1915 - Nr. 87
Zurück zur Schotte.
Vwmon von Ewald Gerhard Geeliger.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
~ Dbr Inspektor stand, als hätte ihn jemand vor den Kopf getroffen. Er ließ seine Augen von seiner Frau zu Karl Zdurotschin wandern und schüttelte langsam den brerten Schädel.
I)nd doch nicht etlva dagegen?" ries Karl Zdurotschin bestürzt.
„Komm?" sagte August Knorreck zu seiner Frau und verließ mit ihr das ^Zimmer. Karl Zdurotschin blieb allein. Er schaute in den Spiegel und bemerkte, daß er ein sehr verblüfftes Gesicht machte. Dann hörte er Hedwigs Schritte im Hausflur und hörte den Vater sagen: „Herr Zdurotschin ist drin. Er will mit dir sprechen!"
_ /'?$' tvie schön?" rief Hedwig und eilte herein, gab Zdurotschin die Hand und hieß ihn willkommen. „Sie bleiben doch zum Mittag bei uns. Es gibt Schweinsbraten mrt Dampfkraut und polnischen Klößen, .Hugos Lieblinqs- gericht. Mögen Sie das auch!"
„Deswegen bin ich nicht hergekommen," sprach Karl Zdurotschin ernst und reckte sich auf. „Ich wollte Sie nur fragen, ob Sie meine Frau werden mögen?"
Hedwig wich einen Schritt zurück, noch einen, ihre Augen weiteten sich, sie mußte sich an den Tisch lehnen. Dann preßte sie plötzlich das Taschentuch vor das Gesicht, sank aufs Sofa zurück und sing an zu lachen. Und sie lachte, daß sie fast von Atem kam.
Dieses Lachen aber war für Karl Zdurotschin gar nicht lustig, er verlor darüber seine anfängliche Sicherhett, knickte zusammen und hing betrübt aus dem Stuhl.
-„Es ist mir Ernst mit meiner Werbung, Fräulein Hedwig!" seufzte er. „Ich habe drei Millionen!"
Doch damit war Hedwigs Lachen nicht zu dämpfen. Aufs tiefste gekränkt erhob sich Karl Zdurotschin, griff zu Stock und Hut und wollte das Zimmer verlassen. Aber Hedwig vertrat ihm-den Weg.
,/S-cien Sie mir nicht böse!" bat sie ihn und wischte sich die Träne ab. „Aber ich konnte wirklich nicht dafür. Ich Hab halt plötzlich so einen Lachkrampf gekriegt, und da könnt ich mich nicht halten."
Damit inahm sie ihm Hut und Stock aus den Händen und brachte ihn wieder auf den Stuhl zurück. Da saß cfc denn, und seine Hoffnung war zunichte. Doch er war so weich- mütig und so versöhnlich gestimmt, daß er ihr beim besten Willen nicht zürnen konnte.
„Sehen Sie mal, Herr Zdurotschin," flüsterte sie und rückte näher, „ich bin Ihnen ja ganz gut, ich weiß, daß Sie ein herzensguter Mensch sind, aber heiraten kann ich Sie Nicht. Das müssen Sie doch einseben."
Eigentlich sah er es ein, und doch wunderte er sich darüber, daß er nicht wütend wurde und alles in kleine Stücke hieb. So hundsmiserabel war ihm zumute. Jetzt nämlich, wo er den Korb in Händen hielt, ward er sich seiner großen Dunnnheit bewußt.
„Aber ich Hab drei Millionen!" preßte er sich endlich heraus.
„Ich kann wirklich nicht?" beschwor sie ihn. „Ich mag überhaupt nicht heiraten."
„Ach so!" nickte er hoffnungslos. „Und ich dachte, Sie hätten schon einen andern!"
Hedwig schüttelte den Kopf und wurde ein wenig rot.
„Aber warum haben Sie mich denn eingeladen?" fragte er ratlos.
„Das will ich Ihnen sagen!" flüsterte sie und rückte noch näher, was ihm außerordentlich angenehm war. „Sie haben doch drei Millionen!"
Karl Zdurotschin nickte bedeutungsvoll.
„Nun meine ich," fuhr sie listig fort, „es muß doch sehr schön sein, wenn man mit diesem Gelde so ein recht gutes Werk tun könnte."
„Hm?" machte Karl Zdurotschin nachdenklich. „Leisten könnt ich mir's schon!"
„Nämlich," sprach sie leise und legte ihre Hand schmeichelnd aus seinen Arm, „unser Herr Baron hat so viel! Schulden bei Bartenstein und Levisohn in Sulitsch. Dem sollten Sie helfen! Er ist ein lieber, guter Mensch, gar nicht so wie die andern."
„So?" meinte Karl Zdurotschin argwöhnisch, denn seine Eifersucht witterte sofort einen Nebenbuhler. „Für den interessieren Sie sich ja mächtig!"
„Ach, was Sie wieder denken!" rief sie errötend und ließ seinen Arm fahren. „Er ist j«a längst verheiratet!"
„Na so!" beruhigte sich Karl Zdurotschin schnell. „Wenn's Ihnen eine Freude macht, will ich die beiden Sulitscher auskaufen. Mer etwas müssen Sie mir versprechen. Ich seh ein, daß ich« zu alt bin zum Heiraten. Mer Ihre Freundschaft werden Sie mir nicht abschlagen!"
„Gerne!" rief Hedwig und reichte ihm die Hand..
„Ich Hab nämlich keinen Menschen auf der ganzen Welt, der's aut mit mir meint," bekannte Karl Zdurotschin, und es sieb ihm unter dem Schutz von Hedwigs klaren Augen gar nicht schwer. „Me meinen sie mein Geld."
„Ich doch auch!" sagte sie schnell.
„Nein!" wies er sie freundlich zurück. „Das ist lvas anderes. Ihnen bin ich nun einmal gut! Dagegen läßt sich nichts machen. Und ich werde jetzt alle Wochen ein oder zwei Mal nach Britzkawe kommen. Und dann setzen Sie sich immer neben mich, danrih ich wenigstens etwas von Ihnen habe. Und dann müssen Sie mir versprechen, sich nicht eher zu verheiraten, bis ich tot bin."
„Das kann ich Ihnen versprechen!" sagte sie fest und nahm seine Hand.


