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Inu&te ich einen Umzug machen, ich wollte euren Teil meiner Möbel nach meinem kleinen Landsitz bei Paris bringen. Ich mutzte aber zu zehn Spediteuren gehen, bevor ich einen fand, der dar Umzug übernehmen wollte. Alle erzählten fie mir, datz sie zu wenig Leute Hütten und nicht imstande wären, die leichtesten Möbel fvegschassen zu lassen, der Transport eines Klaviers gehört überhaupt zu den Unmöglichkeiten. Und diese Qvrmen waren nur noch tätig, weil sich die Frauen der Leitung des Geschäfts angenommen hotten; sie versuchten, einige Hilfskräfte unter den Leuten auszubringen, die an Feiertagen auf Urlaub nach Hause kommen oder in ihre Familien zurückgeschickt worden waren, um sich zu erholen. Zimmerleute und Maler konnte ich nur von Zeit zu Zeit erlangen Ter Elektriker und der Tischler kamen einmal einen Tag oder zwei und gingen dann in ihre Schützengräben zurück. Einen Monteur konnte ich überhaupt nicht ausftnden, bis ich endlich einen Italiener entdeckte, der meinen Brunnen auszubessern und meine Gasröhren gründlich nachzusehen imstande war. Auch trieb ick einen Dachdecker aus und zwar einen Spanier, der gerade mlbeschäftiat in Paris umherlies . . . Tapeten oder Leinwand« mit denen Frankreich so reichlich versehen ist, waren nicht zu haben. Zwei Fenster, die während des Umzuges in dem Landhäuschen zerbrochen wurden, konnten nicht ausgebeftert werden, weil Glas in Nordfrankreich oder Belgien fabriziert wird und die Deutschen in unfern Fabriken jetzt für sich arbeiten. Ms der Glaser die Scheiben, die wahrscheinlich aus Amerika über England zu uns gelangen, endlich einsetzte, erzählte er mir, datz die Gärtner dieses Jahr auch ruiniert waren, weil sie für ihre Treibhäuser — es sei denn, für einen unerschwinglichen Preis — kein Glas erhielten, um die Erdbeeren und Melonen zu schützen. Nebenher will ich erwähnen, datz ick für jede kleine Fensterscheibe 6 Franks bezahlen mutzte. Natürlich kommen jetzt auch alles Porzellan, die Spiegel oder Haus- haltungsgogenstände aus England. Da die Provinzen, in denen Zucker gewonnen wird, besetzt sind, so bezahlen wir l 1 /* Franks für das Kilo, und die französischen Hausfrauen werden trotz der reichlichen Obsternte nicht imstande sein, sich für den Winter mit eingelegten Fruchten zu versehen. Ebenso ist es mit den Fischen. Der Preis ist gleichfalls durch die veränderten Lebensbedingungen sehr beeinftußt. Wenn auch die Frauen die Männer in den leichten Formen des Fischfangs vertreten können, so ist es doch nicht möglich. schwerere Fische zu fangen. Ueberdies werden durch die Eisenbahnen, die für Kriegsmaterial in Anspruch genommen sind, nur die Notwendigsten Levensmittel transportiert, so datz Fische, wenn man sie überhaupt bekommen kann, nicht in gutem Zustand nach Paris gelangen und ihr Preis außerordentlich hoch ist. Äne Steinbutte, die in London zwei oder drei Schilling kostet, wird in Paris heute mit ebensoviel Pfund bezahlt.
