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Werden. Man hat den Wert des Obstes für die Gesundheit des- Menschen allgemein erkannt, und bei dein diesjährigen Mangel an Gemüse aller Art ist das Obst ein sehr geschätzter Artikel im Haushalte jeder Familie. Es dürfte daher von allgemeinen Inter­esse sein, einmal Vie Kulttirgesckstchte des Obstes etivas eingehender zu verfolgen.

Die Baumzucht ivar in der Urgeschichte der Menschheit ein wichtiger Schritt auf dein Wege %u festen Niederlassungen, erst durch die Baumzucht und mit ihr wurde der Mensch vollständig ansässig. Der Uebergang vom unstäten Hirtenleben zur festen Ansiedelung ist nirgends ein plötzlicl-er gewesen, sondern führte inmiet durch zahlreiche Zwischenstufen hindurch, auf denen die Völker oft Jahrhunderte lang verharrten. Der herumziehende Hirte besät flüchtig ein Stück Land, das er im Herbste ebenso flüchtig aberntet, er wählt im nächsten Frühjahre ein anderes, das er abermals liegen lägt, nachdem, er ihm deir Raub abgenom­men. Hat die Horde sich an einem besonders fruchtbaren Fleck mit ihren leichten Häusern festgesetzt, so ist dock) auch hier nach einigen Jahren der Boden erschöpft, die ganze Gemeinsäiaft bricht auf, lädt alles Beiveglick-e auf ihre Tiere und Wagen und baut sich an einem anderen Orte wieder an. Auch wenn die Ansiedelung eine stetige geworden ist, so ist doch der Begriff des individuellen Eigentums am Boden noch nicht vorhanden, da Acker- und Weide­land gemeinsam sind und jedes Jahr von neuem an die einzelnen Genossen verteilt wird. Einen bedeutungsvollen Schritt weiter bezeickwet schon die Wintersaat, den entscheidenden aber die Baum­zucht: denn mit ihr entstand der Begriff des Eigentums und das Gefühl der örtlichen Heimat. Um den Weinberg, um den Obst­garten wird eine sckKtzende Hecke gezogen, das Zeichen vollen Eigentums. Der Pflanzer leitet die Quelle aus den Bergen herab und um seine Beete herum, und dadurch verwickelt er sich mit seinen Nachbarn in Eigentums- und in Rechtsfragen, die mit durch eine feste politische Ordnung gelöst werden. Schon eine der ältesten politisckien Urkunden, der Bundeseid des delphischen Ämpbiktyonen^ enthielt die Bestimmung, daß keiner der verbündeten Städte das fliehende Wasser darf abgescl-nitten werden, weder im Frieden rwch im Kriege. Auch das Haus, das von Fruchtbaum gruppen umgeben ist, wird auf Jahre berechnet und daher aus Stein erbaut und im Innern ausgeschmückt, selbst die Götter werden edler. Der Hirte, der gelvohnt ist, tieriscl-e Leiber aufzuschneiden, und dessen Poesie in der Vorstellung gräflicher, mit der Steinaxt aufgerisseney Wunden schwelgt, er opfert blutig und roh, der Ackerbauer opfert der Ceres Spelz und Salz, Kränre und Kuct-en, aber erst der Wein machte den harten Ackerbauer mild und heiter und zu dramatischen Spielen ausgelegt, die Olive, der Baum der Mhene, endlich wurde das* Symbol des Friedens. Mit der Baumzuckfl freilich wurden auch die Kriege furchtbarer, weil die Zerstörung mehr Gegenstände fand. Die Hirtenvölker konnten sich mit ihren Herden hinter ihre Wälder und Sümpfe zurückziehen, wie es die Russen 1812 noch machten, indem sie der Entfernung, der Wildnis und dem Klima die Verteidigung überliehen; tvo aber die Menschen in festen, dauernden Häusern unter Weinstöcken, Oet- und Feigenbäumen! wohnen, da kann ein grausamer Feind ein Land auf Menschenalter bin verwüsten, wovon uns die Geschichte aller Zeiten genug Bei­spiele zu berichten weih.

