Ausgabe 
7.6.1915
 
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Abgemacht!" rief Karl Zdurotschin, dem wieder leicht ums Herz war.Und wenn ich heute nach Hause komme, werde ich sofort mein Testament ändern."

Weshalb denn?" fragte Hedwig überrascht.

Weil eine Dummheit drin steht!" erwiderte er und nahm Hut und Stock.

Hedwig geleitete ihn bis zur Tür.

Jetzt sagen Sie mir nur noch das eine!" sprach er und blieb stehen.Warum Sie sich für den Baron so ins Zeiig legen. Sie müssen doch einen Grund haben."

Gewiß!" flüsterte sie, und ihre Wangen röteten sich wieder.Denken Sie doch, wenn sich der Herr Baron hier auf Britzkawe nicht halten kann, dann verliert Vater getviß seine Stellung."

Karl Zdurotschin nickte, das leuchtete ihm ein.

Gehen Sie nur gleich hinüber!" mahnte sie dringend. Jetzt treffen Sie ihn noch zu Hause. Sagen Sie aber nicht, daß ich Sie geschickt habe. Und um halb eins kommen Sie zum Essen!"

Wie zwei alte, gute Freunde schüttelten sie sich zum Abschied die Hände, Hedwig sah ihm nach,-wie er über den Hof schritt und den rechten Fuß ein wenig nachschleppte. Waldmann begleitete ihn höflich und schaute ihn hin und wieder vorwurfsvoll an.

Hedwig!«" ries die Mutter frohlock^rd und stürzte herein.

Ich Hab ihn sortgeschickt!" lächelte die und wies auf den Hof hinaus. Frau Knorreck stieß einen Schrei aus, als müßte sie ersticken, und fiel auf den Stuhl. Es war ihr un­faßbar, wie man das Glück so mit Füßen treten konnte!

Hab's nicht anders von dir erwartet!" sprach der Vater ruhig, setzte sich in die Sofaecke und studierte das Sulitscher KretSolatt, in dem die neue Reichstagswahl an­gezeigt war. Sie fiel auf den dritten Juli. August Knorreck knurrte unwillig. Der Termin hätte auch ein paar Wochen zeitiger sein können!

In diesem Augenblicke stapfte Karl Zdurotschin zu Fritz von Winkelberg herein.

Ich bin Karl Zdurotschin!" stellte er sich vor.Sie kennen mich doch!"

Dem Namen nach!" lächelte der Baron und wies auf einen Stuhl.

Ich habe gehört," begann Karl Zdurotschin und setzte sich schwerfällig,daß Sie mit Bartenstein und Levisohn in geschäftlicher Verbindung stehen. Hohe Prozente natür- lich. Ich kenne das. Ich biete Ihnen das Geld zu vier Prozent."

Fritz von Winkelberg stutzte und fragte nach Karl Zdu- rotschins Absichten. Der verwickelte sich bald in Wider­sprüche, weil er Hedwig nicht verraten wollte.

Mir ist ganz gleich, wo mein Geld arbeitet!" meinte er leichthin.

Ihr Anerbieten ist sonderbar," erwiderte Fritz von Wrnkelberg und erhob sich.Zunächst ist Britzkawe sozusagen eine faule Sache."

"Das ist mir ganz schnuppe!" sagte Karl Zdurotschir Ich will gar kein Geschäft machen."

Sodann," fuhr der Baron fort, dessen Argwohn steti wuchs,kann ich Ihnen nicht die geringsten Sicherheiten bieten, denn Britzkawe ist Majorat. Äe gehen überhaupt vo aanz falschen Voraussetzungen aus. Ich bin nur Verwalte dieses Gutes für Bartenstein und Levisohn. Liegt Ihne aus irgend einem Grunde etwas an diesen Schiebungen, s wenden Sie sich an diese Herren. Mir kann es ganz gleich gültig sein, in welchen Kanal die Zinsen fließen "

Mir nicht!" ries Karl Zdurotschin und stand auch aul

Das kann ich mir denken!" bestätigte der Baron un trat näher.Sie haben nämlich Absichten, mein werte Herr Zdurotschin. Sie stehen in Verbindung mit der Neben lmie, an die das Gut fällt, wenn ich mich nicht mehr halte kann. Und dafür werden Sie schon sorgen, wenn Sie erj das Lest in den Händen haben."

Karl Zdurotschin machte den Mund auf.

, eg ""cd Ihnen nicht gelingen!" fuhr der Baro

lebhaft fort: ,Letzt bin ich hier, und ich werde diese: Boden verteidigen, bis man mir das letzte Hemd pfände! Und solange ich meinen Inspektor habe, fürchte ich mic nicht. Leben Sie wohl!"

Damit bekam Karl Zdurotschin einen breiten Rücken z sehen und machte den Mund wieder zu. Zwei Minuten späte stand er vor dem Hause.

