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da meldete mir der Gefretc der Pioniergruppe, die am Stollenkops arbeitete, daß dort Spaten- und Hackarbett, sowie Sprechen gehört werde, die Franzosen sich also anscheinend senkrecht zu unserem Gange heranarbeiteten. Ich ließ die in dem Stollen arbeitenden Pioniere ausrücken und blieb Mit den: Unteroffizier Nagel, dem Gefreiten Dürrbek und dem Landwehr-Pionier Amann allein im Stollen. Trübe flackerte das Licht in den Grubenlaternen hin und her, als lecke cs gierig nach den Resten Sauerstoff, die sich noch in der stickigen Grubenluft befanden. Wir verhielten uns ganz leise. Ich legte mich lang hin und horchte mit dem Ohr am Boden und an den Stollenwänden die Umgebung ab. Lange war nichts zu hören. Wenn »virklich Franzosen in der Nähe an der Arbeit waren, so schienen sie in diesen Augenblicken entweder auszuruhen oder aber ebenfalls auf der Lauer zu liegen. Wir vermieden auch das leiseste Geräusch. Endlich hörte ich das 2lufklirren eines Spatens auf einen der vielen fest im weichen Lehmboden kleinen und großen Steine. Es war richtig. Tie Franzosen näherten sich unserem Minengange in fast senkrechter Richtung und es konnte sich nur noch um ein paar Meter handeln, dann mußten sie unseren Gang erreicht haben. Ob die da drüben ahnten, wie nahe sie den verhaßten Deutschen waren? Für uns aber, die wir die Gewißheit hatten, hieß es, sich jetzt schnell und lautlos an die Gegner heranzuarbeiten, um ihnen da§ geplante Ppiel aus der Hand zu nehmen. Beim Lichte einer elektrischen Taschenlampe schrieb ich eine Meldung und zugleich, daß man mir einen Sprengladungs- tresor mit der nötigen Sprengladung und dem Zündmaterial her- schicken solle. Eine gute halbe Stunde, die wir mit pochendem Herzen abwarteten, war vergangen, ehe alles herbeigescyafft war, und dann stellte ich die Frage an die Gruppe, wer freiwillig bei mir bleiben wolle, um den Kampf mit den zu ertvartmdm Franzosen aufzunehmen. Ta war nicht einer von den starkherzigen Männern, der auch nur eine Sekunde überlegt hätte, alle meldeten sich. Ich wählte mir die drei schon oben genannten auS und hieß die anderen wieder abrücken.
Wir Zurückbleibenden entfernten nun leise die Holzverschalung. In die rechte Seitenwand deS Stollens aruben wir mit Hilfe der Seitengewehre, Taschenmesser und Hände ein genügend großes und tiefes Lock) — Spaten und Hacke konnten wir nicht verwenden, da wir ganz leise zu Werke gehen mußten, — und betteten darin die Sprengladung. Dann erweiterten wir den Stollenkopf nach Möglichkeit, daß wir vier bequemer nebeneinander Platz hatten und unsere Waffen gebrauchen konnten. Mit dieser Arbeit war wieder fast eine Stunde vergangen und jetzt hieß eS, abwarten, wie sich die Sache entwickeln würde. Das Geräusch des Arbeitens, in das auch deutlich die Stimmen der sich unterhaltenden Franzosen hineinklang, wurde drnnpf, wie aus weiter Ferne kommend, immer hörbarer. Es konnte sich nur noch um ehre Zwischenwand von einem bis anderthalb Meter handeln, die uns von den sranzöft- schen Mineuren trennte. Fieberhaft waren unsere Sinne und Muskeln angespannt, da wir jeden Augenblick das Durchbrechen der Feinde erwarteten. Ich stand in der Mitte, den Brownina schußbereit, rechts und links von mir kauerten Nagel und Amann, ebenfalls angriffsbereit, und hinter uns stand der Gefreite Dürrbeck, unser sicherster und zuverlässigster Handgranatenwerfer, der den Auftrag hatte. Handbomben in den französischen Grabenteil zu werfen, wenn sch die GeLegmboit böte und wenn wir mit dm Fran- zofm nicht fertig wüdern. ES war ein aufregendes, peinvolleS Mwartm im Finstern, da ich die Lichter hatte löschen lassm, um den Franzosen kein Ziel zu bieten.
