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Park, der zwar nich.t sehr grost, aber dicht und hoch bewachsen war. Lauschige Winkel, wo man träumen, und stille Gras­plätze, worauf das Auge wunschlos ausruhen konnte, barg er in seinem Frieden.

Fritz von Winkelberg sah mit stiller Freude, wie sein liebes Weib auflebte, und küßte ihr dankbar die bleichen Lippen, bis sie sich röteten. So träumten sie noch einmal den Traum ihrer ersten Liebe und kümmerten sich nich-t um die Welt. Cäcilie störte sie nicht, sie war von morgens bis abends an Hedwias Seite, lies mit ihr durch die Ställe, über den Hof, durch frte Gärten und über die Felder und lernte jeden Tag hundert deutsche Worte, ohne daß sie es merkte.

Eines Abends, als Fritz von Winkelberg mit seiner Gattin wieder durch den Park schritt, erblickte sie plötzlich ein niedriges, dunkles Kuppeldach, das sich fast ängstlich hinter ernsten Zypressen und dunklen Lebensbäumen ver­steckte. Sie sah es jetzt zum ersten Male.

Was ist das?" fragte sie erschreckt und schmiegte sich furchtsam an ihn.

Tie Gruft?" erwiderte er und wollte umkehren.

Ta ruht dein Vater?" ries sie leise.

Und meine Mutter!" sprach er dumpf.

Komm!" flüsterte sie bang, preßte ihr Antlitz an seine Brust, und er fühlte, daß sie schauderte.

Cr umfing sie innig und führte sie zurück.

Von der Terrasse flatterte ihnen das helle Jauchzen Cäciliens entgegen, die dort mit Hedwig Ball spielte.

Dort ist das Leben!" sprach die blasse Frau verzagt und blieb stehen.

Und wir wollen leben!" rief er mutig, und in seiner Stimme lag der Ktang einer frohen Zuversicht.

Leben!" flüsterte sie und schlang ihre weißen Arme um seinen Nacken.Ja, leben will ich! Für dich! Du wirst nächstes Jahr einen Erben haben!"

Ta verschloß er ihr den Mund mit einem langen. Kusse.

Moritz Gassels Obstbäumchen blühten zuletzt, weil sie noch nicht lange genug im Boden standen. Ueberhaupt sah der Garten ein wenig dünn aus. Doch das wurde sich schon mit den Jahren geben! Der Kunstdünger des alten Abraham tat wahre Wunder, besonders bei den Beeren­sträuchern und auf den Gemüsebeeten. Tort wuchs es, was es wachsen konnte. Auch die frischen Spargelpflanzen regten sich fleißig. An dem Pfirsichspalier war zwar nur eine einzige Blüte hängen geblieben, und auch die sah aus, als wenn sie bald abfallen wollte, doch das verdroß Moritz tiVaffel ganz und gar nicht. Die Kraft der Bäumchen schoß um so mächtiger ins Holz. Er hatte augenblicklich ganz andere Sorgen, denn er wartete aus seinen ersten Bienen­schwarm. Aber der wollte nicht kommen, obgleich die Früh­jahrsbrut längst ausgelaufen war und die beiden Korbe ton Bienen überquollen. Den ganzen Sonntag stand Moritz Gasse! auf der Wacht, ohne Erfolg. Er verlängerte die Früh­stückspause am Montag um zehn Minuten. Dann mußte er doch ins Schulzimmer zurück, um den Kindern die Ge­schichte vom Erzvater Jakob zu erzählen. Dabei dachte er fortwährend an seine Bienen, die man vom Klassenzimmer aus nicht beobachten konnte, denn dessen Fenster führten auf die Straße. Aber Fürchtegott Fritscher, der eben mit fei nein klapperdürren Gaul vorbeilenkte, zeigte plötzlich mit der Peitsche nach dem Garten, schrie etwas, streckte den ab­gezehrten Hals durch das offene Fenster und grinste.

Herr Lehrer, die Bienen schwärmen!"

Moritz Gasse! gab den Kindern im Hui ein paar schrift­liche Aufgaben und stürzte Hals über Kopf in den Garten. Um das Bienenhaus schwirrte eine dunteltönende Wolke Und kaum machte sie Miene, sich an dem hohen Birnbaum des Nachbargartens anzulegen, sauste aus dem andern'Korbe ein zweiter Schwarm, der sich noch höher anlegte. Aber Moritz Gasse! holte sie beide herunter und sperrte sie ohne Unfall, ein paar Stiche abgerechnet, in die bereit gehaltenen Wohnungen. Die Schulkinder, denen das Klassenzimmer ein unerquicklicher Aufenthalt war, saßen inzwischen auf dem Gartenzaun als dritter Schwarm. Schulrat Hupfer hatte schon recht: Moritz Gassels Disziplin ließ viel zu wünschen übrig! Ten Kindern schien das Zuschauen, wie die Schwärme eingefangen wurden, wichtiger zu sein, als das Abschreiben. Als Moritz Gassel nach einer halben Stunde ins Klassen- zunmer zurückkehrte, gabs eine strenge Untersuchung und kräftige Verwarnungen. Aber sie ainaen nicht so tief, um

sitzen zu bleiben, denn, der Priigelstecken fehlte noch immer im Jnventarium.