Mit der Einführung der Kultur des Obstbaumes Ivar der Mensch sofort auch darauf bedacht, die Bäume und Fruchte zu veredeln und zu vervollkommnen. Die Obhut und Pflege der Bäume war bei den alten Griechen »zu Homers Zeiten den Schwachen und Greisen anvertraut. Tie Römer verwanden zu diesen Arbeitet semitische Sklaven, die fürs das Kriegs hau dwe ick nicht geeignet waren, aber durch Arbeitsamkeit und 9lusdaner die Obflkultur bedeutend förderten. Blickt man auf die lange Reihe von fruchttragenden Bäumen, mit denen Italien zur Zeit seiner höchsten Macht sich bereick>ert hatte: edle Aepsel und Birnen, Feigen und Granaten, Quitten und Mandeln, Kirschen, Pfirsiche, Maulbeeren, Pflaumen, Pistazien usw., so staunt man nicht über die Aussage Varros, Italien fei ein groher Obstaarten. Diese Umwandlung hatte aber dieselbe Zeit gebraucht, wie die Umwandlung Roms zum Zentrum von Italien und Italiens zur Herrschrin der Welt. Die älteren Griechen kennen die Halbinsel noch als ein Land, das im Vergleich mit ihrem eigenen und dem Orient noch einen nordischen Charakter trug und dessen Produktion l>aupt sächlich in Getreide. Holz und Vieh bestand. Den ziminiscl-en Wald bei dem heutigen Viterbo nörd­lich der Campagne beschreibt Livius nach der Zeit .Alexanders des Großen noch so schrecklich, wie nur die von den Römern später betretenen Wälder Germaniens. An die Stelle solcher Wildnis war eine Waldung orientalischer Obstbäume getreten, und die Ver­mittler dieser Umwandlung waren zum gröhten Teil syrisch Skla­ven, die bald die im Orient von ftühe an übliche Behandlung der Tiere und Pflanzen, die Entmannung, die Circumcision und Bastarderzeugung, sowie das Zustutzen der Bäume und die Ver­mischung der Fruchtarien durch Impfen und Pfropfen auch in Italien einführten und verbreiteten. Die geflissentlich erzeugten Monstrositäten, die sorgfältig betvahrten Naturlpiele, die Künste­leien mit der Kraft des Wachstums, dies alles lvar nur derselbe Trieb in seiner Ausartung, der die Olive und den Dattelbaum ursprünglich fruchttragend gemacht und die Kaprifikation der Feige, die Füllung der Rosen und Violen erfanden hatte. Bald wurden die hohen Bäume in Zwerggestalt und die zarten Früchte in Riesen­

gestalt hervorgebrackft und die Mannigfaltigkeit und Vollkommen­heit der Früchte immer mehr gesteigert.

Das Obst verbreitete sich nicht bloß in Italien, wo es noch bis auf den heutigen Tag auch in der Familie des Armen ein not? wendiger Bestandteil des täglichen Mahles ist, sondern es ging auch hoch über die Alpen in das mittlere und westliche Europa hinüber, wo das Klima bei entsprecherrder Einsicht und Tätigkeit des Kulturmenschen diese Zucht rwch erlaubte. Frankreichs Boden und Himmel erzeugt jetzt das allerfeinste Obst, England hat auch in diesem Zweige die Kultur aufs l-ückiste getrieben, und dem Bei­spiel dieser Länder folgt jetzt Deutschland nach, es operiert durch zioeckmäßige Wabl und Pflege und sucht für den jeweiligen Stand­ort die ihm zusagende Frucht. Was eine sorgsame Pflege und Zucht in der Obstkultur im Freien auch bei uns in Deutschland zu leisten vermcm, darüber erstaunt man, wenn man z. B. den Obst­garten der Käniglick^en Lehranstalt für Obst- und Weinbau in Geisenheim im Rheingau oder den. herrlichen Garten deS Hauses Monrepvs" des vor einiaen Jahren verstorbenen Freiberrn von Lade ebendaselbst besucht, wo als Erfolge gärtnerischer Kunst alle denkbaren Formen des Obstbaumes mit den edelsten, voll­kommensten Früchten unsere alle Verwunderung Hervorrusen. Allenthalben geschieht jetzt bei uns in Deutschland viel für den Obstbau, fast jede Provinnz hat ihre Obstbauschule, jeder KreiS einen Obstbautechniker, der den Obstzüchtern, die meist in Ver­einen zusammengescküossen sind, beratend zur Seite steht und durch Vorträge zur Verbreitung der Obstkulrur aneifert: es wer­den Obstausstellungen veranstaltet, es entstehen Musterobstgärten, die Straßen werden mit Obstbäumen bepflanzt, die fast alljährlich bei den Obstversteigerungcn im Herbste gute Erträge bringen. Immerhin aber ist die Einfuhr von Obst in Deutschland noch sehr groß. Es ist daher sehr ratsam, immer mehr Obstbaumstücke mit guten, dem Boden und dem Klima entsprechenden Sorten an- zulegen, mich im Garten und Hof jeden freien Platz mit einem! Obstbaum zu bepflanzen. Die Länder, in denen der Krieg sich ab­spielt und noch iveiter abspielen wird, werden ihrer Obstbäume zum größten Teil beraubt, das wird nach dem Krieg einen Mangel an Obst Hervorrufen, und durch die vermehrte Nachfrage wird die Preisbildung für den Obstzüchter günstig beeinflußt werden.