Jetzt verstummte daS.Arbeitsgeräufch wicher, aber die Unterhaltung nmrbe lauter geführt. Ich blickte auf meine Radiumuhr am Handgelmk, eS war kurz vor neun Uhr abends.
„Wahrscheinlch Ablösung oder ArbeitSruhe!" flüsterte ich meinm Kameradm zu. Unteroffizier Nagel neben mir ließ seine Taschenlampe ausblitzen, leuchtete rückwärts und griff nach einem Brunnenbohrer, mit dem er jetzt geräuschlos und vorsichtig in den Lehmboden bohrte. Nach nicht allzu langer Zeit gewährte imS ein knapp kirschkerngroßes Loch einen Einblick in dm feindlichen Grabenteil und ließ unS die geführte Unterhaltung erhorchen. In dem von einigen Grubenlichtern trübselig erleuchteten Raum sahen Ivir sieben oder atfjt Gestalten, sowie allerhand Arbeite gerät. Vier oder fünf schienen gewöhnliche Pioniere zu fein; sie batten Spaten oder Hacken in dm Händen und gabm aut die Fragen eines Gmie-Dfftziers Bescheid. Tie anderm Soldaten waren anscheinend UMerofsiziere und Begleiter des Offiziers.
Ter Offizier, der an der Brust eine helleuchtende Laterne stocken hatte, hockte auf einer am Boden st-l-enden Kiste und feuerte die Leute an: „Bravo! Kinder!" hörte ick) ihn sagen, „wmn ihr so weiter schasst, dann sind wir in dreißig Stundm drüben, und
uwrgm Nacht könnm die verd.Prussims die Reise in die
Aust antreten."
. Die Pioniere lachten zustimmend, spuckten in die Hände und schickten sich an, die Arbeit fortzusetzcn. „Jetzt!" flüsterte ich meinen Leuten zu. Wir lvaren bereit. Vier- oder fünfiual hörteir wir die Hacken gegen die Lehmlvaird klatschen, dann fuhr ein' lvuchtig geführter Spatenstich durch die Wand ins Leere und riß tvn letzten Rest der trennenden Schranke nieder. Ich hatte mein Ziel: dreimal hintereinander drückte ich ab, mitten tn das Knäuel der verblüfften Franzosen. Zugleich knallte es rechts und links neben mir und mit katzmartigem Sprunge setzten meine Ncben-^
Männer durch den schmalm Spalt. Ich sah dm französischen Offizier, von meiner Kugel getroffen, seitwärts fallen und einen der an der Wand lehnenden Unteroffiziere zusammenbrechm. Dev zweite rvollte fliehen, stolperte aber mrd schug lang hin. Schon waren wir drübm. Es war ein Schlagen, Zerren, Stoßen, Drängen und Hin- und Herschiebm von nur wmigm Minuten, aber auf beiden Seiteil mit wahnsinniger Erbitterung durchgeführt. Wir blieben Sieger und bei dem winzigm Licht der einzigm franzö, stschen Laterne, die in dem Tumult ganz gebliebm war, sah ich, daß fünf Franzosm tot oder verwundet hilflos am Bodm lagm, während die drei anderm von meinm Leutm geknebelt mürben, Leider aber hatte auch mein braver Gefreiter eine schwere Der* wundung durch einen Svatenhieb erhalten.
Ich löschte jetzt die Lampe, und nur bei dem Scheine meiner Taschmlampe, die ich hin und wioder aufblitzm ließ, wurdm die unverwundeten Franzosen in unserm Grabmteil geschleppt, wä^ rmd ich mit schußbereitem Revolver in der Faust angespannt lauschte, ob das Geknalle die Franzosm angelockt hatte. Nichts rührte sich) nur das Stöhnm der Verwundeten durchdrang die Stille und Finsternis. Da blitzte in unserem Rücken der Schein von Lampen auf: Verstärkung von unserm Lmtm nahte, die von unserem Hauptmann gesandt waren, nachzusehen, wie es mit uns stehe. Einer sauste mit der schnell zugeflüsterten Meldung zurück. Und die anderm halfm schnell und geräuschos die Verwundetes und Gefangmm fortschaffen. Auf französischer Seite regte sich nichts.