Noch zwei Schwärme kamen, dann setzte die Rapstracht ein, und die Bienen hatten genug zu tun, den Segeii zu. bergen. Jetzt, im Juni, war es eine Lust, durch die Felder zu schweifen, in den Wald hinein mit seinein würzigen! Dufte, seltene Blumen zu suchen und das Leben der großen und kleinen Tierwelt zu belauschen. Und jeden Sonntag­nachmittag marschierte Moritz Gassel. mit seinen Schul­kindern aus dem Dorfe hinaus und lehrte erst gegen Abend zurück.

Und da traf er einmal mit Hedwig zusammen, die an einem solchen Abend in der Jasminlaube hinter der Weiß- dornhecke saß und in den Glanz der sinkenden Sonne schaute, der reis und schwer wie Erntegarben auf dem dunklen Kranze des Waldes lag.

Guten Abend Herr Gassel!" rief sie und sprang auf. Wollen Sie nicht ein bissel hereinkommen-"

Moritz Gassel entließ die Kinder, Jungen und Mädck)en, die sich um ihn drängten, um ihm zum Abschied die Hände zu schütteln, und trat in die Laube. Hedwig machte ihm bereitwillig Platz, indem sie ihre Handarbeiten wegräumte, und sie begannen zu plaudern. Wenn Moritz Gassel seine Schulkinder durch die Felder geführt hatte, war er stets noch gesprächiger als er von Natur aus schon war, und Hedwig konnte sich bald auf das bloße Zuhören beschränken.

Lehrer sein, wär schon ganz schön!" meinte er weise. Wenn man nur die nötige Freiheit hätte. Aber die Un­masse Verordnungen und Verfügungen, die einen aus Schritt und Tritt bedrohen. Da sitzen die hohen Herren am grünen Tische und hecken sie aus. Was anderes haben sie ja nicht zu tun, diese Juristen und Theologen, die keinen Schimmer davon haben, wo uns Lehrer der Schuh drückt. Wenns mir nachginge, ich würde jeden Regierungsrat mff drei Jahre in eine einklassige Dorfschule stecken."

Hedwig ließ die fleißigen .Hände ruhen, beugte sich vor und hörte ihm aufmerksam zu.

Ist es nicht ein Blödsinn," fuhr er eifriger fort,im Sommer die Kinder ins Schulzimmer zu sperren. Warum nicht im Freien Schule halten? Ta kommt aber so ein Superkluger und verfügt: Durch die Umgebung werden die Kinder abgelenkt! Kann es eine bessere Umgebung geben: als die Natur! Und wenn die Kinder schon abgelenkt werden, dann kommt es eben nur davon, daß die Natur und das Leben viel interessanter ist als der tote Lernstoff, mit dem man keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken kann. Und das ist das Aergste! Vorige Woche habe ich den Kindern die Geschichte vom Erzvater Jakob erzählen müssen. Sie steht auf dem Lehrplan. Gerne Hab ichs nicht getan. Denn dieser Jakob ist der Erzvater der Lügenhaftigkeit und des Betrugs. Aus diesen alten Judengeschichten soll man dann noch sittlich religiöse Wahrheiten ableiten. Ist das nicht bodenlos dumm. Ein Kerl, der schwindelt, trüat und stiehlt, der heutzutage einfach eingesperrt werden müßte, wird deü armen Kindern als leuchtendes Beispiel vor Augen geführt. Und der Jakob ist nicht der einzige."

Ja!" sprach Hedwig und nickte zustimmend.Ich Hab diese alten Geschichten alle schon vergessen!"

Da haben Sie den Beweis!" ries Moritz Gassel trium­phierend.Was für einen Zweck hat es, durch solche Dinge das Gedächtnis zu überlasten? Und die Folge davon ist, daß die Kinder in Palästina besser Bescheid wissen als in ihrer Heimat. Die Schule ist eine Strafanstalt. Und das würde schon Sinn haben, wenn das ganze Leben eine Strafe wär. Aber das ist es nicht. Ich freue mich, daß ich lebe! Und wenn sie mich zehnmal bei der zweiten Prüfung durch­fallen lassen, ich geh doch nicht in den Schwedenteich!"

Nein!", rief Hedwig, indem sie ihm die Hand reichte. Ich habe von Ihnen nichts anderes erwartet."

(Fortsetzung folgt.)

3:>r Geschichte der Obstkultur.

Von Jahr zn Jahr spielt in dem Haushalte jeder Familie das Obst eine immer größere Rolle. Der Konsum steigert sich stets! mehr und mehr, die Kunst des Konservierens, des Einmachens und Emkochms des Obstes ist nicht mehr beschränkt auf die Konserven­fabriken, es wird vielmehr in fast jedem Hausl-alie im Herbste eine ganze Menge der versänedensten Obstarten konserviert, um nn Wrnter auf den Tisch zu kommen. Noch größer aber ist die Menge der Acpfel, die im Kälter für den Winter aufbeivahrt