Ein durch die neuen Verhältnisse in Paris entstandener Be- ruiszweig ist die Trockenreinigung. Die Frauen nehmen diese Reinigungsanstalten viel in Anspruch. Sie schick« ihre Kleider und Blusen immer wieder dorthin und bekommen sie sauber und frisch zurück. Die Preise für diese Reinigung sind jedoch fast unerschwinglich. Kohlen sind auch kaum zu bezahlen. Für den Sack bester Kohlen zahlt rnan 5 Franks und 5,5 Franks. 20 Zentner wür- t*en demnach etwa 80 Mf kosten Ebenso hat der Krieg sehr auf die Mode gewirkt. Eine englische Dame in London fragte mich, ob es wahr wäre, datz in Paris kurze, sieben Ellen weite Röcke getragen würden. Ich antwortete ihr, datz diese, falls die Schneiderinnen sie arbeiteten, kaum von französischen Frauen getragen! werden würden. Tatsächlich sind die neuen Moden nicht aus das Auffallende gestellt, sondern passen sich mehr dem Ernst der Zeit an. Tie tonangebende elegante Frauenwelt hat ihre Autos ft'ir Kriegszwecke heraegeden und aus ökonomischen und Wohltätiqkdits- gründen ist der Omnibus — das einzige Verkehrsmittel für Paris. So ergab es sich, datz die Humorlrücke unpraktisch sind, und die Damen tragen jetzt weite, kurze Kleider Die Einsachh it des Besatzes Hot denselben Grund wie der Schnitt selbst. Vielleicht übt der Geldmangel, der sich gleich zu Beginn des Krieges fühlbar machte, Emnutz aus. Ms die Arbeit aufhürle, mutzte auch der Lohn auf- hüren. Aber heute gibt es Hunderte von reichen Leuten, di? große vermögen aus der Bank haben, und die doch Hungers sterben münen, wenn der Krieg länger dauert: denn es werden keinerlei -rwidenden in Handels- oder Jndustrieunternehmungen gezahlt, und ite können vor dem Ende des Krieges nicht gezahlt werden; man kann aber auch keine Darlehen darauf bekommen und sie mrgends verkaufen."
Die große Zpltzenmode.
Die Wiederkehr einer großen Spitzenmode wird aus Wien ge- Die unaufdringliche Vornebmheit der Spitze, die in dieser Hinucht als Schmuck des Frauen Neides allen anderen Stoffen und Futaten überlegen ist. patzt zum Ernste der Zeit, in der wir leben: dazu kommt, datz die Begünstigung der Spitze zugleich die Förde- runq emer Hausindustrie bedeutet, die natürlich gerade jetzt mit garroiengfeiten ru kämpfen hat Wie ein Bericht in dem Fach- viat:e der „Konfektionär" hervorbebt, feiert das < 2 pitzenkleid einen völligen Triumph. Man bringt zahlreiche SvitzenNeider mit Stufenrocken und reich gebauschten Volants, die überaus anmutig wirken. Sine besondere Neuheit bildet das mit weißer Seide und
Kchristleitung: Aug Goetz - Rotationsdruck und Verlag der Brü
fernem Silberfaden überstickte Spitzenkleid: die glänzende Stickerei hebt sich wirkungsvoll von dem stumpfen Weitz des Grundes ab. Für WaschNeider ist ja die Spitze schon seit Jahren als unver-t gleichlich schönster Schmuck anerkannt: diese Art von Kleidern sind heuer weniger reich und geputzt als in den Vorjahren, wirken aber um so jugendlicher und sommerlicher. Für Wäsche- („Lingerie",-) Kleider bildet Flletspitze den bevorzugten Aufputz, die übrigens auch sehr viel zu drmklen Seidenkleidern getragen, sowie zu Blusen verarbeitet wird. Die Spitzenbluse patzt besonders gut für jene bunten Knüpfe, Halsbänder und Ketten aus Halbedelsteinen, die fetzt so beliebt sind. Schnüre aus Rosenguarz, gemaltem Porzellan oder Kristall, die wie helle Kerlchen in der Sonne leudjk len, bilden gewöhnlich den einzigen Aufputz dieser in sehr einfachem Schnitt gearbeiteten Modelle, die manchmal noch mit einem ärmellosen Jäckchen oder einem Bolero aus dem Rockstoffe zu einem ßanzeii Kleide (einer „Toilette") vervollständigt werden. Für ferne Wäsche ist ja die Spitze schon von jeher der bevorzugte Schmuck gewesen. Tie Mode der durchsichtigen Bluse und der merten^ abstehenden Kleiderröcke hat nun zwei neue Wäschestücke gebracht, die nach der Spitze sozusagen geradezu rufen: das ist das von der Bluse gleichsam ^nur verschleierte Mederleibchen, das ganz aus spinnwebfeiner Spitze gearbeitet wird, und dann der Unterrock mit duftigem Spitzengeriesel, der ja aus älteren Moden noch sehr wohl bekannt ist, oder sicht Jahren, in der Zait der Herrschaft der engen Röcke aus der Mode verbannt war. Schlietz- ttch hat sich die Spitze auch der H ü t e und der Sonnenschirme bemächtigt. Eine typische Erscheinung dieses Sommers ftnd die lose gebundenen, wallenden Spitzenschleier, und die leichten Sonnenschirme werden entweder ganz gM Spitzen hergestellt oder mit einer verschwenderischen Fülle von Spitzen verziert. Und die jetzt so beliebten Kragen sind ja dock) nie so kleidsam und zierlich, alS wenn sie aus duftiger Spitze hergestelll sind».
vüchettisch.