Gr.

Japanischer Mesenrettich.

Die Knappheit und Teuerung der Lebensmittel führt in Frankreich zu allerhand Vorschlägen, wie der Ertrag des BodenS besser ausgenutzt und dem Gemüsebau neue Hilfsquellen zugefübrt werden konnten. Man kommt dabei aus eine Anregung zurück, die bereits vor vielen Jahren erörtert wurde, aber heute. in der durch den Krieg geschaffenen schwierigen Laae neue Bedeutung gewinnt. Es handelt sich dabei um die GinWhrnng eines neuen Gemüses von seltenem Nährwert, die dasBulletin agrieole de l'Mgsrie" lebhaft befürwortet. Es ist derDaikon", der javanische Retttch, also keinefeindliche", sondern sozusagen eine ..verbündete" Pflanze, deren ungeheures Wachstum alS eme Artvon organi­schem Gröhemvah^sinn" bezeichnet wird. Mit vier oder fünf Pflgnzen einer besonderen Art aus den Quadratmeter ist man imstanhe, eine Ausbeute von ungefähr 600 000 Kilo pro Hektar zu erzielen, ein Ertrag, der wirklich verheißungsvoll genug ist. Schon die Ausbeute von 100 000 Kilo wäre ja fitr die Landwirt­schaft sehr vorteilhaft. Die Rübe, die kaum einen Ertrag von 15 000 ^der 20000 Kilo pro Hektar bringt, würde durch den Dakkon in den Schatten gestellt werden. An Frankreich sprach man schon zum ersten Male von dem Daikon. Ein Gärtner in Montreuil-sous. Bois wollte ihn einführen. Llber die Versuche, die zu ungünstiger Zeit vorgenommen wurden, ergaben schlechte Resultate, und man gab daher die Anpflanzung des Daikon mif. Spätere Versuche waren erfolgreicher, ohne doch bisher zu einer Da'ikon-Anpflanzung in größerem Stil zu führen. Es gibt drei oder vier verschiedene Arten von Da'ikons. Tue in der Küche ver­wendeten find die größten. In Japan will man sie mindestens 8 oder 10 Kilo schwer haben. Bon den verschiedenen Arten dieser Riesen-Rettiche hat der Nsrima eine Wurzel von maßloser Länge und erinnert an eine Sclflange. Er wiegt 7 bis 10 Kilo und hat sehr zartes Fleisch. Der Sakura-Jiura ist dagegen sehr kurz, sein Anbau erfordert nur geringe Dtühe, man itzt ihn sehr viel, und er ist am ergiebigsten, denn er trägt 600 000 Kilo pro Hektar. Der Daikon, der neben Getreide, Hanf. Erbsen und Bohnen Japan sehr viel angebaut wird, enthält keine Fettstoffe, aber ein wenig Stickstoff, etwas Cellulose und Stärke: er hat einen doppelten Nährwert wie die Rübe und ist als Futtermittel der Mohrrübe und Kartoffel gleichzustellen. Dre nnt Daikon gefüttert« Kuh gibt fette, schmackhafte und reichliche Milch. In China und Japan wirb der Rettich von November bis §lpril gegessen, «r gilt füt besonders gesund, und ein Sprichvort besagt, daß zur Däikonzeit Arzt und Apotheker ivenig zu ttm habest. Er wird gewöhnlich nicht roh, sondern gekocht verzehrt, anher ivenn er als Vorgericht gereicht und dann in Scheiben oder als Salat serviert wird. Man ißt ihn auch gesalzen, mit Reis oder Fisch. Für europäischen Gebrauch empfiehlt ihn dasBulletin agneole" in Salzwasser gewässert und in Stücke geschnitten. Er soll eine Beilage zum Fleisch sein oder auch als Püree gegeben werdlar. Der Geschmack ist schwer bestimmbar, aber angenehm. Es eignet