Heiniatkunst ist M den letzter: Jahren eine rührige Tätigkeit entfaltet worden, aber die entaegenwirkenden Kräfte sind imnrer noch zu stark, als daß eine allgemeine das ganze Volk ergreifende Bewegung entfteTjert konnte. Was Mt von unseren Vätern ererbt, nnr »vollen es in Ehreir halten; aber nicht nur das, auch mehren und vervolh»


