Donnerstag, den 1V. Juni
Lurück zur Lchotte.
Koman von Ewald Gerhard Seeliger.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Und so kam der Mai. Die Saaten schossen in die Höhe, ore braunen Felder wurden grün. Die Kirschen blühten, und tm Park schlugen des Abends die ersten Nachtigallen. August Knorreck konnte wieder ein ivenig aufatmen. Die Kartoffeln saßen im Boden, und die Rüben waren noch nrcht weit genug, daß sie gezogen werden konnten. Wenn das Wetter weiter so günstig blieb, tonnte Britztmve in diesem Jahre dreißig Prozent Brutto abtversen. Um diese Zeit fuhr Fritz von Winkelberg nach Hamburg, um seine Fran und sein Töchterlein heimzuholen. Da er.in der Elle vergaß, sich jeden feierlichen Empfang zu verbitten, traf August Knorreck sofort feine Vorbereitungen. Karl Ruppe rt, der Förster, mußte zwei Fuder Tannengrün l)ergeben, so schwer's chm Mich wurde. Moritz Gaffel dagegen übte mit seinen Kindern gerne einen dreistintmigen Begrüßungsgesang ein. Scbaldus Pohl wurde von August Knorreck nicht in Anspruch genommen. Darüber u>ar er wütend. Thomas Hauschild holte buntes Papier und ein rotes Schild mit den Weißen Buchstaben WILLKOMMEN', aus Zdurotschin und kaufte auch ein paar Böllerschüsse. Eine. Mut von Wasser ergoß sich unter Frau Knorrecks Aufsicht über die Zimmer des alten Schlosses. Vor dem Hoftor erhob sich ein grüner Triumphbogen. Sogar die secki>S Torsmusitanten, die bei Franz Wiegelt zu jedem Tanzvergnügen aufspielten, wurden von August knorreck bestellt.
Und als erst das Telegramm kam, das Daniel Zp-up- pack mit der Kutsche nach Luschelau beorderte, da sprang die Kunde wie ein Lauffeuer durch das Dorf. Moritz Gaffel zog mit seinen Schulkindern auf, die Musikanten kamen angerückt, und vor der Schloßterrafse, auf der zwei blumengeschmückte Stühle standen, drängte sich ganz Britzkawe zusammen August Knorreck hatte sich mit .Hedwig unter dem Triumphbogen aufgestellt, hinter ihm die Tienstleute im Sonntagsstaat.
Als die Kutsche endlich um die Ecke bog und im schlanken Trabe die Dorsstraße herauskam, da begann ein lautes, ungeordnetes Vivatschreien, daß Moritz Gassel die Ohren gellten. Aber er sah nur zu Hedwig hinüber, die ein wertzes Kleid anhatte und einen Strauß blutroter Rosen in der Hand hielt.
„Knorreck!" rief Fritz von Winkelberg, der sofort aus der Kutsche sprang. „Solch einen Aufstand!"
„Befehlen der Herr Barons fragte August Knorreck bestürzt
„Nichts, nichts?" sprach Fritz von Winkelberg und wandte sich an seine Frau, Hie schön und bleich, von der
langen Fahrt ermattet, in den Polstern lehnte. „Bist du imstande, das noch über dich ergehen zu lassen?"
Cie nickte lächelnd, denn sie sah in seinen Augen, daß er sich im tiefsten Herzen über diesen frohen Empfang freute.
Hedwig überreichte die Rosen und sprach ein paar Reime Die bleiche Baronin vergrub ihr Gesicht in die kühlen, duftenden Blütenblätter und reichte Hedwig die feine Hand. Dann sangen die Schulkinder, »vorüber sich besonders die kleine dreijährige Cäcilie, die artig und selbstbewußt neben der Mutter saß, freute. Unter den Klängen der Musik geleitete Fritz von Winkelberg seine zarte Frau aus die Terrasse, wo August Knorreck ein dreimaliges Vivathoch! ausbrachte. Dazu bliefen die Musikanten Ensch, und der alte Förster brannte die vier Kanonenschläge ab.
Und bei jedem Krach fuhr die blasse Frau zusammen. Sie wandte sich au den Baron und bat um seinen Arm. An der Treppe wurden sie von Frau Knorreck empfangen. Hedwig ging mit Cäcilie voran und mühte sich vergeblich, das englische Geplauder des Kindes zu verstehen. Um so besser verständigten sie sich durch Blicke.
Am nächsten Morgen mußte Daniel Zpuppack nach Zdurotschin fahren und Doktor Bielsck>ows'ui holen. Denn die Frau Baronin lag zu Betü Seit Cäciliens Geburt, träufelte sie, und die lange, anstrengende Reise mit dem überlauten Empfang hatten das Uebrige getan. Sck>on zu Mittag »rar der Arzt da, ein noch junger Mann mit guten Manieren und einer glücklichen Hand. Er fand keinen Grund zur Beunruhigung. ©3 war nur eine nervöse Ueberreiznug, nichts weiter. Er verordnete absolute Ruhe, versprach, eine Medizin zu schicken, und Daniel Zpuppack fuhr ihn wieder nach Zdurotschin zurück. Er brachte auch den heilenden Trank.
Und Doktor Bielschon»sky behielt recht. Die Frau Baronin konnte sich bald wieder erheben, wenn das Krankenlager sie auch nicht gestärkt hatte. Sie inachte in ihrer Hinfälligkeit den Eindruck, als hätte sie ihre gesamte Lebensenergie an ihre kleine Tochter gegeben, die lebhaft durch das .Haus und^en Garten jagte und sich immer enger an Hedwig schloß.
Fritz von Winkelberg umgab seine Frau mit aller Sorgfalt und Liebe, deren sie bedurfte. Fast nie wich er von ihrer Seite. Als sich der Mai seinem Ende zuneigte, führte er sie zum erstenmal in den Park, hielt mit ihr Ausschau in das Gelände und zeiate ihr seine Heimgt.
„Gefällt es dir hier?" fragte er sorgsam.
^,Weil ich bei dir bin!" flüsterte sie schwach, denn die Einsamkeit uird Fremdheit der Landschaft ängstigten sie.
Da schloß er sie fest in seine Arme und führte sie ins Haus zurück. Und sie.erholte sich zusehends. An seiner Liebe richtete sie sich auf, seine Sicherheit flößte ihr allmählich Mut und Selbstvertrauen ein. Sie begann sich in der Fremde zurechtzusindeu, suchte mit seiner Hilfe ihre leisen Lauheiten und sanften Reize und wagte sich endlich an seinem Arme in die Wirtschaftsgebäude. Doch dem großen Betriebe war ihre Kraft nicht geivachseu. Lieber erging sie sich im