Komische Menschen! dachte er still bei sich und lächelte. Mer er wollte seinen dicken Kopf schon durchsetzen. War Britzkawe wirklich eine faule Sache, dann hatte es keine Schwierigkeit, die beiden Sulitscher Juden auszukaufen! Die Uhr schlug zwölf. Er schritt über den Platz und fragte nach der »Schule, klopfte zuerst bei Sebaldus Pohl an und ließ sich dann nach der evangelischen Schule weisen.

Hugo aber, der ihn über den Platz gehen sah, drückte sich aus dem Gasthaus nach .Hause und traf Hedwig im Garten, wto sie aus den Frühbeeten etwas Suppenkraut holte. Er wagte gar nicht zu fragen.

Karl Zdurotschin war da?" rief sie ihm entgegen.

Na und?" fragte er beklommen.

Er hat mir einen Heiratsantrag gemacht!" lachte sie. Wie komisch!"

Also hast du mich doch im Stich gelassen!" sprach er und ließ den Kops hängen.

Du bist wohl nicht recht bei Tröste!" lachte sie hell auf und sprang in die Küche.

Moritz Gaffel aber stand vor seinen Bienenkörben und schaute glücklich auf die fleißigen Jmmenjungfrauen, die aus- und einslogen. Jede, die von per Weide zurückkam, trug an den Körbchen der Hinterbeine ein braunes oder gelbes Höschen aus Pollenstaub, denn die Haselnuß hatte schon ihre zarten Kätzchen herausgehängt. Da hörte er Schritte hinter sich und sah «Karl Zdurotschin in den Garten treten.

Wie geht's, Schulmeisterlein!" schrie Karl Zdurotschin schon von weitem.Denk mal an, ich kann mein Geld nicht loswerden."

Das kann doch nicht so schwer sein," lachte Moritz Gajsel und drückte ihm die Hand.Schau mal da drüben die Wirtschaft! Der heißt Fürchtegott Fritscher. Der könnte ein paar Stangen Gold brauchen, daß er wieder in die Höhe kommt."

Menschenskind!" schrie Karl Zdurotschin und schlug ihm hart aus die Schulter.Seid ihr denn in Britzkawe alle verrückt geworden! Willst du mich denn nicht endlich anpumpen!"

Nein!" sprach Moritz Gassel ruhig. ,Hch brauche nichts. Ich bin jetzt provisorisch angestellt und kriege monatlich sechzehnzweidrittel Mark mehr."

Karl Zdurotschin schüttelte nur den Kopf und ließ sich von ihm durch den Garten und das Haus führen. Sie machten auch einen Gang vor das Niederdorf.

Als Karl Zdurotschin nach der Uhr sah, war es schon über eins. Da gingen sie zu Franz Wiegelt, und Karl Zdurotschin bestellte ein Mittagessen. Tann saßen sie bei einer Flasche Mosel wohl eine Stunde im Herrenzimmer. Moritz Gassel erzählte, und Karl Zdurotschin hörte zu und verdaute inzwischen.

Um die Mffeezeit erschien Hugo vor dem Gasthaus. Scheu scch er sich um. ,

Hugo!" schrie Karl Zdurotschin und stieß das Fenster auf.Nur hier herein!"

Und Hugo erschien, ziemlich gedrückter Stimmung, um zu retten, was noch zu retten war.

Ich Hab mein Möglichstes getan!" entschuldigte er sich kleinlaut.

(Fortsetzung folgt.)

Minenkampf.

Einer tatsächlichen Begebenheit nacherzählt von L. Wende.

In den ersten Kricgsmonaten schlugen wir die großen Schlachten mit in Lothringen und um Metz. Dann begann der Zug gegen Verdun. Unsere Division drang immer weiter vor in der CoteS Lorraine, und schließlich besetzten wir die Maashöhen bei Combres. Von dort zog sich unsere Stellung nach Nordosten in die Woövre-Ebene hinein über Marckieville nach Etain. Tie Bedeutung der Combres höhen als fester Flankenschutz wurde uns klar. Wir schanzten ol>ne Rast und stellten ein festes Bolliverk her gegen den Feind. Ter Tag, an dem die Höhen der Sclxrw- platz blutigen Ringens werden sollten, mußte kommen. Ter Brigade­befehl befahl ein festungskrieaartigef Vorarbeiten, und unsere Pio­niere schoben neben den Sappen unterirdische Minengänge gegen die stark ausgebauten Feldbefestigungen der Franzosen vor. Die Ruhezeit war sehr kurz bemessen: bei Tage Arbeitsdienst, bei Nacht angestrengtester Wachtdienft, die Mit war also außerordentlich schwer. Dazu hatte man die Gewißheit, daß unsere Gegner sich mit demselbeii Plane trugen und untz durch Minengänge betkomrneu wollten Wir waren also auch nicht sicher davor, eines Nachts ahnungslos in bte Luft zu fliegest. Schon hatten wir, 10 Meter unter der Erde, unseren Minenstollen 120 Meter weit vorgetrieben.