Er hatte zwei Flieger ausgesandt, welche die feindlichen Stellungen überschwärmen sollten und die Stärke der der deutschen Linie gegenüberliegenden Truppenmassen erkunden.
Es war eine äußerst exponierte Stellung, die der Kommandeur hier in dem waldigen Gelände auf feindlichen Boden zu halten hatte. Tie dichten Wälder gestatteten dem Feinde zu leicht, seine wahre Truppenmacht zu.verdeckelt und Bewegungen zu verschleiern.
So hatten die beiden Flieger gemessenen Befehl erhalten, möglichst tief herabzugehen und eine Täuschung durch den Feind zu vereiteln.
Wo sie nur bleiben mochten!
Sie muhten doch eigentlich lärrgst zurück sein.
Wieder hoben der Koinmalldeur und seine Offiziere die Gläser und suchten den Horizont ab.
Da erschien plötzlich im Blickfelde ein grauer Punkt, der sich unscheinbar gegen den Himmel abhob.
Nach einer kurzen Spanne Zeit hatten die Herren vom Stabe festgestellt, daß sich der Punkt bewege und vergrößere.
„Das ist einer von unfern zwei Piloten!" sagte der Kommandeur.
„Nun, wir werden ja sehen!"
Die Offiziere verfolgten den Flug des Piloten mit gespanntester Aufmerksamkeit. Das Pünktchen wuchs und kam in raschen: Fluge näher. Noch eine Viertelstunde in dem Tempo, und jer mußte herab sein!
„Donnerwetter! Der führt seinen Auftrag aber schneidig aus!" meinte einer der Beobachter.
„Ja, er geht riesig tief!" ein*anderer.
Plötzlich wurden rings um den Flieger rveiße Wattepilze sichtbar, die wie aus dem Aether aufzuschießen schienen.
„Sie beschießen ihn mit Schrapnells!"
Lange, wcißgrane Flugstreifen streckten ihre gebogenen Finger von allen Seiten hinauf zun: Firmament, als :vollten s:e den kühnen Flieger mit ihren Krallen packen und zur Erde herab- zerren.
„Er hält ebenen Kurs, steuert seine Maschine auch nicht einen Meter höher!"
Mit vermehrter Heftigkeit bellten jetzt die Geschütze von unten gegen ihn an.
Der Kommandeur tvurde nervös.
„Wenn er mir durch diese Feuerhölle bindurchkoimnt!"
Man erkannte jetzt schon durch das Glas die tveitklafternden Schwingen des deutschen Vogels.
Der Offiziers-Pilot schien seine Maschine mit höchster Kraft arbeiten zu lassen. Er schoß pfeilschnell dahin.
Da auf einmal sahen seine Kameraden, wie der Greif unsicher wurde und zu schwanken begann.
Einige Augenblicke stockte ihr Herzschlag, nicht bloß des gefährdeten Lebens ihres Kameraden wegen, sondern sie waren sich auch alle dessen bewußt, lvas von der Nachricht abhing, die jener Tapfere bei sich trug.
Durch das Glas erkannten sie, daß das Schwanzsteuer sich fast senkrecht zur Erde stellte und die Maschine steil aufrecht stieg.
Ein Aufatmen ging durch ihre Reihen.
„Er sucht Höhe zu gewinnen, um tm Gleitflug bis an unsre Vorposten gelangen."
Die Ossi ziere hatten recht.
Der Flieger hatte heftiges Schrapnell- und Maschinengewehrfeuer erhalten. Eine Kugel mußte ihm quer in den Benzinbehälter eingeschlagen sein, den in dem kupfernen Bassin klaffte ein schräger, länglicher Riß, aus dessen Oeffnung das Benzin in dünnem Strahl heraus zur Tiefe schoß.
Mit Geistesgegenwart hatte er erkannt, daß er den Rest des Betriebsstoffes verwenden mußte, um höher zu steigen, um sich dann möglichst lange im Gleitflug halten zu können.
Sein Brennstoff war dagegen schneller ausgeflossen als er befürchtet hatte.
Der Motor lief plötzlich leer, setzte schließlich ganz aus und die Maschine ließ den Führer ihre Schwere spüren. Ehe die er- fordnliche Höhe erreicht war, sank der Riesenvogel im Gleitflug mit Kurs auf die deutschen Linien.
„Er schaffts nicht mehr!" rief der Komnmndant, und biß sich nervös auf die Lippen.
„Wir müssen die Meldung haben, meine Herren. Wer von Ihnen will versuchen,- im Auto den Landungsort zu erreichen? Es hat größte Eile!"
Hauptmann Leutmetzer trat vor.
„Wenn ich bitten darf, Herr Kommandant. Ich bin Herrenfahrer!"
^Glück auf. Kamerad!"
Wenige Minute:: später fauchte ein hundertpferdiger Adlev- wagen die Landstraße hinaus, der feindlichen Linie entgegen.
Hauptmann Leutn:etzer fftzt wie aus Erz gegossen über das Steuerrad gebeugt und starrt vor sich auf die Landstraße, die wie ein graues Bänd unter dem Wagen hahinschtvindet. Bon Zeit zu Zeit blickt er flüchtig auf, wo das Flugzeug in der blauen Kuppel des Firmaments hängt, aber sckion bedeutend tiefer.
In: Fond des Wagens fnlctt drei Infanteristen, das Geivehr entsichert und schußbereit. Ueber den Rand des Wagens schauen nur die^grauüberzogenen Helmspitzen. Die Lederleiste, die rings
herum die Karosserie polstert, dient als Auflage für den Lauf der Gewehre.
Zlvisciien deren schlanken Hälsen streckt ein Maschinengewehr seinen geschwollenen Kropf hervor, bereit, seinen Kugelhagel zu speien.