Nun gingm wir an die Fortsetzung unseres Werkes. Mit nmer Mannschastsverstärkung war unser Hauptmann mitgekom- mm, und mit schußbereitm Waffen lappten fair dm dun klm französischen Grabmteil mttang, dem französischen Ausgangspunkt zu, mit zählendm Schrittm ausmeffmd, welchen Weg »vir zurück- gelogt. Nach ungefähr siebzig Metern machten wir Halt. Wir mußten nach unserer Rechnung in der Nähe des feindlichen Aus- aangs sein. Eilfertig wurde der Stollm verbaut, unsere mit §00 Kilogramm Sprengstoff geladene Mine zündfertig gemacht und die Zündleitung gelegt. Dann ging's in aller- Hast zurück, und zwanzig Minutm vor Mittemacht flog die feindliche Stellung in die Lust. ___
Die Erdbeere.
Von L. Malten.
Es ist merkwürdig genug, daß diese aromatischste der Beeren- früchte und zugleich ein so nahrhaftes Obst, das alles, was wir zur Erhaltung unseres Körpers brauchen, enthält, verhältnismäßig kleine Kickturm erzielte — oder besser gesagt, diese Kulturen erst seit zwei Jahrzehnten in Aufnahme kämm. Die Erstm, welche Feldkulturm einführtm, waren die Amerikaner und die Schottländer. Dann fing man an, sich im Badischen, am Rhein bei Niederwalluf insbesondere und vor allem im Sächsischm für diese nutzbringende Kulttir zu interessieren.
In den Äissebaudmer Weinbergen, in dm Dörfern entlang der Elbe bei Dresden, in LosckHvitz, Blasmntz, in der herrlichen Lößnitz finden wir ganze Landstriche, die Riesenerträge liefem und ihrm Pflegern reiche Mittel einb ringen. Freilich haben besonders dir sächsischen Kulturm geradezu Weltruf erreicht. , >
Erdbeeren warm schon im Mtertum bekannt, aber erst im 16. Jahrhundert faudm sie in Europa Eingang und die nach immer nmm Sensationen für den Gaumm lüstemm Franzosen schenkten der schönm Frucht nähere Beachtung.
Erdbeerm gedeihen am besten in lnüßig fmchtem humosen Lehmboden. dem rerckstich Sand zugenvessm wird. Darum mag die Mark nickst zuletzt als ein ertragfähiges Land für Erdbeerkulturen gelten. Und wir finden aus den Küchengärten von Werder reiche lickst: Zufuhr für treu Ddillionmmagm von Berlin mrd darüber hinaus. Ihre Anpflanzung lohnt für das kleinste Stückchm Land, das man zur Verfügring hat, trenn sie ist eine der dankbarstm und gar nicht sehr mühevoll.
Unter den Erdbeersvrten für die Tafel sind am reichsten im Ertrage, am aromattschstm im Geschnrack u. a. „König Albert", sehr großfrüchtig „Deutsche Kronprinzessin", ,^xh", urrd „Jüblke", „Helvetica" und unter dm kleineren aber sehr feinm Sorten „Schöne Wimerin" und „Schöne Anhaltinerin".
Am schörrstm ist die frische Erdbeere als Gmuß- und Nähr* mittel, trenn jedes Konservieren raubt ihr von ihrem Aroiwa und von ihrer Farbe. Gekockst verliert sie alles Ansehen und wird zum Verkauf immer gefärbt. Im Haushalt svUte nran ein sehr altes gutes Verfahren anwenden, ivomit man sich aus eine Zeit hinaus noch einen Vorrat sichern kann. Man fülle die möglichst ungo- wasckrenen oder mhckrestms sehr sorgfältig wieder getrockneten Früchte in weite Gläser und gebe sehr feinm aber erstklassigen gepuderten Zucker darunter. Die Früchte ziehen Sirup mrd lverdm leicht Angebunden sortgestellt. Sie behalten auf diese Werse Farbe und Aroma — müssen aber sehr kühl mrd dunkel stehen.
Marmelade von Erdbeeren ist nickst so ausgiebig ivie von anderen Früchten, ihres hohen Nährwertes halber aber znm Ein- kochm sehr zu empfehlen. Saft mrd Konrpott nicht minder.
Der Eisengehalt dieser Friickste wirkt nngelreuer blutbildeicd. Kein Gevtngerer als Linn6 empftehlt sie besonders gegen Fluß und Gickstleiden. Jedenfalls ist sie medizinisch nicht nreniger bc- ackstensnrert als die .Weintraube und Frühjahrskurm mit Chrbi


