§ÜN15tag, Otn 19. )UN1
Lurück zur Scholle.
Roman von Ewald Gerhard Seeliger. .
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Weihnachten rückte heran, ohne daß im Befinden der Baronin eine Besserung erngetreten wäre. Aber sie fühlte sich auch nicht kränker. Und Fritz von Winkelbera faßte wieder etwas Hoffnung Auch Doktor Bielschowsky, der jede Woche nur noch einmal nach Britzkawe kam, wurde wiedar rnutrger. Tie schlimme Zeit war überstanden.
Er versprach für eine Wärterin und für eine Amme zu sorgen, wünschte vergnügte Feiertage und fuhr wieder ab.
Aber das Vergnügen blieb aus. Am Abend ließ sich Karl Ruppert, der lange, graue Förster, bei dem Herrn Baron melden und wurde auch vorgelassen.
Er 'machte die Meldung, daß im Südrevier größere Holz- diebstähle vorgekommen seien, und bezeichnete auch den mit yramen, den er deshalb in Verdacht hatte. Es war ein kleiner Häusler aus Umsorge.
„Haben Sie Beweise?" fragte Fritz von Winkelberg.
Der Förster schüttelte den Kopf.
„Wie können Sie dann den Mann verdächtigen!" wies ihn der Baron zurecht, ohne chm weiter weh tun zu wollen. „Er hat ein paar Stangen gestohlen! Was liegt daran? Erwirb ^ine warme Stube haben wollen. Der Wald ist so schlecht, daß er kein Fallholz gibt. Da ist es doch ganz a> klcirlich, daß man ein paar Stangen abschneidet."
„Ja!" stotterte der Förster verblüfft. „Wenn der Herr Baron so denken!"
„Es kommt auf ein paar Stangen nicht an!"
„Wie der Herr Baron befehlen!" erwiderte der starrsinnige Grünrock, dem aber die armseligen Stangen, die er selbst gepflanzt hatte, näher am Herzen standen. „Ich mein halt, wenn mir der Herr Baron das nicht verübelt: wilh ich mein halt, daß es nicht dabei bleiben wird!"
„Abivarten!" rief Fritz von Winkelberg und winkte ab.
Und es blieb nicht bei den Stangen. Drei Tage vov dem Weihnachtsfest entdeckte August Knorreck, daß unten an der Chaussee wohl an die zweihundert zehnjährige Fichten stämmchen abgeschnitten und entfernt worden waren. Wohin sie den Weg genommen hatten, war nicht herauszusinden, denn der Diebstahl lvrir in der Nacht ausgeführt worden. Es waren vor der Weihnachtszeit viele Waggons mit Christ- bäunuhrn nach Breslau und Posen verfrachtet worden. Die Altsorger wollten nichts bemerkt haben.
„Bepflanzen Sie den Fleck frisch!" befahl Fritz von Winkelberg, dem es widerstrebte, den Diebstahl zur Anzeige zit bringen, und der alte Förster zog wieder unverrichteter Sache ab, nicht ohne auf der Treppe mehrmals unwirsch in den grauen Bart zu brummen.
„Wenn es nur dabei bleibt!"
Auch August Knorreck versuchte in dieser Sache vergeblich sein Glück.
„Wir werden den Schuldigen doch nicht finden!" wies ihn der Baron ab. „Ich bin augenblicklich außerst<rnde, mich den Aufregungen eines Prozesses zu unterziehen, zumal, wenn er vergeblich ist."
Und August Knorreck mußte ihm im stillen beipflichten, denn Fritz von Winketberg war in den letzten Wochen gesundheitlich sehr heruntergekommen.
Am Weihnachtsabend schmückte Hedwig für Cäcilie einen Christbaum, und die kleine Baroneß bestaunte mit verwunderten Augen die unbekannte Pracht. Aber zu einer rechten Weihnachtsfreude wollte es im Schloß nicht kommen. Das Leiden der Baronin laa auf allen Anwesenden, und bald verlöschten die hellen Lichter des dunkelgrünen Baumes.
Drei Tage nach Neujahr wurde die Baronin entbunden. Es war ein kräftiger, gesunder Knabe, der das Haus mit seinem Geschrei erfüllte. Doktor Bielschowsky, der schon am Tage vorher gekommen lvar und die Wärterin und die Amme gleich mitgebracht hatte, sreute sich, daß die Geburt ohne die gefürchteten Konrplikationen verlaufen lvar, blieb noch einen Tag und fuhr daun mit Glückwünsclum nach Zdurotschin zurück.
Fritz von Winkelberg hatte einen Sohn. Jetzt erst war er in Wirklichkeit der Besitzer von Britzkawe. Der Majoratserbe war geboren worden!
Die Wöchnerin lag in den weißen Kissen, blaß und frumnt. Es war, als hätte sie den Rest ihrer straft dem Kinde mitgegeben. Sie konnte nicht sprechen. Selten öffnete sie ihre Augen. Wie ein Bild ans Alabaster lag sie da, und ihre Atemzüge wurden immer schwächer.
Ms Doktor Bielschowsky kam, hatte sich scl>on das Fieber eingestellt. Die Kranke begann zu plsantasieren, kranchfartig und wild, als wollte sie sich an das Leben klammern, das ihr zu entschlüpfen drohte. Doktor Biel- sschowsky ließ die Hände ruhen und sah den Baron an. .Da faßte sich Fritz von Winkelberg aufs Herz, schrrxinkte in sein Zimmer und schlug ohnmächtig zu Boden.
Eine Stunde später hatten Cäcilie und ihr kleines Brüderlein keine Mutter mehr. Hedwig brachte das Mädchen, das heftig weinte, ins Inspektorhaus, legte es zu Bett und sang es in den Schlaf
Am Abend des dritten Tages wurde Malvine von Winkelberg durch den weißen Schnee des Parkes zur Gruft getragen. Nur der Baron schritt hinter dem Sarge her. Lange saß er einsam in der Grabkapelle. Tann ließ er die Toten und kehrte zum Leben zurück. Aber er schritt gesenkten Hauptes daher. Das Leid hatte seine Schläfen ge bleicht und um seine Augen scharfe Falten gegraben.
XVI.
Doch das Winkelbergsche Herz hielt stand. Es war stärker als der Gram. Allmählich erholte sich der Baron. Seins Liebe übertrug sich auf die beiden Kinder, die Hebung unter ihre Obhut genommen hatte. Dem: die Wärterin ging nach