So geht's in rasendem Tempo dahin.
Es ist höchste Zeit. Ter Kamerad da oben auf seinem lahin- aeschossenen Vogel sinkt jetzt schneller und droht hinter jenem Gehölz niederzugehen.
Aber er hat jedenfalls das rettende Fahrzeug, das unter ihm die Straße dahinkriecht, erspäht. Er ändert seinen Kurs ein wenig ab und hält sich direkt über der Chausier
Ter Feind hat ihn gleichfalls nicht aus den Augen gelassen. Eine Kavalkade Lanzenreiter sprengt daher, um die vermutliche Landungsstelle :wch eher zu erreichen und den Piloten sofort gefangen zu nehmen.
An der Straßenbiegung werden sie des daherbvausenden Fahrzeuges gewahr.
Hauptmann Leutmetzer hat sie schon erspäh:. Er wendet si> während der Fahrt halb nach hinten und schreit seinen Leuten duv das Tosen des Motores zu:
„Salve geben, wenn wir ran sind!"
Sofort nehmen die Soldaten ihre Positionen ein. Kurz vor der Begegnung läßt Hauptmann Leutmetzer seine Masclüne langsamer laufen.
Wie es scheint, »vollen ihn: die Feinde den Weg versperren. Jetzt sind sie 'ran.
„Feuer!" schreit er.
Ein paar Schüsse kracl-en. Er sicht, wie einer Vorn Pferde stürzt und das Tier auer vor ihm die Straße überschneidet. Er stellt de:: Motor auf Höchstgeschwindigkeit.
Ter Wagen schjeßt aufs neue dahin. Tie Rester stieben verblüfft zur Seite, und mit einen: höhnischen Auflachen jagt Haupt- mann Leutmetzer mit seinen Tapferen hindurch.
Ein wahres Pelotonfeuer fnattert hinter ihnen her. Hwisckien das Rascheln und Fauchen des Motores pfeifen Kugeln dicht an seinen Ohren vorbei ihr hämisches: „Ssst! Ssst!" Das Maschinengewehr meckert als Antwort seinen Spitzkugethagel in die feindliche Patrouille hinein. Gr kann den Erfolg zwar nicht beobachten, aber das „Hurra!" seiner Leute genügt ihm.
Fast im selben Augenblicke sieht er auch de:: Piloten mit seiner Maschine schwer zur Erde sinken. Nicht weit von ihm, in: Sturzacker rechts der Landstraße ist er niedergegangen, aus dem Sitze gesprungen und eilt schon auf den Wagen zu, der ihm im letzten Augenblicke Rettung aus der Gefange.nscl)aft bringt und mit ihm sein Flugergebnis ins deutsche Quartier zurücktrage:: wird.
„Glückwunsch, Kamerad!"
Ein.Händedruck.
Ter Pilot ist unverletzt. Er spring: in de:: Wagen. Es ist nicht viel Zeit zu verlieren, denn schon stürmt die feindliche Patrouille tu vollen: Galopv heran, u:ü> eine Infanteriekolonne, die an der Lisiere in Deckung bvrgina, gibt lustig Salvenseuer gegen die Tollkühnen, die es wagen, die Beute so offen und dreist aus ihrer Mitte zu rauben.
Mit geschickten: Kurvenmanöver lenkt Hauptmann Leutmetzer trotz der schmalen Straße.
Nun geht die TodeSfahrt die Straße zurück.
Mit höchster Kraft arbeitet der Motor, mit wahnsinniger Hast speit auch das Maschinengewehr die peifenden Projektile streuend nach rechts und nach links.
Die Pferde der Patrouille gehorchen angesichts des heranstürmenden Ungeheuers, dessen brüllende Hupe aufbegehrend Platz fordert, den. Reitern nicht mehr. Jnstinktmäßig sprengen sie tm letzten Auge:cklick zur Seite, und durch die Lücke saust das Gefährt, dem sicheren Port zueilend, wo die Retter und der Gerettete mit großer Freude und herzlichen Glückwünschen begrüßt werden.
pariser yausfrauenöte.
Wie sehr gerade das tägliche Leben ln der französischen Hauptstadt unter de:: Folge:: des Krieges leidet, läßt eine Schilderung erkennen, die eine in Pariis lebende Danüe in den „Daily News veröffentlicht: „Es ist natürlich, daß die Engländer nicht in denselben Maße unter den veränderten Umständen leiden wie die Franzosen. In London sah ich Männer in jedem Mter, :vie gewöhnlich, schlendernd oder eilig durch die Stadt gehen, und das Fehlen von ein oder zwei Millionen Männern machte sich in dem Londoner Strahengetriebe kcu:m benierkbar. In Paris dagegen habe ich in den letzten neun Monaten keff:en kräftigen Mann in den verhältnismäßig leeren Straßen entdecken können. Ebenso habe ich :n den französischen Provinz stabten nur sehr alte Mäm:cr oder ganz junge Dürschen erblickt. In aanz Frankreich sind die Preise für die Nahrungsmittel bedeuteich gestiegen, Fleisch kostet in Pari- das Doppelte. Das liegt nicht daran, daß kein Vieh vorhanden ist, sonder:: daran, daß die Schl L chter im Kriege sind. Die französischen Frauen habe:: die Männer in allen Enverbszsveigen zu ersetzen gesucht. Gleich zu. Beginn des Krieges haben sie sich den landlvirtschaftlichen Arbeiten gewidmet. aber den Beruf eines SchlächterS könne:: ffe nicht cu^üben. :mil sie kein Vieh töte:: könne::. Ebenso scl)L:^m steht es mit Umzüge n. Bo: einigen