— Die Nationalen Frauenblätter, deren reichhaltiges 6. Heft soeben im Verlag von Knorr L Hirth in München erschienen ist. enthalten nurBeiträgeDeutscherFrauen und erscheinen jeweils am Anfang eines jeden Monats. Der Reinertrag wird dem Wohlfahrts-Ausschuß der Stadt München überwiesen und beruflich tätige» Frauen zugeführt, welche durch den Krieg in Not gerate» sind. Das vorliegende Heft wird eingeleitet durch ein herzlich empfundenes und geistvolles Gedicht von Isolde Kurz: „Vertrauen".
— Hpfinu»gen ii n ö Aussichten für die deutsche ST u n ft n a ch b e m Kriege. Zu diesem Thema, welches unü allen am Herzen liegen »nutz, nimmt nun auch der Generaldirektor der K. Museen in Berlin, Geheunrat Wilhelm von Bode, in den Münchener Mo.wtslieste., .Die Kunst" (Verlag Bruckmann) Stellung, uachden» die Frag« in dieser Zeitschrift schon von verschiedenen anderen Seiten beleuchtet worden ist. Eine Stimme, wie die Wilhelm v. Bode's, mutz unter allen Umständen gehörst werden, und seine Aeußeruugeit werde«» daber in breiten Kreisen größtem Interesse begegnen. — Aus dem Inhalt desselben Heikes möchte,^ wir noch ennge der überaus schon illustrierten Aufsatz« erivähnen, jo über den verstorbenen Dresdener Maler Gotthardt Knehl. von den, banplsächlich Arbeiten ans den letzten Schasse,,«- verwden gezeigt werden; dann den Austatz über die diesjährige Ausstellung der Zt. Akademie der Künste in Berlin, ans der die hervorragendsten Werke in mustergnltlgen Abbildungen gezeigt werden. Und schließlich einen Aussatz über künstlerische Medaillen und Plaketten, die anläßlich deS Krieges entstanden sind: es ist dies der zweite Aussatz über diese« Thema, den die .Kunst" bringt, und dies beweist. wie gut es unsere deutschen Künstler veruanden haben, auf den, Geblete der Medaille den Zenläi,sten Rechnung zu tragen. Was hier geschaffen .norden ist. smd m der Tat Erinnernngszelchen von höchst künstlerischem Wert, denen man eine recht große Verbreitung wünschen möchte, AlS Schlnßanssatz finden wir tu dem Hefte eine sehr uuüangreiche illustrierte Veröffentlichung über daS von Architekt Paul Mebe« erbaute neue Verwaltungsgebäude der Versichern«, >.s.esellfchast Nordstern in Berlin-Schöneberg. Wir lernen da einen Bau kennen, bei welchein sich künstlerische Gediegenheit und Gründlichkeit biS i„S klemste mit einer glänzenden Lösung der praktlschen Bednrs- Nisse verbindet, deren Berücksichtigung bei einem derartigen Ge- schäftSban ausschlaggebend sein muß. Der Bau dars nach dieser Richtung hin in der Tat als ein Musterbeispiel deutscher Baukunst bezeichnet werden.
Logügriph.
»Ei, wie prächtig das jebmeeft!* so sprichst du. mehr noch verlangend. Aendert sich M dann in D, mußt du dich stärken alsbald. Auslösung in nächster Nummer.
Auslösuttg des Silbenrätsels in voriger Nummer: »ebriden — ^.ntigonv — Marsen - -silber — Anielfe — NadMemd;
Hans Andersen.
'scheu Universitäts-Buch, und Cteindruckerei. R. Longe, Gießen.


